Hallo Givoanni,
stehe vor einem Problem.
ich stand vor drei Jahren vor dem gleichen Problem wie du. Hatte meine Ausbild zur Versicherunsgkauffrau fertig und hätte einen festen Job bei der Allianz gehabt. Andererseits wollte ich noch die Möglichkeit zum Studieren haben. Ohne Abi oder Fachhochschulreife wäre das jedoch nicht möglich gewesen. Nun bin ich 22 Jahre alt, habe eine abgeschlossene Ausbildung, drei Jahre Berufserfahrung und schreibe in 3 Wochen mein Abi. Im Oktober werde ich anfangen zu studieren.
Ich habe eine Teilzeitstelle bei der Allianz bekommen. Morgens Schule in Buxtehude und dann bin ich nach HH zur Allianz gefahren und habe von 16 - 20 Uhr gearbeitet. So habe ich „drei Wünsche auf einmal“: Geld, Berufserfahrung und das Abi.
Vielleicht ist soetwas auch in deinem Betrieb möglich?!
Arbeite im Handel (Unterhaltungselektronik), 21 Jahre alt,
seit 5 Jahren im Betrieb - 1 Jahr Praktikum, 2 1/2 Jahre
Ausbildung Kfm. Einzelhandel. Nach der Ausbildng wurde ich
übernommen und arbeite 40 Std. Woche. Ich habe meine eigene
Abteilung (foto/camcorder). Das Geschäft läuft gut.
Das sollte man bei der heutigen Situation des Arbeitsmarktes nicht leichtfertig aufgeben. Anderserseits bist noch jung und hast noch ca. 45 Arbeitsjahre vor dir. Und wenn du jetzt schon den Drang verspürst, dich weiterbilden zu können, dann wird es im Laufe der Zeit bestimmt nicht besser. Außerdem solltest du deinen Wunsch in die Tat umsetzen, bevor du eine eigene Familie hast und es dir nicht mehr leisten kannst…
Ich habe 3 Möglichkeiten:
- Weiter arbeiten
Vorteil: finanziell unabhängig, Geld aufstocken,
Berufserfahrung etc.
Es ist zwar gut, wenn man welches hat - doch Geld ist nicht alles. Was nützt dir viel Geld, wenn du in einigen Jahren unzufrieden bist und es bereust, dass du nicht weiter zur Schule gegangen bist?!
- Zur Schule gehen (1 Jahr FOS 12 Wirtschaft) und BaFög
bekommen
Vorteil: Massig Zeit, besserer Abschluss, Studium möglich,
Chancen in einen besseren Job einzusteigen
Du hast etwas vergessen: Du wirst eine Menge neue Leute kennenlernen…
Ich denke, dass du an die Zukunft denken solltest. Es mag sein, dass du JETZT einen guten Job hast. Doch wer kann dir sagen, was in 5 Jahren ist?! Ich denke, dass man es heutzutage mit einem Studium auf dem Arbeitsmarkt leichter hat.
- Weiter arbeiten und eine Abendschule in HH besuchen in der
ich die Hochschlzugangsberechtigung bekomme
Vorteil: finanziell unabhängig, Geld wird noch relativ gut
aufgestockt (Fahrtkosten für die Zugverbindung ca.
200€/Monat), Berufserfahrung, Studium möglich, macht sich in
der Bewerbung gut (es sind 4 Tage/Woche Schule -
Belastbarkeit)
Hört sich gut an. Stell dir das aber nicht zu leicht vor. Es wird nicht dabei bleiben, dass du du 4 mal in der Woche zur Abendschule gehst. Du musst den ganzen Stoff dann irgendwann auch noch lernen. Und da bleibt dann nur das Wochenende, oder ganz viele Nachtschichten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Nachtschichten irgendwann nicht mehr zu machen sind: Augenringe bis zu den Kniekehlen, nur noch müde und in der Schule unkonzentriert…
Nehmen wir mal an, du gehst zur Abendschule. Dann machst du dort deien Fachhochschulreife und möchtest studieren. Was machst du mit deinem Job? Den musst du spätest dann aufgeben. Und auf dieses eine Jahr kommt es dann doch auch nicht mehr an, oder? Geld (außer vielleicht Bafög) hast du während des Studiums nicht…
Am liebsten wäre mir Punkt 3. Ich weiß allerdings nicht, ob
mein Arbeitgeber mit spielt. Der Job ist gut, ich habe aber
Angst, dass ich immer nur auf der selben Stelle trample, wenn
ich jetzt nicht noch was mache. Wenn ich einfach (nur) weiter
arbeite, stelle ich mir diese Fragen das kommende Jahr wieder.
Ich bin ein Mensch der (inzwischen) gerne lernt. Ich besuche
neben der Arbeit einen Geschichts-, und Französichkurs. Dazu
leite ich einen Handykurs an 3 verschiedenen Volkshochschulen.
Ich bin überzeugt, dass ich die FOS meistern würde und einen
Abschluss bringen würde, der mich nach vorn bringt. Zudem bin
ich in einer politischen Jugendorganisation (Julis).
Du beschreibst dich selbst als „lernhungrig“! Auch wenn ich dich nicht kenne, würde ich dir die Garantie geben, dass du in einigen Jahren unzufrieden mit dir selbst sein wirst. Du wirst es bereuen, dass du nicht die Chance genutzt hast.
Was soll ich bloß tun?
Ein paar Leute meinen, dass ich bescheuert wäre den Job in dem
ich 5 Jahre arbeite einfach zu kündigen (wenn ich Option Nr.2
wähle und zur Schule gehe).
Was interessiert dich das Gerede anderer Leute? Es ist dein Leben und DU musst damit zufrieden sein, nicht die aneren!!!
Eine andere Meinung hat die Mutter meiner Freundin. Sie sagte
mir letztes Jahr schon, dass ich unbedingt Schule machen
sollte, da ich in meinem Betrieb ohnehin nicht soweit hinaus
komme (stimmt übringens).
Also was soll ein lernhungriger, junger Mensch (der auch einen
guten Job macht) tun?
Ich kann dich sehr gut verstehen. Genau das gleich habe ich auch gedacht. Und heute bin ich froh, dass ich den Schritt gewagt habe, nocheinmal die Schulbank zu drücken. Ich kann mir vorstellen, dass du dich und deine Interessen noch verändern wirst. Nur die wenigsten Menschen arbeiten später in dem Beruf, den sie gelernt haben. Wenn das bei dir auch so sein sollte, dann wäre es doch gut, wenn du die Option zu einem Studium offen hast. Ich habe die Schulzeit genossen. Ich habe viele viele neue, nette Leute kennengelernt und neue Wünsche und Interessen an mir kennengelernt. Ich hatte vor 3 Jahren nie das Bedürfnis ins Ausland zu gehen. Nun werde ich im Juni - zwischen Abi und Studium - für 3 Monate nach Spanien fahren und meine Sprachkenntnisse aufbessern.
Außerdem weiß man die Ferien erst so richtig zu schätzen, wenn man gearbeitet hat und max 6 Wochen Urlaub im Jahr hatte. (das sind jetzt meine Sommerferien)
Ich bin für alle Ideen, Anmerkungen und Ratschläge offen und
dankbar.
Fazit: Ich würde an deiner Stelle die FOS besuchen und versuchen einen Teilzeitjob zu bekommen…
Euer
Giovanni