Hi,
ich hoffe, dies ist das richtige Brett. Erstmal hallo: Bin neu bei www!
Zum Hintergrund: Ich bin Ende 20 und Trainee in einer kleinen Firma. Mein Chef nimmt sich sehr viel Zeit für mich, hat aber auch hohe Ansprüche und Erwartungen. Ich bin jetzt 3 Monate dort und soll künftig eine Führungsaufgabe übernehmen. Vor ca. einem halben Jahr habe ich mein Studium beendet, have davor aber auch schonmal 2 Jahre fest gearbeitet.
Also, weswegen ich schreibe, ist folgendes:
Mein Chef ist seit einiger Zeit unzufrieden mit meiner Arbeit. Das hat er heute auch nochmal klar gesagt. Er sagte, ich denke Dinge nicht zuende, mache alle Aufgaben so lala, wäre mit meinen Gedanken woanders, würde mehr Zeit mit Rumalbern mit meinen Kollegen verbringen als zu arbeiten, würde Kundenangelegenheiten nicht ernst genug nehmen, keine Verantwortung übernehmen. Dazu sei hinzugefügt, dass mein Chef die ersten paar Wochen sehr zufrieden war. In den letzten Wochen aber nicht mehr so, aus genannten Gründen. Abgesehen davon verstehen wir uns auf menschlicher Ebene sehr gut und reden auch sehr offen miteinander. Natürlich ist er aber immer noch mein Chef, weswegen diese Offenheit dann natürlich Grenzen hat.
Meine Sicht der Dinge: In manchen Punkten hat er definitiv unrecht, in manchen nicht. Ich gebe immer noch mein Bestes und erledige meine Aufgaben. Ich habe aber auch gute und schlechte Tage. Fakt ist aber, dass ich mich an den schlechten Tagen einfach schlapp fühle und nur schlafen könnte. Dass ich mich ausgebrannt und leer fühle und mir sehr bewußt ist, dass ich ausser Job im Moment nicht viel habe. Dieses „rund um die Uhr 110% für den Job da sein“, das auf einmal von mir verlangt wird, strengt mich psychisch sehr an. Ich habe ständig das Gefühl, mich wegen meiner Arbeit rechtfertigen zu müssen, weil sie nicht gut genug ist. Dieser Job ist in einer anderen Branche, ich habe also (noch) recht wenig Faktenwissen, zudem ist er nicht 100%ig mein Traumjob: er macht zwar sehr viel Spaß, hat aber auch Elemente, die ich gar nicht mag, was ich aber nicht offen zeigen/verweigern darf, da ich sonst den Job los bin (hatte deswegen mal ein sehr offenes Gespräch mit meinem Chef). Zudem habe ich im Moment ein zunehmendes Bedürfnis nach Nestbau und Familiengründung - ob das eine Fluchtreaktion auf meinen Arbeitsalltag ist, lasse ich mal dahingestellt. Mein absoluter Traumjob wäre wohl freiberufliche Autorin ohne Geldsorgen… Diese Fremdbestimmtheit liegt mir glaub ich nicht. Kurzum: Es wäre eigentlich alles bestens, wenn nicht alles irgendwie nicht so toll laufen würde und ich das Gefühl hätte, nicht 100%ig ich selbst sein zu können (zumindest zurzeit), um in diesem Job erfolgreich zu sein.
Mich würde mal interessieren, wie Ihr das seht. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Ich habe das Gefühl, ich muss etwas verändern. Wie kann ich meine Motivation verbessern? Meine Einstellung ändern? Oder ist es vielleicht der falsche Job? Ist das eine Art „dritte Pubertät“, die nach dem Studium kommt, aber vorübergeht? Bin ich vielleicht niemand, der für eine Führungsposition geeignet ist? Gibt es Strategien, mit solchen SItuationen besser umzugehen?
Ich freue mich über jeden Rat. Ich möchte meinen Job gern behalten, und zwar weil ich zufriedenstellend arbeite, und nicht nur aus Mitleid.
Danke!
Tanita
