Zeitarbeitsagenturen / Arbeitsvermittler?

Hallo,

hätte gerne mal gewusst, was ihr so Erfahrungen habt mit

  • Zeitarbeitsagenturen
  • Arbeits-/Personalvermittler

Bin derzeit arbeitslos, mit Blindbewerbungen bisher ohne Erfolg, Anzeigen per Zeitung Fehlanzeige, Stellenbörsen im Internet Fehlanzeige.

Was haltet ihr von den genannten beiden Alternativen und was habt ihr für Erfahrungen damit gemacht?

Danke
mipiace

Hallo,

  • Zeitarbeitsagenturen
  • Arbeits-/Personalvermittler

mit beiden hab ich während der Arbeitssuche ein paar „Fast-Erfolge“ gehabt.

Wegen der allemal geringen Zahl nicht repräsentativ, eher ein subjektiver Eindruck:

Die mittelgroßen Buden in dieser Kante sind (im Gegensatz zu den großen, in der Regel mit jedem einzelnen Prozess ziemlich tough in irgendeine zentrale Struktur integriert) eher in der Lage, ein vom Standard abweichendes Profil so zu verarbeiten, dass dazu passende Posten technisch überhaupt gefunden werden können. Und im Gegensatz zu den auch noch vorhandenen Einmannbetrieben eher in der Lage, überhaupt die Masse zu akquirieren, die sie am Markt für beide Seiten interessant macht.

Von den großen „Global Playern“ habe ich ausnahmslos zwischen Erfassung meines Profils und nach etwa zehn Monaten Rückgabe meiner Unterlagen nichts gehört.

Anrufe im Sinn von „Ich habe da dieses und jenes, Sie können mit Ihrem fachlichen Hintergrund besser beurteilen, ob das passt“ hab ich nicht von Global Playern, aber öfter mal von Local Heroes bekommen. Das fängt schon damit an, dass bemerkenswert vielen spezialisierten Personalern nicht bekannt war, dass ein DATEV-Mann zwar auf Navision, aber nicht auf SAP einsetzbar ist. Das Bewußtsein, dass man das als Personaler auch nicht unbedingt wissen muss, aber in der Lage sein muss, zu fragen, scheint mir im Rahmen der ISO-9009-SLC-Zertifizierung hie und da verloren zu gehen.

Einmannbetriebe können dort spannend sein, wo sie auf ein ganz kleines Marktsegment spezialisiert sind (Chef kennt sein Produkt, wo gibts das denn?).

Beim ersten Kontakt habe ich den Filter angelegt, den ich auch anlege, wenn ich beruflich mit Beschaffungsdingen zu tun habe:

Wenn einer mir zuallererst sagt, dass sein Produkt der absolut ultimative Knaller ist („Zeitarbeit ist trendy, geil und die Arbeitsform der Zukunft“), wird er ganz weit hinten abgelegt.

Wenn einer mir sagt, dass sein Produkt mit allen Vor- und Nachteilen zu der gegebenen Situation passen könnte („Unser Auftraggeber ist ein internationaler Konzern, der seine Vertriebsniederlassung in Deutschland schnell zu einer autonomen Tochter aufbauen will und zu diesem Zweck keine überdimensionierte Personalabteilung haben will, deswegen hat ers uns gegeben - für die Zeit bis zur Übernahmeoption müssten Sie halt mit einem ziemlich mageren Gehalt leben, können Sie das denn?“), denke ich, dass er für mich und den Auftraggeber gute Arbeit leisten kann, und bei dem hänge ich mich dann auch rein, um idealerweise meinen und seinen Erfolg zu fördern.

Einen bedeutenden Vorteil hab ich in beiden Versionen (Vermittler und Zeitarbeit mit Übernahmeoption) beobachtet: In der Situation Zweite Runde, einer von drei Kandidaten, ists finde ich wichtig, auch ein negatives Feedback möglichst konkret zu bekommen. Dieses habe ich bei der Arbeit mit Vermittlern/Zeitarbeitsfirmen immer bekommen, bei der Arbeit mit internen Personalabteilungen nie.

Schöne Grüße

MM

Hallo!

hätte gerne mal gewusst, was ihr so Erfahrungen habt mit

  • Zeitarbeitsagenturen
  • Arbeits-/Personalvermittler

Mit Zeitarbeitsfirmen habe ich im Wesentlichen wenig gute Erfahrungen gemacht. Es ist leider nicht mehr so, dass man unbefristet genommen wird und auch Bezahlung erhält, wenn kein Einsatz ansteht; da flattert einem eher die Kündigung ins Haus.

Ich habe mich bei bisher gut 15 bis 20 Zeitarbeitsfirmen beworben. Jeder Spiegelstrich ist eine Zeitarbeitsfirma (nicht, dass ich wegen Rufmord oder sowas verklagt werde):

  • Nach einer Bestätigung über die eingegangenen Bewerbungsunterlagen erfolgte nach 4 Monaten Schweigen eine Absage; es kam nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch.
  • Guter Wille wurde mit einem auf 3 Tage befristeten Einsatz im Jahr 2001 gezeigt; seit dem keine Angebote mehr.
  • Nach drei Vorstellungsgesprächen (mit je ca. 50km einfache Fahrt) in 2001 überlegte es sich der Kunde angeblich anders, seitdem Funkstille.
  • Ich hatte mich im Juli 2004 auf eine Stelle beworben, die zum Vorstellungsgespräch (der von der Zeitarbeitsfirma vorgeschlagene früheste Termin) offensichtlich gar nicht mehr zu besetzen war. Seitdem warte ich auf weitere Angebote.
  • Ich hatte mich auf eine Praktikantenstelle innerhalb einer Zeitarbeitsfirma beworben. Als es dann um das „Eingemachte“ ging, wurde die Besetzung dieser Stelle auf unbestimmte Zeit hin verschoben.
  • Bei mehreren Zeitarbeitsfirmen erhielt ich binnen weniger Tage meine Bewerbungsunterlagen zurück, da für mich nichts in absehbarer Zeit zu finden sei. Nicht einmal langfristig in den Datenpool wollten sie mich aufnehmen. Bei einigen erhält man schon einmal gar kein Feedback mehr, geschweige denn dann seine Bewerbungsunterlagen zurück.
  • Bei einer Zeitarbeitsfirma hatte ich mich als Call Center MA beworben, die Vorstellungsgespräche verliefen erfolgreich, ich wurde eingestellt. Da ich noch keine Berufserfahrung darin hatte, wurde mir versprochen, dass es 2 Wochen Schulungen und 2 Wochen Bewährungsfrist gäbe. Aus den 2 Wochen Schulungen wurde ein Vormittag Produktschulung, aus den 2 Wochen Bewährungsfrist 2 Tage, in denen halbherzig Tipps (nachträgliche Schulung?) gegeben worden sind. Dann kam die Kündigung.
  • Bei einer anderen Zeitarbeitsfirma hatte ich mich per eMail beworben. Da die zu dumm waren, ein PDF-File zu öffnen, musste ich meine Unterlagen postal nachsenden. An dem Tag, an dem sie dort ankamen, wurden sie gleich wieder mit einer Absage an mich zurück gesendet.
  • Ich hatte auch mal Glück: Derzeit bin ich als Verkaufshilfe für eine Zeitarbeitsfirma tätig.

Nur die Bedingungen als Zeitarbeiter sind suboptimal: Während bei den Festangestellten penibel darauf geschaut wird, dass möglichst keine Überstunden anfallen, ist es bei den Zeitarbeitern egal: Mit 20-Stunden-pro-Woche-Verträge arbeiten wir nun regelmäßig 35 Stunden pro Woche, darüber hinaus müssen noch zusätzliche Überstunden geleistet werden, bei denen wir meist nach Feierabend darüber informiert werden, dass welche anfallen (meist so 10-20 nach Feierabend heißt es, man kommt wohl nicht mehr rechtzeitig heraus, haha). Dauer der Überstunden zwischen meist 1 und 2 Stunden, selten mal 30 Minuten oder gar knapp 3 Stunden. Die Kündigungsfrist liegt in den ersten 2 Wochen bei 1 Tag (!), bis 3 Monate dann bei einer Woche und bis 6 Monate dann bei 2 Wochen. Die Angst vor Kündigung ist also ständiger Begleiter. Man wird auch deutlich später in die Pause geschickt als die Festangestellten (die nach spätestens 4 Stunden, wir teilweise erst nach 5 bis 6 Stunden). Personalrabatt ist natürlich nicht drin, sprich: alle Nachteile, nur keine Vorteile, aber wenigstens Arbeit!

Grüße
Manor

Mit Zeitarbeitsfirmen kannst du Glück und Pech haben.

Meine Freundin hate *extrem* Pech bei einer der größten (die mit „r“ am Anfang). Die haben sie zwei Monate lang nach Strich und Faden - pardon my french - verar***t.

Ich hatte Glück mit einer großen (mit „V“), die mich einen Tag nach meiner Einstellung in eine ziemlich gute Stelle bei einem 10 min. entfernten Großindustriebetrieb gesteckt haben. Ich hab zwar ein halbes Jahr später was Besseres gefunden, aber für den Zeitraum war das sehr OK.

Und ein Freund von mir wurde bei einer der größeren Firmen (mit „M“) zu einem, äh, großen Flugzeugbauer in Hamburg geschickt, auf eine Stelle, für die er eigentlich unterqualifiziert war - aber er ist dort reingewachsen, das Unternehmen hat ihn übernommen und heute hat er da einen Spitzenjob.

Pauschalisieren kann man das also nicht.

CU
Christian