Hallo,
wenn einer eine gute Rechtsberatung braucht - wo findet er die dann???
Also, wenn man bei seiner Rechtschutzversicherung anruft nennen die einfach einen mit Renomee (was nicht bedeutet, dass man nicht einem alkoholisierten Alkoholiker gegenübersitzen kann, der auf solche „Peanuts“ keinen Bock hat).
Wenn man in seinem Bekanntenkreis umherfragt, kommt man nur weiter, wenn man einen ähnlichen Fall hat ( ein guter Scheidungsanwalt spricht sich rum etc.)
Aber gibt es nicht vielleicht ein Forum, wo Leute einfach ihre Meinung zu einem Rechtsberater loslassen, und wo man dann auf Grund der gesammelten Aussagen schon mal eine Vorauswahl treffen kann.
Für Mediziner wäre das auch ganz nützlich.
Ich brauche nämlich beides und ich habe einfach keine Lust mehr immer Roulette an solchen wichtigen Stellen zu spielen.
Vielen Dank schon mal
Susanne
Hallo Susanne,
ich glaube nicht, dass du jemand findest, der sich über einen Anwalt und dessen Qualität äussert. Es ist auch ziemlich schwierig, denn nicht immer wenn ein Mandant seinen Anwalt für nicht fähig hält muss dies objektiv richtig sein. Wenn jemand einen Fall nicht übernimmt, muss dies nicht heissen, dass er nicht will. Sinnvoll sehe ich es jedoch, dass man einem Mandanten klar erklärt, dass er chancenlos bei einer Klage ist ( sofern dies schon am Anfang erkennbar ist )wenn er unbedingt vertreten werden will. Notfalls muss man dann dem Mandanten auch erklären, dass man den Fall wegen der Aussichtslosigkeit nicht annimmt. Manche Kanzlei ist groß geworden, hat sich einen Ruf erworben, weil sie klar und deutlich sinnlose Verfahren nicht übernommen hat. Ein seriöser Anwalt wird auch bei Eintrittspflicht einer Versicherung erfolglose Fälle nicht übernehmen. Das Ansehen der Anwälte wächst nicht mit der Anzahl der geführten Prozesse sondern mit der Anzahl der gewonnenen Prozesse.
Gruss Günter
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Hallo Susanne,
nichts für Ungut, aber die Idee mit dem „Erfahrungsforum Anwälte“ kann aus mehreren Gründen nicht funktionieren.
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Die Zahl der Anwälte ist inzwischen so groß (~126.800), dass ein solches Forum einen unglaublichen Zulauf bräuchte um wenigstens einen annähernd repräsentativen Querschnitt zu bilden. Schließlich willst du dich doch sicher nicht auf einen Motzer verlassen, der da einen Kübel Müll über einem armen Kollegen auskippt, sondern dann doch sicher pro Anwalt mehrere „Bewertungen“ finden.
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Du willst Hilfe bei der Beurteilung der Qualität von Anwälten, müsstest dich im Rahmen eines solchen Forums dann aber auf Aussagen verlassen, deren eigene Qualität fragwürdig ist. Dabei muss man zunächst einmal berücksichtigen, dass Bewertungen tendentiell überhaupt nur dann abgegeben werden, wenn es nach Meinung des Bewertenden Anlass zur Kritik gibt. D.h. du findest fast ausschließlich Negativmeldungen, wirst aber kaum positive Meldungen finden. Zudem weißt du überhaupt nicht, wieviel Fälle ein einzelner Anwalt pro Jahr überhaupt abwickelt. Zehn negative Bewertungen über einen Kollegen er nur zehn Fälle im Jahr macht haben eine ganz andere potentielle Aussagekraft als zehn negative Aussagen über einen Kollegen der 300 Fälle im Jahr macht. Auch werden solche Bewertungsmöglickeiten ganz allgemein vornehmlich von Leuten mit einer besonderen Persönlichkeitsstruktur genutzt, nämlich Leuten, die sich grundsätzlich auf dieser Welt schlecht behandelt fühlen und die daher meinen Rache nehmen zu müssen. Gerade im Bereich der Anwaltschaft hat man mit solchen Charakteren überdurchschnittlich häufig zu tun. Man erkennt sie daran, dass sie immer gleich mit einem Stapel von Fällen in die Kanzlei marschieren, davon 90% Regressfälle gegenüber Kollegen. D.h. es gibt nicht nur gute und schlechte Anwälte, es gibt auch schlechte Mandanten.
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Anwaltliche Arbeit ist für den Mandanten kaum bewertbar. Komme ich mit einem aussichtslosen Fall zum Anwalt, beschwere ich mich entweder darüber, dass der Kollege so „blasiert“ ist den Fall erst gar nicht zu übernehmen, oder beschwere mich hinterher darüber, dass er verloren wurde. Ein grandiöser Teilerfolg in aussichtsloser Lage wird vom Mandanten höchst selten gewürdigt. Habe ich einen 100% sicheren Fall, kann den auch jeder Depp gewinnen. Eine hierüber positive Aussage hätte also auch keinen Wert. Schlussendlich entscheidet aber ohnehin nicht der Anwalt über den Erfolg seiner Arbeit, sondern das Gericht. D.h. bewertet wird vom Mandanten eigentlich nicht die anwaltliche Arbeit, sondern der Erfolg vor Gericht, für den der Anwalt aber nur zum Teil etwas kann.
Zudem gibt es natürlich auch erfahrene und unerfahrene Mandanten, die mit ganz unterschiedlichen und oft falschen Vorstellungen zum Anwalt kommen. Ein noch anwaltlich unerfahrener Mandant geht oft davon aus, dass sich ein Anwalt jetzt tagelang ausschließlich mit seinem Fall beschäftigen würde und erwartet ganz schnelle Resultate, meint es müsse täglicher Austausch stattfinden, … Der erfahrene Mandant kennt die tatsächlichen Verhältnisse, weiß, dass zig Fälle beim Anwalt problemlos parallel laufen, und der zeitliche Ablauf insbesondere durch Wartezeiten auf die Reaktion Dritter (Gegner, Versicherungen, Polizei, Staatsanwaltschaft, Gericht, …) und laufende Fristen gekennzeichnet ist, und der Anwalt hieran nichts ändern kann. Ein Großteil der Mandantenbeschwerden bezieht sich aber genau auf diese Situation. Echte Fristversäumnisse wären ggf. ein angemessener Beschwerdegrund (dann auch ggf. Regress), sind demgegenüber aber verschwindend gering.
Diese Ausführungen sollen jetzt keineswegs heißen, dass ich alle Kollegen für perfekte Anwälte halte, sonst hätte ich nicht selbst schon Anzeigen an Kammern und Staatsanwaltschaften gegen Kollegen verfasst, sollen aber deutlich machen, dass einem Laien die Bewertung der Qualität anwaltlicher Arbeit (und ähnlich sieht es auch in der Ärzteschaft aus) kaum möglich ist, und daher entsprechende Foren meiner Meinung nach keinen Sinn machen. Frage also besser weiter im Bekanntenkreis rum, verlasse dich auf deinen eigenen Eindruck, achte darauf, dass insbesondere die „Chemie“ stimmt, und denke daran, dass nicht jeder Fall zu gewinnen ist, und letztendlich das Gericht und nicht der Anwalt hierüber entscheidet.
Gruß vom Wiz
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Hallo Susanne,
Für Mediziner wäre das auch ganz nützlich.
Ich brauche nämlich beides und ich habe einfach keine Lust
mehr immer Roulette an solchen wichtigen Stellen zu spielen.
könnte es sein, dass es sinnvoll wäre, mal über den sinn der ausdifferenzierung arbeitswelt in subsysteme nachzudenken ?
wenn ein anwalt zum arzt geht, kann er auch nicht beurteilen, ob der arzt jetzt medizinisch das richtige macht, sondern einfach nur darauf hoffen, dass der schon wissen wird, was er macht. wenn der arzt nen kunstfehler macht, kann der anwalt ihn verklagen. das ist aber auch schon alles. ansonsten kann man nur hoffen, das eben die markt- und berufsausbildung ein gewisses minimal-level gewährleistet.
dadurch ist das ganze nämlich kein „roulette“, also vollkommen kontingent, sondern die verhaltenserwartungen werden gesteuert und eben mehr oder weniger gut befriedigt.
ansonsten halte ich persönlich meine arbeitsleistungen immer für dann am besten, wenn es gelingt, einen weg zu finden, gerichte vollkommen draußen zu lassen, während die meisten kollegen und vor allem mandanten natürlich immer den prozessualen sieg für erfolg halten. ich denke, dass macht hinreichend deutlich, dass nicht einmal innerhalb des berufsstandes einigermaßen einheit darüber herrscht, wie man qualitätsmaßstäbe für anwälte formulieren soll.
mfg astrachan