Nein zu 12 Tagen Arbeit am Stück?

Von: , Frage gestellt am Mi, 6. Sep 2000

Es handelt sich hier um meinen Mann, aber da es mich ja auch betrifft, würde ich gerne Eure Meinung hören.
Er ist Schlosser in einem mittelgroßen Betrieb und hat heute gesagt bekommen, er soll am Wochenende arbeiten. Seit einigen Wochen haben sie sehr viel zu tun, so daß statt der eigentlichen 9 Stunden täglich (mit Pausen) inzwischen regulär 11-12 Stunden gearbeitet werden. In den letzten 4-5 Wochen ist bereits drei Mal vorgekommen, daß auch am Samstag gearbeitet werden mußte, auch letzte Woche. Nun soll also am Samstag und Sonntag gearbeitet werden und, ob am am kommenden Samsatg dann frei ist, steht noch in den Sternen.
Ich finde es unverantwortlich, denn ganz ungefährlich ist es ja nun auch nicht. Wenn die Ruhezeiten nicht gegeben sind, passieren doch schnell mal Unfälle und es wird auch auf hohen Gerüsten gearbeitet und auch mit einem Schweißgerät z.B.
Was meint Ihr?

Danke und Gruß

Frauke

11 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    183 Tage arbeiten, Samstags u. Sonntags

    Hallo Frauke!

    Sei froh, daß Dein Mann diese Möglichkeit hat!
    Seine täglichen Ruhezeiten hat er. Tage dazwischen als Ruhezeiten sind nicht vorgeschrieben und auch nicht notwendig.
    Es gibt heute Berufe, da arbeiten die Leute jeden Samstag, jeden Sonntag zusätzlich und das mindestens 183 Tage lang.
    Gruß Werner

    • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
      Re: 183 Tage arbeiten, Samstags u. Sonntags

      Es kann doch nicht sein, daß man nur weil man in der glücklichen Lage ist Arbeit zu haben, auch über Überstuden im Übermaß auch noch jubeln soll. Ich arbeite selber in einem Betrieb mit Wochenendarbeit, aber die uns zu stehenden Freizeit erhalten wir.

      Frauke [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re^2: 183 Tage arbeiten, Samstags u. Sonntags

        Hallo Frauke!
        Dann sag Deinem Mann, er soll mal ordentlich beim Chef auf den Putz hauen und sagen, so gehts nicht Chef.
        Entweder mitmachen oder nicht! Rückgrat oder Buckeln!
        Darf ich mal raten, was er macht?
        Auf jeden Fall ist es richtig von den Arbeitnehmern, wenn die Firma mal endlich wieder viele Aufträge hat, da mal mitzumachen und den Chef nicht hängen zu lassen! Auch wenn es normal ist, zu
        glauben, daß der Chef so viel Unterstüzung nicht verdient hat.
        Gruß Werner [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Re: Nein zu 12 Tagen Arbeit am Stück?

    Hallo Frauke,

    auch wenn ich Deine Meinung durchaus nachvollziehen kann, muß ich doch ganz klar sagen, daß Dein Herr Gemahl keine Möglichkeit hat, sich vor Überstunden zu drücken, wenn er nicht unbedingt eine Kündigung riskieren will.

    Die Verweigerung von Mehrarbeit - gerade in Zeiten, wo im Betrieb der Teufel los ist oder ein wichtiger Auftrag anliegt - ist nämlich ein Kündigungsgrund, was auch mehrfach durch Arbeitsgerichte entschieden wurde.

    Das bedeutet allerdings nicht, daß die Überstunden ohne Bezahlung bzw. ohne Freizeitausgleich geschoben werden müssen. Den Arbeitsvertrag (Tarif/nicht Tarif, etc.) Deines Mannes kenne ich natürlich nicht, deswegen kann ich Dir dazu nichts Näheres sagen. statt der eigentlichen 9 Stunden täglich (mit Pausen) inzwischen regulär
    11-12 Stunden gearbeitet werden.
    Es sollte natürlich nicht zur Dauereinrichtung werden, ist aber manchmal unumgänglich. Ich finde es unverantwortlich, denn ganz ungefährlich ist es
    ja nun auch nicht.
    Wenn die Ruhezeiten nicht gegeben sind,
    passieren doch schnell mal Unfälle und es wird auch auf hohen
    Gerüsten gearbeitet und auch mit einem Schweißgerät z.B.
    Unverantwortlich würde ich es nicht nennen (schließließlich profitiert Dein Mann doch von dem Auftrag!). Und Unfälle passieren nun einmal und zwar meistens am Montag, obwohl man meinen könnte, daß die-/derjenige genug Zeit hatten, sich am Wochenende auszuruhen.

    Bitte nimm es nicht persönlich, aber Deine Schilderung (insbesondere Deine Befürchtungen) läßt praktisch unweigerlich darauf schließen, daß Du mit einem hundertjährigen und überaus klapperigen Tattergreis, der sich kaum auf den Beinen halten kann, verheiratet bist. Dein Mann ist doch sicherlich alt genug, um zu wissen, was er sich zutrauen kann.

    Auch bei mir in der Firma ist manchmal Wochenendarbeit (zum Teil bis tief in die Nacht) notwendig. Weil ich aber an keine Tarifverträge gebunden bin, habe ich mit meinen fleißigen Bienchen vereinbart, daß es für jeden am Wochenende durchgearbeiteten Tag zwei zusätzliche Urlaubstage gibt, die jederzeit auch kurzfristig (also morgens anrufen: ich komme heute nicht) genommen werden können. Der Gerechtigkeit wegen haben uns darauf geeinigt, daß - wenn Arbeit am Wochenende ansteht - die einen am Freitag freihaben und sonntags kommen, die anderen dafür samstags kommen und machen am darauf folgenden Montag blau.

    So hat jeder zwischendurch eine Verschnaufpause. Diese Methode funktioniert - wenigstens bei uns - seit Jahren hervorragend.

    Vielleicht sollten Dein Mann und seine Kollegen mit dem Chef sprechen. Es läßt sich ganz bestimmt eine vernünftige Lösung finden.

    Viele Grüße

    Tessa

    • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
      Re^2: Nein zu 12 Tagen Arbeit am Stück?

      Hallo Tessa, Unverantwortlich würde ich es nicht nennen (schließließlich
      profitiert Dein Mann doch von dem Auftrag!). Und Unfälle
      passieren nun einmal und zwar meistens am Montag, obwohl man
      meinen könnte, daß die-/derjenige genug Zeit hatten, sich am
      Wochenende auszuruhen.
      Profitieren kann man es ja nun nicht nennen, wenn der Arbeitgeber die Gewinne einstreicht und die Arbeitnehmer nicht mal einen Überstundenzuschlag erhalten, oder? Bitte nimm es nicht persönlich, aber Deine Schilderung
      (insbesondere Deine Befürchtungen) läßt praktisch unweigerlich
      darauf schließen, daß Du mit einem hundertjährigen und überaus
      klapperigen Tattergreis, der sich kaum auf den Beinen halten
      kann, verheiratet bist. Dein Mann ist doch sicherlich alt
      genug, um zu wissen, was er sich zutrauen kann.
      Ich denke, daß ich als nicht direkt Betroffene doch eher erkenne, wenn ein gewisser Punkt der Erschöpfung da ist, den man selbst nicht wahrhaben will. Außerdem ist es eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. Auch bei mir in der Firma ist manchmal Wochenendarbeit (zum
      Teil bis tief in die Nacht) notwendig. Weil ich aber an keine
      Tarifverträge gebunden bin, habe ich mit meinen fleißigen
      Bienchen vereinbart, daß es für jeden am Wochenende
      durchgearbeiteten Tag zwei zusätzliche Urlaubstage gibt, die
      jederzeit auch kurzfristig (also morgens anrufen: ich komme
      heute nicht) genommen werden können. Der Gerechtigkeit wegen
      haben uns darauf geeinigt, daß - wenn Arbeit am Wochenende
      ansteht - die einen am Freitag freihaben und sonntags kommen,
      die anderen dafür samstags kommen und machen am darauf
      folgenden Montag blau.
      Das ist toll von Dir, aber selten. Es gibt kein frei zusätzlich und das wohl auf längere Sicht, also auch kein Urlaub, der regulär noch zusteht.

      Viele Grüße

      Frauke

      • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
        Re^3: Nein zu 12 Tagen Arbeit am Stück?

        Hallo Frauke, Es gibt kein frei
        zusätzlich und das wohl auf längere Sicht, also auch kein
        Urlaub, der regulär noch zusteht.
        Dann wird Deinem Mann wohl auf lange Sicht nur schon - ich glaube von Werner - erwähnte Möglichkeit bleiben, die Firma zu wechseln. Sicher, qualifizierte Fachkräfte sind rar und werden händeringend gesucht. Ob es in der neuen Firma allerdings tatsächlich besser wird bzw. anders läuft, läßt sich erst rausfinden, wenn er dort angefangen hat.

        Wie Du siehst, beißt sich die Katze bei diesem Thema immer wieder in den Schwanz...

        Viele Grüße

        Tessa

  3. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Nein zu 12 Tagen Arbeit am Stück?

    hi,

    es gibt gesetzliche höchstarbeitszeiten pro woche und ebenfalls gesetztliche höchstarbeitszeiten pro tag.

    interessant, dass das umgehen gesetzlicher regelungen heutzutage
    als normal empfunden wird (vgl. vorredner).
    es gibt
    - gewerkschaften
    - berufsgenossenschaften
    - gewerbeaufsichtsaemter
    welche allesamt kompetent sind auskunft zu geben.

    ich halte derartige zustaende fuer unertraeglich, auch da sie dem unternehmen vorteile gegenueber rechtschaffenen unternehmen verschaffen und letztlich die negative seite (hohe krankheitszeiten, hoehere berufskrankheiten, mehr arbeitsunfaelle etc.) der allgemeinheit aufbuerden.

    schade auch, dass niemand dies mehr sieht, wo doch unsere vaeter
    fuer die heutigen regelungen noch auf die strasse gegangen sind.

    joedi [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  4. Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
    solange es nicht zur Gewohnheit wird

    Hallo Frauke,
    ich kenne dieses Problem nur zu gut.Bis vor 2 1/2 Jahren war das
    bei mir als Betriebsleiter einer Spedition standard so lange zu arbeiten.Aber auch in der jetzigen Firma sind 10-11 Stunden am Tag "normal".Einerseits freut mich das,da mit steigenden Umsätzen
    auch mein Verdienst steigt,andererseits gibt es noch meine Familie.Und die kann kein Geld der Welt ersetzen.Man muß da seinen Mittelweg finden.Das ist nicht leicht,aber ich bin trotzdem froh einen Job zu haben,der mir und meiner Familie langfristig die Existenz sichert.Wird dieser Arbeitseinsatz jedoch vom Betrieb nicht honoriert (Geld/Freizeitausgleich) sollte man sich (hab ich so gemacht)nach einem Job umsehen,wo man entweder weniger arbeitet oder entsprechend mehr Zaster nach Hause trägt.
    Gruss Sebastian

  5. Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
    Re: Nein zu 12 Tagen Arbeit am Stück?

    Hi Frauke,

    es gibt ein paar gesetzliche Rahmenbedingungen. Bitte lege mich jetzt nicht auf die Zahlen fest. Die weiß die Gewerkschaft besser.

    - Die Obergrenze für eine Schicht liegt bei 12 Stunden
    - Es dürfen nicht mehr als 10 Tage am Stück gearbeitet werden
    - Nach einer "MehrAls7???TageWoche" müssen mindestens 3 Tage Freizeit gewährleistet sein
    - Die Wochenarbeitszeit darf nicht mehr als 60 Stunden betragen

    Falls mehr als hier beschrieben gearbeitet wird, dann verliert der Arbeitnehmer alle Ansprüche aus den Betrieblichen Unfallversicherungen.

    Also: Ein paar Überstunden sind oK, aber alles hat seine Grenzen.

    Das alles gilt natürlich nicht für Freiberufler. Die müssen alles mit ihren Kunden aushandeln.

    Ciao

    Uwe



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