bei einer Fahrradtour ist mir aufgefallen, dass auf uneingezäunten Wiesen oftmals Obst auf Bäumen verbleibt, das dann naturgemäss zu Boden fällt.
Die Besitzer haben offensichtlich kein Interesse an einem Ernteertrag, sonst würden sie ihr Obst ja abernten bzw. auflesen.
Ist es strafbar, wenn man Obst von öffentlich zugänglichen, aber (wahrscheinlich) in Privatbesitz befindlichen Wiesen aufsammelt?
Ist doch schade, wenn es einfach so vergammelt.
Zu meiner Kinderzeit habe ich mir mein Taschengeld mit dem Aufsammeln von Fallobst aufgebessert - es war eine Mosterei in der Nähe und nie hat sich Jemand beschwert.
Wenn mir jetzt Jemand den Rat gibt, bei den Besitzern anzufragen, stelle ich hiermit gleich die Gegenfrage - wie ich feststellen kann, Wem welches Grundstück gehört.
im südlichen Teil des heutigen Württemberg (Donau bis Bodensee) gilt traditionell, daß ab St. Gallus (16. Oktober) alles Obst zur Allmende gehört und gesammelt werden darf (Verb: „Gallere“). Dieses ist allerdings nirgendwo festgehalten und dürfte im Streitfall nicht weit tragen. Altes mündliches gegen neues geschriebenes Recht hat schonmal 1525 zu heftigen Dissonanzen geführt. – Wegen des bäuerlichen Traditionsbewußtseins wird aber jedenfalls die Frage „Dirft i bei Ui gallere?“ sicher mit Herzlichkeit und tendenziell Zustimmung aufgenommen werden.
Einsicht in das Grundbuch kann jedermann bei „berechtigtem Interesse“ nehmen. Ist aber nicht ganz einfach, weil Du dazu zuerst die Flurstücke (Parzellennummern) kennen musst, wo Du sammeln willst.
Wenn es noch eine Wirtschaft im nächsten Ort gibt, die noch nicht die Grätsche gemacht hat, weiß man dort, wem was gehört. Wenn Du irgendwo einen Bauern siehst: Der kennt nicht bloß seine Stücke, sondern auch die der Nachbarn.
Wenn Äpfel nicht grad in Häufen auf dem Boden liegen, heißt das nicht, daß sie niemand haben will. Man geht halt alle paar Tage durch, besonders bei jetzigen kalten Nächten macht eine Woche liegen nichts aus. - Dieses Jahr ist Mostobst teuer, da wird mancher Wert darauf legen.
ich weiß nur, dass es in der DDR die VEB Straßenobst gab,
der sogar die Bäume an der Chausse gehörten.
Biermann hat das in einem Gedicht verwurstet (verobstet?):
…
Die Bäume gehörn der LPG,
die hat an jeden ein Schildchen gemacht:
Die Bäume werden strengstens bewacht,
In der Nacht, in der Nacht und ganz besonders in der Nacht.
…
Also Vorsicht, nicht das Strafrecht güldet, sondern ob die deustchen Selbstjustizler mit der Pumpgun auf der Lauer liegen.
ich erinnere mich an einen Fall - ging zwar um Walnüsse, ist aber in der Sache ja das Gleiche. Da haben zwei Polizisten ne Walnußsammlerin angezeigt, sie wurde auch bestraft, auch in Berufung. Obwohl der Eigentümer des Grundstückes nicht mal ein interesse an der Anzeige hatte und dies auch vor Gericht aussagte.
Der Fall läßt sich sicher finden - es ist imemr die Frage: Wo kein Kläger - Kann mir das auch kaum vorstellen - aber grundsätzlich gehören Streuobstwiesen jemanden.
Hier am Ort sind die in städtischem Besitz und das Obst wird sehr wohl gesammelt, es wird Saft gepreßt und die städtischen Einrichtungen damit versorgt (Altenheime, Kindergärten)
Diese Streuobstwiesen sind wohl aus Umweltgründen usw. durchaus wichtig und erwünscht. Es sind wohl alte und nicht so ertragreiche Sorten, die sonst der „EU“ zum Opfer fallen würden, weil nicht handelsfähig.
habe ich es mir doch gedacht, dass das Thema ein Kompliziertes ist.
Fakt ist, ich sehe Fallobst auf dem Boden, teilweise schon schwarz und schrumpelig - Wespen machen sich darüber her.
Auf dem dazugehörenden Baum sind auch noch ein paar nicht EU-konforme Exemplare zu finden.
Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, bevor das Obst auf dem Boden total verrottet, sammel ich mir vielleicht ein paar Teile ein und backe z.B. einen Obstkuchen daraus.
Natürlich muss ich dann ziemlich viel vom Obst aussortieren, weil es schon angefaulte Stellen hat und so - aber bevor es so einfach verrottet …
Ich wunderte mich eigentlich immer darüber, dass bei uns in Deutschland, Obst einfach so auf dem Boden verrotten kann, obwohl es doch im Supermarkt relativ teuer ist und es Menschen gibt, die auf jeden Cent angewiesen sind.
Jetzt wundere ich mich eigentlich nicht mehr Darüber.