Wie geht man am besten mit seinen Mitarbeitern um?

Hallo,

ich bin nun seit einem drei Viertel Jahr Projektleiter in einem Software unternehmen. Vorher war ich nur Entwickler. Nun ja - ich habe vorher noch nie so einen Job gemacht und habe sicherlich dementsprechend auch einige Fehler gemacht. Jetzt ist es so, dass das Arbeitsklima innerhalb des Projektes auf einem Tiefpunkt ist. Ich denke, meine Projektmitglieder nehmen mich nicht für voll. Auch gibt es einen, der immer wieder herausstellt wie gut er ist und das ich eigentlich keine Ahnung habe. Mittlerweile ist einiges schiefgelaufen, auch beim Kunden, was zur Folge hatte, dass ich gestern aufgrund einer Verfehlung eines Projektmitgliedes, den betreffenden offen zur Rechenschaft gezogen habe. Nun ja - mir ist einfach der Geduldsfaden gerissen.

Es ist schon so weit, dass ich mich vollständig in Zweifel ziehe und das Gefühl habe, gar nichts richtig zu machen. Nun habe ich angefangen mit jedem einzelnen in einem privaten Vieraugengespräch zu reden, da ich mittlerweile vor einer Entscheidung stehe, ob ich zur Geschäftsleitung gehe und meine Projektleitertätigkeit niederlege oder nicht. Wie geht man am besten mit Leuten um, die einen praktisch für unfähig halten? Und die einem dazu auch noch unsymphatisch sind. Bisher habe ich immer alle freundschaftlich behandelt, bis zu dem Zeitpunkt als ich explodierte, weil wieder mal im Projekt einiges schieflief - Vereinbarungen wurden nicht eingehalten und daher stand ich beim Kunden dumm dar und musste mir von dem einiges anhören.

Zum Schluß sei noch angemerkt, dass meine Geschäftsführung mich für meine Projektleitung gelobt hat. Sie sind damit mehr als zufrieden. Aber ich bin es nicht. Es ist zwischenmenschlich nichts in Ordnung. Dies macht mich krank (Depressionen usw.), wie kann man das in den Griff bekommen? Kann man sich als Projektleiter schulen lassen? Hat jemand einen Tipp für mich? Danke fürs Lesen.

Frank

Hi Frank!

ich bin nun seit einem drei Viertel Jahr Projektleiter in
einem Software unternehmen. Vorher war ich nur Entwickler. Nun
ja - ich habe vorher noch nie so einen Job gemacht und habe
sicherlich dementsprechend auch einige Fehler gemacht. Jetzt
ist es so, dass das Arbeitsklima innerhalb des Projektes auf
einem Tiefpunkt ist.

Das ist zunächst einmal schlecht, aber zumeist auch nicht hoffnungslos.

Ich denke, meine Projektmitglieder nehmen
mich nicht für voll. Auch gibt es einen, der immer wieder
herausstellt wie gut er ist und das ich eigentlich keine
Ahnung habe. Mittlerweile ist einiges schiefgelaufen, auch
beim Kunden, was zur Folge hatte, dass ich gestern aufgrund
einer Verfehlung eines Projektmitgliedes, den betreffenden
offen zur Rechenschaft gezogen habe. Nun ja - mir ist einfach
der Geduldsfaden gerissen.

So etwas sollte nicht passieren.
„Rüffel“ verteilt an unter 4-Augen.
Du wirst Dir ausserdem eionen souveränen Auftritt zulegen müssen (womit ich keineswegs arrogant, überheblich oder „bossy“ meine), denn Du bist nun mal eine Stufe weiter oben und einen auf gut Freund machen sollte man mit seinen Mitarbeitern nicht, wie ich meine. Ein freundlicher Umgangston und auch mal ein privates Gespräch sind ja dabei kein Problem. Nur muss eben auch die Hierarchie klar sein, sonst ist es im Problemfall für beide Seiten sehr schwierig, vom freundschaftlich-lockeren Umgang zum konstruktiven Kritisieren und auch mal Auffordern zu switchen.

Es ist schon so weit, dass ich mich vollständig in Zweifel
ziehe und das Gefühl habe, gar nichts richtig zu machen.

Nehme Dir etwas Zeit, das geschehene zu analysieren und diskutiere das mit einem neutralen Dritten.

Nun
habe ich angefangen mit jedem einzelnen in einem privaten
Vieraugengespräch zu reden,

Das halte ich für sinnvoll.

da ich mittlerweile vor einer
Entscheidung stehe, ob ich zur Geschäftsleitung gehe und meine
Projektleitertätigkeit niederlege oder nicht.

Wenn Du wirklich überfordert sein solltest, wäre das evtl. ein gangbarer Weg. Weiter unten schreibst Du jedoch, dass Deine fachliche Leistung gut war.
Verusche, Deine Führungskompetenz auszubauen.
Sei sicher, dass es sozial viel inkompetentere Leute noch zu weitaus mehr Verantwortung gebracht haben, als Du sie jetzt hast. Lasse Dich nicht unterkriegen.

Wie geht man am
besten mit Leuten um, die einen praktisch für unfähig halten?

Man muss sich den respekt durch Leistung und das richtige Auftreten verdienen.
Kann es sein, dass Du Probleme mit deutlichen Worten gegenüber Deinen MA hast, weil Dui vorher ihr gleichgestellter Kollege warst?
Stelle ruhig klar, dass Du nun auch gewisse Verpflichtungen der GL gegenüber hast und daher Du auch ab und an Dinge verlangen musst, die dann einfach „gemacht gehören“, ohne dass das diskutiert wird.

Und die einem dazu auch noch unsymphatisch sind.

Das interessiert keine Sau (sorry).

Bisher habe
ich immer alle freundschaftlich behandelt,

evtl. eben zu freundschaftlich.

bis zu dem
Zeitpunkt als ich explodierte, weil wieder mal im Projekt
einiges schieflief - Vereinbarungen wurden nicht eingehalten
und daher stand ich beim Kunden dumm dar und musste mir von
dem einiges anhören.

Das ist nun Dein Job.

Zum Schluß sei noch angemerkt, dass meine Geschäftsführung
mich für meine Projektleitung gelobt hat. Sie sind damit mehr
als zufrieden.

Das ist gut.

Aber ich bin es nicht.

Das lässt sich ändern.

Es ist
zwischenmenschlich nichts in Ordnung. Dies macht mich krank
(Depressionen usw.), wie kann man das in den Griff bekommen?

Führe weiterhin die Einzelgespräche und mache den Kollegen klar, dass Du eine gewisse Verantwortung übertragen bekommen hast, welcher Du gedenkst, gerecht zu werden. Bitte Deine MA um Mithilfe.
Halte ihnen nicht ohne Ende ihre Fehler vor, schaue nach vorne.

Kann man sich als Projektleiter schulen lassen?

Selbstverständlich.
Es gibt jede Mange Führungsseminare, sieh mal beim VDI oder bei der ZfU nach.

Hat jemand
einen Tipp für mich? Danke fürs Lesen.

Gerne.
Ich kenne das Problem, aber man kann damit klar kommen, wenn man, bei aller Freundschaft, gewisse Grenzen setzt.

Grüße,

Mathias

Hallo Frank,

da ich nun beide Seiten kenne - war sowohl Projektleiter als auch „Untergebener“ bei einem Projektleiter, den ich für unfähig gehalten habe, werd ich jetzt einfach mal meinen Senf loslassen *g*
Zwar war meine Situation als Projektleiter ne andere, weil ich nie „Kollege“ war, sondern direkt dort hin kam, trotzdem ein Paar Punkte, die mir aus beiden Situationen heraus wichtig waren:

  • Was immer Du tust und sagst, halte Dich konsequent dran. Nix schlimmer, als wenn Du mit Kollegen A ausmachst „das machen wir mit Variante A“ und dem Kollegen B 10 min später versprichst, dass Ihr es nach „Variante B“ macht ohne A davon zu informieren. Gleiches gilt natürlich für Termine, Pünktlichkeit und all diesen Kram.

  • Sprich Entscheidungen, die Deine Leute betreffen, mit ihnen ab. Nix schlimmer, als wenn Dein Scheffe zu Dir kommt und sagt „ich, Name_1, Name_2 und Name_3 haben beschlossen, daß Du in Zukunft xxx statt yyy tun wirst.“

  • Du mußt nicht allwissend sein, aber bemüh Dich um ein gewisses Grundverständnis, was Deine Jungs machen und wo die Probleme liegen. Notfalls macht Ihr eben ein Meeting (einmal wöchentlich?) wo jeder erzählt, was er in der letzten Woche getan hat, wo die Probleme und Zeitfresser lagen und was er so rausgefunden / geschafft hat und was er in der nächsten Woche tun will.

  • Ganz wichtig auch: Egal wer und wann von Deinen Kollegen zu Dir kommt: Nimm Dir die Zeit, ihn anzuhören. Und nur wenn’s absehbar ist, daß das was größeres wird, mach einen Termin. Nix schlimmer als ein Scheffe, der „immer“ mit „unglaublich wichtigen“ Dingen beschäftigt ist und „nie“ Zeit für seine Leutchen hat.

Nun ja - mir ist einfach
der Geduldsfaden gerissen.

Wie Matthias schon sagte: Never ever! Wenn irgendjemand nicht die Leistung bringt, die Du erwartest, dann rede mit ihm unter vier Augen und ruhig. Aber niemals öffentlich! Schlimmstensfalls sag generell „Liebe Jungs, Ihr wißt ja, daß unser Projekt gerade in einer heißen Phase ist, darum bitte ich um Verständnis, wenn ich xxx von Euch verlange.“

Zum Schluß sei noch angemerkt, dass meine Geschäftsführung
mich für meine Projektleitung gelobt hat.

Da ich nicht weiß, was für ein Verhältnis Du zu Eurer Geschäftsleitung hast, sonst würd ich sagen, daß Du die Jungs bittest, Dich mal zu entsprechenden Fortbildungen zu schicken. Vielleicht versuchst Du auch mal ne Liste zu erstellen mit Punkten von denen Du glaubst, daß Du die richtig gut machst und mit Punkten wo Du noch Schwächen hast. Erstmal nur für Dich, damit Du einschätzen kannst, in welche Richtung eine Fortbildung gehen soll.

Liebe Grüße und Kopf hoch!

Petzi

Hallo

Sehr schwer allgemeine Tipps zu geben, dazu sind die Menschen zu verschieden (die Leiter und die Sklaven :smile: ).

Zum Schluß sei noch angemerkt, dass meine Geschäftsführung
mich für meine Projektleitung gelobt hat. Sie sind damit mehr
als zufrieden. Aber ich bin es nicht. Es ist

Das heisst doch schon mal, das du das fachliche und organisatorische schon mal im Griff hast.

zwischenmenschlich nichts in Ordnung. Dies macht mich krank
(Depressionen usw.), wie kann man das in den Griff bekommen?
Kann man sich als Projektleiter schulen lassen? Hat jemand
einen Tipp für mich? Danke fürs Lesen.

Das hört sich so an als ob irgendwann Scheffe angekommen ist und sagte „Meier, sie sind ab sofort Projektleiter“ :confused:
In meinen Augen gehören zwei Sachen geschult, einmal Projektmanagement (Aufwand je nach Firma und System) und zum anderen „Mitarbeiterführung“". Es gibt dafür ein Haufen Seminare/Schulen/Trainer/whatever…
Meiner Erfahrung nach lassen die sich in 2 Gruppen aufteilen: die einen sagen „das macht man soundso, dann klappt das garantiert“, die anderen versuchen dich (und evtl. die Kollegen) kennenzulernen, und geben auf dich zugeschnittene Tips und Ratschläge. Mitglieder der ersten Gruppe gibt es wie Sand am Meer :confused:

Schon mal beim Chef gefragt, wie es mit Weiterbildung in diesen Bereichen in der Firma generell gehandhabt wird? Vielleicht ergibt sich ja die Möglichkeit für dich an solchen Seminaren teilzunehmen?

Man darf natürlich keine Wunder erwarten, manche Leute „können es“ einfach nicht und manche Mitarbeiter sind einfach unerträglich. Aber eine gewisse Routine und erlernte Standardsituationen helfen ungemein.

Gruß, DW.

Hallo Frank

Meine Senf den ich hier dazugebe ist jetzt aus der Sicht eines
Untergebenen. Ich glaube die ganze Sache kann nur wirklich funktionieren wenn innerhalb eines Projektteams respektvoll miteinander umgegangen wird und so hirarchisches Geplenkel außenvor bleibt.
In meiner Frima sind Projektteams sowas wie eine „eheänliche“ Gemeinschaft. Soll heißen wir sind alle gleich, auch unser Projektleiter, und wir sind füreinander da ( hört sich jetzt blöd an ich weiss ).Wenn jemand bei uns im Team irgendwas vermurkst helfen ihm
die anderen das wieder auszubügeln.
Nur so kann man arbeiten, alles andere ist kämpfen.
Die beste Lösung wäre ein klärendes offenes Gespräch mit allen deinen Mitarbeitern wo sie einfach sagen sollen was ihnen nicht passt, oder ob sie dir einfach deinen Job nicht gönnen und meinen sie könnten das besser.

Gruß

Andi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo,

„Der Prophet gilt in seiner eigenen Heimatstadt nichts“, soll heißen: „Oh, Mann, eben hat er noch mit uns über die Firmenleitung geschimpft, und wisst ihr noch, was er manchmal für Fehler gemacht hat, und jetzt ist er unser Vorgesetzter ?“

Ist das die Urache ?

Ich wünsche auf jeden Fall Trost und viel Glück,

Andreas

Literaturtipp
Hi Frank,
wie schon beschrieben, gibts für solche Fälle Seminare z.B. bei der IHK. Ansonsten kann ich Dir z.B. das Buch „Überleben im Projekt“ von K.D.Tumuscheit empfehlen. Das ist ein Taschenbuch, daher ganz gut zu lesen und es gibt hilfreiche Tipps auf recht lockere Art.
Gruss Sebastian