Scheidung - möglichst 'sauber'

Hallo liebe Scheidungsrechtsexperten.

Mal angenommen ein junges Ehepaar lebt bei seinen Eltern in einem Haus. Es gibt zwei Wohnungen aber nur einen Mietvertrag inkl. Mietbuch, alles bei seiner Familie. Beide Parteien zahlen die Miete an zwei verschiedenen Terminen. Sie geht arbeiten, er nicht (bzw. Aktivitäten bei der Feuerwehr). Das gemeinsame Konto und dessen aktueller Stand wird von ihm unter Verschluss gehalten, ausserdem gibt er (nicht nur) ihr Geld aus ohne dafür Rechenschaft abzulegen. („Klingt nach Aschenputtel in mit Gold angemalten Käfig und der Traumprinz erweist sich als eigensinniger Froschkönig“). Mit der Beziehung zwischen ihr und ihm & seiner Familie steht es nicht mehr zum Besten. Von daher erwägt sie erstens die Scheidung und zweitens den Auszug in eine andere Wohnung. Natürlich inklusive ihrer Haustiere und ihren übriggebliebenen Besitztümern.

Der Auszug soll natürlich möglichst schnell vonstatten gehen. Ihre Familie würden sie in jeder Art unterstützen (wohnt aber ein paar Stunden weiter weg…).
Allerdings wären noch seine Mutter und deren Tochter fast den ganzen Tag im Haus (Vater ginge arbeiten und ist selten zu Hause)

Frage nun: was sollte sie nach Möglichkeit noch alles in Sicherheit bringen ausser dem Mietbuch ? Wie könnte man den ‚Froschkönig‘ möglichst billig loswerden ? Und wann könnte der beste Zeitpunkt zum Ausziehen sein ? Immerhin könnte der Froschkönig (oder dessen Familie) Lunte riechen und u.a. das Schloss zur Wohnung austauschen…

Freundlich fragend
M.L, der den Artikel hoffentlich allgemein genug gehalten hat

Moien,

da Sie sich ja eh scheiden lassen will und bei der geschilderten Lage eine „vernünftige“ Scheidung wohl eh nicht möglich ist, wird sie sowieso einen Scheidungsanwalt benötigen, der ihr auch am besten helfen kann, zumal ihm die Fakten besser dargelegt werden können als hier im Forum!

Gruß
Bernd

Hallo,

Frage nun: was sollte sie nach Möglichkeit noch alles in
Sicherheit bringen ausser dem Mietbuch ? Wie könnte man den
‚Froschkönig‘ möglichst billig loswerden ? Und wann könnte der
beste Zeitpunkt zum Ausziehen sein ? Immerhin könnte der
Froschkönig (oder dessen Familie) Lunte riechen und u.a. das
Schloss zur Wohnung austauschen…

Die Fragen hören sich nicht unbedingt danach an, dass hier die besten Voraussetzungen für eine - siehe Überschrift - „möglichst saubere Scheidung“ gegeben sind.

Vor der Scheidung steht erstmal die Trennung. Und DIE muß sauber und fair ablaufen. Wenn die Märchenprinzessin befürchten muß, dass Familie Frosch hier unfair am anderen Strang zieht, sollte sie sich tatsächlich erstmal darüber klar werden, was sie im Falle der Scheidung zu erwarten hätte. Da kann bestimmt ein Anwalt in einer Erstberatung weiterhelfen. Und dann kann sie überlegen, was es ihr - auch finanziell - „wert“ wäre, den grünen Gatten loszuwerden. Soll heißen, soll er doch mit der alten Couch glücklich werden, Hauptsache, ich hab meine Ruhe vor ihm.
Ansonsten fällt mir ein, bzw. auf: Wieso hat ER das Konto unter Verschluß, auf dem IHR Gehalt eingeht? Bzw., wäre es nicht ein Weg, dem Arbeitgeber eine neue Kontoverbindung zu geben? Bzw. dem Ehemann damit zu drohen dass zu tun? Dann ist es mit dem von ihm geheimgehaltenen Kontostand gleich vorbei.

Konkret: Zu allererst sind im Fall einer Trennung die Bankkonten zu trennen. SOFORT! Ich kenne selbst bisher nur einen Fall, wo es seit mehr als zwei Trennungsjahren immer noch 100%ig sauber und fair funktioniert. In allen(!) anderen Fällen, auch meinem eigenen, bleibt der eine danach auf den Schulden vom anderen sitzen.

Gruß
Bonsai

Hallo Markus,

problemlos und fair - also sauber - wird diese Trennung wohl nicht über die Bühne gehen.
Die Frage ist hier doch letztendlich nur noch - und darauf zielen ja auch Deine Fragen ab - wie kommt die Prinzessin ohne noch größeren finanziellen Schaden und ohne langatmige Diskussionen ( oder Schlimmeres) aus dieser Ehe raus.
Wie schon von meinen beiden Vorschreibern dargelegt sollte sie sich VOR allem anderen einen guten Fachanwalt für Familienrecht suchen und ihre Situation klarmachen.

Unabhängig davon würde ich - wäre ich an ihrer Stelle - schnellstmöglich meine persönlichen Papiere ( Geburtsurkunde, Heiratsurkunde >wichtig für die Scheidung

Hallo meinerseits nochmal.

Erstmal Danke für die Antworten und Einschätzungen. Hab’ leider etwas vergessen:Unsere ‚Märchenprinzessin‘ hat bereits einen RA eingeschaltet und ein eigenes Konto eingerichtet, von dem der ‚Froschkönig‘ (noch) nichts weiss… Einige Verluste werden bei der Scheidung wohl nicht zu verhindern sein. Z.B. mit dem Mietbuch: was tun wenn das „verschwindet“ und die Familie (samt Vermieter) behauptet, unsere Prinzessin hätte nicht genug Miete gezahlt ? (Käme dem Vermieter wahrscheinlich gerade recht, noch ein wenig mehr einzustreichen…).

Also von den persönlichen Folgen mal abgesehen bin ich mehr auf eine Minimierung des finanziellen und materiellen Schadens aus. Für den geschiedenen Ehemann dürfte nämlich gezahlt werden :frowning: Ich vermute mal, dass ein guter/erfahrener RA hier helfen könnte.

Okay, soviel von meiner neugierigen Seite aus
mfg M.L.

Hallo Markus,

bin weder Jurist noch aus Deiner Schilderung schlau geworden. Ist aber auch nicht wirklich von Bedeutung. Nur dies:

… Lunte riechen und u.a. :das Schloss zur Wohnung :austauschen…

Sobald sich Ehepartner Klöpse leisten, wie das Aussperren aus der gemeinsamen Wohnung, ist es vorbei mit der sauberen Scheidung. Eine Scheidung geht vergleichsweise billig und zügig vonstatten, wenn sich die Ehepartner einig sind und gegenseitige Verletzungen, Übervorteilungsversuche und kleinkarierten Zank um jeden Gegenstand unterlassen. Streit darüber, wer, wann, was, von wessen Geld, mit oder ohne Rücksprache ausgegeben hat, ist nur für die Tonne und völlig entbehrlich. Andernfalls verlieren beide Partner Geld, Zeit, Nerven und Reste gegenseitiger Wertschätzung. Deshalb sind im ersten Zug Auseinandersetzungen über Materielles kontraproduktiv. Gebraucht wird Einigkeit in diesen Punkten: Ja, wir wollen uns trennen. Ja, die Scheidung soll zügig und für beide Partner bezahlbar geschehen. Beiden muß klar sein, sobald einer bockig wird, wirds für beide teuer.

Weit schwerwiegender als Auseinandersetzungen über Hausrat sind bei unterschiedlichem Einkommen der Ehepartner der durchzuführende Versorgungsausgleich der Rentenansprüche sowie der evtl. zu leistende Ehegattenunterhalt. Auf den Versorgungsausgleich kann unter bestimmten Voraussetzungen notariell oder in der Verhandlung vor dem Familiengericht verzichtet werden. Sofern ein Ehepartner über kein ausreichendes eigenes Einkommen verfügt, kann der Streit über Ehegattenunterhalt, über Zumutbarkeit und Möglichkeit einer Arbeitsaufnahme, teure Folgen haben. Am besten, die Ehepartner einigen sich untereinander, weil kein Gericht zulassen wird, daß ein Ehepartner der Sozialhilfe anheim fällt. Beiden Partnern muß klar sein, daß sich das Familiengericht nicht für in blumigen Worten dargelegte schmutzige Wäsche interessiert und auch nicht für irgendwelche noch so nervigen Marotten und Details. Es geht also nicht um die Klärung von Schuldfragen, sondern nur um die Feststellung der Zerrüttung, um einen Interessenausgleich bei vorhandenen nennenswerten Vermögenswerten (hab ich aber damals zusammen mit Tante Else ausgesucht und bezahlt, interessiert keinen), um Versorgungsausgleich und Unterhalt. Eigentlich sind das alles Dinge, die denkende Menschen friedlich untereinander zustande bekommen sollten.

Das Ganze ist also kein Betätigungsfeld für eigenmächtige Rambos, die mal eben Schlösser auswechseln. Im ureigendsten Interesse muß ein Partner über den eigenen Schatten springen und eine schon an die Wand gefahrene Situation retten. Dazu gehört ein Gespräch unter 4 Augen, also ohne die „liebe“ Verwandtschaft, ohne Herabsetzungen und Aufrechnungen.

Die Alternative: Zeigen, wo der Hammer hängt und wo es lang geht, Recht haben wollen, Sprüche klopfen „mein Anwalt wird Dir…“, alte Rechnungen auf den Tisch, Gezerre, Geplärre, Gezänk um Mobiliar und zahlen, zahlen, zahlen…

Ich weiß übrigens, wovon ich rede. Joschka ist mir aber noch um eine Scheidung voraus :smile:

Gruß
Wolfgang

Solange Sie die Wohnung noch bewohnt, darf Ihr der Zugang zur Wohnung nicht verwehrt werden. Im Zweifelsfalle kann ein Schlüsseldienst den Zugang wieder herstellen.

Eine Fotodokumentation des Inventars, am besten mit einem Zeugen, könnte bei etwaigem Verschwinden von Gegenständen Nachweis für unerlaubte Handlung sein.

Jeder der Partner kann zunächst aber die Gegenstände mitnehmen, welche ihm bereits vor der Beziehung gehört haben. Im Zweifelsfall lieber erst einmal da lassen. Denn sobald einer anfängt, etwas unüberlegtes zu tun (und irgendetwas mitzunehmen), dann könnte das die Gegenseite provozieren, ebenso zu verfahren.

Ein Liste wäre schlau, den Zugewinn während der Beziehung könnte man mit dem jeweiligem Zeitwert schätzen und entsprechend aufteilen.

Hilfreich sind neutrale Leute, die sich als Zeugen in die Verhandlungen einschalten und versuchen, die sachliche Ebene nicht zu verlassen und die Emotionen gering zu halten.

Gruß
Patrick

Danke :smile: Res finita
Hallo.

An dieser Stelle nochmal ein Danke für die Antworten.
Wie die geneigten Leser sicherlich bemerkt haben ging es bei meiner Frage um eine tatsächlich existente Angelegenheit, deswegen ja auch das Bild aus dem Märchenreich. Also: gestern ist dank Hilfe von zuhause abgeräumt worden -> die Protagonistin ist samt Hund bei einer Arbeitskollegin untergekommen. Der restliche Hausrat befindet sich ein Stockwerk unter mir… Sonst noch Ausstehendes soll noch geholt werden (dazu noch eine Frage in diesem Forum)

In diesem abschliessenden Sinne
mfg M.L.

*** noch am Rand ***
Laut RA besitzt der Noch-Ehegatte in punkto finanzielle Unterstützung seitens der Noch-Ehefrau noch ein Jahr Schonfrist. Aufgrund des Fehlens von Kindern darf er sich dann eine Arbeit suchen oder kann sich eine andere Geldquelle/Melkkuh/Arbeit suchen…