Handwerkerrechnung mit Posten 'Werkzeugteile'

Hallo zusammen,

Plattenlegerfirma A wählt vor Verlegung der Platten zur Herstellung des notwendigen Gefälles eine Fräsmaschine zum Ausgleich von Unebenheiten aus. Kunde B bekommt den Posten „Fräskopf (mit Diamantbesatz für 343€)“ auf der Rechnung aufgeführt. Kunde B hat in seinem Leben schon viele Rechnungen bezahlt und ist irritiert, da er noch nie Werkzeugzubehörteile in Rechnung gestellt bekommen hat? Außerdem hätten die Unebenheiten auch mit zB einem Meißelhammer (Tagessatz 50€) beseitigt werden können. Sind solche Posten (bei der Arbeit abgenutzte oder verschlissene Werkzeugteile) auf der Rechnung für Kunden B erlaubt?

Im Voraus besten dank für Eure Antworten

Teurer Spaß: Wenn Laien Bauhandwerker beauftragen

Hallo Harald!

Wie Advokaten die Sache sehen, weiß ich nicht. Ich kann nur über die übliche Vorgehensweise berichten.

Plattenlegerfirma A wählt vor Verlegung der Platten zur Herstellung des notwendigen Gefälles eine Fräsmaschine :zum Ausgleich von Unebenheiten aus. Kunde B bekommt den Posten „Fräskopf (mit Diamantbesatz für 343€)“ auf :der Rechnung aufgeführt.

Ein Gegenstand/Werkzeug/Vorrichtung, nur für den speziellen Bedarf dieses Kunden brauchbar, wird dem Kunden in Rechnung gestellt. Dabei könnte es sich um eine besondere Form für z. B. ein Beton-Formteil handeln, um ein Stanzwerkzeug mit seltsamer Form o. ä., aber eben um ein Teil, das nur für den Sonderwunsch dieses einen Kunden benötigt wird und ansonsten nicht einsetzbar ist. Dabei handelt es sich regelmäßig um keine handelsüblichen Werkzeuge und Vorrichtungen, vielmehr um Sonderanfertigungen. Wenn ich z. B. einen kunststoffverarbeitenden Betrieb beauftrage, Spritzgußteile herzustellen, wird eine Form gebraucht. Die kann man nirgends fertig ab Lager kaufen, sondern muß für jeden Einzelfall speziell hergestellt werden. Die Form ist so speziell wie ein Stempel mit Name und Anschrift eines Auftraggebers oder wie der von einem Zahnlabor hergestellte Backenzahn. Die Werkzeuge/Vorrichtungen, die für einen Kunden hergestellt wurden und als Position auf der Rechnung auftauchen, sind i. a. Eigentum des Kunden.

Ein handelsüblicher Fräskopf für die handelsübliche Fräsmaschine mag zwar kostspielig sein, gehört aber zur branchenüblichen Ausstattung und ist auch für andere Aufträge einsetzbar. Maschinen und Werkzeuge, ihre Anschaffung/Abschreibung und Instandhaltung sind im Stundensatz enthalten. Etwa eine Kfz-Werkstatt braucht spezielle Werkzeuge, die nur für ein bestimmtes Fahrzeugmodell einsetzbar sind. Das Fahrzeugmodell ist aber i. a. kein Unikat und von einer Kfz-Werkstatt darf man erwarten, daß die zur Ausführung von Reparaturaufträgen erforderlichen Werkzeuge vorhanden sind, ihre Anschaffung/Abschreibung anteilig im Stundensatz enthalten ist oder der Auftrag gar nicht erst angenommen wird. Dabei interessiert den Kunden überhaupt nicht, ob irgendein Werkzeug vom Auftragnehmer tatsächlich des öfteren benutzt wird. Es ist dem unternehmerischen Geschick des Auftragnehmers überlassen, wirtschaftlich sinnvoll einsetzbare Werkzeuge anzuschaffen.

Man begegnet zuweilen Zeitgenossen, die erstmal 70 € pro Stunde berechnen und dann vom Firmenauto bis zum benutzten Werkzeug alles Mögliche und Unmögliche addieren. Ich wollte die übliche Vorgehensweise beschreiben: Solche Leute brauchen einen Einlauf Klartext, daß man nicht mitspielt.

Bei Ärger mit Handwerkerrechnungen wurden regelmäßig vom Auftraggeber vor Vergabe des Auftrags Fehler gemacht: Es fehlte eine genaue Beschreibung der auszuführenden Arbeiten in sämtlichen Schritten, etliche Details der Ausführung bleiben dem Gutdünken des Auftragnehmers überlassen und die einzigen schriftlichen Unterlagen bestehen aus der Kladde, die der Auftragnehmer während eines Vorgesprächs anfertigte und natürlich mitnahm. Tatsächlich ist dem Laien eine sachgerechte Auftragsvergabe an Bauhandwerker so gut wie unmöglich. Auch der Vergleich verschiedener Angebote ist dem Laien i. d. R. nicht möglich. Mancher Haueigentümer, der von der Sanierung der Schornsteinköpfe, über Arbeiten am Dach, an den Regenrinnen, an den diversen Installationen alle naselang Handwerker beschäftigt, merkt gar nicht, wie viel Pfusch ihm untergejubelt wird, wie viele unsinnige Sachen passieren und wie viel Geld er verbrennt.

Dabei geht es auch ganz anders, unter dem Strich preiswerter und in einer anderen Qualitätswelt. Sonntag, der Napf der Katzen ist gefüllt, ich habe etwas Zeit und deshalb schildere ich an einem Beispiel, wie kluge Kaufleute mit Bauhandwerkern verfahren, nämlich gar nicht: Eine alte Dame, nicht mehr gut zu Fuß, dafür umso heller im Kopf, versteht vom Handwerk rein gar nichts. Ihr verstorbener Ehemann hinterließ ihr eine selbst genutzte alte Villa sowie ein uraltes, vermietetes Haus. Alle paar Wochen ist an ihrer alten Villa oder am Grundstück rundherum etwas zu machen oder melden sich Mieter, weil irgendwas nicht funktioniert. Soll sie nun einen Handwerker beauftragen, etwa einen Klempner, der ihr etwas vom Pferd erzählt und nach Lust und Laune verfährt? Die alte Dame kann doch schlecht selbst aufs Dach klettern und gucken, ob und wie die Schornsteineinfassung abzudichten ist und sie kann auch nicht beurteilen, ob die Badewanne oder der Spülkasten in der Wohnung des Mieters instandsetzbar ist oder welche neuen Sachen am zweckmäßigsten eingebaut werden. Deshalb wählt sie den vermeintlich teuren Weg und hat für alle Fragen rund ums Haus immer den gleichen Architekten an der Hand. Der Architekt, selbst ein älterer Herr, betreut auf die gleiche Weise etliche Hauseigentümer. Sobald irgendwelche Reparaturen fällig werden, sieht sich der Architekt die Sache an und dann geht es los: Jede fällige Maßnahme wird nach allen Regeln der Kunst festgelegt, die Art der Ausführung und das zu verwendende Material haarklein vorgegeben und dann erfolgt die Auftragsvergabe oder bei größeren Sachen die Ausschreibung. Aufgrund der exakten Vorgaben sind Angebote ohne weiteres vergleichbar. Der Architekt guckt sich auch die Ausführung an und die alte Dame ist erst wieder gefragt, wenn die Rechnung nach Prüfung durch den Architekten bezahlt werden muß. Die so betreuten Häuser sind in einem hervorragenden Zustand, Baupfusch ist so gut wie ausgeschlossen, fragwürdige Rechnungen ebenso. Der verstorbene Ehemann der alten Dame beauftragte früher immer selbst die Handwerker und führte über die Ausgaben akribisch Buch. Obwohl seitdem viele Jahre vergangen sind, die Häuser wurden älter und Preise stiegen, sind die heutigen Instandhaltungskosten einschließlich der Kosten für den Architekten deutlich niedriger als die früheren Handwerkerrechnungen.

Natürlich wäre es unsinnig, sich wegen jeder Kleinigkeit immer wieder erneut auf die Suche nach einem beratenden Architekten zu machen. Kontinuität in der Vorgehensweise ist schon sinnvoll. Wenn man aber einmal anläßlich einer etwas größeren Sache den geeigneten Architekten beauftragt hat, wird man erleben, daß der Berater weit mehr einspart, als er selbst kostet. Außerdem sorgt er für eine Qualität in der Ausführung sämtlicher Arbeiten, die der gemeine Laie bestenfalls als seltenen Glücksfall erhält.

An meinem Wohnort, einem kleinen Dorf in Mecklenburg, wiederholt sich die gleiche Beobachtung fast täglich. Die meisten Menschen hier haben nicht viel Geld, versuchen aber trotzdem, ihre Häuser instand zu halten. Überall werden Dächer isoliert, Fassaden verkleidet, neue Fenster eingebaut, aber schon im Vorbeigehen ist unübersehbar, daß nirgends sachkundiger Rat genutzt wird und in der Folge Pfusch ohne Ende der Normalzustand ist. Dabei bestimmen Schwarzarbeiter und polnische Unternehmen das Bild und überall wursteln die Handwerker ohne Planung nach Gutdünken und ohne jede Qualitätskontrolle vor sich hin. Die Eigentümer glauben, auf diese Weise billig den erwünschten Effekt zu erzielen und merken gar nicht, wie sie für Murks über den Tisch gezogen werden, wie sie einer nach dem anderen ihre Häuser versauen, nicht nur stilistisch, sondern schon rein handwerklich und in vielen Fällen wird der bauphysikalische Wurm eingepflanzt, der die Häuser zu frisch gestrichenen Ruinen verkommen läßt. Diesbezüglich halte ich im Dorf den Schnabel, denn die Klugheit der erwähnten alten Dame ist in die meisten Leute nicht reinzubringen. Ein Laie ist chancenlos, mit dem billigsten Schwarzarbeiter und dem billigsten Baumarktzeugs einen einzigen Euro zu sparen, wenn man etwas weiter guckt, als nur den Moment der Zahlung zu betrachten. Bei dem sich selbst überlassenen Handwerksunternehmen sieht es nicht viel besser aus.

Gruß
Wolfgang

Klasse Beitrag !
Danke !