Hallo,
kann mir jemand sagen, ob es sich lohnt, als Einzelunternehmer für einen Paketdienst zu arbeiten? Ich meine die in Hamburg ansässige Truppe mit dem blauen Logo auf weißen Autos.
Insbesondere würden mich persönliche Erfahrungen von Unternehmern oder ehemaligen Unternehmern interessieren. Was ist im Krankheitsfalle, wenn man keine Angestellten hat? Welche Stückzahl muss ich fahren, um zwei Personen davon zu ernähren? Welchen Sendungspreis erhält ein Unternehmer?
Ich arbeite derzeit als Fahrerin für einen Unternehmer und trage mich mit dem Gedanken, es auf selbständiger Basis zu machen, sobald ich gesundheitlich wieder richtig fit bin.
Viele Grüße,
Annette.
moin,
ein freund von mir faehrt sowas. er bekommt pro geliefertem paket 0,85 brutto . da sein auto recht klein ist, muss er mehrmals zum depot zum „nachtanken“.
abholer hat er kaum, da er eine reine wohngegend als gebiet hat - die meisten seiner kunden sind katalogbesteller.
an guten tagen hat er um die 50 pakete - dafuer ist er ca 5 stunden unterwegs.
dann hat er also nach 5 stunden brutto 42,50 eingenommen, davon muss er sein auto unterhalten, das geld muss er versteuern. er muss auch eine transportversicherung eindecken, da er fuer schaeden selbst haften muss…
wenn er das trinkgeld nicht haette, dann haette er laengst aufgehoert.
es gibt sicherlich auch gute touren in industrie- oder gewerbegebieten, wo man mit mehr sendungen und groesserem auto mehr verdienen kann, aber diese touren muss man erstmal bekommen…
gruss
khs
die kep-dienste druecken und pushen da den preis, wo sie es am leichtesten koennen - beim auslieferfahrer!
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Hallo Annette!
kann mir jemand sagen, ob es sich lohnt, als Einzelunternehmer
für einen Paketdienst zu arbeiten?
In solcher Tätigkeit ist niemand Unternehmer, sondern abhängig Beschäftigter, ohne die soz. Absicherung eines Angestellten zu genießen. Statt dessen muß der Paketfahrer ganz alleine für seine Absicherung sorgen, hat keinen Urlaubsanspruch, keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und muß für sein Arbeitsmittel, nämlich das Kurierfahrzeug, selbst sorgen.
Solcher Job hat mit Selbständigkeit und Unternehmertum nichts zu tun. Es ist Scheinselbständigkeit in Reinkultur.
Finger weg von solchem Mist!
Gruß
Wolfgang
Hallo,
kann mir jemand sagen, ob es sich lohnt, als Einzelunternehmer
für einen Paketdienst zu arbeiten? Ich meine die in Hamburg
ansässige Truppe mit dem blauen Logo auf weißen Autos.
Völlig egal bei welcher Truppe. Wenn Du selbstständig bist heißt das nicht daß Du keine Mehrkosten gegenüber einem abhängig Beschäftigten, dafür aber den höheren Verdienst hast bei gleicher Tätigkeit. Du trägst das unternehmerische Risiko ganz alleine, was ist wenn Du krank wirst, Dein Auto kaputt geht, weißt Du welche Versicherungen und Abgaben auf Dich zukommen, wie man eine Buchführung organisiert?
Mit Paket-Ausfahren verdienst Du sicher nicht viel und bist froh wenn Du irgendwie leben kannst. Schau Dir mal an wie die Leute mit ihren Sprintern über die Autobahn rasen und welche Unfallzahlen Kurierdienst-Kleintransporter haben. Der Gesetzgeber war knapp davor eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h zu erlassen weil es Überhand nahm. Die Leute rasen bestimmt nicht nur deswegen durch die Gegend weil sie allesamt „sportliche Fahrer“ sind.
Du bist auch bestenfalls scheinselbstständig, denn was machst Du wenn Dein Vertragspartner Dir nur noch die Hälfte bezahlen will oder Dir Arbeitsbedingungen/Zeiten/was auch immer vorgibt - sagst Du dann „interessiert mich nicht“?
Ich kenne einen einzigen Unternehmer, der einigermaßen gut verdient: er sitzt am Köln/Bonner Flughafen und transportiert für UPS besonders dringende Luftfracht, wenn sehr gute und potente UPS-Kunden nicht bis zur nächsten UPS-eigenen Zustellung warten können weil die Maschinen stillstehen etc. Dann kommt dieses Unternehmen zum Einsatz, und das läuft dann so ab: UPS ruft an und 10 Minuten später fährt ein Kurier bei UPS vor um Fracht nach Barcelona, Perpignan, Budapest oder sonstwo zu übernehmen. 24 Stunden später ist der Wagen wieder da und übernimmt die nächste Fuhre…
Möchtest Du mit den Fahrern, die solche Ochsentouren übernehmen, tauschen - obwohl zumindest der Verdienst halbwegs stimmt? Ich nicht.
Du mußt es nochmal selber genau kalkulieren, aber ich glaube nicht daß man als Kurierfahrer ausreichendes Geld verdient. Mal ganz platt gesagt: such Dir lieber 2 400EUR-Job-Putzstellen, da verdienst Du bei 1/3 an Arbeit und 1/10 an Streß das doppelte Geld.
Gruß,
MecFleih