Kündigung wie am besten verkaufen

Hallo,

vor kurzem habe ich meinen Job gekündigt, in dem ich erst seit 3 Monaten bin. Davor war ich etwa 4 Jahre bei einem Immobilienunternehmen in der Buchhaltung. Da ich dort keine Perspektiven sah, bin ich gewechselt.

Ich arbeite als Staff Accountant (Buchhalter) in einem Umweltkonzern. Die Buchhaltung ist ein sehr kritischer Bereich. Finance Manager und Europe Finance Manager haben ebenfalls nach 8 bzw. 9 Monaten gekündigt und werden das Unternehmen Ende März zusammen mit mir verlassen haben. Eine Zeitarbeitskraft wird ebenfalls bald nicht mehr da sein. In der Schweiz haben auch nacheinander Controller und Buchhalter nach kurzer Zeit gekündigt.

Das Unternehmen wurde vor etwa 1,5 Jahren von einem großen Mischkonzern übernommen. Seit dem wurden viele Leute fristlos entlassen, u.a. auch die vorige Finance Managerin. Die Nachfolgerin wollte das Unternehmen nach bereits einem Monat verlassen, hat sich dann aber doch dazu überreden lassen länger zu bleiben. Vor dem Hintergrund, dass sie noch keinen neuen Job gefunden hatte.

Wir sind alle ziemlich jung. Ich 31, die anderen zwischen 28 und 39.

Die Buchhaltung ist eine einzige Katastrophe, sozusagen ein Fass ohne Boden. Der Hauptsitz ist in USA. Ständig kommen Leute von dort, um einerseits die neue Akquisition zu integrieren (Anpassung an Unternehmensrichtlinien und Prozessen) und andererseits die Buchhaltung zu überprüfen und auf Vordermann zu bringen. Und von denen haben die meisten nicht so die große Ahnungen von HGB.

Die Buchhaltung wird eigentlich lokal abgwickelt, dennoch haben die Amerikaner Zugriff auf das Netzwerk und buchen ständig irgendwelche Anpassungen, welche kein Mensch versteht und das ganze Zahlenwerk noch mehr durcheinanderbringt.

Dazu kommt, dass das Betriebsklima nicht wirklich gut ist. Die Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen / Personen nicht wirklich erfreulich. Viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz. Das Betriebsgebäude nicht besonders attraktiv. Damals wurde hier gefertigt. Der Büroraum war früher mal ein Duschraum, als noch gefertigt wurde. In den Toiletten läuft nur kaltes Wasser und die sanitären Anlagen sind ekelerregend, aber einigermaßen sauber.

In der Firma funktioniert vieles nicht erfreulich, zumindest was Verwaltung und Prozesse anbetrifft. Zum Beispiel hat jahrelang kein Projektcontrolling stattgefunden. Man wusste nie wirklich, was man an Projekten verdient. Ausgangsrechnungen wurden nicht geschrieben. Projektmanager haben Wut auf die Buchhaltung, da viele Projekte in der Vergangenheit nicht gebucht wurden. Vielfach existiert Galgenhumor.
Eigentlich kann man hier nur bleiben wollen, wenn man keine sonstigen ALternativen auf dem Arbeitsmarkt hat, zumindest was die Buchhaltungsabteilung anbetrifft.

Seit über einem Jahr versuchen die Verantwortlichen Struktur reinzubringen. KPMG Prüfungskosten betrugen allein für zwei Jahre über eine halbe million Euro, obwohl das Unternehmen nur 30 Mill. Euro Umsatz macht.

Diese ganze Problematik hat mich dazu bewogen schon früh den Schlussstrich zu ziehen. Ich muss aber auch sagen, dass ich viel Spass hatte, insbesondere mit den Finance Manager und dem Europe Finance Manager. Mit den anderen Mitarbeiten (zwei Buchhalter von der Zeitarbeit und eine Festangestellte) habe ich so meine Mühen und bin froh diese bald nicht mehr wiederzusehen. Die Kommunikation stimmt nicht.

Wie verkaufe die ganze Sache in meinen Bewerbungen ?

Gruß
Aaliyah

Hi Aaliya,

Wie verkaufe die ganze Sache in meinen Bewerbungen ?

nicht so wie Du’s hier schilderst :wink: Ich kommentiere mal rein, okay?

vor kurzem habe ich meinen Job gekündigt, in dem ich erst seit
3 Monaten bin. Davor war ich etwa 4 Jahre bei einem
Immobilienunternehmen in der Buchhaltung. Da ich dort keine
Perspektiven sah, bin ich gewechselt.

Das ist eine echt sinnvolle Erklärung, aber die haste ja beim „letzten“ Jobwechsel nun verbraucht :wink:

Finance Manager und Europe Finance Manager haben
ebenfalls nach 8 bzw. 9 Monaten gekündigt und werden das
Unternehmen Ende März zusammen mit mir verlassen haben. Eine
Zeitarbeitskraft wird ebenfalls bald nicht mehr da sein. In
der Schweiz haben auch nacheinander Controller und Buchhalter
nach kurzer Zeit gekündigt.

Ist kein Argument. Was interessiert es Dich, wenn andere Leute kündigen? Das ist zwar menschlich schade, aber für die Firma machst Du’s auch nicht einfacher, wenn Du „auch noch“ gehst :wink:

Das Unternehmen wurde vor etwa 1,5 Jahren von einem großen
Mischkonzern übernommen. Seit dem wurden viele Leute fristlos
entlassen, u.a. auch die vorige Finance Managerin. Die
Nachfolgerin wollte das Unternehmen nach bereits einem Monat
verlassen, hat sich dann aber doch dazu überreden lassen
länger zu bleiben. Vor dem Hintergrund, dass sie noch keinen
neuen Job gefunden hatte.

Auch keines.

Wir sind alle ziemlich jung. Ich 31, die anderen zwischen 28
und 39.

dito :smile:

Die Buchhaltung ist eine einzige Katastrophe, sozusagen ein
Fass ohne Boden.

Das könnte man diplomatisch umformulieren :wink: Nicht „Fass ohne Boden“ sondern „war in der Vergangenheit stark vernachlässigt worden, so dass …“

Der Hauptsitz ist in USA.

Sowas kommt in den besten Familien, ähm Firmen vor, ist aber normalerweise kein Kündigungsgrund.

Ständig kommen
Leute von dort, um einerseits die neue Akquisition zu
integrieren (Anpassung an Unternehmensrichtlinien und
Prozessen) und andererseits die Buchhaltung zu überprüfen und
auf Vordermann zu bringen. Und von denen haben die meisten
nicht so die große Ahnungen von HGB.

Das ist nicht nur kein Argument sondern ein ko-Kriterium. Mutterfirmen kritisieren ist eine gaaaanz bööööse Sache *fg* Und über andere Leute sagen, dass die „keine Ahnung haben“ (selbst wenn’s stimmt) ist gaaar nicht gut.

Die Buchhaltung wird eigentlich lokal abgwickelt, dennoch
haben die Amerikaner Zugriff auf das Netzwerk und buchen
ständig irgendwelche Anpassungen, welche kein Mensch versteht
und das ganze Zahlenwerk noch mehr durcheinanderbringt.

Ebenfalls ein Killer. Allenfalls habt Ihr „äusserst widersprüchliche und verwirrende Informationen erhalten, so dass mehr Zeit auf Anpassungen denn auf die eigentliche Aufgabe draufging“, wenn’s denn schon sein muss.

Dazu kommt, dass das Betriebsklima nicht wirklich gut ist. Die
Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen / Personen nicht
wirklich erfreulich. Viele haben Angst um ihren Arbeitsplatz.

Ich gehe davon aus, dass Du da wirklich recht hast. Aaaber, wenn aus diesen Zeilen jemand böses lesen will, wird er sagen „Ahh, konnte sich nicht integrieren, ist nicht teamfähig, raus“

Das Betriebsgebäude nicht besonders attraktiv. Damals wurde
hier gefertigt. Der Büroraum war früher mal ein Duschraum, als
noch gefertigt wurde. In den Toiletten läuft nur kaltes Wasser
und die sanitären Anlagen sind ekelerregend, aber einigermaßen
sauber.

Selbst wenn das ein Argument wäre, das hast Du gewusst, bevor Du den Vertrag unterschrieben hast.

In der Firma funktioniert vieles nicht erfreulich, zumindest
was Verwaltung und Prozesse anbetrifft. Zum Beispiel hat
jahrelang kein Projektcontrolling stattgefunden. Man wusste
nie wirklich, was man an Projekten verdient.
Ausgangsrechnungen wurden nicht geschrieben. Projektmanager
haben Wut auf die Buchhaltung, da viele Projekte in der
Vergangenheit nicht gebucht wurden. Vielfach existiert
Galgenhumor.

Hier könnte man Dir mangelnden Ehrgeiz vorwerfen, sowas einzuführen. Natürlich nur, falls das zu Deinem Aufgabenbereich gehört. Sonst kann Dir das herzlich egal sein und ist kein Argument.

Eigentlich kann man hier nur bleiben wollen, wenn man keine
sonstigen ALternativen auf dem Arbeitsmarkt hat, zumindest was
die Buchhaltungsabteilung anbetrifft.

Nun, auch das würde ich so nicht schreiben.

Seit über einem Jahr versuchen die Verantwortlichen Struktur
reinzubringen. KPMG Prüfungskosten betrugen allein für zwei
Jahre über eine halbe million Euro, obwohl das Unternehmen nur
30 Mill. Euro Umsatz macht.

Ja und? Ist doch gut, wenn sie die Missstände zu beheben suchen. Und dass das unvernünftig viel Geld kostet ist doof aber kein Kündigungsgrund.

Diese ganze Problematik hat mich dazu bewogen schon früh den
Schlussstrich zu ziehen. Ich muss aber auch sagen, dass ich
viel Spass hatte, insbesondere mit den Finance Manager und dem
Europe Finance Manager.

Ja gehste denn zum „Spass haben“ in die Firma?, würde Dir der böswillige Leser unterstellen…

Mit den anderen Mitarbeiten (zwei
Buchhalter von der Zeitarbeit und eine Festangestellte) habe
ich so meine Mühen und bin froh diese bald nicht mehr
wiederzusehen. Die Kommunikation stimmt nicht.

Siehe oben bei der Sache mit dem Arbeitsklima.

Hab ich Dich richtig verstanden, dass Du schon gekündigt hast? Sprich, es ist eh schon passiert? Das wäre schade, denn „ungekündigt“ bewirbt sich’s ein wenig leichter. „Möchte ich verlassen, weil…“ ist besser als „Habe ich Hals über Kopf verlassen, weil…“ Aber gut, dann isses so.

Generell lese ich aus Deinem Posting raus, dass sich Deine Tätigkeit in eine Richtung entwickelt hat, die Dir nicht gefällt. Dass Du das wofür Du eigentlich eingestellt wurdest gar nicht anpacken konntest, weil zu vieles „im Argen“ (so nicht schreiben!!) lag. Dass Du bemerkt hast, dass die Aufgabe überhaupt nicht zu Dir passt, weil Du viel lieber … tun willst. Dass alles zu Anfang ganz toll klang und Du dann aber gemerkt hast, dass das einfach nicht Dein Ding ist.

Achtung: auch diese Punkte kann man gegen Dich verwenden. Sagst Du etwa „Job hat sich in die falsche Richtung entwickelt“ wird man sicher wissen was Du dagegen versucht hast zu tun. Und natürlich wird man sich wundern, warum Du nicht versucht hast, die Dinge „rauszureissen“. Und warum Du nun plötzlich (und nicht schon beim vorherigen Wechsel) gemerkt hast, dass Du „viel lieber… tun willst“. Das sind keine Killerdinge, aber Du solltest auf diese vorhersehbaren Fragen plausible Erklärungen haben. DIE eine schlüssige Erklärung für eine Kündigung gibt’s leider nicht.

Je nachdem, könnten natürlich auch plötzlich geänderte persönliche Verhältnisse einen Umzug samt Jobwechsel essentiell werden lassen (weil nämlich Dein neuer Freund im Hamburg ist und Du nicht von Stuttgart aus täglich pendeln willst oder so). Dann sollte natürlich die neue Firma nicht unbedingt im Nachbardorf sein *fg*

Und nochwas: wenn eine Firma genau ausgerechnet Dich einstellen will, ist sowas kein Hindernis - zumindest dann nicht wenn Du eine logisch klingende Erklärung dafür hast.

*wink*

Petzi

Hi Petzi,

natürlich versuchte ich Dinge zu ändern. Aber als Neuling muss ich da sehr vorsichtig sein. Da auch lange KPNG im Hause ist und ständig auch die Amis, sind viele schon eh gereizt.

Wir haben ein großes Software-Problem. Das System ist schlecht aufgesetzt. Da müssen Experten dran. Ich mache ständig Vorschläge auch gegenüber meinen Vorgesetzten, aber ich kann nicht eigenmächtig am System was anstellen oder umstellen. Da gibt es Experten die in USA sind.

Die meisten Forumulierungen die ich gebracht habe, werde ich bei Bewerbungen natürlich nciht gebrauchen.

Ich wohne im Rheinland. Die Arbeitsstelle ist aber 150 km entfernt und ich wohne deswegen bei Verwandten. Die Wohnungssuche gestaltete sich sehr schwierig.
Ich könnte die Pendelei als Grund angeben. Das wäre eine Möglichkeit.

Danke für deinen Input. Ich frage mich, ob ich überhaupt diese kurze Zeit in meinen Lebenslauf angeben soll.

Gruß
Aaliyah

Hallo,

Du kannst formulieren wie Du willst - wenn jemand negativ eingestellt ist und der Meinung ist daß der Fehler bei Dir liegt kann er immer sagen daß nur Du nicht in der Lage warst mit den Verhältnissen klarzukommen.
Schiebst Du es deinerseits direkt auf die Firma wird auch das ggf. gegen Dich ausgelegt. Es ist also fast egal was Du sagst, es könnte theoretisch immer gegen Dich interpretiert werden…

Ich würde deswegen formulieren „daß der Arbeitsstil in der Firma nicht nach den Dir bekannten Prinzipien verläuft“ und Du deswegen gemerkt hast daß ihr nicht zusammenpaßt.

Damit sagst Du nicht daß Du zu blöd warst (was ja auch nicht stimmt und sowieso nicht zu einer Eigenwerbung paßt) aber Du ziehst auch nicht offensichtlich negativ über Deinen momentanen Chaotenverein her.
Ich würde da also die Taktik des „beredten Schweigens“ fahren, also Aussagen über die Qualität der Firma vermeiden, aber so daß verstanden wird daß Du lieber schweigst als etwas Negatives zu sagen. Das kann man ja irgendwie doch durchblicken lassen.

Anhand früherer Erfolge läßt sich ja bestimmt nachvollziehen daß Deine Kenntnisse vorhanden sind und Du anderswo durchaus in der Lage warst gute Arbeit zu leisten. Insofern stellt sich ja schon die Frage ob es an Dir liegt oder in dieser Firma etwas nicht stimmt. Mit etwas Grips im Kopf dürfte der nächste Personaler verstehen bei wem er die Fehler ansiedeln muß.

Je nachdem wie gut man sich in der Branche kennt weiß man in den Läden, bei denen Du dich demnächst bewirbst, auch schon was bei Deiner jetzigen Firma los ist? Dann würde sowieso keiner auf die Idee kommen den Fehler bei Dir zu suchen, sondern weiß schon einzuschätzen auf welcher Seite es nicht funktioniert. So wie Du schreibst wird es den Chaotenverein ja bestimmt sowieso nicht mehr lange geben und wenn sowieso zahlreiche Ex-Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt sind kann es kaum daran liegen daß der einzelne nichts taugte.

Mach’ Dir also nicht zu viele Gedanken, die Umstände und Fakten sprechen eine deutliche Sprache und das wird man anderswo auch einzuordnen wissen.

Gruß,

MecFleih

Headhunter
Hi,

wenn du Kontakt mit einer Personalberatung aufnimmst, dann kommen fast alle von dir befürchteten Probleme erst gar nicht auf!
Setz mal ein anonymes Stellengesuch in deine überregionale Zeitung und warte ein paar Wochen.
Das kostet für Privatleute fast nichts.
Bei Bewerbungsgesprächen kommen sämtliche gefürchteten Fragen nicht auf bzw. können zurückgespielt werden.
Das ist eine komplett andere Ausgangslage!

Gruss,