Den Chef übergehen?

Hallo,

ich habe ein großes Problem und vielleicht kann mir ja jemand Tipps geben?

Ich bin Prokuristin in einem neu gegründeten Unternehmen. Dazu wurde ich aber auch nur gemacht, weil mein Chef (GF einer GmbH) das wohl toll fand und eigentlich weiß er gar nicht, was das bedeutet.
Ich bin der Meinung (wenn ich mir das mit meinen 23 Jahren anmaßen darf), dass er größtenteils überfordert ist… er fängt zig Projekte an, aber nichts davon macht er mit voller energie. er ist total unorganisiert. auf fragen bekomme ich teilweise keine antworten. er entscheidet dinge, von denen ihm andere abgeraten haben. ihm fehlt wissen über viele dinge - aber er bildet sich ein, sich doch auszukennen. er belügt den aufsichtsrat und andere ihm überstellte personen (ich bezeichne bewußte fehlinformation in form von teilweise starken übertreibungen als lüge). er stellt dinge nach außen anders - tweilweise maßlos übertrieben - dar, als sie sind (die zehnfache mitarbeiterzahl, …). er denkt, eine marktanalyse besteht daraus, adressen aus den gelben seiten und dem internet zu ziehen.

Ich weiß nur icht, ob er das alles mit absicht macht oder ob er sich irgendwo in seinem hirn einbildet, es wäre richtig? ich bin übrigens nicht alleine der meinung, nur da er ein sehr guter verkäufer ist, glauben ihm leider noch zu viele.

ich habe das gefühl, wenn ich ihn persönlich schriftlich auf diese dinge aufmerksam mache, fühlt er sich persönlich angegriffen. dabei will ich doch nur das beste für die firma und alle mitarbeiter. und er wird sich wegen meiner meinung nicht ändern.

es wäre doch sicher sehr gefährlich für mich, wenn ich mich selbst an den aufsichtsrat oder den hauptgesellschafter wende oder? aber ich kann nicht alles übersehen - dann laufen wir vielleicht blindlings ins unglück.

wer kann mir rat geben? ich habe einfach niemanden, mit dem ich offen über das problem reden kann -alle berater der firma würdes es meinem chef weitersagen. aber ich bin einfach zu jung, um so eine situation alleine zu meistern.

tschööö, ein genervtes indygirl

Hallo,

Was ist dir lieber?
-alles so lassen, wie es ist und mit ansehen, wie der Chef den Laden in den Sand setzt, oder
-den Chef bei dessen Vorgesetzten „verpfeiffen“, der Chef fliegt und du kriegst vieleicht einen kompetenteren Chef
Die Entscheidung liegt bei dir, obwohl wenn du nur zuschaust mußt du dich nicht wundern, wenn der Laden Pleite macht und du dann auf der Straße stehst.

just my 2 cents

Gruß
Sticky

Such dir was Gescheites.
Hi,

was du schreibst klingt wie ein grosser Witz.
Die Berufsbezeichnung in deiner Vika ist nicht minder witzig.
Sieh dich doch mal nach einer Arbeitsstelle um.
Da wo du jetzt bist, kann nicht einmal von „Hobby“ die Rede sein.

Mein erster Job vor Jahren war insofern mit deiner derzeitigen Situation vergleichbar, als dass ich nirgends auch nur einen Hauch von Professionalität sah.
Vor solchen Läden kann man nur wegrennen.

Gruss,

Den Chef hinter dir lassen!
Hi Indy,

auch mich erinnerte das spontan an eine Firma, für die ich einmal vor knapp 10 Jahren gearbeitet habe, und zwar ca. 3 Monate lang, dann habe ich gekündigt. Dort wurde ich übrigens nach einer Woche zur Personalreferentin erklärt - wohl auch, weil mein Chef es witzig fand.

Die Firma war übrigens auch neu gegründet und knapp 2 Jahre nach Gründung auch schon wieder weg vom Fenster. Keine Ahnung, wie der gute GF fast zwei Jahre überhaupt geschafft hat.

Grüße
Christiane

PS: Die Initialen deines Chefs sind nicht zufälligerweise MP und er brüllt täglich mindestens einen Mitarbeiter zusammen, sein Schreibtisch ist das einzige Chaos und er macht Privatentnahmen ohne Beleg vom Geschäftskonto? Nee, wohl eher nicht, leider gibt es nicht nur ein paar Nieten …

was du schreibst klingt wie ein grosser Witz.
Die Berufsbezeichnung in deiner Vika ist nicht minder witzig.

Hä???
das versteh ich nicht.

Gruß,
ibns

Hallo Indygirl,

nur da er ein sehr
guter verkäufer ist, glauben ihm leider noch zu viele.

Solche Menschen geniessen in vielen Unternehmen „Narrenfreiheit“, daher auch mein Rat an Dich - sieh Dich nach einer neuen Stelle um.

Denn erfahrungsgemäß zeitigen Meldungen an z.B. die Person der er disziplinarisch unterstellt ist, keinerlei Wirkung. Schließlich tragen seine guten Umsatzzahlen auch dazu bei, dass sein Chef bei Vorstandssitzungen „glänzen“ kann.

Viele Grüße
Eve*

Hallo Indygirl,

folgende Fragen:
a) hat Dein Chef die Firma gegründet bzw. wer hat die Fa. gegründet?
b) wer ist Kapitalgeber und in welchem Verhältnis steht der/die Kapitalgeber mit dem Gründer und dem Geschäftsführer?
c) ist Dein Chef der einzige Geschäftsführer? Wenn nein, wie sind die binnenvertraglichen Regeln zwischen den Geschäftsführern?

Warum ich das Frage? Du bewegst Dich ganz sicher auf einem sehr, sehr dünnem Eis. Irgendjemand bei den Gesellschaftern muss Deinen Chef für „fähig“ halten, sonst wäre er wohl kaum Geschäftsführer. Das kann er selber sein als Gründer, das kann aber auch der Hauptgesellschafter sein, der nicht unwesentlich Kapital auf genau diesen Menschen gewettet hat.

So, und nun kommst Du, die 22 oder 23-jährige Prokuristen in meinen Augen wider Willen und Erfahrung. Du hast den - sicher zumindest aus Deiner Sicht berechtigten - Eindruck, das Unternehmen würde von einem unfähigen und völlig überforderten Menschen geleitet (das war eine Zusammenfassung Deines Postings). Und damit gehst Du zu den Menschen, die offensichtlich nicht wenig Vertrauen in und vermutlich viel Geld auf exakt diesen Menschen setzen.
Wie glaubst Du, werden diese Menschen reagieren. Ich gebe ein paar Möglichkeiten zur Auswahl:
a) sie sind begeistert, dass ihnen endlich jemand sagt, wie sehr sie sich geirrt haben, und sie vor großen Verlusten gewarnt werden. Sie loben Dich, schmeißen den Geschäftsführer raus, stellen einen neuen ein. Und der bekommt als erstes erzählt, dass er eine junge Prokuristin hat, die den alten GF „gefeuert“ hat. Hurrah, prickelnde Perspektive, oder?
b) sie lachen sich tot, weil ihnen ein junges Mädel erzählt, wie sie Geschäfte machen sollen und von ihnen verlangt, dass sie den Geschäftsführer ihres Vertrauens rausschmeissen sollen. Sie tätscheln dir die Schultern und erzählen beim nächsten Bier dem GF brühwarm den Witz. Auch prickelnd, oder?
c) sie schütteln entsetzt den Kopf, norden den GF mit Deinen Worten als Zitat ein und der schmeißt Dich dann raus … Ganz arg prickelnd.
d) sie verlieren das Vertrauen in die Firma und den Gründer, ziehen ihre Kapitalzusagen zurück, liquidieren das Unternehmen, wobei Du rausfliegst.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich denke, Du überhebst Dich gerade massiv, wenn Du versuchst, den GF bei den Kapitalgebern „anzuschwärzen“. Ich sehe nur eine wirkliche Möglichkeit für Dich: Suche das Gespräch mit dem GF, der Dir ja momentan vertrauen muss, sonst hättest Du keine Prokura erhalten, und schildere ihm sachlich Deine geschäftlichen Bedenken, ohne ihn in der Position anzugreifen. Nenne ihm Lösungen, biete ihm Deine Arbeitskraft bei den Lösungen an.
Lösungen könnten sein, dass Du Projekte übernimmst und zu Ende führst. Lösungen könnten sein, vorzuschlagen jemanden einzustellen, der die Projekte zu Ende führt. Lösungen könnten sein, gemeinsam eine Vision mit Maßnahmenplan zuerarbeiten, dessen Abarbeitung Du verfolgst.

Und wenn die Situation dann so bleibt wie bisher: Dann gehe und such Dir was neues. Und schreibe bestenfalls sehr(!) klein Deine Prokura in die Bewerbung, denn kein Bewerbungsempfänger wird die Vergabe an Dich wirklich nachvollziehen können …

Grüße
Jürgen

Versuch das Problem zu lösen !
Hallo …

versuch das Problem zu lösen !

Deiner Schilderung nach ist der Chef ein guter Verkäufer und er wurde ja ganz offensichtlich von Dritten in diese Position (GF) eingesetzt, die sich etwas von ihm versprochen haben und ihn über einen Aufsichtsrat kontrollieren.

Die Erwartungen des Aufsichtsrates kennst Du vermutlich nicht, wenn er aber damit zufrieden ist, dass der Chef hemmungslos übertreibt und damit erfolgreich akquiriert, dann kann dies durchaus so gewollt sein. Es kann sehr gut sein, dass der Aufsichtsrat die Übertreibungen als „Vision“ versteht, während es von Dir als „Lüge“ interpretiert wird.

Da Du als Prokuristin eingestellt wurdest, kannst Du die Gelegenheit beim Schopfe packen und eine Aufbau- und Ablauforganisation aufbauen, die Deinen Chef auf seine verkäuferische Tätigkeit reduziert, vermutlich wäre ihm das nicht einmal so unrecht, nach dem was Du hier schreibst.

Bitte um ein Gespräch und teile ihm auf neutrale Weise Deinen Eindruck mit, wie Du verschiedene Handlungsweisen empfindest. Aber… dies darf nicht so vonstatten gehen, dass Du ihm sagst: „Sie tun dies… Sie tun das…“ dies greift die Person an. Du must dies auf neutralem Wege tun, d.h. z.B. in einer Form: „Ich empfinde, dass hier im Unternehmen viele Dinge unkoordiniert laufen…“

Von der Zielsetzung muss herüberkommen, dass Du ihm diejenigen Arbeiten abnehmen möchtest, die er Deines Erachtens weniger gerne ausgeführt hat und ihm diese Arbeiten zukünftig unterschriftsreif zuarbeitest, quasi bereits entschieden.

Auf diese Weise beginnst Du ganz allmählich den Chef dahin zu steuern, wohin Du ihn haben willst, es kehrt mehr Ruhe ein und er nervt Dich nicht mehr.

Die Übertreibungen beim Verkauf können notwendig sein, je nach verfolgter Geschäftspolitik, dies kann man aus den wenigen Zeilen nicht erahnen. Es kann ja beispielsweise sein, dass der Aufsichtsrat einen Verkäufer zum GF gemacht hat, um in einem umkämpften Markt auf Teufel komm raus Marktanteile zu holen… weiss man alles nicht.

Kündigen und Dich nach einer neuen Stelle umsehen kannst Du immer noch, wenn es denn notwendig wird.

Viel Erfolg!

MfG
BEBOUB

was neues suchen… sicher, aber wer nimmt mich schon mit nem haleb jahr berufserfahrung? ok, wenn ich die praktika aus dem Studium dazunehme, ist es schon mehr, ca. 2 Jahre…

sicher ist es seltsam, jemandem mit 23 schon prokura zu erteilen, aber was hätte ich wohl sagen sollen, als er mir das „aufgedrückt“ hat? ich nehme an, er hat sich keine gedanken dazu gemacht, was das eigentlich bedeutet bzw. was das für folgen hat. tja und den ärger hab ich jetzt: die prokura - gut, die kann man in einer bewerbung verschweigen, aber wie erkläre ich in einer bewerbung, dass ich was neues suche nach so kurzer zeit?

*seufz*