Lebenslauf wie umfangreich?

Von: , Frage gestellt am Fr, 25. Jul 2003

Hi,

ich überarbeite grade meinen Lebenslauf. Nun stellt sich mir mal wieder die Frage nach der Detailtreue. Ich bin der Ansicht, besser übersichtlichlich aufzuzählen und nur halbwegs wichtige Zeiträume zu nennen. Andere sprechen von "lückenlos", was micht etwas iritiert.

Berufliche Ausbildung z.B. fängt bei mit mit dem Abschlußgymnasium an, dann Berufsausbildung, Zivildienst, Studium. Fachfremde Jobs von 1-2 Monaten sind doch echt unwichtig, oder? Nach dem Studium war ich kurz (~1Monat) arbeitslos, dann 2,5Monate befristet (fach"nah", aber nicht als Akademiker) beschäftigt. Muss man das wirklich ALLES aufzählen? Hinzu kommen natürlich noch die fachnahen Nebenbeschäftigungen während des Studiums die ich nennen MÖCHTE.

Ich finde das ergibt zuviel Text. Was kann ich weglassen ohne Zweifel zu ernten?

Kann man unter "Sonstige" Kenntnisse auch eigentlich fachfremde Dinge wie bei mir z.B. LaTeX (Satzsystem) nennen um die eigene Bereitschaft zu zeigen, sich mal was "ganz neues" zu erarbeiten?

Grüße,
Jame~

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Lebenslauf wie umfangreich?

    Hi,

    ich überarbeite grade meinen Lebenslauf. Nun stellt sich mir
    mal wieder die Frage nach der Detailtreue.
    Hallo Jame,

    die Anforderungen an den Lebenslauf:
    - lückenlos, chronologisch schlüssig, übersichtlich
    - klassisch/konventionell: Bewerbungsphoto oben rechts
    (es gibt dazu die Alternative: Deckblatt mit Photo)
    - aussagekräftig (bezieht sich auch auf die ausgeschriebene Stelle)
    Dazu gehört vor allem - und das machen wenige Bewerber - , dass
    man zur jeweiligen Position einen kurzen, informativen Satz zur
    Aufgabe/Funktion schreibt.
    - Datum und eigenhändige Unterschrift
    Das Datum ist identisch mit dem Datum des Anschreibens (!)
    - Der Lebenslauf soll mit den anderen Bewerbungsunterlagen harmo-
    nieren, sprich: eine Einheit bilden.
    - Die Berufserfahrung wird durch die Arbeitszeugnisse "bewiesen"
    (Verfügt jemand über viele Arbeitszeugnisse, z.B. aus den letzten
    20 Jahren, werden nur die beigelegt, die die letzten fünft Jahre
    "abdecken" bzw. solche, die für die Stelle sehr wichtig sind.

    Durch die Unterschrift wird der Lebenslauf zu einer Urkunde, d.h. die Unterschrift bezeugt die Richtigkeit der von Dir gemachten Angaben.

    Umfang:
    - bei Berufsanfängern dürfte i.d.R. eine Seite ausreichen
    - bei Berufserfahrenen dürfte die zweite (ja sogar die dritte Seite)
    sinnvoll sein. Immer gilt: übersichtlich, logisch und ansprechend

    Ohne Deinen Lebenslauf genau zu kennen, fällt eine Empfehlung schwer.
    Nur so viel: Der Lebenslauf soll lückenlos sein, d.h. aber nicht, das man alle Tätigkeiten angeben muss/sollte. Hier ist ggf. eine gute Auswahl bzw. Akzentuierung (stellenbezogen) erforderlich.
    Tipp: statt TT.MM.JJJJ anzugeben kann man kleine "Lücken" durch die Angabe von (lediglich) MM.JJJJ überbrücken. Auf keinen Fall: nur mit JJJJ - JJJJ arbeiten - das weiß jeder Personaler, dass jemand "unvorteilhafte" Zeitverwendungen kaschieren möchte.

    Falls Du über Erfahrunge/Fähigkeiten/Stärken verfügst, die den Rahmen des Lebenslaufes "sprengen" würden bietet sich folgende Lösung an:
    entweder (kurz und knapp) ins Anschreiben o d e r (bessere Alternative): Erstellung einer ausdrucksstarken Extra-Seite (der berühmten Dritten Seite).

    In der bekannten Bewerbungsliteratur findest Du genügend Beispiele, so z.B. bei Hesse/Schrader, zwei Autoren, die viel zum Thema veröffentlicht haben.

    Übrigens: eine gelungene Bewerbung zu schreiben, die sich deutlich von den (geschätzt) 80 % abheben, die keine echte Motivation erkennen lassen, ist Schwerarbeit. Anstrengung ist in diesem Sinne also erforderlich.

    Viel Erfolg und: Grüsse aus Lüneburg

    Heiner Gierling

    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re^2: Lebenslauf und Bewerbung

      Hallo Heiner,

      vielen Dank für deine hilfreiche und ausführliche Antwort!

      Ich habe gestern noch mal einige Stunden damit verbracht, meinen Lebenslauf zu überarbeiten. Dabei ist mir noch so einiges aufgefallen.
      "Schwierig" wird es leider, da mein Leben nicht so gradlinig verlaufen ist und trotz dessen, dass ich Berufsanfänger bin nicht mit Grundschule, Gymnasium, Lehre, Zivildienst, Studium beschrieben werden kann.

      Viele Dinge sind "gleichzeitig" gewesen (Studium, wichtige Jobs, Fachschaftsarbeit), so dass sich keine lineare Chronologie darstellen lässt :( .

      Ein paar konkrete Fragen:
      -werden grundsätzlich die erreichten Abschlüsse genannt? Also "Gymnasium mit Abschluss Abitur", "Ausbildung mit Abschluss Facharbeiterbrief", "Studium mit Abschluss Diplom"

      -Zur Erlangung meiner Diplomarbeit war ich in einem Unternehmen angestellt. Die Tätigkeit dort entspricht dem, worauf ich mich grundsätzlich bewerben möchte. Gruppiere ich diesen Zeitraum unter der Überschrift "Studium" (war ja Teil dessen) oder "Berufsrelevante Tätigkeiten"? (Oder soll es gar garnicht erwähnt werden?)

      -Ebenso meine berufsnahe Tätigkeit in der Fachschaft?

      -Ich habe während und kurz nach dem Studium "berufsnah" (quasi als Elektroniker, nun bin ich Dipl.-Ing. für Elektrotechnik) mehrmals im selben Unternehmen "gejobbt". Ist es sinnvoll zu meinem ersten, sehr guten Arbeitszeugnis noch ein sicher ähnliches aber aktualisiertes beizulegen? Auch wenn es gar keine Anstellung als Akademiker war? - aussagekräftig (bezieht sich auch auf die ausgeschriebene
      Stelle)
      Dazu gehört vor allem - und das machen wenige Bewerber - ,
      dass
      man zur jeweiligen Position einen kurzen, informativen Satz
      zur
      Aufgabe/Funktion schreibt.
      Hmm, sehr schwierig. Macht den Lebenslauf leider schnell sehr unübersichtlich. Ich habe jetzt als Berufsanfänger, aber wie schon gesagt mit vielen Nebentätigkeiten, zwei Seiten komplett voll. Etwas zu viel, oder? Dafür habe ich jetzt relativ viel Überschriften (9!) um die Übersichtlichkeit zu erhalten.


      Wie bewertest du eigentlich die Wichtigkeit von Bewerbungsmappen? Reicht ein _ordentlicher_, als solcher verkaufter Bewerbungs-Schnellhefter aus? Geiz ist ganz sicher nicht angebracht, aber wo ist das Optimum zwischen Tacker und Ledermappe? Ohne Deinen Lebenslauf genau zu kennen, fällt eine Empfehlung
      schwer.
      Ich könnte ihn dir zukommen lassen, über eine Bewertung würde ich mich sehr freuen. Wäre ein pdf-format (oder gar StarOffice) recht? Falls Du über Erfahrunge/Fähigkeiten/Stärken verfügst, die den
      Rahmen des Lebenslaufes "sprengen" würden bietet sich folgende
      Lösung an:
      entweder (kurz und knapp) ins Anschreiben o d e r (bessere
      Alternative): Erstellung einer ausdrucksstarken Extra-Seite
      (der berühmten Dritten Seite).
      Ich habe zweifelsohne solche Fähigkeiten, da ich schon oft in Unternehmen gearbeitet habe (nicht "nur studiert") und durch meine Fachschaftsarbeit viel an fachnaher und sozialer Kompetenz erlangt habe. Von der "Dritten Seite" habe ich noch nie gehört, hast du ein Beispiel im Netz?

      Ganz allgemein muss ich feststellen, dass ich mich leider sehr schwer tue mit der Umsetzung meiner Bewerbung. Gerne würde ich mir professionell helfen lassen, habe aber im Internet nicht das passende gefunden. Kennst du Adressen im Kieler Raum? Was hälst du vom Training des Arbeitsamtes? ;)

      Vielen Dank und Grüße,
      Jame~

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Lebenslauf und Bewerbung

        Hallo Jame~,

        ich habe Dein Posting gelesen und schicke Dir eine Mail.

        Grüsse aus Lüneburg

        Heiner Gierling

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Lebenslauf und Bewerbung

        Hallo Jame~,

        auch wenn ich nicht Heiner bin, kann ich vielleicht etwas dazu beitragen: "Schwierig" wird es leider, da mein Leben nicht so gradlinig
        verlaufen ist und trotz dessen, dass ich Berufsanfänger bin
        nicht mit Grundschule, Gymnasium, Lehre, Zivildienst, Studium
        beschrieben werden kann.
        So ähnlich ist es bei mir gelaufen, nur dass das Studium um 10 Jahre "verspätet" war. Ein paar konkrete Fragen:
        -Zur Erlangung meiner Diplomarbeit war ich in einem
        Unternehmen angestellt. Die Tätigkeit dort entspricht dem,
        worauf ich mich grundsätzlich bewerben möchte.
        Dieses Thema habe ich nach meinem Studium grundsätzlich im Bewerbungsschreiben aufgegriffen. Etwas Besseres als Aufhänger, warum Du Dich gerade um diese Stelle/bei diesem Unternehmen bewerben möchtest, als dass Du es im Rahmen Deiner Ausbildung gerade eben vertieft hast, gibt es überhaupt nicht.

        Gruß, Karin

        • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Lebenslauf und Bewerbung

          Hallo Karin :)

          danke für dein Posting! So ähnlich ist es bei mir gelaufen, nur dass das Studium um 10
          Jahre "verspätet" war.
          Wenn ich so meinen Lebenslauf mit denen in Musterlebensläufen vergleiche, verliere ich schon manchmal den Mut :( . Andererseits hoffe ich dann immer, dass Arbeitgeber erkennen können, dass man sich anders als andere sein Studium sehr hart erarbeiten musste. Hoffentlich tun sie das... Dieses Thema habe ich nach meinem Studium grundsätzlich im
          Bewerbungsschreiben aufgegriffen. Etwas Besseres als
          Aufhänger, warum Du Dich gerade um diese Stelle/bei diesem
          Unternehmen bewerben möchtest, als dass Du es im Rahmen Deiner
          Ausbildung gerade eben vertieft hast, gibt es überhaupt nicht.
          Eben deshalb gefällt es mir auch nicht, dass meine Diplom-Arbeit in meiner aktuellen Version des Lebenslaufes so weit hinten steht...

          Wo arbeitest _du_ denn mit deinem Diplom wenn ich fragen darf?

          Viele Grüße,
          Jame~

          • Antwort von nach 3 Tagen 0 hilfreich
            Re^5: Lebenslauf und Bewerbung

            Hallo Jamme~ :)
            danke für dein Posting!
            Bitte, bitte. So ähnlich ist es bei mir gelaufen, nur dass das Studium um 10
            Jahre "verspätet" war.
            Wenn ich so meinen Lebenslauf mit denen in Musterlebensläufen
            vergleiche, verliere ich schon manchmal den Mut :( .
            Nun: Abitur, 1 Jahr Au-pair Brüssel, 6 1/2 Jahre in 3 verschiedenen Jobs, daneben Wirtschaftswisenschaften an der Fernuni Hagen in Sand gesetzt, dazwischen auch mal arbeitlos, Mutter geworden und 3 Jahre zu hause

            und dann Studium der Elektrotechnik, an der FH 13 Studiensemester gebraucht (ja das Kind..) Das ist auch nicht wirklich ein Muster-Lebenslauf. Andererseits hoffe ich dann immer, dass Arbeitgeber erkennen
            können, dass man sich anders als andere sein Studium sehr hart
            erarbeiten musste. Hoffentlich tun sie das...
            Bei mir erwähnte nahezu jeder, dass doch wirklich ein besonderes Engagement hinter {meiner} Leistung stecke. Dieses Thema habe ich nach meinem Studium grundsätzlich im
            Bewerbungsschreiben aufgegriffen. Etwas Besseres als
            Aufhänger, warum Du Dich gerade um diese Stelle/bei diesem
            Unternehmen bewerben möchtest, als dass Du es im Rahmen Deiner
            Ausbildung gerade eben vertieft hast, gibt es überhaupt nicht.
            Eben deshalb gefällt es mir auch nicht, dass meine
            Diplom-Arbeit in meiner aktuellen Version des Lebenslaufes so
            weit hinten steht...
            Darum, wie gesagt: Ins Bewerbungsschreiben damit! Das lesen die Personaler noch vor dem Lebenslauf! Wo arbeitest _du_ denn mit deinem Diplom wenn ich fragen darf?
            Ich bin damals auf die Sprachbegabung, die ich auch noch habe, ausgewichen und treibe mich seit 13 Jahren in verschiedenen Firmen als Technische Redakteurin herum.

            Gruß, Karin

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