Danke sehr
, und …
Hallo Wotan,
in diesem Fall wurde also auch bei uns ein neues Gesetz innerhalb von drei, na ja, vier, Tagen durchgezogen:
wurde am 28. September 1977 der Gesetzesentwurf für die
Einführung eines Kontaktsperregesetzes (§§ 31-38 EGGVG) im
Bundestag eingebracht und in erster Lesung behandelt, am
nächsten Tag folgten die zweite und dritte Lesung, am 30.
September nahm der Bundesrat das Gesetz an, der
Bundespräsident unterzeichnete es sofort, am 02. Oktober trat es in Kraft.
Ich hatte gedacht, bei uns müssten zwischen den Lesungen, der Unterzeichnung und dem Inkrafttreten längere Zeiträume liegen.
Das ist aber zunächst mal die Form. Wenn alle betroffenen Personen und Organisationen (Parteien, Gruppen) sich einig sind, geht es also schnell. Das könnte man als Kritik an gegenwärtigen Zuständen bei uns sehen, wo es kaum vorwärts geht, weil, selbst wenn Einigkeit vorliegt, es doch Monate oder gar Jahre dauert, bis etwas Gesetzeskraft erlangt, das allgemein als sinnvoll erachtet wird.
Was aber den Inhalt der damaligen Entscheidung angeht, meldest du Kritik an:
die Berliner Morgenpost (Springer-Verlag!) meinte: „Hier wird
(…) ein schwerer Eingriff in die Rechte von Beschuldigten
legalisiert, der üblicherweise ein Kriterium für Diktaturen darstellt.“
Tja, zu diesem Thema könnte man noch viel sagen (die
„Terrorismusgesetze“ sind alle noch geltendes Recht), aber das
eigentliche Thema war ja ein anderes.
Ich habe die Zeit miterlebt. Zwar hatte ich die juristischen Details nicht im Kopf, aber jetzt, wo du es sagst, erinnere ich mich daran. Obwohl ich unserem politischen System in vielen Punkten kritisch gegenüber stehe, muss ich feststellen:
Von einer Diktatur unterscheidet sich der Vorgang schon allein dadurch, dass die Entscheidung nicht von einer einzelnen Person, sondern von einer Vielzahl von Gruppen einvernehmlich getroffen wurde.
Ich stehe den politischen Zielen und Idealen der Terroristen von damals, um die es hier geht, durchaus nahe und vertrete diese auch heute noch. Aber ihre Mittel, Terror und Mord, lehne ich total ab.
Aus diesem Grunde habe ich die damaligen Gesetzesänderungen mitgetragen. Es war doch auffällig: Die Leute befanden sich in Gefängnissen, die speziell für sie gebaut und besonders aufwändig bewacht waren, hatten aber trotzdem stets aktuelle Informationen über die Vorgänge draußen und nahmen sogar Einfluss darauf. Diese Informationen konnten sie nur durch ihre Rechtsanwälte erhalten haben, weshalb ihre Kontaktrechte schnell und stark beschnitten wurden.
Wäre dies nicht geschehen, wären wohl noch mehr Morde geschehen.
Gruß
Peter