Hallo Maxi,
mein erster Impuls war zu schreiben „schön, wenn Du dahinter stehst, dann mach das“. Aber je länger ich darüber nachdenke, umso grössere Zweifel kriege ich. Denn wenn Du wirklich so gut bist, wie Du schreibst: dann kennt „man“ Dich. Und kennt man Dich nicht, dann spricht Dein Anschreiben Bände. Denn dann bist Du genau jener eine geeignete Bewerber, der seine Bewerbung auch auf Fresszettel mit Eselsohnren abgeben könnte und trotzdem genommen würde.
Bist Du „lediglich“ gut bis überdurchschnittlich - dann kann sowas je nach Position entweder saugut oder sauschlecht ankommen. Und Du siehst schon an der Reaktion der anderen: wenn Du sowas ungewöhnliches und aufwendiges machst, dann müssen Inhalt und Form 150%ig sein! Schaffst Du das nicht, dann mach lieber was konventionelles, wo ein oder zwei Vertippsel nicht weiters auffallen. Merke: wenn sich die Schnepfe von gegenüber im kurzen Rock, voller Kriegsbemalung und Stöckelschuhen auf die Straße wagt, grinst Du wenn sie fällt. Passiert das Lieschen Müller mit Dutt und flachen Tretern wirst Du das nichtmal bemerken.
Dann zu der Form: Also ich fände das ehrlich gesagt nicht gut. Denn die grossen Schriftarten brauche ich eigentlich nur für Vorträge oder so, wo auch Leute die weiter weg sitzen noch was sehen können. Ich als Personaler fühlte mich veralbert, wenn ich nen vierseitigen Lebenslauf in 24 bzw. 36 pt bekäme. Denn ich bin ja nicht blind und weitsichtig 
Papierformat: Auch wenn Dein Lebenslauf im Querformat ist, Anschreiben und Zeugnisse sind mit hoher Wahrscheinlichkeit im Hochformat. Das heisst, der gute Personaler muss die Mappe - eventuell mehrfach - drehen.
Papierdicke: ich weiss ja, dass viele der „modernen“ Bewerbungsratgeber das raten auf dickeres Papier zu drucken. Ich persönlich finde, dass das übliche 80g-Papier ausreichend ist und sich vor allem in der typischen Mappe eingezwängt viel besser blättern lässt. Ausserdem saugt das auch der alte halbtote Kopierer noch ein (kann ja sein, dass Personaler Deine Unterlagen dem Abteilungsleiter kopieren will - und wenn er dann noch jedes Blatt extra anlegen muss *schüttel*)
Farbe: Nun, das ist so ne Sache. Stell Dir das vor, wie die „Kriegsbemalung“ von Frauen. Wenn das eine gut kann und im Griff hat, sieht’s nett aus. Hat eine ein nettes Gesicht und ne nette Frisur, tut’s ein Minimun. Beides ist aber okay. Auffällig wird’s nur, wenn’s übertrieben ist oder schlecht gemacht. Du kennst sicher die Fälle von voller Kriegebemalung die „zu bunt“ ist, wo beim Lachen die ganze Fassade bröckelt und die noch unschön verschmiert ist. So ähnlich sehe ich das bei Dir auch. Dunkelblaue Schrift auf beigem Papier kann sehr edel wirken. Dunkelgrün auf orange wirkt bestenfalls merkwürdig, schlimmstensfalls entsetzlich.
Mein Vorschlag: Schreib all das, was Du auf vier Seiten packen willst auf 2 Seiten. Notfalls lass das Schülerpraktikum in der 7. Klasse raus
Diese beiden Seiten gestaltest Du aber schön, sauber und übersichtlich, so dass es Spass macht, sie zu lesen. Du kannst die geplante Vierteilung ruhig übernehmen, die klingt mir sehr sinnvoll. Tob Dich aus mit einer (!) gut lesbaren Schriftart, der sauberen Formatierung, allen Daten richtig (das hat sich so schnell, dass man im Juni 1875 in die Schule gekommen ist!) und auch der Rechtschreibung.
Sorry, wenn auch ich darauf rumhacke, aber Deine Anfrage war wirklich diesbezüglich mit mehr als nur wenigen Vertippseln gespickt. Und es ist halt so, dass eine korrekte Rechtscheibung gerade zu hochqualifizierten Jobs dazu gehört wie der gute Anzug und die sauberen Schuhe. Das mag zwar nix aussagen, ist aber (leider?) doch für einen ganz grossen Teil der Personaler ein wichtiges Kriterium. Denn das sind Dinge, die Du mit Fleiss in den Griff kriegen kannst. Also lass den Text von der Rechtschreibprüfung durchschauen und unbedingt auch nochmal von einem diesbezüglich sattelfesten Menschen Deines Vertrauens. Und letzten Endes: auf irgendwas muss der arme Personaler ja auch achten, wenn er lauter überdurchschnittlich gute Bewerber hat!
Disclaimer: Das alles bezieht sich auf ne papierne Bewerbung im klassischen Sinne. Bei Internetseiten sieht das ein wenig anders aus - da ist zumindest etwas mehr Farbe „drin“.
*wink* und viel Erfolg
Petzi