Kündigung durch Arbeitnehmer

Hallo w-w-w-ler,

habe aus persönlichen Gründen einen guten Job in einer süddeutschen Großstadt gekündigt, ohne einen Folgejob zu haben. Ging einfach nicht anders. Der Karriereknick war mir bewußt.

Objektive Gründe gab es auch ( Dienstreisen in den Nahen Osten, 3h täglich auf dem Weg etc). Ausbildung, Werdegang und Zeugnisse sind OK.

Bin derzeit intensiv bei der Arbeitssuche ( in der Nähe) und hatte bereits Vorstellungsgespräche, die leider nicht zum neuen Job geführt haben.Ich bin mir sicher daß es die Kündigung meinerseits war.

Kann mir jemand einen Rat geben, wie ich den Kündigungsgrund formulieren / erklären kann, damit dieser kein K.O.-Schlag wird.

Vielen Dank im vorraus,
Mit freundlichen Grüßen,
Siegfried

Hallo Siegfried,

Kann mir jemand einen Rat geben, wie ich den Kündigungsgrund
formulieren / erklären kann, damit dieser kein K.O.-Schlag
wird.

na das ist besonders schwierig mit diesen dünnen Informationen:
keine Berufsangabe, kein Alter, keine klitzekleine Andeutung welcher Art diese persönlichen Gründe sind, wie z.B. „ich hab jetzt 'n Kind und möchte es öfters mal sehen“ oder „ich hab geheiratet“ oder „ich hab jetzt andere Prioritäten im Leben“ …
Wurdest Du denn im Gespräch direkt nach Deiner Selbstkündigung gefragt?

Am besten erscheint mir in solchen Fällen immer, ziemlich nahe an der Wahrheit zu bleiben. Du hast ja schon ein paar objektive Gründe genannt, wie die lange Fahrtzeit und den Auslandsaufenthalt.

HTH
bobesch

Hallo Siegfried,

Kann mir jemand einen Rat geben, wie ich den Kündigungsgrund
formulieren / erklären kann, damit dieser kein K.O.-Schlag
wird.

hm, vielleicht sollte die Tätigkeit im Nahen Osten als Grund herausgearbeitet werden (Sorge um meine Familie etc.). Da Du anders nicht eingestezt werden konntest …

Andere Gründe wie 3 h Jahrt zur Arbeit etc. ziehen nicht, Du kannst schließlich umziehen. Wenn Du das persönlich nicht möchtest, interessiert das einen AG wenig bis gar nicht.

Gandalf

Hi Siegfried,

mein Vorposter hatte ja schon zu Recht bemängelt, dass Du sehr wenig Details von Dir preis gibst. So kann eine Eigenkündigung sehr negativ ausgelegt werden, wenn das innerhalb der letzten 5 Jahre schon zum 17.ten Mal passiert. Dann könnte der geneigte Personaler nämlich annehmen, dass Du auch in seinem Laden nicht lange ausharren wirst. War das aber Deine erste Firma, wo Du auch Deine Lehre gemacht hast und wo Du die letzten 10 Jahre gearbeitet hast, wird jeder sofort einsehen, dass es einfach mal Zeit wurde für ne Veränderung. Sprich, so pauschal kann man das

Ich bin mir sicher daß es die
Kündigung meinerseits war.

wohl eher nicht sagen…

Und auch hier schliesse ich mich meinem Vorposter an: Du solltest so weit es geht bei der Wahrheit bleiben, jedoch NIX negatives über die Ex-Firma erzählen. Also nicht „Das war ein elender Saftladen und der Scheffe ein Idiot ohne gleichen“ (selbst wenn das die Wahrheit ist *fg*). Sondern eher „Ich habe bei Firma xxx persönlich keine Entwicklungsmöglichkeiten für mich gesehen (und dann am besten einen Schwenk auf die tollen neuen Aufgaben im potentiell neuen Job *fg*).“ Die anderen beiden Argumente die Du bringst, finde ich etwas kritisch. Der lange Arbeitsweg: okay. Aber da könnte man Dir entgegenhalten, dass Du ja hättest umziehen können. Und vor allem ist das kein Grund, um überstürzt zu kündigen, ohne was anderes zu haben.
Die Sache mit den Reisen… Hmmm - so gut ich persönlich Dich verstehe, ich glaub als Personaler würde ich Dir da Dinge wie „Feigheit“ oder „stellt seine eigenen Bedenken über die Interessen der Firma“ unterstellen. Hast Du denn nix anderes zu bieten? Wie gesagt, mangelnde Aufstiegsschancen eignen sich immer hervorragend. Und natürlich das Interesse, sich mal in eine andere Richtung zu orientieren.

Achja, erwähnen würde ich das im Anschreiben allenfalls in einem Nebensatz „bisher war ich bei Firma_x im Bereich y tätig, nun möchte ich mich gerne in den Bereich_z umorientieren“. Im Gespräch kannst Du das dann etwas näher erläutern und dann auch die „Nebenargumente“ wie langer Arbeitsweg und Reisen in gefährliche Länder erwähnen. Aber eben nicht als Hauptargument.

*wink*

Petzi

Hallo,

erst mal vielen Dank für die bereits hilfreichen Antworten und für die aufgezeigten Mängel in meinem Artikel…ich wollte niemand von Anfang an mit zu vielen Details beelenden…ich hole es aber hiermit nach.

Ich bin 43 Jahre alt, habe an einer Technischen Universität in Süddeutschland einen Abschluß als Dipl.-Ing. in Elektrotechnik / Nachrichtentechnik gemacht und bin seit meinem Abschluß noch keinen Tag arbeitlos gewesen. In meiner ersten Firma nach dem Studium war ich knapp 4 Jahre lang beschäftigt und da ich keine Aufstiegschancen mehr hatte, hab ich mich verändert. Meine damalige Funktion: Leiter Logistik in einem Unternehmen das Elektronische Baugruppen entwickelt bestückt und vertreibt.

In der Firma aus der ich vor einigen Tagen ausgeschieden bin, war ich 9 Jahre lang beschäftigt. Gleiche Brache ( Entwicklung, Produktion und Vertrieb von hochkomplexen elektronischen Baugruppen in einer kleine feinen Nische). Mein Job läßt sich einfach als Projektmanager beschreiben, plaziert an der Schnittstelle zwischen Kunde, eigener Entwicklung, Fertigung ( Subunternehmer) und Lieferant. Aus der Historie heraus war ich für alles verantwortlich ( ich durfte es auch praktisch umsetzen) was zwischen einem ersten Kundengespräch und einer ev. Reparatur nach n-Jahren anfiel. Mit einem 2.ten Projektmanager war ich gleichgestellt und direkt dem Geschäftführer unterstellt.

Am Anfang war es ein 3.5 Mann Betrieb, in der Zwischenzeit sind es 12.
Davon 9 Ingenieure. 90% des Umsatzes wurde außerhalb Deutschlands getätigt. Firmensprache + Dokumentation war englisch. Der Jahresumsatz liegt im kleinen 2-stelligen Mio Bereich. Seit 5 Jahre hatte ich auch Prokura.

Der Job an sich war durchaus eine Herausforderung, hat sich aber zum Alptraum entwickelt. Mobbing war nie ein Thema.

Ein 13-14 h Tag war eigentlich eher die Regel als die Ausnahme.
Ein Umzug kommt nicht in Frage. Wir haben ein eigenes Haus und Süddeutschlands größte Stadt und deseen Umland ist ein unbezahlbares Pflaster.

Der eigentlich Grund ( hat aber nur das Faß zum Überlaufen gebracht) war pur privater Natur. Nach n Jahre und n Diskussionen hat mich meine Ehefrau schlicht vor die Alternative gestellt: Sie und unsere Familie (17 Jahre verheiratet). oder der Job…und so viel war mir der Job auch wieder nicht wert.

Was meine „Abgang“ angeht, so haben wir uns ganz friedlich und anständig getrennt. Alles ist ordnungsgemäß übergeben und abgeschlossen. Ich habe und werde auch nie was schlechtes über die Firma reden, weil es nicht der Fall war. Erstaunlicherweise hat sich mein Chef bei der Kündigung überhaupt nicht erstaunt gezeigt und mir auch kein Bleibe-Angebot gemacht ( Alternativen hätte es gegeben- Homeoffice etc. , obwohl ich deutlich gesagt habe daß ich noch keinen Folgejob habe.

So, daß wäre nun die Langform gewesen.

Bitte laßt mich wissen ob sich daraus was machen ließe und wie ich so was rüberbringen könnte

Vielen Dank,
Siegfried

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Hallo Siegfried,

oooh, schön, dass Du so ausführlich antwortest :wink: Ich hab manchmal den Eindruck, dass die Leute ob der Masse meiner neugierigen Fragen erschlagen sind und sich dann nimmer rühren…

Da Du ja in der letzten Firma 9 Jahre beschäftigt warst und Dich ja auch ganz nett hochgearbeitet hast, ist die Sache mit der „Suche nach neuen Herausforderungen“ sicherlich absolut glaubhaft. Je nachdem was Du nun wirklich als nächstes machen willst - also sei es von der Position her oder auch vom Produkt her, kannst Du da sicher ne ehrliche Begründung zaubern, die sicher nicht gegen Dich verwendet wird. Im Gespräch - und auch wirklich erst dann - kannst Du noch erwähnen, dass Dir wegen Deinem Eigenheim in X-Lingen die Fahrt einfach zu weit war und zuviel Zeit „auf der Strecke“ geblieben ist.

Das einzige, was man Dich bösartigerweise noch fragen könnte ist, warum Du gekündigt hast, bevor Du nen neuen Job hattest. Eine mögliche Erklärung wäre, dass Du in Ruhe suchen wolltest, dass Du eh einen längeren Urlaub-Auszeit geplant hattest, dass Du Sorge hattest, dass Dein Ex-Scheffe zu früh von Deinen Veränderungsabsichten erfährt oder auch eventuelle Sperrklauseln im Vertrag. Allenfalls bietet sich auch die (meist nicht ganz wahre) Geschichte an, dass Du von einem anderen Unternehmen eine mündliche Zusage hattest, aus der aus seltsamen Gründen dann kein Vertrag wurde.

*wink* und viel Erfolg

Petzi

Hallo Siegfried,

als Beraterin trainiere und berate ich viele Menschen in ähnlicher Situation. Und meine aus-dem-Bauch-raus-Vermutung ist: die selbst vorgenommene Kündigung ist nicht der (vorrangige) Grund warum es nicht geklappt hat. Nach 9 Jahren darf man schon mal selbst gehen, wenn es nicht mehr passt und man sich nicht mehr so entwickeln kann, wie man will. Man könnte auch umgekehrt fragen: warum hat er das so viele Jahre ausgehalten, statt seine Ziele besser zu verfolgen?
Woran es liegen könnte: An der nonverbalen Kommunikation: Oft ist die Wirkung auf den Interviewer viel wichtiger als deine exakte Argumentationsstrategie. Wenn du ausstrahlst es sei ein guter, überlegter, zielorientierter Schritt, glaubt man das auch. Und das läßt sich alles im Vorfeld trainieren, am besten mit Videofeedback.

Vieles ist bereits gesagt worden: hier noch ein zusätzlicher Tipp:
mach etwas in der Zeit der Umorientierung, berate irgendeinen Verein ehrenamtlich, mach eine Weiterbildung, mache ein kleines selbstständiges Projekt … Dann hast du die Zeit auch beruflich genutzt und im Lebenslauf die Lücke gefüllt.

Viel Erfolg beim Job-Finden!
Mahena Stief