Sich selbst enterben...geht das?

Hallo,

mal angenommen ich will mich selbst enterben. Geht das?
Kann ich mich damit, nicht nur von dem Erbe selbst ausnehmen, sondern auch von allen evtl. auf mich zukommenden Verpflichtungen???

Oder „hänge“ ich auf jeden Fall in dieser Familien-Schaft drinnen?

D.h. stürben meine Eltern, darf ich auch erben oder würden diese Pflegefälle, müsste ich mich um sie kümmern.

Oder kann man sich, sozusagen im Nachhinein, von diesem „Familien-Erbe“, mit allen Verpflichtungen und positiven Nebenerscheinungen (Geld, Haus, Hund) freistellen lassen, indem man auch auf alles andere offiziell (Notor?) verzichtet.

Falls ihr mich jetzt verwundert als Familien-Verweigerer beschimpfen möchtet - ich habe keine Lust auf habgierige und erniedrigende Erbschafts-Streitereien (die z.T. jetzt schon losgehen). Andererseits will ich auch nicht „mitgezogen werden“, weil man mich im Ernstfall juristisch haftbar machen könnte oder in irgendwelchen Gesetzbüchern, irgendwelche Grundsätze stehen die dem Kind vorschreiben was seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist.

Denn wenn dies möglich wäre, würde ich mich gerne von allem entbinden, das fette Erbe und die erlauchte moralische Verpflichtung, den Streithähnen überlassen.

Danke für Aufklärung
Gruß
Helena

Hallo

mal angenommen ich will mich selbst enterben. Geht das?

Man kann sich nicht selbst enterben… Du meinst vermutlich, das Erbe ausschlagen? Ja, das geht. Frist: 6 Wochen ab Kenntnis des Nachlasses. Geht über den Notar und ist nicht sonderlich teuer.

Kann ich mich damit, nicht nur von dem Erbe selbst ausnehmen,
sondern auch von allen evtl. auf mich zukommenden
Verpflichtungen???

Naja, das ist ein wenig pauschal. Man kann sich nicht über das Ausschlagen von allem freisagen. Du müßtest also schon ein konkretes Beispiel nennen. Wenn Du das Erbe ausschlägst, schlägst Du eben alles aus, was mit dem Erbe an sich zu tun hat.

Gruß,
LeoLo

Hi LeoLo,

danke für die Antwort.

Konkret: Meine Mutter ist schwerkrank, mein Vater ist leider schon tot. Meine Mutter als Besitzerin des Hauses versucht meinen Bruder und mich zu erpressen a la „du kriegst nur was vom Erbe, wenn du…wie ich das will, ob’s Sinn macht oder nicht“.

Ich habe in letzter Zeit schon mehrfach versucht (belegbar) etwas für meine Mutter zu erreichen (ambulante Pflege, etc.). Sie verweigert alles. Will in diesem Riesenkasten residieren und verlangt von mir 24Std. Rundum-Service. (Da müsste ich meinen Job aufgeben) Vor allem hat sie inzwischen wirklich „kranke“ Ansichten. Sie weigert sich zu einem Arzt zu gehen, wirft mir aber vor das ich sie vernachlässige.

Soweit, so schlecht!

Da mein Bruder in den letzten Jahren immer nervöser wurde, mir, wie meine Mutter auch, misstraut und mir vorwirft ich würde mich um michts kümmern, würde nur auf das Erbe giern, wollte ich das Ganze gerne dokumentieren in der Art von „ich will nix, ihr könnt alles haben, lasst mir bitte meine Ruhe“.

Ich würde mich liebend gerne vom Erbe ausschließen, aber auch alle damit verbundenen Pflichten (du kümmerst dich um nix!) für das Life-Style meiner Mutter ausschließen.

Wenn die Dame heute bei H.O.T. für 30.000 EUR Kosmetik bestellt, habe ich keine Lust das irgendwann abzutragen, nur weil danach mal ein Arzt endlich feststellt, das sie wirklich nicht mehr für sich sorgen kann und schon lange intensive Pflege braucht. Alle meine Anträge wurden vom Familiengericht bisher abschlägig beschieden. UNd die ganze Lage spitzt sich jedes Jahr mehr zu. Vor allem wird meine Mutter immer sonderlicher. Ich habe wirklich ANGST irgendwann für meine Mutter (oder ihre Eigenheiten) haften zu müssen.

Gruß
Helena

Hallo

Wie gesagt, Du kannst das Erbe später ausschlagen. Vielleicht gehst Du einmal zu einem Rechtsanwalt und läßt dich wegen Deiner Mutter fachkundig beraten. Entmündigung ist sicherlich immer ein hartes Thema, aber es gäbe da meines Wissens noch zum Beispiel die erst mal sanftere Möglichkeit, ein Betreuungsverfahren einzuleiten.

Gruß,
LeoLo

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Hi LeoLo,

dann scheints nix mehr zu geben als Augen zu und durch.

Das Betreuungsverfahren wurde abgelehnt weil kein Handlungsbedarf ersichlich sei. Und meine Liste des Bedarfes war sehr lang!

Wenn ich das Erbe erst nach ihrem Tode ausschlagen kann, dann wird es auch vorher nicht viel geben.

Sich im nachhinein von der Familie scheiden lassen, geht wohl auch nicht, oder?

Gruß
Helena

Hallo

dann scheints nix mehr zu geben als Augen zu und durch.
Wenn ich das Erbe erst nach ihrem Tode ausschlagen kann, dann
wird es auch vorher nicht viel geben.

Helena, was soll es denn da „geben“? Ich denke, Du willst auch gar nichts, dann wird es ja auch nichts „geben“ und wenn es was „geben“ soll, nimmst Du es nicht. Ansonsten, sei mir nicht böse, wenn ich das sage, scheint mir Dein eigentliches Problem anders gelagert zu sein. Vielleicht solltest Du anstatt eines Rechtsanwaltes einmal eine psychologische Betreuung für Dich in Betracht ziehen, denn aus Deinen Aussagen lese ich mehr die Problematik heraus, daß Du unfähig bist, Dein eigenes Leben auch gegen massiven familiären Widerstand für Dich in den Vordergrund zu stellen. Du läßt Dich einfach in eine ungewollte Situation hineindrängen und versuchst, über den RECHTSweg dort heraus zu kommen. Aber letztendlich bist Du die Person, die sich behaupten muß und sagen muß: Nein, nicht mit mir! Ich mache dieses Spielchen jetzt und zukünftig nicht mehr mit. Ich kann mir gut vorstellen, daß das nicht so einfach ist, gerade bei der eigenen Mutter. Aber der Ansatzpunkt, die eigene Befreiung zu suchen, scheint mir deutlich verheißungsvoller, als auf der Stelle zu treten und eigene Zukunftsängst zu schüren.

Deinen Leitsatz „Der Charakter eines Menschen läßt sich leicht daran erkennen, wie er mit Leuten umgeht, die nichts für ihn tun können“ scheint Dich zu einer Art Selbstaufgabe inspiriert zu haben. Dann hast Du den Sinn des Satzes aber m.E. nicht wirklich durchdacht.

Sich im nachhinein von der Familie scheiden lassen, geht wohl
auch nicht, oder?

Hähähä… Nee, das geht nicht. Sonst wären die Gerichte noch mehr überlastet.

Gruß,
LeoLo

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Hallo Helena!

Wenn ich das Erbe erst nach :ihrem Tode ausschlagen :kann…

Das ist auch gut so. Du brauchst Dich nicht unter Druck setzen zu lassen und hast es nicht nötig, Dich mit wem auch immer zu streiten. Nicht einmal Enterben ist ohne weiteres möglich. Tritt der Erbfall ein, wird „Kassensturz“ gemacht und Du kannst frei entscheiden, ob Du das Erbe antreten willst oder nicht.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

was passiert eigentlich mit den Schulden eines Erblassers, wenn alle Erben das Erbe aussschlagen und wirklich gar nichts zu holen ist? Bleibt der Schuldner auf den Schulden sitzen?

gruß - hans
***

Das ist auch gut so. Du brauchst Dich nicht unter Druck setzen
zu lassen und hast es nicht nötig, Dich mit wem auch immer zu
streiten. Nicht einmal Enterben ist ohne weiteres möglich.
Tritt der Erbfall ein, wird „Kassensturz“ gemacht und Du
kannst frei entscheiden, ob Du das Erbe antreten willst oder
nicht.

Gruß
Wolfgang

Hallo

was passiert eigentlich mit den Schulden eines Erblassers,
wenn alle Erben das Erbe aussschlagen und wirklich gar nichts
zu holen ist? Bleibt der Schuldner auf den Schulden sitzen?

Schlagen alle aus, erbt der Staat. Erbt der Staat wird die Haftung auf Höhe der Aktiva beschränkt (Nachlassinsolvenz). Gläubiger bleiben auf ihren Forderungen sitzen.

Gruß,
LeoLo

Hallo Hans!

was passiert eigentlich mit :den Schulden eines :Erblassers, wenn alle Erben :das Erbe aussschlagen und :wirklich gar nichts
zu holen ist? Bleibt der :Schuldner auf den Schulden :sitzen?

Wenn der Schuldner tot ist und sich keiner findet, der die Schulden das Erbe haben will, bleiben die Gläubiger auf ihren Forderungen sitzen. Die Gemeinde übernimmt die Kosten einer einfachen Bestattung, aber keine Schulden.

Gruß
Wolfgang

‚Nein‘ ist eine valide Antwort!
Hallo, Helena,
wie gut ich das kenne! Weder gute Worte noch Vernunftgründe helfen da.
Kannst Du für eine Weile mit schlechtem Gewissen leben? Dann solltest Du das tun!
Sag der Frau Mama und dem Bruder, was sie mit dem Haus tun können, halte Dich aus allem raus und gut ist’s.

Ich hatte in ähnlichem Fall auch alles Mögliche in Bewegung gesetzt, das wurde abgelehnt. Da man offenbar meine Ratschläge nicht für erwägenswert betrachtete, sah ich mich aber dann auch nicht weiter verpflichtet, mich um die Angelegenheit zu kümmern. Nun bin ich zwar das „undankbare, herzlose Kind“, aber ich habe meine Ruhe.
Wem nicht zu raten ist, ist nicht zu helfen.
Gruß
Eckard

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Hallo LeoLo,

finde ich mit meinem laienhaften Selbstverständnis etwas ungerecht vom Staat - nur das Positive absahnen und die anderen mit den Schulden sitzen lassen… Aber das tut zur ursprünglichen Frage sicher nichts zur Sache.

gruß - hans
***

Schlagen alle aus, erbt der Staat. Erbt der Staat wird die
Haftung auf Höhe der Aktiva beschränkt (Nachlassinsolvenz).
Gläubiger bleiben auf ihren Forderungen sitzen.

Gruß,
LeoLo

Hallo,

mal angenommen ich will mich selbst enterben. Geht das?

was die anderen antworten nicht berücksichtigen ist, dass es in der tat möglich ist bereits zu lebzeiten des erblasser einen sogenannten Erbverzicht zu erklären (§2346 BGB). Das ist ein Vertrag mit dem noch lebenden Erblasser, in dem du auf alle Ansprüche verzichtetst. Dieser bedarf aber der notariellen Beurkundung.
mfg astrachan

Hallo Hans,

finde ich mit meinem laienhaften Selbstverständnis etwas
ungerecht vom Staat - nur das Positive absahnen und die
anderen mit den Schulden sitzen lassen…

Meinst du irgendjemand schlaegt was aus, wenn unter
dem Strich was Positives rauskaeme?

Gruesse
Elke

Hallo Elke,

hast natürlich recht, aber mal folgender Fall: Jemand stirbt ohne irgendeinen Erben. Hat er was, bekommt es der Staat. Hat er Schulden, bleiben die Gläubiger auf den Schulden sitzen. Das finde ich ungerecht (irgendwie „unsymmetrisch“).

gruß - hans
***

finde ich mit meinem laienhaften Selbstverständnis etwas
ungerecht vom Staat - nur das Positive absahnen und die
anderen mit den Schulden sitzen lassen…

Meinst du irgendjemand schlaegt was aus, wenn unter
dem Strich was Positives rauskaeme?

Gruesse
Elke

Hallo Hans,

finde ich mit meinem laienhaften Selbstverständnis etwas
ungerecht vom Staat - nur das Positive absahnen und die
anderen mit den Schulden sitzen lassen…

Meinst du irgendjemand schlaegt was aus, wenn unter
dem Strich was Positives rauskaeme?

naja, doch bei sehr reichen Leuten, denen es egal sein kann, bzw. denen ihre interfamiliären animositäten wichtiger sind, kommt das durchaus vor.

Gruesse
Elke

Du fändest also eine Haftung des Staates (also uns allen) für persönlich gerschlossene Verträge i.O.?

Ich nicht.

Gruß Ivo

Andersrum - wieso hat ausgerechnet der Staat ein Anrecht auf „herrenloses“ Vermögen? Da könnte ja jeder kommen…

gruß - hans
***

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Hallo

finde ich mit meinem laienhaften Selbstverständnis etwas
ungerecht vom Staat - nur das Positive absahnen und die
anderen mit den Schulden sitzen lassen…

Ähhhh… Schulden müssen ja irgendwie entstehen, oder? Jetzt im Weihnachtskaufrausch fiel mir immer wieder vermehrt das folgende Schild in Verkaufsläden auf (sinngemäß):

3000€ Kredit ohne Vorlage einer Gehaltsabrechnung!

Also ich persönlich finde das unmöglich, aber mir ist es letztendlich dann egal. Muß ja jeder selber wissen, welche Risiken er sich und anderen aufbürdet. Man könnte es zwar fast schon „Anstiftung zur Privatinsolvenz“ nennen, aber solch einen Strafbestand gibt es noch nicht :smile: Wenn ich aber wüßte, daß ich in oben angesprochenen Fällen mit meinen Steuergeldern für solche Geschäftsgebaren hafte, dann würde ich nicht nur dieses Schild nehmen und den Geschäftsführern um die Ohren hauen.

Mal ganz im Ernst: Wenn der Staat für alle Erbschulden aufkäme, würde ich sündhaft teure Wohnungen o.ä. verkaufen, natürlich nur an alte Leute mit negativer Gesundheitsprognose… Was, Sie können nicht zahlen und wollen anschreiben? Kein Thema!

Warum sollte ein Privatmann ein Erbe ausschlagen können, aber der Staat für alles geradestehen müssen? In vielen Fällen könnte es gut sein, daß man die Schuld bei den Gläubigern findet.

Gruß,
LeoLo

@LeoLo
Hi LeoLo,

Respeckt vor deine Analyse meiner Person, wegen einiger Äusserungen.

Du kannst mir glauben das ich mit Sicherheit kein Problem habe, keine Therapie brauche und mich weder selbst aufgegeben habe, noch offizielle Mittel suche, weil ich mein Leben und den familiären Druck nicht aushalte.

Ich praktiziere ein sehr deutliches „Nein, ich will nicht“ seit Jahren. Leider erfolglos!!! Was nützt es deutlich zu sein, wenn das Gegenüber es nicht verstehen WILL und auf Zermürbung setzt?

Bitte sieh in Zukunft von solchen Analysen ab, zumindest bei mir. Ich surfte nur durch dieses Forum, sah den vorhergehenden Thread und dachte mir einfach - ich kann ja mal nachfragen. MEHR NICHT!!!

Alle anderen Unterstellungen von dir, empfinde ich wirklich als Frechheit.

Gruß
Helena