Berufssoldat u. Verweigerung am Dienst an d.Waffe

Was wuerde mit einem Berufssoldat passieren, der im Falle eines Auslandseinsatzes den Dienst an der Waffe verweigert? Zum Beispiel aus moralisch-ethischen Gründen. Wie wuerde sich das auf seine berufliche Situation auswirken? Haette dies strafrechtliche Kosequenzen? Und wenn ja, wie waehren diese zu begruenden?

Ich weiss, dass sind ne Menge Fragen. Ich hab aber auch kein Problem mit ein bisschen spekulation.

Mfg Garfield1990

Was wuerde mit einem Berufssoldat passieren, der im Falle
eines Auslandseinsatzes den Dienst an der Waffe verweigert?
Zum Beispiel aus moralisch-ethischen Gründen. Wie wuerde sich
das auf seine berufliche Situation auswirken? Haette dies
strafrechtliche Kosequenzen? Und wenn ja, wie waehren diese zu
begruenden?

da wirft sich die frage auf WIESO er überhaupt berufssoldat wurde ? WIESO er überhaupt auslandseinsätzen zustimmte ?

kann man doch soweit ich das noch weiss angeben ob man diese mitmachen will, oder nicht

wenn man zum sanitätskorps gehört muss man eh keine waffeneinsätze machen

bei allen anderen einheiten ist das doch aber voraussetzung ( kampfeinsatz )

gruss

Ich habe bewusst den Konjunktiv verwendet weil diese Frage eher theoretisch ist. Zumindest is mir kein praktisches Beispiel bekannt.
Nehmen wir an, dass Soldat-X Berufssoldat geworden ist, weil ihm die Gehaelter und die Aufstiegschancen imponiert haben und generell einem Auslandseinsatz zugestimmt hat. Nun hat er aber Muffensausen bekommen, weil er im Fernsehen viele baertige Maenner mit Kalaschnikows rumhuepfen sehen hat.

Hallo (eine Anrede)

Das ist grundsätzlich nichts anderes als bei der Verweigerung des Wehrdienstes. Gem. Art. 4 I GG (Gewissensfreiheit) darf man den „Dienst an der Waffe“ verweigern, wenn man nachvollziehbar darlegt, dass man ansonsten gegen sein Gewissen handeln würde.

Ob man das als Berufssoldat, der ggf. auch schon einige Jahre im Dienst ist, glaubhaft machen kann, dürfte zumindest schwieriger sein, als bei der „normalen“ Wehrpflichtverweigerung.

Es ist jedoch keinesfalls auszuschließen. Die Entscheidung für den Beruf bei der Bundeswehr wird idR. nicht unter kriegs- oder kriegsähnlichen Situationen getroffen. Es ist also durchaus möglich, dass auch ein Berufssoldat, der zB. im Rahmen eines Auslandseinsatzes das erste mal mit der Kriegswirklichkeit konfrontiert wirde, nachvollziehbar darlegt, dass er die Umstände bei der Berufsentscheidung, da zuvor nicht erlebt, nicht berücksichtigen konnte.

Aber wie gesagt, ob man das den Entscheidungsträgern bei der Bundeswehr oder ggf. einem Verwaltungs- oder Wehrgericht glaubhaft macht, ist eine andere Frage. Kommen dies zB. zu der Auffassung, dass man einen Auslandseinsatz lediglich wegen der Gefährdung verweigern will, funktioniert das nicht.

Zur Frage der Strafbarkeit: Ist die Verweigerung von Art. 4 I GG gedeckt, darf der Soldat natürlich nicht bestraft werden.

Wird ihm die Berufung auf die Gewissensfreiheit aber versagt und er verweigert trotzdem den Dienst, gibt es wahrscheinlich eine entsprechende Strafbarkeit im Wehrstrafrecht, welches ich jedoch nicht kenne.

Gruß
Dea

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Was wuerde mit einem Berufssoldat passieren, der im Falle
eines Auslandseinsatzes den Dienst an der Waffe verweigert?

Was für eine Verweigerung meinst du? Eine grundsätzliche Verweigerung des Kriegsdienstes aus Gewissensgründen oder eine Gehorsamsverweigerung eines einzelnen Befehls aus Gewissensgründen? Beides ist möglich.

Zum Beispiel aus moralisch-ethischen Gründen.

„Moralisch-ethische Gründe“ sind egal - es kommt darauf an, ob es um Gewissensgründe geht!

Wie wuerde sich das auf seine berufliche Situation auswirken?

Wenn er einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellt und diesem zugestimmt wird, wird er entlassen - ohne Übergangsbezüge, ohne Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Verweigert er aus Gewissensgründen den Gehorsam im Einzelfall und kann er diese Gewissensgründe angemessen darlegen ist der Soldat nach derzeitiger Erlasslage - soweit diese Möglichkeit besteht - mit anderen Aufgaben zu betrauen. Wenn hierdurch aber unmittelbar Menschenleben gefährdet werden oder andere schwerwiegende Folgen eintreten, weil das ganze beispielsweise mitten in einer Gefechtssituation passiert macht sich der Soldat höchstwahrscheinlich strafbar (§19 WStG Ungehorsam oder §20 WStG Gehorsamsverweigerung).

Haette dies strafrechtliche Kosequenzen? Und wenn ja, wie waehren :diese zu begruenden?

Siehe oben. Der Soldat hat gemäß §7 Soldatengesetz die Pflicht zur Tapferkeit - was auch die Pflicht sein eigenes Leben in Gefahr zu bringen oder zu opfern umfasst, wenn der soldatische Auftrag dies erfordert.
Das ein Soldat es im Fall des Falles wohl als ziemlich unethisch befindet, wenn ihm ein unfreundlicher Taliban einen Gruß mit der Kalaschnikow rüberschickt ist wohl berechtigt, aber keine Grundlage für eine Gewissensentscheidung, die eine Gehorsams- oder Kriegsdienstverweigerung begründen kann. Wie gesagt: Die Pflicht zur Tapferkeit erfordert im schlimmsten fall das Opfer des eigenen Lebens.

Ich weiss, dass sind ne Menge Fragen. Ich hab aber auch kein
Problem mit ein bisschen spekulation.

Wieso Spekulation? Als während des 2. Golfkrieges deutsche Luftabwehrraketenverbände in die Türkei verlegt wurden stellten über 10% der betroffenen Zeit- und Berufssoldaten erfolgreich einen KDV-Antrag. Und was das Nichtbefolgen einzelner Befehle aus Gewissensgründen angeht empfiehlt sich ein googeln nach Oberstleutnant Rose oder dem einschlägigen Gerichtsurteil zum Fall des Major Pfaff.

Gruß Andreas

Hallo,
natürlich kann und wird man die Beweggründe eines Berufssoldaten, der sich da plötzlich umentscheidet hinterfragen. Deine Art der Formulierung erweckt aber den Eindruck als seinen die Fragen schon die Antwort.
Die Frage „Warum ist er denn Berufssoldat einer Kampfeinheit geworden?“ führt ja nicht zur Antwort „Dann muss jetzt auch kämpfen!“ sondern sagt uns nur etwas über die Vergangenheit dieses Menschen. In konkreten Situationen stellen sich auch ethische Fragen anders als in der reinen Überlegung.
Am Stammtisch spricht das Gewissen vielleicht viel leiser, als wenn man mit der Waffe in der Hand vor einem anderen Menschen steht. Das macht die Neu-Entscheidung nicht schlechter.

Im übrigen stehen auch Sanitäter vor der Gewissensfrage einen Krieg mit ihrer Arbeit möglich zu machen oder zumindest zu unterstützen.
Im Extremfall müssten auch Sanitäter andere Waffen einsetzen als Antibiotika und Infusionen, das können sie zwar nach ihrer Grundausbildung leicht verdrängen, aber das ist es dann aber auch: Eine verdrängte Gewissensentscheidung, keine getroffene.

Gruß
Werner

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Kleiner Einwurf vom Moderator

da wirft sich die frage auf WIESO er überhaupt berufssoldat
wurde ?

NEIN, diese Frage wirft sich NICHT auf. Dies ist das Brett „Allgemeine Rechtsfragen“ und nicht „Meine Geschichte“.

Offtopic…blabla

Im übrigen stehen auch Sanitäter vor der Gewissensfrage einen
Krieg mit ihrer Arbeit möglich zu machen oder zumindest zu
unterstützen.
Im Extremfall müssten auch Sanitäter andere Waffen einsetzen
als Antibiotika und Infusionen, das können sie zwar nach ihrer
Grundausbildung leicht verdrängen, aber das ist es dann aber
auch: Eine verdrängte Gewissensentscheidung, keine getroffene.

Ja, wie der Osterhase, der die Kinder mit seinen Schokoeier dick macht und der Weihnachtsmann, der die Playstation mit Ballerspiel unter den Baum gelegt hat. Oder der Kfz-Mechaniker, der das Auto des Amokfahrers gewartet hat, oder der freundliche Messerschleifer, der Tante Trude just eine Stunde, bevor sie ihren Männe mit der Nachbarin im Bett erwischte das solinger Messerset frisch geschärft zurückbrachte…

Mit Verlaub, das ist keine Gewissensentscheidung, das ist schlichtweg lächerlich… ;o)
Ungefähr so amüsant, wie ein Redner einer Friedensbewegung, der neulich, als er zu seinem Fahrzeug zurückkam der freundlichen Dame vom Ordnungsamt eine schmierte, weil sie ihm ein Knöllchen verpasst hatte, da er 10 Minuten über der Zeit seines Parkscheins war (hatte mit seiner rede auch 5 Minuten überzogen).

Mit Verlaub sollte man sich mit dem Hintergrund der derzeitigen globalen Lage mal überlegen, ob jemand, der eben tatsächlich aus „Gewissensgründen“ den Dienst an der Waffe verweigert im klassischen Darwinismus überhaupt überlebensfähig sind.
Aber dann wird man schnell drauf kommen, dass es im Normalfall keine „Gewissensgründe“, sondern „gewisse Gründe“ sind. Mir persönlich ist noch niemand begegnet, der sich oder seine Familie mal bei einer guten Tasse Grünem Tee abmurksen lässt, anstatt sich bis zuletzt zu wehren - oder es zumindest zu versuchen, wenn es dazu eine Chance gibt.
Im Gegenteil, der durchschnittliche Deutsche würde ja am liebsten Selbstschussanlagen an seiner Rasenkante installieren, damit der Nachbar blos keine eigenmächtige Grenzverletzung begeht…

Also bevor hier jetzt die alternative Kommune wiedermal ihr rosarotes Weltverbesserungsgesaiere loslässt empfehle ich einen Blick auf die Fragen des Threaterstellers zu werfen. Nutzt die Zeit lieber und schaut mal im Berliner Anti-Kriegs-Museum vorbei. Da könnt ihr vielleicht noch was lernen.

Gruß Andreas

PS: Ich als Soldat halte mich für einen größeren Pazifisten, als es jemand - der nie Soldat war - jemals sein kann.

PPS: Wer noch nie in der Situation war auf einen Menschen schießen zu müssen wird wohl nur mit Schwierigkeiten verstehen, dass man niemals wissen kann ob und wie man in so einer Situation reagiert…

PPPS: Man sollte eventuell mal die Frage stellen auf welche geschichtliche Erfahrung das Recht der Gewissensentscheidung zurückgeht.

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Hallo,

lesenswert ist das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes von 2005 im Fall Major Pfaff. Dieser hatte seine Mitwirkung an Programmierungen von Systemen verweigert, da sie seines Erachtens der Unterstützung völkerrechtswidriger Kriege diente. Es gab die bereits beschriebenen disziplinarrechtlichen Folgen, welche das Gericht aufhob.

http://www.bverwg.de/media/archive/3059.pdf

Zumindest die Leitsätze und den Sachverhalt sollte man lesen, die Entscheidungsgründe (weitere 100 Seiten) ggf. nicht mehr :wink:

Allerding fand das Urteil nicht ungeteilte Zustimmung, gerade in der juristischen Literatur (Professoren, andere Richter und Wissenschaftler) wurde diese Auslegung von Art. 4 GG bemängelt.

Mfg vom

showbee

Aber dann wird man schnell drauf kommen, dass es im Normalfall
keine „Gewissensgründe“, sondern „gewisse Gründe“ sind. Mir
persönlich ist noch niemand begegnet, der sich oder seine
Familie mal bei einer guten Tasse Grünem Tee abmurksen lässt,
anstatt sich bis zuletzt zu wehren - oder es zumindest zu
versuchen, wenn es dazu eine Chance gibt.
Im Gegenteil, der durchschnittliche Deutsche würde ja am
liebsten Selbstschussanlagen an seiner Rasenkante
installieren, damit der Nachbar blos keine eigenmächtige
Grenzverletzung begeht…

Hallo,

mit Verlaub (hartmut bleibe höflich ) ist das Argument so intelligent wie die Fragen die ich damals bei meiner Gewissensprüfung vorgesetzt bekommen habe.

Hier geht es nicht darum ob meine Familie oder ich beim Tässchen Tee theoretisch eliminiert werden, sondern ob praktisch, und wirklich andere Menschen mit der Hilfe vom Verweigerer umgebracht werden. Es geht auch nicht darum den Frieden hier in irgendeiner Weise zu sichern, sondern nur um politische Ziele.

Wenn dir es nichts ausmachen würde, dein Problem, aber wenn die Bundeswehr zu einem Söldner der USA wird, und die Soldaten machen das nicht mit, haben sie meinen Respekt.

Mit pazifistischen Grüßen

hartmut

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Hallo,

auch ich war Grundwehrdienstleistender, habe mich in das Herr der Deppen die 10
Monate ihres Lebens vergammelt haben eingereiht und das leider nur deshalb,
weil der Ersatzdienst 3 Monate länger dauerte (verfassungswidrig) und ich bei
Wahl des Ersatzdienstes eine Ausbildung hätte nicht beginne können.

Insoweit war mir der Dienst an der Waffe höchst unbequem und in Schießübungen
(ja ich habe auch scharf geschossen) nicht mein bestes gegeben. 24 Schuß habe
ich in meiner ganzen Laufbahn abgeben müssen, sonst schaffte ich es immer krank
zu sein. Nach der Grundausbildung bin ich in die Küche gegangen, dort konnte
ich wenigstens sinnvolles in der Truppe leisten.

Das zur Vorgeschichte!

Der Spruch:

PPS: Wer noch nie in der Situation war auf einen Menschen
schießen zu müssen wird wohl nur mit Schwierigkeiten
verstehen, dass man niemals wissen kann ob und wie man in so
einer Situation reagiert…

ist so dämlich wie er klingt! Ich muss keine Flinte im Arm und ein Menschen
davor haben um zu wissen, das Schießen und Töten das dümmste auf der Welt ist
was man machen kann. Da braucht es nur ein paar Gehirnwindungen und Verstand um
zu erkennen, dass Tötung von anderen Menschen nie Mittel zum Zweck sein kann.
Sich als Herr über anderes Leben aufzuschwingen ist Falsch und da braucht man
gar nicht nach den Gründen zu fragen, es gibt keinen vernünftigen Grund zu
töten. Das begreifen manche Taliban, Terroristen und sonstige Idioten
genausowenig wie manch westliche Offiziere, Generäle und deren Fußvolk unter
Waffen.

Es tut mir leid, Töten ist blöd. Nicht umsonst ist auch die Todesstrafe als
Reaktion auf sonstige Verbrechen abgeschafft. Warum also hat die Armee das
Recht, was seit Jahrzehnten den Richtern von Verfassungs wegen genommen ist?

Ich steh jetzt nicht stramm,

OGaD showbee

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Hallo Andreas,

…mit dem Hintergrund der derzeitigen globalen Lage
mal überlegen, ob jemand, der eben tatsächlich aus
„Gewissensgründen“ den Dienst an der Waffe verweigert
im klassischen Darwinismus überhaupt überlebensfähig sind.

Da möchte ich doch zu Bedenken geben, daß wir Menschen uns durch die Fähigkeit des analytischen Denkens von den Tieren unterscheiden. Bei allgemeiner Nutzung dieser menschlichen Eigenschaft wäre es durchaus möglich zu erkennen, daß der Fortbestand der Menschheit nicht durch Gewalt gesichert wird.

…der sich oder seine Familie mal bei einer guten Tasse
Grünem Tee abmurksen lässt, anstatt sich bis zuletzt zu wehren…

Was hat Notwehr des Einzelnen mit den Kriegen dieser Welt, in denen es um Macht und Glauben geht, gemeinsam?

Im Gegenteil, der durchschnittliche Deutsche würde ja am
liebsten Selbstschussanlagen an seiner Rasenkante
installieren, damit der Nachbar blos keine eigenmächtige
Grenzverletzung begeht…

Ja, es ist schon traurig, wie sich viele Menschen auf tierisches Niveau herabbegeben, anstatt ihre artspezifischen Fähigkeiten zu nutzen.

Gruß Steffi

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Es tut mir leid, Töten ist blöd.

Soweit richtig, aber mit dem Spruch beeindruckt man niemanden, der einem gerade das Magazin seiner Kalaschnikow in den Oberkörper entleeren will. Damit hätte man auch keinen SS-Mann bei Massenerschießungen beeindruckt und keinen Serben, der im Kosovo Massenmord begangen hat.

Die Realität schert sich leider einen Dreck um Utopien und Schöngeistigkeit.
Wie leben nicht im „wie könnte es sein“, sondern im „es ist so, wie es ist“.
„Herr, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterschieden.“

Gruß Andreas

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Es geht auch nicht darum den Frieden hier in irgendeiner Weise zu :sichern, sondern nur um politische Ziele.

Dann ist es ja gut - ich dachte schon du wärst der erste gewesen, der mir in meinem Leben begegnet, der wirklich Gewissensgründe vorweisen kann.

Gruß Andreas

Da möchte ich doch zu Bedenken geben, daß wir Menschen uns
durch die Fähigkeit des analytischen Denkens von den Tieren
unterscheiden.

Richtig. Und oftmals habe ich das Gefühl, dass dieses analytische denken alles noch schlimmer macht.
Wobei meines Wissens der einzige wirkliche Unterschied zwischen Mensch und Tier darin besteht, dass Menschen ihr Leben bewusst selbst beenden können - analytisch denken können auch viele Tiere.

Bei allgemeiner Nutzung dieser menschlichen
Eigenschaft wäre es durchaus möglich zu erkennen, daß der
Fortbestand der Menschheit nicht durch Gewalt gesichert wird.

Es wäre wirklich schön, wenn es so wäre, nur leider habe ich bisher noch keinen Beweis für die Richtigkeit einer solchen Theorie finden können. Im Tierreich gibt es die Nahrungskette, die im Normalfall für ein Gleichgewicht sorgt - der Mensch hat keine natürlichen Feinde, außer sich selbst. Vielleicht sind wir ja wirklich so unbelehrbar (und danach sieht mir die Geschichte fast aus), dass es nicht ohne Kriege und Gewalt geht.
Dementsprechend würde ich nicht schreiben, „daß der
Fortbestand der Menschheit nicht durch Gewalt gesichert wird“, sondern, dass der Fortbestand der Menschheit durch Massenvernichtungswaffen gefährdet wird.

Was hat Notwehr des Einzelnen mit den Kriegen dieser Welt, in
denen es um Macht und Glauben geht, gemeinsam?

Bist du im falschen Threat gelandet? Hier geht es um Gehorsams- oder Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen - nicht um Gründe für Kriege. Und diese Gewissensgründe, die zur Verweigerung geeignet sind zeichnen sich nunmal dadurch aus, dass sie das es dem Einzelnen selbst dann verbieten zu töten, wenn dadurch das eigene Leben gefährdet oder beendet wird.
Wer beispielsweise den Kriegsdienst aus politischen Gründen oder aus Abneigung gegenüber der Regierung verweigert hat eben „gewisse Gründe“, aber keine „Gewissensgründe“.
Und um noch mal auf die Frage zurückzukommen, was Kriege mit Notwehr zu tun haben: Im Normalfall nimmt jede Kriegspartei für sich in Anspruch eben in Notwehr zu handeln - sei es aus Glaubens- oder Wirtschaftsgründen oder Machtgier - oder eben tatsächlich aus Notwehr.

Ja, es ist schon traurig, wie sich viele Menschen auf
tierisches Niveau herabbegeben, anstatt ihre artspezifischen
Fähigkeiten zu nutzen.

Ja, wobei dieses verhalten dann wohl schon wieder artspezifisch ist, oder?

Gruß Andreas

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Dann ist es ja gut - ich dachte schon du wärst der erste
gewesen, der mir in meinem Leben begegnet, der wirklich
Gewissensgründe vorweisen kann.

Hallo,

dann mal kurz was.

Als ich diese dämliche Gewissensprüfung machte, war ich schon verheiratet. Damals wurde das Gewissen noch auf peinlichste geprüft. Was damals bedeutet hat, zum Bund wäre ich nicht eingezogen worden. Aber als KRIEGSDIENSTverweigerer wurde ich natürlich zum Zivildienst eingezogen.

Es war noch zu einer Zeit als KRIEGSDIENSTverweigerer noch als Drückeberger, Staatsschädlinge usw. bezeichnet wurden. Berufliche Nachteile hatten, meine Familie finanzielle Einbußen hatte.

Es hätte ein Brief gereicht, und ich hätte weder Zivildienst, noch KRIEGSDIENST leisten müssen. Ich habe meinen Zivildienst abgeleistet, trotz der vielen Nachteile für meine Familie und mich. Wenn ich jetzt anschaue, was aus der Bundeswehr geworden ist, dann ist meine damalige Entscheidung heute noch richtig.

Gruß

hartmut

Nur einige Anmerkungen
Hallo Andreas,

ich glaube, der Grund dafür, dass hier einige recht scharfe Erwiderungen gekommen sind, liegt einerseits darin, dass Du mit dem Beitrag entgegen Deinen sonst äußerst fundierten und sachlichen Beiträgen dumpfe Klischees hervorgekramt hat, die man zwar häufig von Angehörigen der Bundeswehr hört, von Dir jedoch bisher eigentlich nicht erwartet hätte.

Zudem hast Du, und da wundert der Beitrag etwas, einen Rundumschlag gegen argumentative Gegner ausgeteilt, die es hier gar nicht gibt. Die bisherigen Beiträge gaben überhaupt keinen Anlass für Deine Aussagen.

Ja, wie der Osterhase, der die Kinder mit seinen Schokoeier
dick macht und der Weihnachtsmann, der die Playstation mit
Ballerspiel unter den Baum gelegt hat. Oder der
Kfz-Mechaniker, der das Auto des Amokfahrers gewartet hat,
oder der freundliche Messerschleifer, der Tante Trude just
eine Stunde, bevor sie ihren Männe mit der Nachbarin im Bett
erwischte das solinger Messerset frisch geschärft
zurückbrachte…

Hier ging es doch um etwas völlig anderes, während Du von objektiver Verursachung und Zurechnung sprichst, war die Nachvollziehbarkeit der Gewissensentscheidung eines Bundeswehrsanitäters gemeint, der, obwohl heilt anstatt zu töten, dennoch die Tätigkeit „für“ die Bundeswehr als nicht mit seinem Gewissen verainbar ansieht.

Das kann man so sehen, oder auch nicht, aber mit obigem hat es einfach nichts zu tun.

Mit Verlaub, das ist keine Gewissensentscheidung, das ist
schlichtweg lächerlich… ;o)

Und damit entscheidest Du eben mal über das Gewissen und das Denken von Tausenden Menschen, die Du nie kennen gelernt hast. Warum meinst Du, entscheiden zu können, ob für diese auch ein Beitrag im Sanitätsdienst der Bundeswehr mit ihrem Gewissen unvereinbar ist? Ich selbst kann das nicht beurteilen, kann mir aber durchaus vorstellen, dass man, eine bestimmte Gewissenseinstellung vorausgesetzt, jeden Beitrag für eine Armee als für sich ausgeschlossen betrachtet. Da ist es egal, ob man zum Kampf, zum Sanitätsdienst oder in der Schreibstube eingeteilt ist. Einfach zu behaupten, dies sei keine Gewissensentscheidung, ist leider kein wirklich anspruchsvoller Beitrag.

Ungefähr so amüsant, wie ein Redner einer Friedensbewegung,
der neulich, als er zu seinem Fahrzeug zurückkam der
freundlichen Dame vom Ordnungsamt eine schmierte, weil sie ihm
ein Knöllchen verpasst hatte, da er 10 Minuten über der Zeit
seines Parkscheins war (hatte mit seiner rede auch 5 Minuten
überzogen).

Ja, solche Fälle gibt es, sie helfen aber argumentativ nicht dabei , bestimmte Gewissensentscheidungen per se zu negieren. Oder lässt obige Geschichte nun den Schluss auf alle Menschen zu.

Mit Verlaub sollte man sich mit dem Hintergrund der
derzeitigen globalen Lage mal überlegen, ob jemand, der eben
tatsächlich aus „Gewissensgründen“ den Dienst an der Waffe
verweigert im klassischen Darwinismus überhaupt
überlebensfähig sind.

Das kann man gerne. Aber solange unser Verfassungsgeber Art. 4 I GG im Grundgesetzt normiert hat und das BVerfG die Wehrdienstverweigerung als hiervon geschützt ansieht, muss sich niemand Vorwürfe machen lassen oder rechtfertigen, dass er von diesem Recht Gebrauch macht.

Wende Dich mit dem Anliegen an den Bundestag.

Aber dann wird man schnell drauf kommen, dass es im Normalfall
keine „Gewissensgründe“, sondern „gewisse Gründe“ sind.

Keine Frage, das kann gut sein. Aber weil einige oder vielleicht auch viele das so machen, lässt sich keinesfalls dadurch darauf schließen, dass sei bei allen so.

Mir
persönlich ist noch niemand begegnet, der sich oder seine
Familie mal bei einer guten Tasse Grünem Tee abmurksen lässt,
anstatt sich bis zuletzt zu wehren - oder es zumindest zu
versuchen, wenn es dazu eine Chance gibt.

Und das ist schade. Denn genau eben diese argumentativen Sprechblasen, die mit der eigentlichen Frage rein gar nichts zu tun haben und nur als Totschlagargument dienen, mindern die Qualität Deiner Beiträge hier enorm. Ist das denn wirklich nötig? Muss der Unterschied zwischen den Themen Notwehr und Wehrdienst wirklich zum x-ten Mal dargelegt werden?

Im Gegenteil, der durchschnittliche Deutsche würde ja am
liebsten Selbstschussanlagen an seiner Rasenkante
installieren, damit der Nachbar blos keine eigenmächtige
Grenzverletzung begeht…

Auch das ist ein Klischee, dass, nicht nur von Dir, „den Deutschen“ gerne angedichtet wird. Die Realität ist aber eine völlig andere.

Also bevor hier jetzt die alternative Kommune wiedermal ihr
rosarotes Weltverbesserungsgesaiere loslässt

Warum…warum die billige Polemik?

empfehle ich
einen Blick auf die Fragen des Threaterstellers zu werfen.

Ja, und genau die wurde bisher sachlich beantwortet, bis Du hier mit Deinem kleinen Kreuzzug angfangen hast.

Nutzt die Zeit lieber und schaut mal im Berliner
Anti-Kriegs-Museum vorbei. Da könnt ihr vielleicht noch was
lernen.

Warum…

PS: Ich als Soldat halte mich für einen größeren Pazifisten,
als es jemand - der nie Soldat war - jemals sein kann.

Einerseits kannst Du das sicher nicht beurteilen. Dann müsste die Einrichtung der Bundeswehr mit dem Weltbild des Pazifismus irgend etwas zu tun haben. Beides sind jedoch völlig unterschiedliche Themen. Ich bezweifel daher absolut, dass man nur als Soldat den höchsten Grad an pazifistischer Weltansicht erlangen kann.

Dennoch nehme ich Dir fraglos eine stark pazifistische Einstellung aber. Aber Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen muss nicht zwingend aus Pazifismus folgen. Man kann sehr wohl Pazifist sein und dies dadurch ausdrücken, und da ziehe ich meinen Hut vor, dass man zur Friedenssicherung zur Bundeswehr geht. Aber man hat kein Recht, aus selbigem Argument anderen die Gewissensentscheidung anderer anzugreifen.

PPS: Wer noch nie in der Situation war auf einen Menschen
schießen zu müssen wird wohl nur mit Schwierigkeiten
verstehen, dass man niemals wissen kann ob und wie man in so
einer Situation reagiert…

Und das ist eigentlich das merkwürdigste an Deinem Beitrag, denn ganau das wurde von Deinem Vorposter und auch anderen behauptet. Hieraus folgt also einerseits, dass auch eine Verweigerung aus Gewissensgründen durch einen Berufssoldaten hach Jahren nachvollziehbar sein kann, da er eben bisher nie in der Situation war.

Andererseits kann dies aber nicht denjenigen abgesprochen werden, die noch nicht in der Situation waren, da die Gewissensfreiheit nicht von der Prüfung im konkreten Fall abhängig gemacht werden kann, sondern den Menschen gerade hiervor schützen soll.

PPPS: Man sollte eventuell mal die Frage stellen auf welche
geschichtliche Erfahrung das Recht der Gewissensentscheidung
zurückgeht.

Meinst Du jetzt die Gewissensfreiheit als solche? Die kennen wir schon aus der preußischen und aus der Paulskirchenverfassung. Es gibt also eine Reihe von Hintergründen.

Gruß
Dea

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Hallo Andreas,

Du vertrittst also den Standpunkt, das es keine Gewissensgründe geben könne weil Du keinen kennst oder Du selbst keine hast?+
Auch ich habe damals noch meine Verweigerung vor einem Tribunal beim Kreiswehrersatzamt erleben dürfen.
Und natürlich bekam auch ich die Frage gestellt warum ich nicht zum Sanitätsdienst der BW ginge.
Die Antwort ist einfach:
Wer zur Waffe greift, der wird auch daran sterben.
Es gilt natürlich auch der Umkehrschluss: Wenn keiner zur Waffe greift wird auch niemand sterben.
Und Deine Argumentation mit dem Vergewaltiger nachts im Park, der sich an der Freundin vergreift; die hat schon FJD ins lächerliche gezogen,
http://www.blub.at/index.php?sd=nqn
Ist nämlich auch lächerlich.

Gruss Jakob

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Uhps
Hallo,
da hast du aber anscheinend einen ganz schlechten Tag gehabt.
Gruß
Werner

Es gilt natürlich auch der Umkehrschluss: Wenn keiner zur
Waffe greift wird auch niemand sterben.

Mag eventuell richtig sein. Ich möchte dich jetzt nicht mit der Realität schocken, aber wann hast du das letzte mal Nachrichten gesehen oder Zeitung gelesen?

Gruß Andreas

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