Hallo Roland,
also das Ganze klingt für mich doch sehr stark nach dem „Angebot“ eines Strukturvertriebes aus der Finanzdienstleistungsbranche.
Typische und bekannte Vertreter dieser Vertriebsschiene sind z.B. Gesellschaften, deren Namen meist aus drei Buchstaben bestehen (um keinen rechtlichen Ärger zu bekommen, lasse ich das mit den konkreten Namen mal lieber. Per mail gerne mehr dazu).
Der Grundgedanke, aus dem dieser Vertriebsweg für Finanzdienstleistungsprodukte (oder sagen wir hier doch praktischerweise einfach „Versicherungen“) entstanden ist, erscheint gar nicht so übel:
- die bestehende (Versicherungs- und Finanz-)Situation des Kunden erfassen (das scheint dann dein Part zu werden)
- anschließend Über- und Unterversorgungen ermitteln
- schließlich dem Kunden aus der unglaublichen Vielzahl der Anbieter und Produkte das für ihn passendste heraussuchen und anbieten
Also im Prinzip, das, was ein guter Makler für seine Kunden tut (oder tun sollte), nur halt im großen Stil. Gepaart mit der „Marktmacht“ eines großen Anbieters (gegenüber dem Verbraucher) und Nachfragers (gegenüber den Versicherern) ein durchaus positiver Geschäftsansatz.
Die Realität sieht bedauerlicherweise anders aus: ganze Heere von „Adressbeschaffern“ (die von dir zitierte Anzeige bschreibt genau das natürlich in wesentlich schöneren Worten)werden von den Strukkis mit dem Versprechen, mit wenig Aufwand viel Geld zu verdienen, geködert, in „Crash-Kursen“ (die die Mitarbeiter häufig auch noch selbst bezahlen dürfen) für den Alltag gedrillt und anschließend auf die Menschheit losgelassen.
Nach kurzer Zeit nimmt dann der Produktionsdruck ständig wachsend zu und nur wer seine Abschlussquote schafft, hat die viel beschworene Aufstiegschance in der Hierarchie.
Das allerdings schaffen die wenigsten (der „Marktführer“ dieser Strukkis hat eine Fluktuationsquote von 80%!!!).
Wenn nämlich mal der Bekanntenkreis abgegrast ist und auch noch der letzte Großonkel der Putzfrau des Schwagers mit einer Lebensversicherung „versorgt“ ist, wird dem Mitarbeiter drastisch klar (gemacht), dass weiteres Geschäft nicht nur gewünscht, sondern vielmehr gefordert wird. Bitte nicht vergessen: wir sprechen bis hierher immer noch von nebenberuflichen Mitarbeitern, die das in ihrer Freizeit machen!
Ich persönlich kann von diesem System nur abraten oder zumindest dazu raten, sich einen solchen Schritt gut zu überlegen und genau zu prüfen.
Der „Assistant Silver Sales Manager“ (oder wie sich der jeweilige Schleifer und Einpeitscher hier auch nennen mag) ist schnell weitergezogen; die verprellten Freunde und Bekannte bekommt man meist nicht so leicht zurück.
Mit freundlichen Grüßen
Frank Hackenbruch
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]