das hiesse aber
auch, dass die Gesellschafter „blöd“ wären, jeglichen Gewinn
in der Firma zu belassen. Es wäre dann doch viel sinnvoller,
den gesamten Gewinn jedes Jahre herauszuziehen…
Hallo!
Zunächst sollte man Gewinn und Liquidität unterscheiden. Ein Unternehmen kann z. B. Gewinn ohne Ende erwirtschaften, wird aber von der kleinsten Forderung umgepustet, weil es keinen Pfennig auf der Naht hat. Man muß i. a. schon ziemlich besch*** sein, wenn man das Stammkapital einer GmbH komplett in ein Auto steckt. Am Vermögen in der Bilanz hat sich dabei zunächst nichts geändert, aber die Liquidität des Unternehmens ist auf Null gerutscht. Da reicht dann eine einzige plötzlich notleidend werdende Forderung und das Unternehmen ist zahlungsunfähig, damit ein Fall für das Insolvenzgericht. Herzlichen Glückwunsch zu solcher Geschäftspolitik.
Überlegungen, wie man es anstellt, daß im Crashfall möglichst wenig an Gläubiger fließt, lassen auf eine merkwürdige Blickrichtung schließen. Geschäftliches Agieren muß zum Ziel haben, daß die Bude floriert. Dafür bindet man nicht das komplette Kapital in Anlagegütern, sondern least diese, sofern Gewinne erwirtschaftet werden. Dann tauchen diese Güter nicht als Anlagegüter auf, sondern als Aufwand. Monatlich ist nur das vereinbarte Nutzungsentgelt in Form der Leasingrate zu zahlen und die Liquidität bleibt erhalten. Liquidität aus barem Eigenkapital ist der beste Insolvenzschutz und erübrigt Überlegungen, wie man Gläubiger im Regen stehen läßt.
In windigen Kreisen sind auch Modelle beliebt, wo Gesellschafter als Vermieter von Gegenständen auftreten und die GmbH mit überhöhten Mieten bewußt arm halten. Abgesehen davon, daß Finanzämter durchaus in der Lage sind, mißbräuchliche Gestaltungen zu erkennen, sind solche Konstruktionen im Handling unglaublich mühselig und fahren mit der verarmten GmbH über kurz oder lang an die Wand. Die Blickrichtung war einfach falsch, weil ein jedes Unternehmen Kapital braucht. Wenn man einer Firma den Nährboden Kapital künstlich verknappt, wird ein Bonsai daraus.
Eine mit Gewinn arbeitende GmbH kann aus sich selbst heraus irgendwann kreditwürdig sein. Die Kapitalgesellschaft ohne Kapital ist nicht kreditwürdig. Wird dennoch einmal Geld von der Bank gebraucht, wird sie selbstschuldnerische Bürgschaften der Gesellschafter verlangen. Das wars dann mit der ganzen Haftungsbeschränkung.
Gesellschafter brauchen eine angemessene Verzinsung des eingesetzten Kapitals und der GF ein ordentliches Gehalt. Was darüber hinaus geht, räubert eine Firma aus und macht sie im Notfall vom „Nachschießen“ durch einen Gesellschafter abhängig. Der hat dann womöglich gerade kein Geld flüssig… Schau hin, wo immer Du willst. Lange gehen solche Spielchen nicht gut.
Gruß
Wolfgang