Hallo,
ob die Einschaltung eines Inkassounternehmens Sinn macht, hängt ganz davon ab, welche Ziele verfolgt werden.
Die Beauftragung eines Inkassounternehmens ist dann sinnvoll, wenn man sich selbst nicht mehr um die Sache kümmern, sie aber dennoch nicht unter den Tisch fallen lassen möchten. Diese Arbeit nimmt einem das Inkassounternehmen gerne ab, lässt es sich aber auch bezahlen. Mangels ladungsfähiger Anschrift ist eine Vollstreckung auch durch das Inkassounternehmen nicht denkbar. Allenfalls eine Anfrage beim Einwohnermeldeamt, welche sowohl ein Inkassobüro, als auch ein Anwalt, als auch ein Privater stellen kann, verspräche hier Aussicht auf Erfolg.
Die andere Möglichkeit wäre der Verkauf der Forderung an ein Factoringunternehmen, was zumindest einen Teil der Forderung sofort zurückführt. Wobei hierbei der „Kaufpreis“ wie gesagt stark vom Ausfallrisiko abhängt. Wenn keine ladungsfähige Anschrift vorliegt und der Schuldner auch über eine EWMA Anfrage nicht zu ermitteln ist, ist fraglich, ob die Forderung überhaupt veräußerbar ist. Ist der Schuldner ermittelbar stehen die Aussichten, da bereits ein vollstreckbarer Titel vorliegt, ganz gut. In diesem Fall könnte man aber auch selbst vollstrecken.
In jedem Fall, egal ob ein RA, ein Inkasso- oder Factoringunternehmen eingeschaltet werden, stehen die damit verbundenen Kosten kaum einer Gegenleistung gegenüber, die man nicht selbst erbringen könnte.
Dabei sollte man bedenken, dass selbst bei einem Auffinden des Schuldners nicht gewährleistet ist, dass pfändbares Einkommen oder Vermögen vorhanden sind, womit man auf den Kosten sitzen bleiben würde.
Sofern ein vollstreckbarer Titel vorliegt, würde ich persönlich eine EMWA Anfrage starten und die Forderung bei erfolglosem Rücklauf als „nicht einbringbar“ verbuchen. Ab einem gewissen Wert mag es Sinn machen, von Zeit zu Zeit nachzuforschen, ob der Schuldner nicht wieder aufgetaucht ist. Ob der damit verbundene Aufwand gerechtfertigt ist, muss dann aber immer anhand des Einzelfalles entschieden werden.
Hoffe ich konnte helfen
Viele Grüße
Bernhard Kelz