Zuviel Stress im Job

Hallo zusammen,

da ich in den anderen foren immer gute ratschläge bekam, möchte ich auch hier mein glück versuchen.
vielleicht hat der eine oder andere einen rat fürmich.
kurz zur lage:
bin 32, seit mehreren jahren im vertrieb für konsumgüter tätig. ich mag meinen job, bin erfolgreich und verdiene gutes geld.
nun habe ich seit ca. 1,5 jahren bluthochdruck,und bin deswegen in ärztlicher behandlung. wie ich feststellte ist der bluthochdruck nicht organisch, sondern psychisch bedingt.
mein problem ist, dass ich einfach manchmal nicht mehr abschalten kann, im bett grüble und nicht einschlafen kann
zudem bin ich seit einem jahr in einer firma, in der es immensen druck gibt, soetwas habe ich noch nicht erlebt.
ich habe sehr lange arbeitszeiten ( ca. 13 -14 std täglich),nun habe ich etwas abstand durch knapp 3 wochen urlaub und möchte ab morgen „alles besser machen“
im moment ist es so, dass ich 2x die woche übernachte, dann nach hause komme,kurz mit meiner frau und tochter zu abend esse und mich dann für stunden in mein büro verziehe.
ich habe eine sehr verständnisvolle frau, aber ich möchte nicht ständig meinen job vor meine familie stellen.
nun habeich schon versucht, nach hause zu gehen und den job für 2 stunden ruhen zu lassen, aber es geht nicht, gedanklich bin ich nur bei der arbeit.es kotzt mich an…ich kriege einfach job und familie nicht geregelt.
ich bin der meinung es muss einfach möglichkeiten geben wie ich trotz des gewaltigen arbeitspensums noch etwas mehr freizeit bekomme, oder?

wäre klasse wnn ihr mir tips, internetseiten oder sonstiges geben könnt.

vielen dank im voraus.

olli

Hallo „olli“,

was würde passieren,

  1. wenn Du Deine Arbeit so einteilen könntest, dass Du wöchentlich oder vierzehntägig Freitags frei machst? Sprich doch mal mit Deinem Chef darüber.
  2. wenn Du Dir (falls Du es noch nicht machst) einen körperlichen Ausgleich suchst: z.B. Yoga, Mediation Tai Chi oder ähnliches. Vermutlich mußt Du Dir dafür feste Termine setzen, damit Du diesen Ausgleich auch wirklich „durchhälst“. Ich habe hier bewußt keine Leistungssportarten genannt, sondern eher solche, die (vielleicht) zu einer besseren Balance führen
  3. wenn Du in eine andere Firma wechselst (wo evtl.) weniger Druck herrscht?

Einfach nur ein paar Gedanken, die mir beim Lesen Deines Posting kamen.

Grüsse von Heiner Gierling

Servus Olli,

was machst du denn jeden Tag in den 12-14 Stunden Arbeit? Hast du schon mal versucht deine Arbeitsweise zu optimieren?

Wenn ich Leute höre die von solchen Arbeitszeiten reden dann vermute ich meistens dass sie relativ viel Zeit durch schlechte Arbeitsorganisation verbrutzeln. Das Gute daran ist, dass man das lernen kann…

Beschreib uns doch einfach mal etwas genauer, was du in deinem Job machst.

Viele Grüße

Andreas

Hallo,

bei täglich 12-14 Stunden Arbeit kann es keine Einheit zwischen Beruf, Familie und Blutdruck geben. Nur das Geld stimmt. Oder auch nicht, wenn dann das Leben recht kurz wird oder man nach Herz- OP evtl. im Rollstuhl sitzt, ist das Geld dann auch wieder weg.
Bei dieser Arbeitszeit ist auch kein Raum für aktiver Bewegung in frischer Luft.
Sicherlich kann man durch optimierte Arbeitsorganisation einigen Stress abbauen, doch dann ist dann noch der Chef, den man daran gewöhnt hat, dass man rund um die Uhr Probleme löst. Entweder man kann es ihm begreiflich machen, oder man weiß, was man von ihm halten kann. Abschalten nach der Arbeit ist ein unbedingtes MUSS, sonst ist mit 50 Schluss. Meine Erfahrung in der heutigen Zeit: kein Schwein dankt einem für die Arbeit, dem vorzeitigen Aus und der gescheiterten Ehe. Und wenn dann über 40 will keiner mehr etwas von einem.

Guter Rat: bewußt seine Tätigkeit prüfen, Arbeiten möglichst auf andere Zuverlässigkeiten verteilen und nicht das alte Sprichwort " Privat geht vor Katastrophe" vergessen. Deine Familie wird es Die auch mit weniger Geld danken.
Ich weiss, alles recht leicht gesagt, aber eine Entscheidung ist meiner Meinung nach nicht mehr lange aufzuschieben.

Gruss und weiter viel Erfolg beim Stressabbau

Gert

Hallo Olli,

wenn ich das so bei dir lese, kommen meine eigenen Erfahrungen wieder mal hoch. 7 Tage pro Woche und 15 Stunden am Tag. Und warum???

  • Andere drückten mir die Termine auf, weil die sind jja alle so wichtig.
    Dann habe ich den die Terminzeiten vorgegeben!! Von 15- 19.00 Uhr gehts, ansonsten nicht.

  • Jeder Arsch (zu der Zeit war das so) rief mich an wann er wollte.
    Telefonzeiten vereinbart. Wer außerhalb anrief wurde umgeleitet zur Zentrale die seinen Wunsch aufnahm.

  • Chef meinte, seinen Stil auf mich übertragen zu müssen.
    Darlegung meiner Situation (Trennungsangst, Magenschmerzen, etc,) und Vorlage eines Lösungskonzeptes. Seine Ansicht versucht mit einzubauen und gemeinsame Lösungen zu finden.

  • Schreibtisch sah am abend aus wie ein Schlachtfeld (daher nahm ich mir meine Sachen auch mit nach Hause, dolle Show für meine Frau)
    Die Vorgänge wurden so abgelegt (geordnet-Prioritäten), das am morgen danach nur ein Handgriff reicht, um die Vorgänge zur Hand zu haben.

  • Schreibtisch wurde nie leer.
    Feste Schreibtischzeiten. Da die Konzeentration morgens am besten ist, jeden morgen von 7.30 bis 10.00 keine Anrufe, Termine, Besprechungen, etc.

  • Innerlich total ausgebrannt und ein absolut leeres Gefühl.
    Nimm dir jeden Tag ein bißchen Zeit für dich. Alles andere bringt dich um. Auch das wieder regelmäßig (11.15 bis 11.45 Tasse Kaffee und Füße hoch)

Das schwerste war aber für mich, meinem Chef klarzumachen das es so nicht mehr weitergeht. Es kam sogar dann in dem Gespräch zu dem Punkt, wo er mich fragte:„Was passiert eigentlich, wenn ich das nicht so umsetzem kann?“ Da hab ich ganz klar gesagt, das der Job mir Spaß macht, die Bezahlung gut ist und das Team ist O.K., aber ich würde mir dann eine andere Aufgabe suchem müssen, das ich an einem Punkt angelangt wäre, wo es nicht mehr weitergeht.

Mein Chef hat sich für mich entschieden und hat meine Situation verstanden. Aber, wie ich immer zugeben muß, mit Druck von meiner Seite, eine klare Entscheidung getroffen zu haben. Entweder so oder garnicht. Ich habe vorher auch mit meiner Frau gesprochen und sie sagte, das ihr das Geld so ziemlich scheiß egal sei und ich das machen sollte, wo ich ein gutes Gefühl habe.

Verständige Grüße

Martin

Situation heute:
10 Stunden Arbeitstag
Geld wie vorher und Wochende frei. Zu hause habe ich jetzt kein Büro mehr!!!

Servus Olli,
Hi Andreas,
was machst du denn jeden Tag in den 12-14 Stunden Arbeit? Hast
du schon mal versucht deine Arbeitsweise zu optimieren?
Klar, ich versuche natürlich möglichst effektiv und gut organisiert zu arbeiten, ansonsten ist das pensum kaum zu schaffen.
Wenn ich Leute höre die von solchen Arbeitszeiten reden dann
vermute ich meistens dass sie relativ viel Zeit durch
schlechte Arbeitsorganisation verbrutzeln. Das Gute daran ist,
dass man das lernen kann…

Ich bin für alles offen:smile:

Beschreib uns doch einfach mal etwas genauer, was du in deinem
Job machst.

Also , mein Tag beginnt i.d. Regel um 6.30 Uhr. Ab 7.15 - 7.30 Uhr bin ich unterwegs, wie gesagt ich bin Vertreter für konsumgüter.
Pro Tag besuche ich ca. 6-7 Kunden, Gesprächszeit pro Kunde ca 30 - 80 Minuten ( je nachdem ob es Neuheiten etc gibt)
Anschliessend nach Hause bzw. ins Hotel.Ankunftszeit 18 -19 Uhr.
Anschliessend Tagesberichte, Aufträge faxen, Reisekosten und den nächsten Tag vorbereiten sowie E Mails bearbeitenund Tourenplanung erstellen ( Tourenplan wird natürlich nicht jeden tag erstellt)
dauer dieser ganzen Aktion ca 120 Min.

So in etwa sieht also mein Tagesablauf aus,die einzige Freizeit die ich habe beschränkt sich auf Sa und So.

Hast du einen Tip was ich besser machen kann? Danke im voraus!!!

Viele Grüße

Andreas

Hi Olli,

hatte ähnliches Problem, allerdings zusätzlich alleinerziehend und kaum Unterstützung. Habe aber einen sehr guten Hausarzt, der mich beraten hat und habe ein Training gemacht, um meine eigene Toleranz zu erhöhen (manche Sachen nicht mehr an mich ranzulassen) und um Stress besser zu bewältigen.

Was ich draus mitgenommen habe ist autogenes Training. Hatte vorher bereits Migräneanfälle und dergleichen. Jetzt geht es mir viel besser und die wenige Zeit, die ich mit meinen Kindern habe, kann ich wieder sinnvoll nutzen und auch total abschalten. Im Endeffekt hat das sogar gezeigt, dass das meinem Job auch zu Gute kommt. Bin da viel Leistungs fähiger geworden.

Viel Glück

Ok, dann geb ich jetzt mal meinen Senf dazu:

Also , mein Tag beginnt i.d. Regel um 6.30 Uhr. Ab 7.15 - 7.30
Uhr bin ich unterwegs, wie gesagt ich bin Vertreter für
konsumgüter.

das mit dem Vertreterjob war mir entgangen - da ist es natürlich schwieriger als bei Büroarbeit
dazu gleich die Frage: hast du kein BackOffice, an die du Aufgaben delegieren kannst, denn das sehe ich als die erste Möglichkeit bei dir was zu verändern

Pro Tag besuche ich ca. 6-7 Kunden, Gesprächszeit pro Kunde ca
30 - 80 Minuten ( je nachdem ob es Neuheiten etc gibt)

ich schätze mal dass du ja auch noch Fahrtzeiten zwischen den Kunden hast also kommst du ja damit allein schon auf 10-11 Stunden pro Tag - wenn es pro Kunde nicht kürzer geht bleibt dir hier nur die Anzahl der Kunden pro Tag zu senken, könntest du die Zeit pro Kunde evtl. verkürzen, indem du bei Neuigkeiten entsprechende Vorabinfos versendest (oder noch besser durch die Zentrale versenden lässt)

Anschliessend nach Hause bzw. ins Hotel.Ankunftszeit 18 -19
Uhr.

OK, hier würd ich sagen muss erstmal ne Pause rein, denn wenn du dich hier etwas erholen kannst müsste dir doch die Nacharbeit viel leichter von der Hand gehen

Anschliessend Tagesberichte, Aufträge faxen, Reisekosten und
den nächsten Tag vorbereiten sowie E Mails bearbeitenund
Tourenplanung erstellen ( Tourenplan wird natürlich nicht
jeden tag erstellt)
dauer dieser ganzen Aktion ca 120 Min.

bei diesem Klotz wieder die Frage ob es ein BackOffice gibt, dass dir z.B. so Arbeiten wie E-Mail Vorsortierung und Reiseplanung + Abrechnung abnehmen könnte
zum Thema Aufträge: du füllst doch bestimmt beim Kunden entsprechende Formulare aus, kannst du das nicht am PC machen und die sofort online versenden?
Tagesberichte: im Auto zwischen den Kunden diktieren und vom BackOffice oder einem Schreibbüro tippen lassen
Reisekostenabrechnung: Belege in den Scanner und direkt ans BackOffice senden, außerdem gibt es so automatische Fahrtenbuchsysteme die nehmen da auch wieder Aufwand ab
E-Mail-Bearbeitung: da müsste man sich die Mails genauer anschauen, wieviel man davon z.B. automatisch wegfiltern kann (Müll und SPAM), was ein backOffice erledigen kann und wie man durch Antwortvorlagen Zeit sparen kann

So, dass war´s erstmal von mir - evtl. sind Anregungen für dich dabei. Grundsätzlich würd ich sagen brauchst du jemanden, der dir einen Teil des Verwaltungskrams abnehmen kann

Viele Grüße

Andreas

Hi Olli,
das kenn ich nur zu gut :wink:
Mein Arbeitstag sah früher ähnlich aus. Zu wenig Schlaf. Nachts aufwachen und an die Firma denken etc.
Ich habe letztes Jahr einen Kurs bei der Handelskammer besucht und viel dabei gelernt. Eigene Arbeit besser organisieren (man denkt immer, man ist schon gut, aber es gibt noch einige Tricks das zu verbessern), mehr delegieren (auch das geht meistens), möglichst viele Organisationshilfsmittel nutzen. Jetzt ist mein Arbeitstag zwar immer noch 10 (in seltenen Fällen 12) Stunden lang. Aber ich bin ruhiger geworden.
Gruss Sebastian