Arbeitszeugnis - Bewertung ?!

Hallo Experten,

was ist von diesem AZ zu halten?

ZEUGNIS
Herr …, geb, am …, trat am …1984 als technischer Angestellter in die … GMBH ein. Herr … wurde zunächst als stellvertretender Abteilungsleiter in der …fertigung eingesetzt. Mit dem Ausscheiden des Abteilungsleiters und nach entsprechender Einarbeitung wurde Herr … nach 9 Monaten mit der Leitung der Abteilung betraut.
Während der Tätigkeit von Herrn … wurde die Fertigung von …produkten in eine im wesentlichen vollmechanisierte übergeleitet. Neben der technischen Verantwortung for diesen Bereich oblag Herrn … auch die disziplinarische und organisatorische Beaufsichtigung der bis zu 12 Mitarbeiter.
Nach der Aufgabe der Produktion von …produkten wurde Herr … im November 1995 in unsere neu gebildete Abteilung " …" übernommen. Zu seinen Aufgaben gehörte hier die mechanische Konstruktion und der Bau von Geräten und Vorrichtungen zum …en von …en und …n. Insbesondere oblag es Herrn …, diverse Modifikationen für die …maschine, …varianten am …automaten sowie ein …system mit Linearführung ingenieurrnäßig zu bearbeiten. Daneben fertigte er eine Studie " … Antriebe" an, hatte Marktbeobachtungen durchzuführen, sowie die Auswahl und Beschaffung mechanlschar Baugruppen vorzubereiten.
Herr … hat sich jeweils schnell in seine neuen Aufgabengebiete eingearbeitet und konnte dabei seine berufliche Erfahrung erfolgreich einbringen. Er erledigte seme Arbeiten jeweils zügig, selbständig und zuverlässig zu unserer vollen Zufriedenheit.
Herr … war ein überzeugender und im persönlichen Umgang verbindlicher Vorgesetzter. Sein sonstiges Verhalten gegenüber Mitarbeitern und Vorgesetzten war einwandfrei.
Das ArbeItsverhältnis wurde zum …1999 mit einem Auflösungsvertrag aus betriebsbedingten Gründen beendet.
Wir danken Herrn … für die erfolgreiche langjährige Zusammenarbeit und bedauern sein Ausscheiden. Wir wünschen Herrn … für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg alles Gute und viel Erfolg.

Danke vorab!

Gruß jetme

Also, ich sehe zwei üble Knackpunkte:

  1. In der Beschreibung der Tätigkeiten steht fast alles im Passiv. Das ist eine Möglichkeit des Arbeitgebers zu signalisieren: Dieser Mensch hat so gut wie nichts aus eigenem Antrieb getan, man musste bei ihm ständig alles haarklein anordnen, und dann setzte er sich erst in Bewegung (Da kann man aber kaum etwas gegen tun, Formulierungs- und Stilfragen kann man nicht vor Gericht einklagen… Höchstens ein freundliches Gespräch führen und um Verständnis werben. War ja vielleicht unabsichtlich)
  2. Ein richtig dicker Hammer ist das „zu unserer vollen Zufriedenheit“. Das heißt: Da hat es schon einige Mängel gegeben, so dass man nicht mehr "vollSTen Zufriedenheit schreiben kann und will.
    Außerdem wird hier gar nichts über seine Führungsqualitäten gesagt, nur dass sein Benehmen „einwandfrei“ war. Insgesamt also nur eine Liste von Tätigkeiten, die dem Menschen übertragen „wurden“, nichts Persönliches, Individuelles, kaum Profil - und das nach 11 Jahren.
    Das heißt entweder, es gibt nichts Positives zu berichten, oder der Vorgesetzte ist vielleicht noch sehr neu und unerfahren (kennt den Mann womöglich kaum) und hält sich darum an nichtssagenden Floskeln fest.
    Gruß - Petra

Hallo Jetme!

In kurzen prägnanten Worten „unter aller Sau“.

Dabei sei mal dahingestellt, ob Herr X eine miserabele Leistung abgegeben hat oder der Arbeitgeber nicht in der Lage ist ein Zeugnis zu schreiben.

Mein Eindruck, von beidem etwas.

Nach 20 jähriger Betriebszugehörigkeit mit Personalführung ein Zeugnis zu bekommen, dass noch nicht mal eine Seite füllt ist schon starker Tobac.

In dem gesamten Zeugnis gibt es genau 4 (in Worten „vier“) Sätze die auf Herrn X eingehen (Leistungen, Verhalten).
Nach 20 jähriger Mitarbeit weiß der Arbeitgeber nicht mehr zu schreiben?!

Schlichtweg der Knaller ist

Herr … war ein überzeugender und im persönlichen Umgang
verbindlicher Vorgesetzter. Sein sonstiges Verhalten gegenüber
Mitarbeitern und Vorgesetzten war einwandfrei.

Wenn sein „sonstiges“ Verhalten einwandfrei ist, dann war es das als Vorgesetzter wohl offensichtlich nicht!

Wie schon ganz oben erwähnt, ich halte das Zeugniss für ausgesprochen merkwürdig.

Gruß Stefan