Hallo Martina,
niemand kann in die Zukunft sehen, aber für einzelne Berufsgruppen lassen sich durchaus gute oder weniger gute Perspektiven erahnen. Ausgerechnet die von Dir genannten Berufe würde ich eher zu den Wackelkandidaten zählen. Schon weil für Dich nur eine Ausbildung in Betracht kommt, für die der Hauptschulabschluß nicht ausreichend qualifiziert, bist Du dort falsch. Wer die deutsche Sprache und die vier Grundrechenarten einigermaßen beherrscht, wird auch problemlos die Ausbildung zur Bank- oder Versicherungskauffrau absolvieren. Besondere Begabungen und Fähigkeiten sind da nicht gefragt. Es sind im Gegenteil zumindest überwiegend beliebig austauschbare 08/15-Jobs.
Ich halte Deinen Denkansatz für fatal. Immerhin wirst Du den größten Teil Deiner Zeit im Beruf verbringen. Ich sage Dir deshalb voraus, daß Du kreuzunglücklich wirst, wenn Du Dich in der Berufswahl zu sehr von Ansehen und vermeintlichen Verdienstmöglichkeiten leiten läßt.
Du wirst genau in dem Beruf erfolgreich arbeiten und glücklich werden, den Du mit Interesse und Engagement ausfüllst. Mit dem Abitur brauchst Du in den meisten Berufen keine Eingangsvoraussetzungen zu fürchten. Du hast also die freie Wahl. Dann nutze diese Wahlfreiheit auch und lasse Dich nicht von Fassaden blenden.
Ich möchte Dir keineswegs den Beruf der Schuhmacherin ans Herz legen. Es soll nur ein Beispiel für einen Beruf sein, der nach Deinen Kriterien wohl "unter Niveau" ist. Da gibt es in Neumünster einen Schuster (Hauptschulabschluß reicht), bei dem auch der Kanzler höflich um einen Termin bitten muß und keineswegs sofort bedient wird. Dieser Volksschüler fertigt Schuhe nach Maß. Damit er bei Dir Maß nimmt, mußt Du aber reichlich das halbe Monatsgehalt einer Bankkauffrau auf den Tisch des Hauses blättern. Vom Hufschmied, über den Sattler bis zum Tischler (ist übrigens geradezu ein Modeberuf bei Abiturientinnen) gibts ähnliche Beispiele.
Gruß
Wolfgang