Arbeitszeugnis - ich blick nicht durch

Hallo,

zuerst einmal freue ich mich, dass wir eine zweite Kraft für mein Aufgabenbeit einstellen. *freu*
Und ich freue mich, dass ich Mitspracherecht habe. *megafreu*

Aber:
Heute ging eine Bewerbung bei uns ein, die mich irgendwie „stutzig“ macht. Entweder bin ich von Beruf Skeptiker oder da stimmt wirklich was nicht.

Herr B. hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.
Er widmete sich den übertragenen Aufgaben mit besonderem Eifer und Interesse und arbeitete sich in fremde Gebiete zügig und sehr gründlich ein. Er arbeitete in seinem Bereich mit sehr großem Engagement und entwickelte diesen durch Innovation im positiven Sinne weiter. Sein Organisationstalent ermöglichte es ihm, das differenzierte Aufgabenfeld gewissenhaft und zuverlässig zu erledigen. Er hatte einen Blick für das Wesentliche und arbeitete stets planvoll, methodisch und gründlich. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war ausgezeichnet. Das Verhalten den Klienten gegenüber war stets freundlich und vorbildlich. Wir bedauern die betriebsbedingte Kündigung. Wir danken Herrn B. für die geleistete Arbeit und wünschen für den weiteren beruflichen Werdegang alles Gute.

Spür ich da was oder sollte ich mich nur auf mein Feeling im persönlichen Gespräch verlassen?

Gruß,
Sunny

Herr B. hat die ihm übertragenen Aufgaben stets zu unserer
vollsten Zufriedenheit erledigt.
Wir bedauern die betriebsbedingte Kündigung.

Ordentliches Zeugnis, das ist bei einer betriebsbedingten Kündigung aber auch nicht anders zu erwarten. Da wird gern besser bewertet. Sollte man im Vorstellungsgespräch mal genauer drauf achten.

Hi,

Er widmete sich den übertragenen Aufgaben mit besonderem Eifer
und Interesse und arbeitete sich in fremde Gebiete zügig und
sehr gründlich ein. Er arbeitete in seinem Bereich mit sehr
großem Engagement

Ich hörte schon häufig, dass zu viel Eifer und Engagement gerne „negativ“ gewertet wird.
Die Leute sind selten zufrieden mit ihrem Posten, handeln z.T. eigenmächtig (in guter Absicht) und bringen einiges durcheinander oder überschreiten ihre Kompetenzen. In Verbindung mit

arbeitete sich in fremde Gebiete zügig und sehr gründlich ein.

könnte man dies evtl. als ein Indiz auslegen, dass er gerne was anderes machte, als ihm angedacht war.
Kann aber auch für einen flexiblen MA sprechen, dem man alles in die Hand geben kann und der mitdenkt.

Nur so als Erklärung, weil dir was seltsam vorkommt.

Spür ich da was oder sollte ich mich nur auf mein Feeling im
persönlichen Gespräch verlassen?

Das schadet nie! Ist letztlich das Beste. Ein Anruf beim vorherigen AG ist auch legitim und wird von Personalern auch gemacht.

bye

Hallo Sunflower, um was für ne Tätigkeit ging es denn in dem Zeugnis?

Er widmete sich den übertragenen Aufgaben mit besonderem Eifer
und Interesse und arbeitete sich in fremde Gebiete zügig und
sehr gründlich ein.

Liest sich so, als ob er sich bissel sehr um Gebiete gekümmert hat, die ihn nichts angingen. Oder einfach unglücklich gewählte Formulierung.

Sein Organisationstalent ermöglichte
es ihm, das differenzierte Aufgabenfeld gewissenhaft und
zuverlässig zu erledigen.

„Gewissenhaft und zuverlässig“ sind eigentlich selbstverständlich, was das mit Organisationstalent zu tun hat ist mir allerdings etwas schleierhaft. Oder hat er diese Tätigkeit als „Quereinsteiger“ (o.ä.) ohne Vorkenntnisse gemacht?

Er hatte einen Blick für das
Wesentliche und arbeitete stets planvoll, methodisch und
gründlich.

Liest sich positiv (Tätigkeit und/oder Position sollte man hier wissen um zu sehen, ob das nun ein Sonderlob oder eine Selbstverständlichkeit ist)

Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen
war ausgezeichnet.

Ohne Fehl und Tadel. Aber beliebt scheint er nicht gewesen zu sein.

Das Verhalten den Klienten gegenüber war
stets freundlich und vorbildlich.

Warum wird dieses Verhalten den Klienten gegenüber so separat gewertet?

Wir bedauern die
betriebsbedingte Kündigung.

Klingt, nach den ganzen „hochgelobten“ Schmus vorher, bissel nüchtern.

Wir danken Herrn B. für die
geleistete Arbeit und wünschen für den weiteren beruflichen
Werdegang alles Gute.

Nettigkeiten.

(Vielleicht seh ich das alles auch zu kritisch?)

MfG

Wir bedauern die
betriebsbedingte Kündigung.

Klingt, nach den ganzen „hochgelobten“ Schmus vorher, bissel
nüchtern.

was liegt denn vor, wenn jemand betriebsbedingt gekündigt wird? wenn einer doch so vorbildlich ist, dann versucht man doch grad den zu halten, oder nicht?

Laura

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was liegt denn vor, wenn jemand betriebsbedingt gekündigt
wird? wenn einer doch so vorbildlich ist, dann versucht man
doch grad den zu halten, oder nicht?

Nach meiner Erfahrung nicht zwangsläufig.
Kann sein, dass er zu teuer war, die Firma betriebsbedingt kündigt, weil sie sparen muss und den kurzsichtigen Entschluss fasst, die billigeren, neuen Arbeitskräfte zu behalten. Kann sein, dass er hervorragend gearbeitet hat, bei Mitarbeitern beliebt war, aber gern auch mal seinen eigenen Kopf eingesetzt hat, um beim Vorgesetzten eine unangenehme (sachliche) Frage zu stellen. Kann sein, dass seine Meinungen nicht in die Unternehmenspolitik passten. Kann sein, dass er auf irgendwelche Leichen im Keller eines Höhergestellten hingewiesen hat. Kann sein, dass …

Nach wie vor gibt es auch eine Menge schlechtgeführter Firmen, die blödsinnige Managemententscheidungen treffen, die betriebswirtschaftlicher Unfug sind und mit mitdenkenden Mitarbeitern nicht wirklich etwas anfangen können.

Grüße
Christiane

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Hallo Sunny

Verlass Dich auf Deinen Eindruck beim persönlichen Gespräch.
Mitarbeiter, die man entlässt, bekommen in der Regel ein besseres
Zeugnis, als welche, die selber gehen.

Die Formulierungen erachte ich als „überbetont“ aber:
Wer weiss schon, ob der Verfasser des Zeugnisses darin Übung hat…

Am besten traust Du Dir selber.

Gruss
Heinz

Hi Sunny,

zum einen würde ich Dir empfehlen, dass Du Dir ein einschlägiges Buch über Zeugnisformulierungen besorgst! Die Formulierungen ändern sich stetig: Was vor fünf Jahren noch als „sehr gut“ im Zeugnis galt, kann heute schon wieder überholt sein!

…„stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ ist jedenfalls nach wie vor noch ein „sehr gut mit Sternchen“… Und „betriebsbedingt gekündigt“ heisst normalerweise nix anderes, als dass es dem Unternehmen finanziell nicht gut ging (oder geht!) und dass Herr B. durch das „soziale Raster“ fiel…

Letztendlich entscheidet jedoch immer der persönliche Eindruck!!!

Habe selbst bis vor ein paar Jahren regelmässig Zeugnisse schreiben müssen, kenne mich demnach ein wenig aus. Bei weiteren Fragen, bitte mailen!!!

Alles Gute, viel Glück! Golden Luzie :wink:))

Hellseherkurs gewesen?
Hi!

Ich finde es immer wieder klasse, wie so genannte Experten ein Zeugnis beurteilen, das nicht komplett vorlieg! Weder weiß man, als was der Mensch beschäftigt war, noch ist klar, wie lange er bei dem Unternehmen gewesen ist - und dennoch: Etliche Analysen!

Nur kurz: Die Analysen haben bestenfalls den Wert eines Horoskops!

Das Zeugnis muss zur Beurteilung KOMPLETT vorliegen, ansonsten ist eine seriöse Beurteilung nicht möglich!!!

Jeder, der Dir was anderes erzählt, hat vor allem eins: Keine Ahnung…
Vor allem die Sache mit dem Herauspicken einzelner Satzteile (vollste Zufriedenheit, etc.) ist so weit von der Realität entfernt, wie die Sonne vom Sedna!

LG
Guido

P.S. Natürlich habe ich eine Idee, wie das Zeugnis mit dem bislang veröffentlichten Teil zu bewerten wäre, aber es wäre unseriös, diese hier zu posten!

Hallo Experten! :smile:

Vielen lieben Dank für Eure Antworten.

Das bringt mich schon ein wenig weiter und ich werde mir diesen Bewerber auf alle Fälle angucken. Habe fast das ganze Wochenende über seine Bewerbung nachgedacht… Und falls er wirklich Kompetenzen überschritten haben sollte: der Pfad zwischen „eigenständigem“ und „eigenmächtigem“ Arbeiten ist wohl doch sehr schmal…

@Guido:
Es steht nicht mehr in diesem „Horoskop“.
Das war die einzige Beurteilung. Der Rest ist nur eine Auflistung seiner Arbeitsplatzbeschreibung der vorangegangenen Tätigkeit.
Die zwei Seiten habe ich dem Forum erspart. :smile:

Liebe Grüße,
Sunny

Hallo Guido,

P.S. Natürlich habe ich eine Idee, wie das Zeugnis mit dem
bislang veröffentlichten Teil zu bewerten wäre, aber es wäre
unseriös, diese hier zu posten!

Wie bereits gesagt ist sonst nur eine stichpunktartige Stellenbeschreibung über ca. 2 Seiten enthalten. Der Mitarbeiter war als Event-Manager angestellt.

Vielleicht kannst Du jetzt mehr Auskunft geben?

Viele Grüße,
Sunny

Hi!

Wie bereits gesagt ist sonst nur eine stichpunktartige
Stellenbeschreibung über ca. 2 Seiten enthalten. Der
Mitarbeiter war als Event-Manager angestellt.

„Nur“ ist das ein wesentlicher Bestandteil! Wie soll man z.B. Rückschlüsse auf Erfolge, die im Zeugnis erwähnt sind (oder auch nicht) ziehen, wenn man nicht weiß, was er gemacht hat?

Auch wäre der Arbeitsumfang in Zusammenhang mit seiner Beschäftigungsdauer nicht „ganz unwichtig“!

Ob ein Film gut oder schlecht ist, lässt sich auch nicht nach 10 Minuten sagen, oder? (OK - die Filme, bei denen das geht wären mit einem grottenschlechten Zeugnis vergleichbar, um welches es sich vermutlich hier nicht handelt)

LG
Guido

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