Organisationsberater? Wo Jobs suchen?

Liebe Wissenden,

vielleicht hat ja der eine oder andere eine Idee, die mich (uns) weiterbringt.

Kurz zu den Fakten:

Mein Lebenspartner ist gelernter Bankfachwirt und seit seiner Ausbildung (insg. seit 10 Jahre) bei ein und derselben Großbank tätig. Vor 5 Jahren hat er sich betriebsintern zum Organisationsberater weiterbilden lassen und war seitdem in der internen Organisationsberatung tätig. Sein letztes Arbeitsfeld war - um mal ein praktisches Beispiel zu geben - die Umstrukturierung der internen Postverteilung. Auch in Filialverlegungen / Schließungen ist er häufiger involviert.

Nun entlässt diese Bank massiv Mitarbeiter und auch ihn hat es getroffen. Er hat das Angebot wieder im Vertrieb zu arbeiten abgelehnt und einen Auflösungsvertrag unterschrieben. Ende des Jahres ist Schluß!

Nach wie vor ist es für ihn schwer mit diesem Umstand klarzukommen. Obwohl er seit 5 Monaten weiß, dass Ende des Jahres finito ist, hat er erst EINE Bewerbung zustande gebracht.

Ich würde ihn gern mehr unterstützen, damit er langsam mal seinen A**** hochkriegt, aber leider kann ich die Stellenanzeigen rauf und runter lesen - sowas wie „Organisationsberater“ kommt mir nicht unter. Als Bankkaufmann in den Vertriebsbereich will er jedoch unter keinen Umständen wieder.

Er ist mittlerweile relativ depressiv und weiß selbst nicht worauf er sich bewerben kann und soll.

Deshalb meine Frage:

Gibt es für Organisationsberater noch eine gängigere / andere Bezeichnung. Wo werden diese Leute bevorzugt eingesetzt? Welche Branchen / Unternehmensbereiche?

Was könnten mit seinem background die beruflichen Alternativen sein, wenn er in diesem speziellen Bereich nichts findet?

Wäre für jede Anregung dankbar, im Moment wird mein Brett vorm Kopf nämlich langsam genauso groß wie seines schon ist :frowning:

Any ideas???

Danke,
Ironlady

Hallo Ironlady,

denkbar wäre es, sich bei Unternehmensberatungen zu bewerben, insbesondere bei solchen, die sich auf Banken spezialisiert haben.

Unternehmensberatungen beschäftigen sich häufig mit Organisationsaufgaben. Neben der Bewerbung bei anderen Banken für ähnliche Aufgabenbereiche würde ich mir da noch die meisten Chancen erhoffen.

Zusätzliche Such-Stichworte wären (unter Vorbehalt, da ich die genauen Qualifikationen ja nicht kenne) Unternehmensberater, Consultant, Prozessorganisation, -optimierung, -management, Process Engineering, -Reengineering, GPO (Geschäftsprozessoptimierung) etc.

Allerdings wird es da IMHO einige kritische Punkte geben:

  1. Die Ausbildung zum Organisationsberater kenne ich nicht, obwohl ich lange in einer Großbank in genau dem Bereich gearbeitet habe. Ich vermute, das handelt sich eher um eine firmeneigene und -spezifische Ausbildung, die u.U. nur eingeschränkt anerkannt wird.

  2. Unternehmensberatungen (zumindest die großen) verlangen meist ein universitäres Studium, ein FH-Studium wird schon nicht mehr anerkannt, häufig sogar Promotion vorausgesetzt.

  3. Der Markt sieht für Unternehmensberatungen allgemein und insbesondere solche im Bankumfeld momentan nicht allzu gut aus.

  4. Oft wird Organisation mit IT gekoppelt gesucht - wie sieht es da aus? SAP, Datenbanken, ARIS, Bonaparte etc?

Ich drücke Dir/ Euch feste die Daumen, dass sich in dem gewünschten Tätigkeitsgebiet was finden lässt. Allerdings sehe ich da die o.g. Schwierigkeiten.

Ich würde Dir/ ihm empfehlen intensiv zu suchen (und zwar ab sofort), sich aber auch schon mal mit dem Gedanken an eine andere Tätigkeit anzufreunden. Vielleicht hilft es, sich eine Grenze zu setzen (nach 200 Bewerbungen, nach 6 Monaten), bei deren Erreichen er sich umorientiert.

Viele Grüße und viel Erfolg
Ramona

Hallo,

ich würde den Rat geben, er soll erst einmal versuchen, mit der Depression fertig zu werden. Also erst mal zum Arzt (auch wenn es blöd klingt: zum Psychiater) und dieses Problem lösen. Wenn er das überwunden hat, dann findet er auch wieder einen Job.

Gruß

Der Häuserprofi

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Häuserprofi,
da sprichst du ein großes Wort gelassen aus…

Und das allerschlimmste ist: Er hätte sogar noch „Reststunden“ bei seinem ehemaligen Therapeuten offen. (Da war er mal aus ganz anderen Gründen in Behandlung). Und dieser ist sogar „nebenbei“ Bewerbungstrainer und hat ihm damals selbst angeboten Stunden anszusparen, falls Fall x (Arbeistslosigkeit)tatsächlich eintritt…

Aber er sperrt sich und ich verliere langsam die Geduld…

Trotzdem Danke!

Gruß, Ironlady

Hallo,

ich würde den Rat geben, er soll erst einmal versuchen, mit
der Depression fertig zu werden. Also erst mal zum Arzt (auch
wenn es blöd klingt: zum Psychiater) und dieses Problem lösen.
Wenn er das überwunden hat, dann findet er auch wieder einen
Job.

Gruß

Der Häuserprofi

Hallo Ironlady,

Hallo Ramona,

denkbar wäre es, sich bei Unternehmensberatungen zu bewerben,
insbesondere bei solchen, die sich auf Banken spezialisiert
haben.

Unternehmensberatungen beschäftigen sich häufig mit
Organisationsaufgaben.

Da mangelts leider am Studium, das in diesem Bereich fast immer erwartet wird. Und wenn das in der Stellenazeige schon steht, bewirbt er sich erst gar nicht, weil er meint, das sei eh sinnlos.

Neben der Bewerbung bei anderen Banken

für ähnliche Aufgabenbereiche würde ich mir da noch die
meisten Chancen erhoffen.

Zusätzliche Such-Stichworte wären (unter Vorbehalt, da ich die
genauen Qualifikationen ja nicht kenne) Unternehmensberater,
Consultant, Prozessorganisation, -optimierung, -management,
Process Engineering, -Reengineering, GPO
(Geschäftsprozessoptimierung) etc.

Danke, das ist schon mal ne Aussage!

Allerdings wird es da IMHO einige kritische Punkte geben:

  1. Die Ausbildung zum Organisationsberater kenne ich nicht,
    obwohl ich lange in einer Großbank in genau dem Bereich
    gearbeitet habe. Ich vermute, das handelt sich eher um eine
    firmeneigene und -spezifische Ausbildung, die u.U. nur
    eingeschränkt anerkannt wird.

  2. Unternehmensberatungen (zumindest die großen) verlangen
    meist ein universitäres Studium, ein FH-Studium wird schon
    nicht mehr anerkannt, häufig sogar Promotion vorausgesetzt.

Eben!

  1. Der Markt sieht für Unternehmensberatungen allgemein und
    insbesondere solche im Bankumfeld momentan nicht allzu gut
    aus.

  2. Oft wird Organisation mit IT gekoppelt gesucht -:wie sieht
    es da aus? SAP, Datenbanken, ARIS, Bonaparte etc?

Null, nix, njet.

Ich drücke Dir/ Euch feste die Daumen, dass sich in dem
gewünschten Tätigkeitsgebiet was finden lässt. Allerdings sehe
ich da die o.g. Schwierigkeiten.

Danke!

Ich würde Dir/ ihm empfehlen intensiv zu suchen (und zwar ab
sofort), sich aber auch schon mal mit dem Gedanken an eine
andere Tätigkeit anzufreunden. Vielleicht hilft es, sich eine
Grenze zu setzen (nach 200 Bewerbungen, nach 6 Monaten), bei
deren Erreichen er sich umorientiert.

Ich dachte eigentlich vielleicht wäre der Assistenz-Bereich gar nicht so verkehrt. Office-Tätigkeiten beherrscht er ja und eine kaufmännische Ausbildung reicht da ja in der Regel…

Viele Grüße und viel Erfolg
Ramona

Gruß zurück,
ironlady

Hallo Ironlady,

Ich dachte eigentlich vielleicht wäre der Assistenz-Bereich
gar nicht so verkehrt. Office-Tätigkeiten beherrscht er ja und
eine kaufmännische Ausbildung reicht da ja in der Regel…

ich hatte es so verstanden, dass er grundsätzlich nicht von seinem alten Job-Profil weg will - aber der Unwille bezieht sich dann wohl nur auf den Bankvertrieb (?).

Bestimmt ist er ausreichend qualifiziert für eine Assistententätigkeit, ABER (ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel, dass ich hier die Gegenargumente vertreter):

Assistentenjobs teilen sich meiner Erfahrung nach grob in zwei Typen: 1. Sekretariat (ggf. + Zusatzaufgaben); 2. Vorstandsassistenz o.ä. mit fachlich anspruchsvollen Aufgaben.

Zu 1: Man sollte auch hier die Anforderungen nicht unterschätzen - er müsste problemlos seinem Chef Kaffee bringen etc. Schafft er das? Ist eine völlig ernst gemeinte Frage; u.U. gibt es da eine Menge Stolz zu schlucken. Hinzu kommt, dass er aus der Bankzentrale wahrscheinlich andere Gehaltskategorien gewohnt ist.

Zu 2: Auch hier wird, zumindest in den Großkonzernen, meist ein Studium verlangt.

Ich glaube, das Beste wäre wirklich, ihn zum beschriebenen Psychiater/ Bewerbungstrainer zu schleifen; zur Not vielleicht unter Hinweis auf die zu ernährenden Kinder und die nächste Afrika-Reise? Wenn Ihr schon diese tolle Möglichkeit habt, würde ich sie in jedem Falle nutzen!

Wenn er depressiv ist, wird alle Deine Mühe nicht viel helfen; selbst wenn Du 100 Bewerbungen für ihn schreibst, wird er spätestens beim Vorstellungsgespräch passen.

Lass es mich mal ganz hart formulieren: für die Art von Tätigkeit, die er ausgeübt hat, stehen hunderte von Akademikern bereit. Sicherlich hat er wertvolle Erfahrungen, aber wenn der Arbeitsmarkt so liegt wie im Moment, haben Arbeitgeber häufig auch Akademiker mit gleichwertiger Erfahrung zur Verfügung.

Ich sehe also im Wesentlichen zwei praktische Strategien (neben dem Besuch beim Trainer):

Weiterqualifizieren (hier wäre die Uni St. Gallen eine der ersten Adressen für den Fachbereich)

Sich damit abfinden, dass es momentan schwierig wird, genau das zu finden, was er möchte. Darauf kann er dann entweder mit intensiven Bewerbungen reagieren und akzeptieren, dass viele Absagen dabei sein werden, bis es klappt; oder er schaut nach Alternativen um. In letzterem Fall würde ich den Bankvertrieb einer Sekretariatsstelle vorziehen, aber das ist natürlich Ansichtssache.

In der Hoffnung, dass das nicht als Schwarmalerei ankommt,
Gruß
Ramona

Hallo Ironlady,

ich würde deinen Mann dringend zu einem Outplacement-Berater schicken (bin selber einer). Das sind Berater, die coachen ihn darin, die Berwerbung professionell anzugehen. Das Ganze wird ein Fulltime-Projekt, das ihn ganz strukturiert an die Arbeit bringt: erst an die Bewerbungs-Arbeit und dann auch wieder in einen Job! Wir haben mehrere Banker (auch in seiner Situation) in der Beratung und kein Fall ist hoffnungslos!

Wenn die Depressionen nicht pathologisch sind, sollten sie allein schon durch die wieder aufgenommen Aktivitäten und die Fortschritte, die er bei seinem Projekt „Ich suche mir einen Job“ macht, zumindest nachlassen.

Das Ganze kann aber 6-12 Monate dauern.

Wünsche Euch viel Erfolg

Herbert

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Für die ausgiebigen Antworten!!!