Gerechte Abschlussprüfung

Hallo!

Ich habe eine allgemeine Frage zum Thema „Gerechtigkeit“ bzw. „Vergleichbarkeit“.

Folgende Situation:

Ich mache eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton. Die Ausbildung unterteilt sich in drei Hauptbereiche:

  1. Kamera (-technik)
  2. linearer/nonlinerarer Schnitt
  3. Ton

Eine besondere Gewichtung innerhalb dieser Gruppen gibt es nicht. Dass man später alles aber nichts richtig kann ist gleichermaßen ein Vorteil und ein Nachteil. Im späteren Berufsleben kommt es äüßerst selten bis gar nicht vor, dass man jeden Teilbereich abdeckt. Entweder man arbeitet als Kameraassistent oder als Cutter (das sind jedenfalls die häufigsten Werdegänge).

Nun sieht die Abschlussprüfung wie folgt aus:

Alle Azubis machen gemeinsam eine theoretische Prüfung in allen Bereichen.
Alle Azubis liefern jeweils einen Prüfungsfilm ab, für den sie insgesamt (Dreh und Schnitt) 18h Zeit haben.

jetzt mein Knackpunkt:

Es wird AUSGELOST in welchen der drei Hauptbereiche (s.o.) der jeweilige Azubi praktisch geprüft wird.

Da schießt mir unweigerlich folgendes Szenario durch den Kopf:

Zwei Azubis. Beide sind die absluten Profis im Schnitt. Könnten für große Filmproduktionsfirmen abrbeiten.
Im Bereich Kamera und Ton sind beide jedoch die größten Nullen. Können ein Mikro nicht von der Kamera unterscheiden.
Nun wird der eine in der Praktischen in Schnitt geprüft und der andere in Kamera/Ton. Welche Durchschnittsnote beide erwarten können ist zu erahnen.
Nun bewerben sich beide bei der selben Produktionsfirma als Cutter. Welche Bewerbung wird im Müll landen?

Ich denke ihr versteh was ich meine.

Für mich wäre es logisch und vor allem gerecht, würden alle in ALLEM geprüft werden (der Vergleichbarkeit zu liebe) oder man dürfte sein Teilbereich wählen.
Dass es so geht, zeigt Hamburg, dessen Azubis schon beim Abschlussfilm sagen dürfen, für welchen Teilbereich sie 18h Zeit haben möchten (18h für Schnitt oder 18h für Kamera).
Das Argument meiner Lehrer, es sei schließlich das Ausbildungsziel, dass wir in allen Teilen bewandert sein sollten und es daher kein Problem sein sollte, in welche Prüfung man müsse, zieht wegen meines erwähnten Beispiels nicht. So sehe ich das.

Gibt es hierfür schon eine vergleichbare Rechtssprechung? Ich bin kein frustrierter Azubi, der seine Prüfung verhauen hat. Hier spricht mein Sinn für Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Denn wir wissen alle, was ein Zeignis für eine Macht hat.

Danke fürs Durchlesen!

Gruß Mud

Hi

Der Azubbi / die Azubine sollte sich mal mit der jeweiligen Innung in Verbindung setzen und dort mal die Frage vorbringen.

Ansonsten müsste der azubi / die abzubine bei www darauf achten, dass nur fiktive Fälle genannt werden… Siehe FAQ:1129

Ansonsten müsste der azubi / die abzubine bei www darauf
achten, dass nur fiktive Fälle genannt werden… Siehe FAQ:1129

Das habe ich durchaus :wink:
Da der „Fall“ mich nicht betreffen wird (werde wahrscheinlich in allen Bereichen sehr gut abschneiden, da ich bei einer sehr gute Firma arbeite) und das Szenario in der Zukunft liegt, dachte ich, es wäre allgemein genug gehalten. Vielleicht war dies ein wenig zu direkt und konkret ausgedrückt.

Es war von meiner Seite tatsächlich nur eine „Wie ist das eigentlich?“-Frage. Bin eben ein verkappter Jurist :wink:

Es war von meiner Seite tatsächlich nur eine „Wie ist das
eigentlich?“-Frage. Bin eben ein verkappter Jurist :wink:

Die Innung kann da rechtlich alles beantworten - die haben Richtlinien nach denen geprüft wird und wenn die nicht eingehalten werden kanns teuer werden… mein ehem. Le(e)hrbetrieb hat von der Innung eins aufn Sagg bekommen weil Du auch anders geprüft haben…

Hallo!

Das Argument meiner Lehrer, es sei schließlich das
Ausbildungsziel, dass wir in allen Teilen bewandert sein
sollten und es daher kein Problem sein sollte, in welche
Prüfung man müsse, zieht wegen meines erwähnten Beispiels
nicht.

Eine Prüfung kann nie die ganze Breite eines Berufsbilds abdecken und ein Auszubildender wird i. d. R. nicht auf allen Gebieten gleichermaßen sattelfest sein. Von daher liegt es in der Natur der Sache, daß die Prüfungsthemen den Auszubildenden individuell verschieden entgegen kommen oder auch nicht. Es darf aber nicht vorkommen, daß ein Auszubildender in einem qualifizierten Ausbildungsberuf von einem wesentlichen Teilgebiet seines Berufs überhaupt keine Ahnung hat. Für Leute, die nur dünne Bretter bohren wollen oder können, gibt es genügend Schmalspurangebote.

Anekdote dazu: Es ist nun schon 37 Jahre her, als ich meine Gesellenprüfung als Radio- und Fernsehtechniker machte. Wer in einer überschaubaren Gemeinde seine Lehre absolvierte, in der der einzige Fernsehhöker nur Blaupunkt-Geräte verkaufte, war mit den Geräten natürlich fit wie ein Turnschuh. Aber es hätten auch Geräte mit eingebauten Fehlern von Loewe-Opta, Bandmaschinen von Grundig oder Verstärker von Hohner während der Prüfung auf den Tisch kommen können. Daß ein Azubi in seinem Lehrbetrieb die komplette Bandbreite der Lustbarkeitselektronik gleichermaßen kennenlernt, war (und ist es heute in noch stärkerem Maß) so gut wie ausgeschlossen. Wer einen bestimmten Gerätetyp noch nie von innen sah, sucht trotz Schaltbild erstmal eine Weile, um überhaupt zu einer Vorstellung zu kommen, wo bestimmte Funktionsstufen sitzen. Weil nach Systematik der Fehlersuche und benötigter Zeit bewertet wurde, konnte darin im Einzelfall eine beträchtliche „Ungerechtigkeit“ liegen. Ich bekam während des praktischen Teils der Gesellenprüfung einen Arbeitsplatz mit einem Gerätechassis zugewiesen, bei dem ich schon aus 2 Metern Entfernung und ohne irgendwas einzuschalten und zu messen, erkannte, daß jemand den Schirmgitterwiderstand einer Pentode abgekniffen hatte. Ich hatte also noch gar nicht angefangen und den Fehler schon gefunden, nur weil ich zufällig diesen Chassistyp genau kannte. Eine Bewertung meiner „Fehlersuche“ wäre gar nicht möglich gewesen und so simulierte führte ich ein, zwei Messungen vor, die schnurstracks die Lokalisierung des Fehlers brachten, um die Schauspielnummer mit „Aha, der Schirmgitterwiderstand!“ abzuschließen. An tausend beliebigen anderen Typen hätte ich viel länger gebraucht. Soviel zur Gerechtigkeit von Prüfungen.

Gruß
Wolfgang

Eine Bewertung meiner „Fehlersuche“
wäre gar nicht möglich gewesen und so simulierte führte
ich ein, zwei Messungen vor, die schnurstracks die
Lokalisierung des Fehlers brachten, um die Schauspielnummer
mit „Aha, der Schirmgitterwiderstand!“ abzuschließen.

:wink: Ganz großer Sport!!! Herrlich