Hallo Roland,
das ist ne gute Frage - hab ich mir auch schon überlegt. Und ich gestehe, auch bei mir steht die eine oder andere „individuelle Bewerbung“ und das „erfolgreiche Vorstellungsgespräch“ im Regal
Und da ich vor nicht allzulanger Zeit ziemlich viele Bewerbungen hab scheiben dürfen hab ich mir das auch mal so überlegt. Schlau an den Büchern fand ich, dass die einem die ganzen Trivialitäten nochmal schön deutlich machen. Also: saubere Mappe, ordentliche Kopien, keine groben Vertippsel, den Umschlag nicht von Hand bekritzeln etc. Sprich, der ganze Kram, dem einem eh der gesunde Menschenverstand sagen würde, wenn man ihn denn gebrauchen würde. Aber es ist halt wie mit allem, wenn’s einem jemand von ausserhalb sagt glaubt man das eher als wenn die Mama/Freund/Freundin meint, dass man doch ausgeschlossen mit dieser Sauklaue den Umschlag beschriften solle
Also ein grosser Pluspunkt für die Bücher.
Ein weiterer Pluspunkt sind Musteranschreiben. Nicht weil man die eh 1:1 abkupfern kann, sondern weil man hier oder da sich über seine Sätze Gedanken macht. So etwa die Schlussformel „mit freundlichem Gruss/mit freundlichen Grüssen“. Wat nu? Ich persönlich habe für mich entschieden, dass ich bei Bewerbungen und anderen Sachen, die ich in meinem eigenen Namen abschicke nur einen frendlichen Gruss drunter schreibe, schreibe ich im Namen (m)einer Firme grüsse ich im Plural.
Genauso solche Kleinigkeiten wie das berüchtigte „möchte ich mich bewerben“ - wo ich mal ein „Kreuzdonnerwetter, Sie möchten sich nicht bewerben, sondern Sie tun’s hiermit“ gelesen habe.
Allerdings zeigt meine Erfahrung, dass diese Muster nur was bringen, wenn man auch darüber nachdenkt. Mit 1:1 übernehmen klappt’s leider meist eh nicht. Ein neutraler Punkt für’s Buch.
Dann gibt es einige Dinge, die stark Philosophie-abhängig sind. So etwa das Bewerbungsfoto. Bei manchen wird geraten ein Postkartengrosses schwarzweiss-Foto auf eine Titelseite zu drucken, andere geben den Tip beim konventionell kleinen farbigen Passbild rechts oben auf dem Lebenslauf zu bleiben. Jeder für sich hat natürlich nachvollziehbare und logische Argumente für seine Sichtweise. Das dumme ist nun, dass mal selber meist keine einzige Ahnung hat, was „sein“ Personaler gut findet. Darum hilft hier nur eines: mach das, was am besten zu Dir und zu Deinem Beruf passt. Der klassische Techniker wird das wohl im Normalfall anders machen als ein unkonventioneller Designer
Einig sind sich die Gelehrten hier nur, dass ein Passfoto drauf muß.
Ein anderes Beispiel ist die Auswahl der Mappe. Manche empfehlen als einzig seligmachendes diese seltsamen fünfseitigen Pappteile, die ein mittleres Vermögen kosten und nach einem Durchlauf am Ende sind. Andere schwören auf was selbergebasteltest mit Plastikstreifen am Rand, dickem Karton hinten und Folie vorne (wo man zumindest den Plastikstreifen nochmal verwenden kann *fg*). Einig sind sich die Gelehrten hier ebenfalls nur darin, dass a) eine Mappe sein muss und b) lochen ausfällt.
Noch ein Beispiel: Die Zeugnisse. Soll beim gestandenen Manns- respektive Weibsbild von Mitte 30 mit 10 Jahren Berufserfahrung und 2 Studienabschlüssen nun wirklich das Abizeugnis noch rein? Für manche ist das essentiell, andere wehren sich dagegen einen Centimeterdicken Papierstapel in die Welt hinaus zu schicken. Auch hier würde ich sagen, dass Du das mit Deinem gesunden Menschenverstand (und unter Berücksichtung Deines Abischnittes *fg*) entscheiden musst.
Also eher ein Negativpunkt für die Bücher. Woher soll ich denn ahnen ob ich jetzt Autor1 oder Autor2 glauben soll?
Langen Romans kurzer Sinn: Leih Dir die Bücher in der Bibliothek aus, schmökere in Ruhe drin und halte immer im Hinterkopf „kann ich dahinter stehen?“ Es bringt einfach nix, wenn Du ein schüchternes graues Mäuschen bist und schreibt „SIE haben genau MICH gesucht! ICH bin Ihr Mann/Ihre Frau! Sie wussten das nur noch nicht!“. Genauso sollte der Marktschreier eher nicht schreiben „bitte ich untertänigst um einen freundlichen Augenblick Ihrer geschätzten Lebenszeit“.
Vielleicht sollte man sich bei der Bewerbung doch
mehr auf sein Gefühl verlassen ob die Bewerbung in Ordnung
ist.
So sehe ich das auch 
Und ganz am Rande *flüster* Meine Erfahrung ist die, dass zwar die äussere Form absolut in Ordnung sein muss, so dass man nicht schon an formalen Hürden scheitert aber alles andere Dein Inhalt entscheidet. Und wenn Dein bisheriger Werdegang nun einfach nicht zu dem passt, was die Firma sucht, dann hilft Dir auch die perfekteste Bewerbung leider gar nix.
*wink* und viel Erfolg
Petzi