Hallo Sabine,
Ich bin Journalistin. Alles was ich hier lese bestätigt meine
Vermutung. Es gibt viele gute Praktikantenplätze,
aber die Nulltarifler werden auch mehr und mehr ausgenutzt,
insbesondere in den Sparten Medien,PR,Kunst, Design
etc.
was heisst Nulltarif. Ohne einen Cent Bezahlung? Also ein bisschen Geld gibt es i.d.R. schon. Das hängt natürlich auch von der Konkurrenzsituation der Praktikanten ab. Ich meine Journalisten gibts es ja wie Sand am Meer, was wahrscheinlich daran liegt, das dies keine geschützte Berufsbezeichnung ist. Jeder Hans und Franz kann sich Journalist nennen und für irgendwelche Verlage arbeiten. Die Verlage können sich natürlich die Rosinen rauspicken. Festanstellungen gibt es in dieser Branche wohl kaum noch, warum sollten dann Praktikanten eine entsprechende Vergütung erhalten?
Wenn man Praxiserfahrung und Geld haben möchte, kann man ja als freier Mitarbeiter tätig werden.
Den Arbeitgebern, die sich über nicht-lohnende Praktikanten
beschweren wäre zu sagen: Das ist kleinlich und
irrelevant. An dieser egozentrischen Denkweise geht gerade
unser Land kaputt. Investieren Sie in die Zukunft .
Für mich ist im Bereich Journalismus kein Engpaß in Sicht. Warum sollte man in Humanressourcen investieren welche 1)im Übermaß vorhanden sind 2)in der vorhandenen Menge nicht gebraucht werden?
Eine Trendwende, also ein steigender Bedarf an Journalisten, kann ich nirgendwo erkennen.
Dennoch bin ich in einige Fällen schon der Meinung, dass Praktikanten eine Entlohnung zusteht. Viele Unternehmen lassen bestimmte Tätigkeiten nur noch von Praktikanten erledigen, weil reguläre Arbeitskräfte zu teuer wären. Die Praktikanten haben hier nicht selten ein abgeschlossenes Hochschuldiplom und überbrücken nur die Zeit bis zum ersten Job.
Wird hier eine Vergütung gezahlt, die zumindestens die Lebenshaltungskosten deckt, empfinde ich das als ok. Dann profitieren Praktikant und Unternehmen von der ganzen Sache. Würde in einem solchen Fall keine Vergütung gezahlt, wäre dass schon eine Schweinerei. Ich würde ein solches Praktikum nicht antreten. Nicht nur weil ich es für unmöglich halte, sondern auch weil ich von irgendwas leben muss.
Man sollte vielleicht deshalb zwei Arten von Praktikanten unterscheiden:
a)den Praktikanten der wirklich gebraucht wird und auch tatsächlich genutzt werden kann.
b) den Praktikanten, den man nur aus Gefälligkeit einstellt, weil man ihn eigentlich nicht gebrauchen kann.
Abhängig davon kann man sich auch überlegen, ob eine Vergütung angemessen ist oder nicht. In Fall a) sollten Unternehmen/Unternehmer bloss nicht anfangen zu jammern. Der Nutzen solcher Praktikanten ist stets größer als die damit verbunden Kosten. Die Opportunitätskosten wären in jedem Fall viel höher.
Mal sehen welche Meinungen sonst noch zu diesem Thema kommen.
MfG
Stephan