Hi,
die Schwierigkeit ist daß Du das Zeugnis nicht komplett wieder gibst, also z. B. eine konkrete Aufgabenbeschreibung fehlt. Es wäre unseriös dann ein Urteil über das Zeugnis zu fällen, denn mir fällt weiter auf daß Du auch im Text selber kaum auf konkrete Dinge des Herrn Mustermann eingehst, sondern nur von „Gesamtbereich“, „Zielen“ etc. sprichst.
Ansonsten nutzt Du einerseits Bestandteile der üblichen Zeugnissprache, bist darin aber nicht konsequent - und das verwirrt weil man nicht recht weiß ob die Abweichungen bewußt sind um etwas Negatives auszudrücken, oder ob Du es nicht besser wußtest, aber die eine oder andere Redewendung, die Du aufgeschnappt hast, integriert hast.
Ich kann Dir so keine komplette Einschätzung geben, aber vielleicht kannst Du folgende Details schon mal verbessern:
Herr Mustermann, geboren am xx.xx.xxxx nahm seine Tätigkeit am
xx.xx.xxxx als xxx unserem Unternehmen auf. Mit Wirkung zum
xx.xx.xxx wechselte Herr Mustermann in den Bereich xxx.
In dieser Funktion war Herr Mustermann für den Gesamtbereich
verantwortlich; im Einzelnen gehörten folgende Tätigkeiten zu
seinem Aufgabengebiet:
xxx
Herr Mustermann hat sich engagiert in sein neues
Aufgabengebiet eingearbeitet und verfolgte nachhaltig die
vereinbarten Ziele.
stets nachhaltig
Er hat ein umfassendes und detailliertes
Fachwissen, das er beim Auftreten neuer Fragen und
Entwicklungen sicher einsetzte.
immer sicher einsetzte
Er aktualisierte beständig
sein Wissen und hat die erworbenen Kenntnisse stets gut
praktisch umgesetzt.
Seine Arbeitsweise war umsichtig und die von ihm erarbeiteten
Lösungen bewährten sich in der Praxis.
Hier fehlen wieder Begriffe wie „immer“, „jederzeit“, „stets“. Sinngemäß sagt der Satz: Er hat meistens ordentlich gearbeitet und seine Lösungen funktionierten einigermaßen.
Auch erhöhtem
Arbeitsaufwand und Termindruck war er gut gewachsen. Besonders
hervorzuheben ist seine Bereitschaft, im Bedarfsfall jederzeit
auch außerhalb seiner Arbeitszeiten zur Verfügung zu stehen.
Die Qualität seiner Arbeitsergebnisse erfüllte in vollem
Umfang die gestellten Anforderungen.
Aber auch nur manchmal?
Als Vorgesetzter legte
Herr Mustermann bei seinen Mitarbeitern vor allem Wert auf
Selbstständigkeit und Eigeninitiative. Die ihm übertragenen
Aufgaben erfüllte er stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Er
kam mit seinen Kollegen und auch den Vorgesetzten gut aus und
verhielt sich korrekt.
Die Reihenfolge muß lauten: Vorgesetzte - Mitarbeiter - Kunden. In Deinem Text erwähnst Du zuerst seine Mitarbeiter und erst dann die Vorgesetzten.
„Übertragene Arbeiten“ besagt daß er nur aktiv wurde wenn man ihn aufforderte - eine bessere Formulierung ist „er erfüllte seine Aufgaben stets…“
„verhielt sich korrekt“ ist 3-, „kam aus“ 4-. Erstens will man lesen daß er „immer“ korrekt auftrat und zum anderen reicht „korrekt“ nicht. „Korrekt“ ist wenn man keine konkreten Vorwürfe machen kann, aber auch nie mit demjenigen warm wurde. „Auskommen“ ist ganz grottenschlecht. Da muß also stehen daß er ein allseits beliebter, gefragter Ansprechpartner war, der von Vorgesetzten und Mitarbeitern immer gerne kontaktiert wurde.
Herr Mustermann verlässt uns zum 22.02.2006.
Haben andere ja schon erklärt: man wechselt nur dann zu solch krummen Terminen wenn man rausgeworfen und mit sofortiger Wirkung zwangsversetzt wird - beides maximal schlecht. Das Zeugnis muß bzgl. des Datums auf den letzten Arbeitstag in der bisherigen Abteilung ausgestellt sein, und das sollte möglichst immer ein Monatsende sein, notfalls zum 15. des Monats - aber bitte nicht auf den 22. …
Wir wünschen Herrn Mustermann alles Gute in der Zukunft,
Gesundheit und beruflichen Erfolg.
Das meine ich mit: Du verwendest aufgeschnappte Formulierungen, die dann aber falsch verwendet werden. Theoretisch sind das zwar die üblichen „guten“ Aussagen, aber in verdrehter Form. Im Zusammenhang mit dem Rest des Zeugnisses fragt man sich was einem das sagen soll - und bei den ansonsten eher nicht so tollen Aussagen interpretiert man folglich den Schlußsatz auch negativ.
Nebenbei fehlt eine Formel des Bedauerns über den Weggang von Herrn Mustermann und Dank an ihn - im Zusammenhang mit den anderen Dingen, die ich genannt habe, ist der Tenor: er ist fachlich halbwegs OK, menschlich kamen wir mit ihm aber nicht auf einen Nenner und sind froh daß er weg ist.
Besser als Schlußabschnitt: „Wir bedauern daß Herr Mustermann unsere Abteilung verläßt und danken ihm für die stets gute Arbeit, die er geleistet hat. Für seine private und berufliche Zukunft wünschen wir ihm weiterhin viel Erfolg und alles Gute.“
Gruß,
MecFleih