Guten Morgen!
Eine Geschaeftsleitung wird selten auf die Idee kommen ihre
„Alleinherrschaft“(bloede Formulierung aber mir faellt leider
nix besseres ein) freiwillig mit einem BR zu teilen.
Wenn jetzt aber die Wahl nicht verhindert werden kann stellt
sich die Frage wie man diesen dann am besten kontrollieren :kann.
Diese Aussagen halte ich für Ideologie und an der Realität vorbei. Die Geschäftsleitung braucht einen Ansprechpartner und bei z. B. 100 Beschäftigten kann man schlecht alle Fragen mit jedem Einzelnen diskutieren. Also muß die Mitarbeiterbertretung her. Deren Notwendigkeit im Interesse des Betriebes dürfte sich in der Mehrzahl der Geschäftsleitungen herumgesprochen haben.
Die Einteilung der BR-Mitglieder in getreue Folgschaft der Firmenleitung und eben Arbeitnehmervertreter halte ich für ebenso ideologisch. Alle sind gewählt und zwar von der Belegschaft! BR-Mitglieder ohne Gewerkschaftsausweis sind deshalb keine schlechteren Betriebsräte. Solche Auseinandersetzungen, ob da nämlich jemand Gewerkschaftsmitglied ist oder nicht, vergiften das Betriebsklima und gehören nicht in den Betrieb. Jedes Gewerkschaftsmitglied, das im Betriebsrat ein Gewerkschaftsforum sieht, befindet sich auf dem Holzweg! Der Betriebsrat ist in erster Linie und vor allem anderen ein Betriebsorgan!
Wer aus Betriebsräten, die gefälligst Mitarbeiterinteressen innerhalb des Betriebes zu vertreten haben - dazu gehören in genau gleicher Weise auch die Kollegen ohne Gewerkschaftsausweis - ein gewerkschaftliches Forum macht, vertritt nicht ausschließlich die Interessen der Mitarbeiter des Betriebes, ist mithin eine Fehlbesetzung. Schließlich können die Interessen einer Belegschaft ganz anders gelagert sein, als die Interessen einer Gewerkschaft. Schon die Einteilung in Listen nach Gewerkschaftsmitgliedern und Nichtmitgliedern spricht für eine ideologisch begründete Fehlinterpretation der Aufgaben eines Betriebsrates. Das ist eben kein Gewerkschaftsrat, es ist ein BETRIEBSrat. Da genau setzt meine Kritik an. Bei solchem Fehlverständnis der BR-Eigenschaften darf man sich über ein Spannungsverhältnis zur Geschäftsleitung nicht wundern.
Es ist legitim, daß sich BR-Mitglieder bei ihrer Gewerkschaft z. B. rechtlich beraten lassen. Die BR-Aufgaben liegen aber innerhalb des Betriebes, Anhörung bei Kündigungen, Abmahnungen, Arbeitszeitregelungen etc, Sachfragen also, die vor dem Hintergrund der Verhältnisse des Betriebes im Sinne der Beschäftigten vertreten werden sollen - im Sinne aller Beschäftigten des Betriebes, nicht etwa im Sinne der Mitglieder des örtlichen Schützenvereins oder einer Gewerkschaft.
Wenn BR-Mitglieder ihre Aufgabe in der Vertretung der Mitarbeiterinteressen sehen und die Ideologie-Mischpoke draußen vor dem Werkstor lassen, ist plötzlich Raum für Sacharbeit innerhalb des Betriebes, von dem sie schließlich alle gemeinsam leben und dessen Wohl auch die BR-Arbeit dient.
Meine eigene Firma war früher so groß, daß ich mir einen BR als Ansprechpartner gewünscht hätte. Das Leben als Chef ist viel einfacher, wenn man weiß, da sind Leute, die die Zähne auseinander bekommen, wenn etwas schief läuft. Es gibt manchmal ganz einsame, bittere Entscheidungen, Abmahnungen oder Entlassungen gehören dazu. Auch Mehrarbeit, die durchgesetzt werden muß, ohne zu nicht dauerhaft tragfähigen Neueinstellungen zu kommen. Da kann der BR im Sinne des Betriebes ein wertvoller Moderator sein (nicht Sprachrohr, das ist etwas ganz anderes). Ich selbst regte die Wahl an. Ich mauerte sofort, als die IG Metall danach griff. Keine Unterstützung mehr von mir, weil ich mich gerne um den eigenen Betrieb sorgte, aber keine Lust hatte, mich mit fremden Leuten über Betriebsinterna zu unterhalten und auch keine Lust hatte, an den eigenen Wänden gewerkschaftlich flach-dümmliche Kampfparolen zu sehen.
Kein vernünftiger Betriebsleiter/Inhaber wird sich gegen einen BR stemmen. Eine Situation, die ich mehrfach erlebte: Es ist etwas zu entscheiden, egal was. Man teilt es den Mitarbeitern mit und blickt in interessierte, aber auch in unbeteiligte verschlossene Gesichter. Kein Widerwort kommt. Kaum hat man den Raum verlassen, sind Protest und Geschrei groß. Der Betrieb braucht die Mitarbeiter. Aber die Mitarbeiter brauchen auch eine Stimme. Sie brauchen einen Sprecher. Das ist der Betriebsrat, der den Betrieb, seine spezifischen Aufgaben und Probleme, der die Produkte kennt, der weiß, wovon im Betrieb die Rede ist. Für Ideologen, Kampfgeschrei, für Polarisierungen in Gewerkschaftsmitglieder und Nichtmitglieder ist dabei kein Platz.
Ich selbst habe früher als Angestellter in zwei großen Unternehmen die mißbräuchliche Entartung des Betriebsrats erlebt. Das waren seit vielen Jahren hauptberufliche Betriebsräte, die ihre eigene Zimmerflucht im Verwaltungsgebäude hatten. Sie waren vom Firmengeschehen unendlich weit weg. Es waren Funktionäre und Sprachrohre der ÖTV und im anderen Betrieb der IG Metall, deren Konterfei man nur vor BR-Wahlen zu sehen bekam. Das waren keine Betriebsräte, mit denen der einzelne Mitarbeiter etwas anfangen konnte. Die hätte man auch nach Hause schicken können und deren Plätze von beliebigen Gewerkschaftssekretären besetzen lassen. Für die Arbeit im Betrieb müssen Betriebsräte in erster Linie Kollegen im Betrieb sein. Ob sie dann auch noch Gewerkschaftsmitglieder oder Mitglieder im Taubenzüchterverein sind, halte ich für nebensächlich.
Gruß
Wolfgang