Neue Arbeit ab 50!

Liebe/-r wer-weiss-was Experte/-in,
ich bin Nelly aus Köln. Ich arbeite u.a. als Trainerin in Job-Aktiv-Centern für gerade arbeitslos Gewordene. Bis zu 50% der Teilnehmer sind um die 50 Jahre alt. Für diese Teilnehmer suche ich Erfolggeschichten von Menschen, die mit 50 oder 50+ eine neue Arbeit gefunden haben. Könnt ihr mir weiterhelfen? Vielen Dank!
Nelly

Hallo Nelly,

die Firma Brose hat mit ihrer Aktion „Senioren gesucht“ viel Zustimmung gefunden. Sogar der Kanzler hat den Stand der Firma auf der Intern. Autom.-Ausstellung besucht. Guck´ mal hier:

http://www.brose.de

Dort läuft ein newsticker. Dann „Kanzler…“ anklicken.

Tschö. Martin

Hallo Nelly,
frag mal im Brett „Generation 50+“ nach.
Da sollten eher die Betroffenen erreichbar sein.
Gruß
Dirk m. selbst 50+

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Nelly,

provokante Frage: Was soll man mit halbgaren Frischlingen unter 50 anfangen?

Spaß beiseite. Verknöchertes Denken gibt es in beinahe jeder Altersgruppe. Die heute 50-jährigen haben das Pech, Jahrzehnte hinter sich zu haben, in denen stillschweigender Konsens herrschte, daß man bis Mitte oder Ende 50 bis zur vorzeitigen Verrentung schon irgendwie durchkommt. Darauf eingestellt, steht schon ein Jahrzehnt vorher fest, daß sich ein Neuanfang nicht mehr lohnt. So entstehen Barrieren im Kopf der Betroffenen. Nicht jeder hat das Glück eines weitgehend altersneutralen Lebens- und Berufsweges. So muß man also manchem 50-jährigen Menschen, dessen Kinder aus dem Haus sind und der sich langsam in der Großelternrolle einfindet, klarmachen, daß er noch einmal von vorn beginnen soll. Dann kommt die nächste Barriere: Wie selbstverständlich wird angenommen, daß man mit 50 mehr verdient als mit 30. Eine weitere Barriere sowohl für den einstellenden Betrieb als auch für den arbeitslosen älteren Menschen ist die Vorstellung von Ein - und Unterordnung in eine möglicherweise jüngere Hirarchie. Diese Punkte sind nach meiner Beobachtung kennzeichnend für den heutigen Istzustand auf der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite.

Ein Patentrezept, wie man mit der Situation kurzfristig umgehen kann, habe ich nicht. Klar erscheint nur, daß sehr bald auch ältere Arbeitnehmer beschäftigt werden müssen, weil zukünftig nicht genug junge Leute vorhanden sein werden.

Wer heute 50 Jahre alt ist, muß noch 15 Jahre arbeiten, vermutlich eher länger. Diese Zeit ist zu lang, um sie in der Arbeitslosigkeit, in ABM-Maßnahmen oder anderen Notlösungen zu vergeuden. Vielmehr lohnt sich jede Anstrengung für Ausbildung und Fortbildung. Dabei kann man immerhin auf einigen Jahrzehnten Berufserfahrung aufbauen. Außerdem hat der Mensch mit 50+ allgemeine Lebenserfahrung und Menschenkenntnisse erworben. Das sind beste Voraussetzungen für Tätigkeiten im Vertrieb praktisch aller Branchen. Für Nicht-Insider: Der klinkenputzende Zeitschriftenvertreter ist nicht gemeint. Gemeint ist der gesamte B2B-Sektor (Business to Business), im Grunde alles, was nicht unmittelbar Verkauf an Endverbraucher heißt. In der Bäckerei langt ein junges Mädchen die Brötchen über den Tresen. Die Leute aber, die dem Bäcker das Mehl verkaufen oder die ihn für die neue Knetmaschine beraten, sind i. d. R. keine Mittzwanziger. Das sind mehrheitlich deutlich ältere Menschen, die natürlich von dem Metier etwas verstehen müssen. Unerfahrene Hansel kann man in solcher Tätigkeit nicht brauchen.

Wer Erfolgsgeschichten älterer Menschen kennenlernen möchte oder besser noch, selbst eine solche beginnen möchte, sollte in den Vertrieb gehen. Das Beste daran: In dem Bereich werden Leute gebraucht! Natürlich gibts auch einen Pferdefuß: Vorstellungen von Festgehalt und ruhigem Job sollte man schnellstens vergessen. In diesem Bereich wird viel Geld verdient, aber strikt erfolgsabhängig. In diesem Bereich haben Ältere die besseren Chancen aufgrund ihrer Erfahrung und durch höhere Akzeptanz bei den Kunden.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

Verknöchertes Denken gibt es in beinahe jeder
Altersgruppe. Die heute 50-jährigen haben das Pech, Jahrzehnte
hinter sich zu haben, in denen stillschweigender Konsens
herrschte, daß man bis Mitte oder Ende 50 bis zur vorzeitigen
Verrentung schon irgendwie durchkommt.

Ausserdem sind es die Erben der heute 70-jährigen, von denen sie noch Sprüche wie „das haben wir schon immer so gemacht“, „komm Du erstmal in mein Alter“, „Ihr Jungspunde habt doch keine Ahnung“ hören durften…
…irgenwie klar, dass man da als „Jungspund“ doch mal seine Aggressionen aufstaut.

Vor allem:
Die ersten 5 Jahre im Job sind die Lehrjahre
die zweiten 5 Jahre im Job wendet man die gewonnene Erfahrung an
die dritten 5 Jahre im Job sind Routine
die vierten 5 Jahre im Job werden stupide
ab den fünften 5 Jahren im Job baut man ab.

Das Problem der heute Älteren ist, dass viele bereits zu lange auf dem gleichen Job sitzen, ohne sich weiterzubilden oder mal was Anderes zu tun. Das sorgt für Scheuklappen und Abwehrhaltung, sobald die nächste Generation nachkommt.

Dann
kommt die nächste Barriere: Wie selbstverständlich wird
angenommen, daß man mit 50 mehr verdient als mit 30.

Nachdem ich letztes Jahr über 20 Gespräche mit Bewerbern im Alter zwischen 23 - 55 Jahren geführt habe, kann ich das nur bestätigen. Ohne wirklich einen Mehrwert (z.B. durch Erfahrungen) bieten zu können, wollten alle Älteren (keine Pauschalisierung, war in diesem Falle einfach so) ein Gehalt, bei dem ich mir überlege, warum ich überhaupt Teamleiter bin (bis zu Faktor 1,5 von meinem Gehalt). Gleichzeitig war die Flexibilität bzgl. Auslandsreisen und längerer Arbeitszeit dann doch sehr eingeschränkt. Ich habe dann doch eine Jüngere eingestellt, die zwar kaum Berufserfahrung hat, dafür noch willig ist, etwas aufzunehmen und etwas für den Job zu tun (ist übrigens auch ein Thema des Betriebsklimas - mir bringt der beste Spezialist nichts, wenn er motzig die Stimmung ruiniert und damit alle demotiviert).

Eine
weitere Barriere sowohl für den einstellenden Betrieb als auch
für den arbeitslosen älteren Menschen ist die Vorstellung von
Ein - und Unterordnung in eine möglicherweise jüngere
Hirarchie.

War dann auch so ein Thema. Einige hatten schon im Bewerbungsgespräch angefangen über die Jugend zu motzen und wollten sich mit dem älteren Personaler neben mir solidarisieren, der dann aber glücklicherweise darauf hinwies, dass der Bewerber mit mir zusammen arbeiten muß…

Ein Patentrezept, wie man mit der Situation kurzfristig
umgehen kann, habe ich nicht. Klar erscheint nur, daß sehr
bald auch ältere Arbeitnehmer beschäftigt werden müssen, weil
zukünftig nicht genug junge Leute vorhanden sein werden.

Ein Patentrezept habe ich auch nicht und bin mir auch sehr im Klaren darüber, dass es so nicht weitergehen kann (hoffentlich sind wir Jungen später mal die besseren Alten). Man muß übrigens dazu sagen, dass ich im Maschinenbau - einer sehr konservativen Branche - arbeite.

Wer heute 50 Jahre alt ist, muß noch 15 Jahre arbeiten,
vermutlich eher länger. Diese Zeit ist zu lang, um sie in der
Arbeitslosigkeit, in ABM-Maßnahmen oder anderen Notlösungen zu
vergeuden. Vielmehr lohnt sich jede Anstrengung für Ausbildung
und Fortbildung. Dabei kann man immerhin auf einigen
Jahrzehnten Berufserfahrung aufbauen.

Sofern man die Leute dazu motivieren kann. Ein Kollege von mir hat einen älteren Mitarbeiter, der sich bis heute weigert, sich mit dem PC zu beschäftigen (Job: Produktionsplanung, ich denke da kommt man nicht drum rum). Jeder Versuch, ihm mittels Weiterbildung auf die Sprünge zu helfen scheitert schon an der Ablehnungshaltung gegenüber der Weiterbildung.

Außerdem hat der Mensch
mit 50+ allgemeine Lebenserfahrung und Menschenkenntnisse
erworben.

Sofern er das hat, sehe ich auch keine so großen Probleme, die Kenntnisse im Job anzubringen (zumindest nicht hier in Stuttgart - wo Ingenieure immer noch gefragt und gesucht sind).

Das sind beste Voraussetzungen für Tätigkeiten im
Vertrieb praktisch aller Branchen. Für Nicht-Insider: Der
klinkenputzende Zeitschriftenvertreter ist nicht gemeint.

Leider ist nicht jeder vertriebstauglich (gilt selbstverständlich für jung und alt). Aber Du hast recht, im Vertrieb braucht man mehr Generalisten- als Spezialistenwissen.

Grüsse

Sven