Beitritt in die Gewerkschaft ja oder nein?

Hallo,
ich bin Azubi bei dem größten Druckmaschinenhersteller und habe eine Frage bezüglich der Gewerk-schaften. Ich werde in den neuen Bundesländern ausgebildet und da bekanntlich die gewerkschaftlich vereinbarten Tarife hier nicht so hoch sind wie in den alten Bundesländern gab es bei uns vor 2 Wo-chen einen Warnstreik, um die Tarifvereinbarungen für die nächsten Jahre zu beeinflussen. Ist es Eurer Meinung nach in Ordnung, wenn auch Azubis an dem Streik teilnehmen oder sollten sie nur froh sein, dass sie eine so gute Lehrstelle bekommen haben und nicht gleich daran zudenken, die Arbeit nieder-zulegen und zu streiken. Wie ist Eure Meinung zu diesem heiklen Thema? Sollte man im allgemeinen (nicht nur die Azubis) mit dem Lohn und die Arbeitsstelle zufrieden sein und nicht streiken? Die Ge-werkschaftsvertreter begründeten die Tarifforderungen in den neuen Bundesländern damit, das die In-dustrie die alten B.länder unter Druck setzt den Tarif zu halten und nicht zu erhöhen, weil er im Ver-gleich zum Osten viel höher ist. Aus diesem Grund müssen die Tarife im Osten dem Westen angegli-chen werden. Meiner Meinung nach zählt das Argument nicht mehr, dass im Osten die Infrastruktur nicht so gut ausgebaut ist und deswegen die Löhne niedrig bleiben müssen, damit sich mehr Industrie-zweige hier ansiedeln. 10 Jahre nach der Wende hat sich in den neuen B.Ländern nicht viel getan. Die niedrigen Löhne reichen der Wirtschaft für eine Ansiedlung wohl doch nicht aus.
Bitte sagt mir Eure Meinung zu diesem Thema.

Grüße Matthias

Hi Matthias!
Du musst ganz alleine mit Deinem Gewissen vereinbaren, was Du willst!
Wenn Deine Kollegen „warnstreiken“, dann wird es Dir wohl schwerfallen, Deinen Arbeitsplatz zu erreichen…

ein Gedanke ganz am Rande:
Wenn Du DEINE Meinung nicht nur mit Dir alleine vertreten willst… tritt der Gewerkschaft bei und werde aktiv!!!
Soooooo unnormal sind Deine Gedanken nicht… und wenn Du diese Gedanken umsetzen willst…mach andere darauf aufmerksam!!!
Gruß Ayla… mit sehr gespaltenen Gedanken zum Thema Gewerkschaft…
(mehr nur per Mail)

Gleich vorweg, ich bin gelernter Bürokrat (kfm) und da ist die gewerkschaftl. Bindung ohnehin nicht so groß. Zudem gehöre ich als Selbständiger zum Arbeitgeberlager. Trotzdem will ich Dir meine Meinung schreiben.

  1. Wenn Du streikst, ohne Mitglied zu sein, dann kann Dich das den Job kosten. Nur Gewerkschaftsmitglieder sind, strenggenommen, einigermaßen gegen das Kündigungsrisiko abgesichert.
  2. Wenn die Gewerkschaft einen neuen Tarifvertrag aushandelt, dann gilt er immer zuerst für die Mitglieder. In der Regel ist es aber so, daß auch Nichtmitglieder die gleiche Erhöhung bekommen, weil entweder der Arbeitgeber tariflich gebunden ist und/oder der Arbeitsminister den Tarifvertrag für allgemeinverbindlich erklärt. Nichtmitglieder, die von der Tariferhöhung profitieren, werden als Trittbrettfahrer angemault.
  3. Die Bindung der „Arbeiter“ an die Gewerkschaft ist im Laufe der Zeit immer geringer geworden. In manchen Bereichen sind nicht einmal 10 % aller AN Gewerkschaftsmitglieder.
  4. Die für Dich zuständige Gewerkschaft war in der alten BRD mir sehr unsympathisch, denn da waren teilweise weltfremde Idiologen dabei, die schlaue Sprüche draufhatten aber ein Rakel nicht vom Sieb unterscheiden konnten.
    Ich würde Dir vorschlagen, Du prüfst ganz genau, welchen Vorteil die Mitgliedsschaft bringt. Ein Problem ist, wenn der Betrieb zu einem sehr hohen Anteil Mitglieder hat, dann besteht nämlich Solidaritäts"zwang".

Ich verhehle nicht, daß ich Gewerkschaften kritisch gegenüber stehe, denn ein gewisser Teil der Mitglieder ist, was die Arbeitswelt angeht, noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Das Zeitalter der Arbeiteraufstände zur Jahrhunderwende ist für diese irgendwie noch gegenwärtig. Andererseit erkenne ich sehr hoch an, daß die Gewerkschaften viel Positives für den heutigen Sozialstaat getan hat. Reiner Kapitalismus ist schrecklich!