Kollegin - vertrauen oder nicht?

Ich (Mitte 20), seit mehr als 6 Jahren berufstätig, Matura bin seit September in einer neuen Firma. Sitze im Zimmer mit einer Kollegin zusammen, die um die 40 ist. Sehr attraktiv u. gepflegt (ok, bin ich ja auch) und sehr amüsant. Sie weiß es, wie sie den Chef um den Finger wickelt. Schon alleine durch die Art, wie sie scherzt u. lacht …

Ich kann das auch in gewisser Weise, aber sicher nicht so gut wie Sie. :wink:

Sie ist 1 Jahr in dieser Abteilung, schlägt sich sehr gut durch. Ich habe es von Anfang an gesehen, daß ich nicht mit ihr konkurriere, sondern, daß ich (ist meine Natur) ehrlich bin u. eher schaue, daß wir uns gegenseitig ergänzen. Ich will ja den Chef nicht heiraten (sie auch nicht, er ist ja verheiratet) u. brauche deshalb in der oben genannten „Disziplin“ auch nicht mit ihr zu konkurrieren.

Eine weitere Erschwernis ist, daß sie andauernd vor sich herredet. Nein, nicht schrullig, sondern beschwingt u. unterhaltsam u. total selbstbewußt u. leider nicht leise sonder eher laut. Und das ist schon sehr sehr anstrengend. Meist will sie dann auch noch eine Reaktion. Ich weiß nicht, ob sie es mutwillig macht, aber es hat mich oft von der Arbeit abgelenkt u. ich hätte beinahe einiges verschwitzt oder Fehler gemacht. Irgendwann ist es auch so, daß es einem reicht, man will eben mal hin- u. wieder 5 Min. Ruhe. Und wie meist (!) bei vielen Leuten, wenn ich was sage u. eine Rückmeldung von ihr will, schafft sie es meist so zu tun, als sei sie vertieft. Echt fies.

Naja, verstehen tun wir uns eigentlich gut (jedenfalls tut sie so, nach 6 Jahren arbeit bin ich da schon eher ein gebranntes Kind). Sie hat mir das DU-Wort angeboten (will auch nix heißen, ich weiß, ist manchmal sogar nachteilig). Bis jetzt glaube ich sie ist fair.

Nur, so, endlich jetzt komme ich zu dem Punkt(en).

  1. Ich wurde vorher von mehreren Seiten gewarnt, daß sie jeden durch den Kakao zieht. Eine andere Kollegin, die sie recht gut leiden kann sagte auch, sie wisse nicht, ob es so angenehm ist, mit ihr zusammenzusitzen.
  2. Sie spricht sehr offen mit dem Chef, spricht ihn sogar auf Gerüchte an, etc. Ist ja sehr angenehm, man erfährt was. Nur, ICH WILL NICHT WISSEN, WAS SIE MIT IHM SPRICHT, WENN ICH NICHT DA BIN!?
    Das verunsichert mich insoferne, da vor kurzem so eine eigenartige Situation war. Ich möchte hier jetzt nicht Einzelheiten schildern, ist jedoch nichts dramatisches, nur ich denke, sie sagt ihm jede Kleinigkeit. Ich tue das nicht, denn das würde ihr sicher nicht zugute kommen, wenn ich dem Chef alles sagen würde, was „über ihn aus ihren Mund kommt“, nur wenn das wirklich der Fall ist, dann muß sie sich sehr sicher sein, daß ich ihm nichts sage. Schätzt mich vermutlich als harmlos ein.
    Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten, entweder ich denke mir, egal, sch… drauf.
    Oder ich spreche sie darauf an, ganz höflich, wäre nichts dabei, nur ob er das nicht wieder erfährt?! Schlecht wär´s vielleicht nicht, dann weiß sie, daß ich „nicht ganz hinter dem Mond lebe“. Was meint ihr?

Bin für jeden Gedanken hierzu dankbar.
Danke ciao
M.

Ja, was ich noch sagen möchte.

Ich bin - leider - nicht nur ein sehr ehrlicher Typ, auch ein eher offener Typ. Und wenn auf mich den ganzen Tag eingeredet wird. Locker u. offenbar auch offen, dann wird man geradezu verleitet, wenn man schon oft mehr als 9, 10 Std. zusammensitzt, eben selbst auch was von sich zu erzählen.

Und ich erzähle dann mehr als ich möchte. Zeige ein Foto von meinem Mann … Erzähle sogar aus meiner Kindheit. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich da stoppen kann. Mein Kommunikationsbedürfnis ist in diesem Moment enorm u. selbst wenn ich weiß, ich quassle zu viel, ich kann mich dann nicht stoppen. 10 Minuten oder 1 Minute später denke ich mir, oh gott, wer weiß wofür sie diese Infos wieder nutzen wird.
Denn wirklich hinterhältige Leute basteln sich ja gerne was u. verdrehen einem die Worte im Mund, die man selbst sagte. Wenn man nicht viel sagt ist auch nicht viel zu verdrehen …

Ihr wißt sicher was ich meine.

Wie soll ich mit der Situation umgehen?
Ich kann ihr schon tlw. Paroli bieten, bin oft recht impulsiv u. stark u. weiß auch, daß wenn es mir zu viel wird mit ihrer Rederei zB daß ich sie höflich aber doch darauf hinweise. Nur, wenn ich Pech habe ist sie beleidigt u. ich bin womöglich vom Informationsfluß abgeschnitten (denn durch ihre Tratscherei kriegt sie natürlich schon viel mit). (Das nur als kleines Detail am Rande …).

du hast deine fuehler schon in die richtige richtung ausgefahren.

wenn du ANgenehm ueberrascht wirst, ist das allemale besser,
als wenn du UNangenehm im regen stehst.

glso pass m.e. ein gehoeriges stueck auf.
auch DAS kann! eine ganz raffinierte
und unangenehme art von mobbing sein.

gruss - digi

Hallo Michaela,

ich würde die Sache jetzt noch nicht zu tragisch nehmen. Es kann gut sein, daß sie wirklich nur gerne und viel erzählt und sich nicht wirklich Gedanken über die Folgen macht.

Halte Augen und Ohren auf, aber sei ansonsten normal freundlich und kollegial. Wenn Dir etwas nicht gefällt (aber nur konkrete Geschehnisse, kein Hörensagen oder Vermutungen!), sprich sie drauf an - freundlich und sachlich, ohne gleich beleidigend oder so zu werden. Meist lassen sich Unstimmigkeiten dann leicht aus dem Wege räumen.

Meine Erfahrungen sind: auch bei zwischenmenschlichen Beziehungen fährt man mit dem alten Rechtsspruch von „im Zweifel für den Angeklagten“ am besten, will sagen: Bis zum Beweis des Gegenteils solltest Du erstmal das Beste annehmen.

Gruß Kubi

Liebe Michaela,

ich bin mir nicht sicher, ob ich Dir zu Deinen Fragen/Vermutungen noch etwas neues schreiben kann, aber ich tu’s trotzdem mal:
Ich stelle mir vor, wie Du in Eurem Büro immer unsicherer wirst und im Laufe der Zeit immer weniger Deinen eigenen Empfindungen traust. Ich meine damit Dein "Selbst"vertrauen!

Wenn das so sein sollte, dann gibt es ungefähr siebzehn verschiedene Möglichkeiten von Reaktionen, nein im Ernst, ich kann Dir da nicht raten. Es läuft sonst vielleicht darauf hinaus, dass Dir vier Leute hier im board raten, mißtrauisch zu sein und vielleicht ein Mensch weniger, der Dir rät, Deiner Kollegin zu vertrauen.

Ich kann Deine Unsicherheit zwar verstehen, aber das ist, glaube ich der Punkt: es ist DEINE Unsicherheit —> und die kannst nur DU als Sensor für DEIN Wohlbefinden nutzen:
Denk doch vorher darüber nach, was DU Deiner Kollegin erzählen willst und was nicht!
Vielleicht fragst DU Dich auch einmal, wofür es so wichtig ist, Deiner Kollegin alles mögliche von DIR zu erzählen?
Du wirst es bestimmt merken.
Im übrigen:
Wenn DU so offen bist, wie Du geschrieben hast, dann mute Deiner Kollegin doch DEINE Gefühle ihr gegenüber zu!

Alles Gute wünscht Dir

maerzsonne

Also ich muß schon sagen:
Ihr werdet immerhin fürs Arbeiten bezahlt. Aber offensichtlich wird überwiegend geplaudert. Im allgemeinen treten zwischenmenschliche Probleme dann auf, wenn Mitarbeiter zuviel Zeit zum Quatschen und Nachdenken haben.
Bitte doch Deinen Chef darum, Euch neue Aufgaben und Verantwortungen zu übertragen. Dann kommt keiner auf dumme Gedanken.

Im allgemeinen treten
zwischenmenschliche Probleme dann auf, wenn Mitarbeiter zuviel
Zeit zum Quatschen und Nachdenken haben.

Sehe ich nicht so.
Zwischenmenschliche Probleme treten oft auf, wenn wegen übermässigen Arbeitsanfalls keine Zeit bleibt um Probleme auszudiskutieren.

Aber:
Keine zwischenmenschlichen Beziehungen - keine Probleme in dem Bereich.
Da hast Du schon recht.
Warum sind dann aber sogenannte „Soft Skills“ von Firmen so gefragt?

Nachdenken:
Wenn der Mensch sich keine Zeit zum Nachdenken genommen hätte, sässen wir heute noch im Fell am Lagerfeuer.
Hätte zugegebenermassen manchmal auch seinen Reiz :wink:

Greetings
Karin