Andererseits sollte man doch vermuten, dass ein Unternehmer,
der ins Internet will, sich überlegt, WARUM er das will. Er
schaltet ja auch keine Anzeige in einer Fachzeitschrift, ohne
sich über deren Nutzen zu informieren.
Da haben wir den springenden Punkt: Genau das fragt sich der Unternehmer ! Warum soll ich ins Internet ? Und viele (zugegebenermaßen hochmotivierte und durchaus fachkundige) Neulinge kommen da schon ins Schleudern. Denn sie wollen Ihre tolle Technik verkaufen, müßten aber den NUTZEN für das Unternehmen herausstellen. Daran hapert es ! Mein Arbeitgeber hatte einige Besuche von Webdesignern (ich wurde aufgrund meiner Tätigkeit immer hinzugezogen), aber nur einer (!) konnte ÜBERZEUGEN. Dessen Preise sind deutlich teurer als die der anderen, aber er hat den besten Eindruck hinterlassen.
Da drängt sich jetzt die Frage auf: Fehlt es an objektiven
Informationsmöglichkeiten für die Kunden? So was wie
Verbraucherberatung der Internet-Branche?
Ich glaube ja. Viel wichtiger wäre es jedoch den Unternehmen die Vorteile von MM darzulegen, und zwar auch in finanzieller Hinsicht. Warum soll ein Unternehmer Geld ausgeben, ohne dafür etwas zu erhalten ? Manchen genügt das bloße Image, andere wiederum wollen einen Gegenwert für Ihre Ausgaben. Jedes Anzeigenblatt hat Kundenberater; diese verkaufen (wie jeder andere gute Verkäufer auch) jedoch keine Ware oder Dienstleistungen, sondern einen Nutzen.
Ist das jetzt die Schuld des Mediums an sich? Ist das die
Schuld des 15jährigen Internet-Freaks, der nach dem
Hausaufgabenmachen für den Chef vom Pappa eine Website
programmiert, weil dieser nicht so viel Geld ausgeben will?
Oder ist das nicht so, dass man keine qualitativ hochwertige
Arbeit erwarten darf, wenn man diese Leistung nicht zu
honorieren bereit ist?
Ich stimme dir voll und ganz zu. Aber warum mach Pappas Chef den sowas ? Vielleicht weil ihm noch keiner so recht Nutzen und Vorteile aufgezeigt hat und damit den Preis plausibel gemacht hat ? Das Internet bietet enorme Möglichkeiten, sie müssen aber auch transparent gemacht werden. Und das wird oft genug nur von der technischen Seite her versucht; tatsächlich entscheidet eine Firma aber anhand des Kosten/Nutzen - Effekts.
Irgendwie müssen die sich ja nennen. Wenn ich mein Auto in die
Werkstatt bringe, dann erkundige ich mich vorher, was für eine
Werkstatt das ist, was die für einen Ruf haben. Oder ich
bringe es zu einer Fachfirma, da kostet es dann mehr, aber ich
kann von einem bestimmten Niveau ausgehen.
Wobei du vergißt daß das Gebrauchsgut „Auto“ allgemein bekannt ist und man genau weiß was passiert wenn ein Firmenwagen mal streikt. Es bedeutet Umsatz- und damit Gewinnausfall. Und was passiert wenn meine Website streikt ? Vergleichen wir doch Internet-Werbung mal mit den Printmedien: Wer macht denn lukrative Werbung ? Doch nur große Firmen mit genügend Geld. Und die prüfen sehr wohl den Markt und werden renommierte Webagenturen nehmen (die meistens den ohnehin etablierten Werbeunternehmen angehören). Natürlich haben es Neueinsteiger da schwer, aber ist das nicht in allen Branchen so ?
Wie ich unten schon geschrieben habe: es geht mir nicht um die
IT, denn da sieht es wieder anders aus. Ich spreche von
Webseitenentwicklung und Vermarktung.
Da ist das Stichwort: Vermarktung. Ich glaube daß es an der Vermarktung der Ideen mangelt, an einem Vertriebskonzept. Wie schon gesagt, kaum jemand kauft ein nur weil das Produkt auf dem Markt ist. Der Sinn des Produktes muß erfaßbar sein.
Die Jungen sind billiger, haben Spaß am Nächtedurcharbeiten
(weil noch keine Familie) und bekommen keine Verstopfung, wenn
sie zu viel Pizza essen müssen. Dafür haben sie MUT und
Fantasie. Die Jungen und die Alten brauchen sich gegenseitig.
RICHTIG !!! Wir brauchen die Jungen, weil sie kreativer und neugieriger sind. Und wir brauchen die Alten, weil sie Erfahrung haben und auch mal zur Vorsicht mahnen können. Natürlich wollen die Jungen mit dem Kopf durch die Wand, aber die Alten wissen halt daß das weh tut. Ich sehe die ideale Besetzung so: Entwicklung = junges Team mit erfahrenem Moderator, der allerdings kein Bremser sein darf. Geschäftsführung: Gut gemischt. Aber wenn ich Stellenanzeigen lese, in denen von 25-jähringen Kenntnisse abverlangt werden wie Sie manch 45-jähriger nicht haben kann muß ich mich doch fragen was das soll ?
Aber für viele Startups ist es schon zu spät.
Leider. Und daß meine ich ehrlich. Aber alle müssen lernen daß es mit einer guten Idee alleine nicht getan ist. Es reicht auch nicht viele gute Leute einzustellen. Zuerst den Markt beobachten, Stratgie entwickeln und dann handeln. Oft wird zuerst gehandelt und dann überlegt …
Ich hoffe sehr daß die Branche lernt. Denn trotz meines biblischen Alters von 43 Jahren bin ich sehr an der modernen Entwicklung interessiert und setze mich gern damit auseinander. Gute Ideen schlage ich auch gerne der Geschäftsleitung vor. Allerdings erst dann wenn ich vom Sinn des Ganzen überzeugt worden bin und stichhaltige Argumente gehört habe.
Ich wünsche dir ehrlich viel Erfolg, denn du scheinst dir ernsthaft Gedanken über deine Tätigkeit zu machen. Und genau sowas imponiert mir !
Gruß
Dietmar