Bewerbungsmappe

Liebe WWWler,

ich versuche momentan nach fünf Jahren Arbeit im öffentlichen Dienst in der Privatwirtschaft (Erstellung von politischen und volkswirtschaftlichen Länderanalysen) unterzukommen und muss deshalb zum ersten Mal in meinem Leben richtige Bewerbungen verschicken. Jetzt sitze ich hier vor einem Haufen von Unterlagen und frage mich, was ich der Bewerbungsmappe beilegen sollte. Die Meinungen gehen da ja weit auseinander. Im Bekanntenkreis sagen mir alle, die Mappe sollte nicht platzen, da das als unhöflich betrachtet wird. Auf der anderen Seite soll das gute Stück ja auch vollständig sein. Bislang habe ich (neben Anschreiben und Lebenslauf natürlich) folgende Dokumente:

Promotionsurkunde
Magisterzeugnis
Arbeitszeugnis meines jetzigen Arbeitgebers
Zwei fachbezogene Praktikumzeugnisse

Wie sieht es aber mit den folgenden Sachen aus? Müssen die auch mit rein?

Abiturzeugnis
Mein Schriftenverzeichnis
Bescheinigung meiner Universität über meine Gremienarbeit in Senat und einer Berufungskommission
Bescheinigung meiner Lehrtätigkeit an einer russischen Universität (in Russisch)

Darüber hinaus überlege ich, einen meiner Aufsätze aus einer internationalen Fachzeitschrift beizulegen, der zum einen belegt, dass ich wie gefordert Englisch spreche und der zum anderen auch fachbezogen ist. Macht das Sinn?

Vielen Dank für Euren Rat und viele Grüße

Matthias

Hallo Matthias,

wenn Du Dich bei einer Firma um eine forschungs(ähnliche) Position bewirbst, würde ich an Deiner Stelle die üblichen akademischen Unterlagen beilegen. Deine Bewerbungsempfänger sind dann wahrscheinlich selbst altgediente Wissenschaftler (Du wirst Dich wundern, wieviele Dr. habil. in solchen Positionen sind).

beilegen sollte. Die Meinungen gehen da ja weit auseinander.

Im Bekanntenkreis sagen mir alle, die Mappe sollte nicht
platzen, da das als unhöflich betrachtet wird.

Das ist ein guter Punkt.

Auf der anderen
Seite soll das gute Stück ja auch vollständig sein. Bislang
habe ich (neben Anschreiben und Lebenslauf natürlich) folgende
Dokumente:

Promotionsurkunde
Magisterzeugnis
Arbeitszeugnis meines jetzigen Arbeitgebers
Zwei fachbezogene Praktikumzeugnisse

Wie sieht es aber mit den folgenden Sachen aus? Müssen die
auch mit rein?

Abiturzeugnis

ja

Mein Schriftenverzeichnis

ja, das ist ein Leistungsnachweis. Wenn der fehlt, ist etwas faul. Z.B. fünf Jahre ohne nennenswerte Publikation (Vorträge, Poster, Paper, Patente, oder was in Deinem Bereich sonst noch wichtig ist) gedoktort = Der Bewerber ist eine fachliche Lusche, die sich nicht verkaufen kann. Nach Ablauf der fünf Jahre erfolglosen und planlosen Arbeitens erhielt der Bewerber den Dr. gnad. (Doktor gnadenhalber). (Das ist meine Meinung, andere mögen das anders sehen).

Bescheinigung meiner Universität über meine Gremienarbeit in
Senat und einer Berufungskommission

vielleicht, das könnte ein Hinweis auf die Eignung für eine Führungsposition sein.

Bescheinigung meiner Lehrtätigkeit an einer russischen
Universität (in Russisch)

Das belegt einen unkonventionellen Auslandsaufenthalt. Ich fände es wichtig.

Darüber hinaus überlege ich, einen meiner Aufsätze aus einer
internationalen Fachzeitschrift beizulegen, der zum einen
belegt, dass ich wie gefordert Englisch spreche und der zum
anderen auch fachbezogen ist. Macht das Sinn?

Einen? In den Naturwissenschaften ist es üblich die „Top 3“ beizulegen (Aber natürlich nur, wenn sie für die zu besetzende Stelle relevant sind). Das macht man weniger wegen der Englischkenntnisse (die sind selbstverständlich, ausserdem kann man auch Lektoren „kaufen“), sondern weil der Bewerbungsempfänger sofort sieht, in welcher „Liga“ der Bewerber wissenschaftlich/technisch spielt.
Für die Technik- und Naturwissenschaften würde ich es deshalb so formulieren: Von einer zukünftigen Führungskraft wird eine angemessene Publikationstätigkeit (Vorträge, Paper und Patente) erwartet, die bei der Bewerbung entsprechend zu dokumentieren ist.

Es kommt natürlich auf die zu besetzende Stelle an. Wenn Du letztlich in eine Vertriebsposition wolltest, käme mir ein Schriftenverzeichnis eher deplaziert vor.

Ciao R.

Hallo Matthias,

Abitur- und Praktikumszeugnisse liefern bei Deiner Qualifikation keinen nennenswerten Beitrag für ein stimmiges Gesamtbild. Der verbliebene Rest wird den Empfänger nicht langweilen oder überfordern.

Darüber hinaus überlege ich, einen meiner Aufsätze aus einer
internationalen Fachzeitschrift beizulegen, der zum einen
belegt, dass ich wie gefordert Englisch spreche und der zum
anderen auch fachbezogen ist. Macht das Sinn?

An solchen Dingen hängt für Dich vermutlich Herzblut. Deshalb ist es verständlich, wenn Du damit nicht hinter dem Berg halten möchtest. Es könnte aber sein, daß damit die Bewerbungsmappe zu umfangreich wird. Was niemand mehr liest, sind „Perlen vor die Säue“. Ich würde deshalb die vertieften Englischkenntnisse erwähnen und die Aufsätze ins Schriftenverzeichnis einbeziehen, längere Abhandlungen und ganze Aufsätze aber nur bei Bedarf während eines Vorstellungsgesprächs bereit halten. Damit ergibt sich mit etwas Geschick die Möglichkeit, das Gespräch zu lenken. Immerhin ist das Vorstellungsgespräch für Dich eine Ausnahmesituation, nicht aber für Dein Gegenüber.

Gruß
Wolfgang

Hallo rOs,

vielen Dank für Deine fixe Antwort!

Darüber hinaus überlege ich, einen meiner Aufsätze aus einer
internationalen Fachzeitschrift beizulegen, der zum einen
belegt, dass ich wie gefordert Englisch spreche und der zum
anderen auch fachbezogen ist. Macht das Sinn?

Einen? In den Naturwissenschaften ist es üblich die „Top 3“
beizulegen (Aber natürlich nur, wenn sie für die zu besetzende
Stelle relevant sind). Das macht man weniger wegen der
Englischkenntnisse (die sind selbstverständlich, ausserdem
kann man auch Lektoren „kaufen“), sondern weil der
Bewerbungsempfänger sofort sieht, in welcher „Liga“ der
Bewerber wissenschaftlich/technisch spielt.
Für die Technik- und Naturwissenschaften würde ich es deshalb
so formulieren: Von einer zukünftigen Führungskraft wird eine
angemessene Publikationstätigkeit (Vorträge, Paper und
Patente) erwartet, die bei der Bewerbung entsprechend zu
dokumentieren ist.

Ich glaube, ich nehme hier wirklich nur einen Text. Bei uns Sozialwissenschaftlern sind die Aufsätze ja immer ein wenig länger als bei den Natur-/Technikwissenschaften. Wenn ich drei Aufsätze beilegen würde, wären das ja ca. 60 Seiten Papier. Ich nehme einfach den besten und weise im Anschreiben noch einmal auf mein Schriftenverzeichnis hin.

Grüße

Matthias

Hallo Wolfgang,

Abitur- und Praktikumszeugnisse liefern bei Deiner
Qualifikation keinen nennenswerten Beitrag für ein stimmiges
Gesamtbild.

Du hast schon Recht, der Beitrag ist nicht nennenswert (die Noten interessieren mich nicht, solange sie im Rahmen sind). Trotzdem gehört das Zeugnis meiner Ansicht nach zu den Unterlagen.
Erstaunlich wenige Bewerber scheinen zu wissen, was eine vollständige Bewerbungsmappe ist. Die meisten haben Angst zuviele Unterlagen beizufügen und lassen das (sowieso schlechte) Abiturzeugnis weg und packen dafür Unterlagen für irgendeinen irrelevanten Sprachkurs bei.
Meine Devise ist: Ein Lebenslauf ist lückenlos zu dokumentieren. Verstösst ein Bewerber dagegen und es fehlen Zeugnisse (die unbenotete Diplomurkunde liegt bei, das Zeugnis nicht), sind diese wahrscheinlich grottenschlecht oder lassen Rückschlüsse auf soziale Probleme (Zoff in der Schule oder mit dem ExAG) oder Schlimmeres zu (Drogen-, Alkohol, Haftstrafen oder andere „Jugendsünden“).
Mit unvollständigen Bewerbungen halte ich es deshalb so : in den Stapel „Zurück an Absender“. Es gibt auch vollständige Mappen.

Ciao R.