Kirchenglocken

ein bekannter erzählte mir, er habe im fernsehn gesehn, dass man was gegen den lärm von kirchenglocken tun kann!glaub ich nich! oder
wisst ihr, wie da vorgegangen werden muss und wie die aussichten sind-
ich glaub nämlich nich, dass das erfolgreich enden würde!
claudi

Hallo,

mir ist persönlich ein Fall bekannt. Da wurde in einem langwierigen Vergleich zwischen ev. Kirche und einem Nachbarn einer Kirche vereinbart, dass die Glocken mit Ausnahme an hohen Feiertagen nach 20.00 Uhr nicht geläutet werden dürfen. Ab 22.00 das Schlagwerk, das im übrigen zuerst mit einer kleinen Glocke die vollen Stunden anklopft, dann mit einer mittleren Glocke werneut nochmals die vollen Stunden anzeigt und am Ende mit einer großen, tiefen Tonart nochmals, nicht mehr eingeschaltet sein darf. Man muss sich natürlich mal vorstellen, dass um 23.00 Uhr 33 Glockenschläge vorhanden sind oder in der Nacht um vier dann immer noch 12 Schläge.

Bis es soweit war, waren zahlreiche Gerichtsverfahren anhängig, immer wieder sah man Messtrupps um Mitternacht, in der Frühe, die den Schall gemessen haben. Dies ist die eine Seite. Auf der anderen Seite muss doch jedme klar erkennbar sein, der neben eine Kirche zieht, dass dort eben Glockengeräusch besteht. Ich glaube nicht, wäre der Fall von einem OLG oder dem BGH gelandet, dass der Nachbar einen Erfolg gehabt hätte. Und eines muss auch klar. Dieser Nachbar hatte genügend Geld gegen eine Kirche einen Prozess zu führen, Lärmgutachten zu verlangen, mit erheblichen Mitteln in Vorlage zu treten.

Ich wohne von derselben Kirche Luftlinie 50 m entfernt. Mich hat bis heute das Glockengeläut noch der Uhrschlag gestört. Ich habe auch - ehrlich gesagt - da ich im rechtlichen Bereich tätig bin - wenig Verständnis für solche Kläger. Und noch weniger für diverse Gerichte. Wer in eine ländliche Gegend zieht, der muss sich eben auch darüber klar werden, dass es Hähne gibt, die krähen, dass auf dem Land Hunde bellen, dass im Sommer und Herbst notfalls bis spät in die Nacht die Ernte jeder Art eingebracht werden muss. Dass der Dung aus den Stallungen eben auch riecht, müsste auch einem Mieter, der auf das Land zieht bekannt sein.

Dasselbe gilt auch für Sportanlagen. Jemand zieht neben einen Fussballplatz, einen Tennisplatz und dann meint man, die Vereine müssten den Betrieb einstellen, weil man aus der Stadt kommend am Wochenende seine Ruhe will.

Also, wen die Kirchenglocken stören, wen der Lärm alt ureingessener Einrichtugnen stört sollte diesen Einrichtungen einfach fern bleiben. Rechtlich betrachtet muss man die Juristen (Richter) finden, die den Unsinn mitmachen.

Gruss Günter

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Glaubensfrage

ein bekannter erzählte mir, er habe im fernsehn gesehn, dass
man was gegen den lärm von kirchenglocken tun kann!glaub ich
nich! oder
wisst ihr, wie da vorgegangen werden muss und wie die
aussichten sind-
ich glaub nämlich nich, dass das erfolgreich enden würde!

Hi Claudia,
das hängt davon ab, was man von der Kirche hält. Wenn jemand von Nonnen und Mönchen und von sonstigen Kirchenangestellten misshandelt wurde, kann ich verstehen, dass man etwas gegen Kirchenglocken hat.
Noch einen ruhigen Sonntag
Franz

Hi Claudi,
ich bin im Schatten des Frankfurter Doms aufgewachsen. Immer wenn wir Besuch hatten, haben die entsetzt gefragt: Wie könnt ihr bei dem Glockenlärm schlafen! Wir haben die überhaupt nicht mehr gehört, alles Gewöhnungssache… Wenn man sich auf ein Geräusch kapriziert (tropfender Wasserhahn, tickender Wecker) steigert man sich natürlich rein und es wird unerträglich.
Aber zu Deiner Frage:
Auch damals hat ein Nachbar geklagt - und ist nicht damit durchgekommen, weil das Glockenschlagen (wenn ich mich richtig erinnere) vom Gericht als „Kulturgut“ eingeschätzt wurde - und so sehe ich das auch.
Gruß,
Anja

Ruhestörung und Aufklärung

ein bekannter erzählte mir, er habe im fernsehn gesehn, dass
man was gegen den lärm von kirchenglocken tun kann!glaub ich
nich! oder
wisst ihr, wie da vorgegangen werden muss und wie die
aussichten sind-
ich glaub nämlich nich, dass das erfolgreich enden würde!

Hi Claudi,
wenn das Glockengeläut gottgewollt ist, wird sich ein gottesfürchtiger Christ nicht dagegen wehren, auch wenn er dabei schwerhörig werden sollte, weil das dann Gottes Wille wäre und der Glaubende dann in den Himmel kommen würde, wo er auch wieder hören könnte. Es spielt auch keine Rolle, wenn Kinder in Heimen straflos misshandelt werden, weil das alles unter dem Schutzmantel Gottes geschieht. Seit der Aufklärung ist jedoch zumindest Hexenverfolgung und -verbrennung sowie Folterung verboten, auch wenn die katholische Kirche anderer Meinung ist.
Franz

Was zuerst
Da frag ich mich…muss irgendwer neben einer Kirche wohnen ?Kann man sich das überlegen ,ob man das will oder nicht ?
Ich habe 3 Wohnungen gehabt neben Kirchen und mich schon manchmal Sonntagmorgens gefragt ,warum man die Christen so laut zusammenrufen muss, wissen sie doch alle ,dass jetzt der Gottesdienst beginnt.
Aber iss so .
In Deutschland wird auch echt gegen alles geklagt.
Sogar gegen die Gartenzwerge des Nachbarn.

Gruss
Kosmokatze

Um einen bekannten
bayrischen Liedermacher zu zitieren :

„In unserm Staat sind alle gleich, doch Kirch gehört zum Himmelreich“

Schönes Restwochenende

BromBär

Man hört es doch gar nicht!
Ich habe auch 18 Jahre neben einer Kirche gewohnt (übrigens war unser Haus da schon bevor die Kirche gebaut wurde aber ich bin erst später gekommen :smile: und ich kann aus Erfahrung sagen, dass man das Geläut nach ner Zeit gar nicht mehr hört!

Jeder, der mich besucht hat hat mich immer gefragt, ob mich das denn nicht stört und ich wusste meist gar nicht, was die meinen, weil ichs einfach nicht mehr gehört habe.

Im übrigen habe ich neben einer katholischen Kirche gewohnt, die Klingeln noch ein bisschen öfter als die evangelischen. Die Glocken der ev. Kirche (die 500 m Luftlinie weg war) habe ich als störender empfunden.

Man schenke mir den Mut zu ändern, was ich ändern kann. Die Gelassenheit, das hinzunehmen, was ich nicht ändern kann. Und die Klugheit, das eine vom anderen unterscheiden zu können. (Oder so ähnlich :smile:

Timid

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Nun die komplette Auskunft
Hallo Claudi

Wenn man sich als lärmgeplagter Nachbar einer Kirche gegen die „unerträglichen Lärmbelästigungen“ durch kirchliches Glockengeläut zur Wehr setzen will, tun man gut daran, sich erst einmal darüber klar zu werden, was einem stört: entweder das sakrale Glockengeläut (zu lithurgischen bzw. gottesdienstlichen Zwecken) oder das nicht sakrale Glockengeläut (als Zeitangabe mit Stundenschlag).

Wichtig ist das deshalb, weil Kirchenglocken ein juristisches Doppelleben haben: Für Klagen gegen das sakrale Glockengeläut sind die Verwaltungsgerichte zuständig, über Klagen gegen das nicht sakrale Glockengeläut entscheiden die Zivilgerichte, wie das Bundesverwaltungsgericht entschieden hat.

(BVerwG, Beschluss v. 28.1.1994, 7 B 198/93, NJW 1994 S. 956)

Aussichtsreich erscheint aber nur ein Vorgehen gegen das Zeitschlagen der Kirchenglocken. Dieses Glockengeläut hat nach der Rechtsprechung seine Funktion als Zeitangabe unter den heutigen Lebensbedingungen praktisch verloren, so dass es bei Überschreiten der Lärmrichtwerte der TA Lärm oder der VDI-Richtlinie 2058, Blatt 1 „Arbeitslärm in der Nachbarschaft“ während der Nachtzeit (22.00 bis 6.00 Uhr) verzichtbar ist.

(BVerwG, Urteil v. 30.4.1992, 7 C 25/91, NJW 1992 S. 2779)

Ein Vorgehen gegen das sakrale Glockengeläut ist hingegen wenig Erfolg versprechend, weil für dieses nach der Rechtsprechung wegen der grundgesetzlich geschützten Freizeit der Religionsausübung die allgemeinen Gesetze nur sehr eingeschränkt gelten.

Ein frohes und seeliges Läuten

Christian

und sie hört man doch

Ich habe auch 18 Jahre neben einer Kirche gewohnt (übrigens
war unser Haus da schon bevor die Kirche gebaut wurde aber ich
bin erst später gekommen :smile: und ich kann aus Erfahrung sagen,
dass man das Geläut nach ner Zeit gar nicht mehr hört!

Tja, das mag wohl jeder anders sehen/hören. Ich wohne rd. 200 Meter von einer Kirche entfernt, von der ich im übrigen beim Einzug nichts wußte, und sie nervt mich nach vier Jahren immer noch.

Ich höre auch noch das Getrampel auf den Treppenstufen, obwohl die Trampler seit einem halben Jahr hier wohnen und ich habe in meiner alten Wohnung nach drei Jahren noch die Straßenbahn gehört.

Also: Es mag Menschen geben, die ein selektives Gehör haben. Es gibt aber genug andere, die das Glück (je nach Betrachtungsweise) nicht haben.

Gruß,
Christian

Hallo

ein bekannter erzählte mir, er habe im fernsehn gesehn, dass
man was gegen den lärm von kirchenglocken tun kann!

Klar.

Abschrauben, Runterschießen, Kirche wegbomben sind nur drei von vielen Möglichkeiten, die aber alle strafrechtlich verfolgt werden. Alle Möglichkeit des „normalen“ Rechtsweges werden erfahrungsgemäß scheitern.

Gruß,
LeoLo

Hab die Sendung gesehen…
Hi Claudi,

ein bekannter erzählte mir, er habe im fernsehn gesehn, dass
man was gegen den lärm von kirchenglocken tun kann!

Vielleicht war das diese Sendung?
http://www.br-online.de/jugend/quer/higru/glocken.html

Auf der Seite stehen einige weiterführende Links.
Der dort geschilderte Streit ging übrigens auch in der Berufung negativ für den Baiersdorfer Bürgermeister Galster aus!

Also: Kopf hoch!

Liebe Grüße
Stefanie

Hallo,

Manche sollten sich vorher überlegen, wo man seine Wohnung nimmt. Die Kirche steht bestimmt länger da.

gruß

dennis

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