Hallo zusammen,
mal angenommen, Person A arbeitet bei Firma X. Nun verlässt Person A die Firma X auf eigenen Wunsch und im Guten. Persona A war jedoch in der Firma X an der Entwicklung eines neuartigen Teilsystems beteiligt. Dabei seien von der Firma X jedoch keine „neuen“ Dinge entwickelt worden sondern lediglich bestehende Komponenten in pfiffiger Art und Weise zusammenmontiert. Firma X setzt diese Idee von ihr verkauften Geräten ein, liess jedoch die Idee nicht patentieren.
Nun verlässt also Person A die Firma X. In der neuen Firma Y von Person A könnte Person A nun das Prinzip des neuartigen Teilsystems hervorragend einsetzen. Wäre das rechtens, wenn Person A dies tun würde? Oder könnte Firma X der Firma Y dann böses tun? Dazu gingen wir mal davon aus, dass Firmen X und Y keine Mitbewerber seien.
*wink* und Dank
Petzi
Hallo!
Firma X setzt diese Idee von ihr verkauften
Geräten ein, liess jedoch die Idee nicht patentieren.
Viele Lösungen sind einem gewerblichen Rechtsschutz nicht oder nicht auf zielführende Weise zugänglich, so daß es sich um ungeschütztes Know-how handelt, das zum Stand der Technik gehört.
Nun verlässt also Person A die Firma X. In der neuen Firma Y
von Person A könnte Person A nun das Prinzip des neuartigen
Teilsystems hervorragend einsetzen. Wäre das rechtens, wenn
Person A dies tun würde?
Leute, die Erfahrungen aus anderen Unternehmen einbringen, sind wertvolle Leute und werden genau deshalb eingestellt. Ein frischer Hochschulabsolvent ist noch zu gar nichts zu gebrauchen, verfügt über Grundlagenwissen, aber über kein Know-how. Das bekommt er erst während der praktischen Arbeit. So ist es alltäglich, daß Leute mit ganz speziellen Kenntnissen gesucht werden, die sie natürlich nur bei einem früheren Arbeitgeber erworben haben können. Daran ist nichts auszusetzen und jeder weiß, daß der Mitarbeiter seine erworbenen Kenntnisse auch bei späteren Anstellungen einsetzen wird. Wie auch sonst? Der neue Mitarbeiter kann sich ja schlecht auf den Stand der Dämlichkeit und Unerfahrenheit zurück versetzen, den er nach Abschluß seiner Ausbildung hatte.
Bei kluger Personalplanung werden solche Effekte bewußt eingesetzt. So wird darauf geachtet, daß ein Teil der Mitarbeiter im Unternehmen selbst ausgebildet werden und ein anderer Teil von außen herein kommt. Früher war es im Handwerk üblich, daß ausgebildete Gesellen auf Wanderschaft gehen, dabei andere Betriebe, andere Arbeits- und Bauweisen kennenlernen und die erworbenen Kenntnisse selbstverständlich einsetzen. Dieser Brauch ist heute selten, kommt aber immer noch in einigen Gewerken vor.
Man darf den Einsatz erworbener Erfahrungen und berufsspezifischer Kenntnisse nicht mit dem Ausplaudern von Betriebsinterna oder Industriespionage verwechseln, wenngleich es sicherlich Grenzfälle und gleitende Übergänge gibt.
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
vielen Dank für Deine Antwort *Sternchenüberreich* Und generell gebe ich Dir auch recht - keiner wird sich mit einem Jobwechsel wieder auf „dumm“ zurückumstellen können. Aaaber: es geht hier nicht um prinzipielles Wissen sondern um die Lösung zu einem bestimmten Problem.
Denken wir mal an einen Dreher. Klar, eine Maschine bedienen kann jeder Dreher mit wachsender Erfahrung wohl wachsend gut. Aber unser Dreher hätte nun - zusammen mit Kollegen - in seiner alten Firma entdeckt, dass Passungen hochpräzise werden, wenn man mit einer Mischung aus Katzenkacke und Lenor anstatt mit Bohrwasser schmiert. Damit kriegt seine Firma den Ruf, die weltbesten Passungen zu machen. Allerdings könnte die Konkurrenz das „Wunderbohrwasser“ käuflich und legal erwerben und analysieren, da auf dem Markt frei verkauft.
Nun will er zu einer anderen Firma gehen - darf er da gleich als erstes anfangen wieder mit seiner Katzenkacke-und-Lenormischung zu schmieren? Und vor allem: darf er das wieder selber mischen?
*wink*
Petzi
Hallo!
dass Passungen hochpräzise werden, wenn man mit einer Mischung aus
Katzenkacke und Lenor anstatt mit Bohrwasser schmiert.
Jetzt fängt der Dreher in einer anderen Firma an und soll wieder eine Passung herstellen. Natürlich fertigt er keine klapprige Passung mit Bohrwasser, sondern nutzt sein Wissen und nimmt Katzenkacke mit Lenor. Genau solche Dinge, nicht nur Routine und Übung, meinte ich mit Know-how. Pfiffige Details von Software-Lösungen in irgendwelchen Steuerungen, besonders fehlertolerante Hardwarelösungen und spezielle Verfahren in der Mechanik - zahllose Feinheiten in dieser Richtung gehören zum speziellen Know-how eines Unternehmens, genauer: Seiner Mitarbeiter. Wenn Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen, anderweitig arbeiten oder sich selbständig machen, wird spezielles Wissen nach außen getragen. Ähnliches passiert bei vielen anderen Gelegenheiten, wo Fachleute die Köpfe zusammenstecken, etwa in Norm- und Richtlinienausschüssen oder auch beim kollegialen Erfahrungsaustausch. Was in den Köpfen der Mitarbeiter ist, kann man nicht deckeln und das will auch keiner.
Sobald Unterlagen, Papiere, Datenträger eines Unternehmens unkontrolliert/ohne Genehmigung weitergereicht werden, ist die Grenze zur Illegalität überschritten. Aber auch das will im Grunde kein vernünftiger Mensch. Ein Mitarbeiter, der gegenüber einem früheren Arbeitgeber solchen Vertrauensbruch begeht, hat beim neuen Arbeitgeber kein Vertrauen verdient. Die Lebenserfahrung zeigt, daß man sich solche krummen Hunde tunlichst vom Hals hält, weil der nächste Vertrauensbruch ziemlich sicher folgen wird. Was der neue Mitarbeiter gelernt hat, seine Kenntnisse und Erfahrungen, soll und darf er natürlich beim neuen Arbeitgeber einbringen.
Anderes Beispiel: Ein Vertriebsmitarbeiter hält den persönlichen Kontakt zu vielen Kunden, kennt sämliche Details und für jeden Kunden die vereinbarten Preise und Lieferkonditionen. Dieser Mitarbeiter wechselt zur Konkurrenz. Soll er nun all die Leute, die er jahrelang persönlich betreute, plötzlich nicht mehr kennen? Dieser Mitarbeiter darf natürlich keine Kundenlisten mitnehmen, aber seine intime Kenntnis aller Vorgänge und Personen hat er auch ohne Unterlagen. Sowas kann für den früheren AG bitter werden, aber damit müssen alle Beteiligten leben.
Gruß
Wolfgang