Unbekannt verzogen

Hallo!

Ein Verfahren wird nicht zur Hauptverhandlung zugelassen, weil einer der Belastungszeugen „unbekannt verzogen“ sei.
Sein voller Name ist bekannt. Wird in solchen Faellen nicht irgendeine Liste vom Einwohnermeldeamt genommen, um den neuen Wohnort herauszubekommen? Oder wird sich da auf Grund der Verhaeltnismaessigkeit dagegen entschieden?

Gruss
Paul

Wird in solchen Faellen nicht
irgendeine Liste vom Einwohnermeldeamt genommen, um den neuen
Wohnort herauszubekommen? Oder wird sich da auf Grund der
Verhaeltnismaessigkeit dagegen entschieden?

Hallo,

das Problem ist, dass es in Deutschland kein zentrales Einwohnerregister existiert. Und wenn sich jemand nicht anmeldet, handelt er zwar ordnungswidrig, ist aber trotzdem gerichtlich kaum zu erreichen. Selbst als Steuerzahler ist man (soweit es die AO zulässt) u.U. kaum für seine ladungsfähige Anschrift ermittelbar.
Meist werden in solchen Fällen die vermissten Personen zu Fahndung ausgeschrieben.

Gruss

Iru

Hallo,

man darf davon ausgehen, das Staatsanwaltschaften und Gerichten das Verfahren der Adressermittlung durchaus bekannt ist, und von diesen auch angewendet wird. Es gibt aber leider nun mal Leute die sich so geschickt verkrümeln, dass man sie nicht wieder findet.

Gruß vom Wiz

auch positiv
HallO!

das Problem ist, dass es in Deutschland kein zentrales
Einwohnerregister existiert.

Man kann das auch positiv sehen. Individuen haben so (besser) die Moeglichkeit, sich dem Zugriff des Staates zu entziehen.

Gruss
Paul

Und das findest du per se positiv?

Wenn der Staat „zugreifen“ will, dann meist aus guten Gründen. Würdest du das auch so toll finden, wenn diese Gründe dich selbst betreffen?

Levay
(der dieses Anti-Staats-Denken nicht nachvollziehen kann)

Hallo,

interessant aber ist, dass genau diejenigen, die ihre Daten möglichst weit vor staatlichem Zugriff schützen wollen, die ersten sind, die als um Hilfe ersuchende Personen auf genau diese Dateien verweisen ("… hören sie… sie können doch in der Einwohnerdatei mal nachfragen, ob ich wirklich derjenige bin, der ich vorgebe zu sein…")
Diese Erfahrung habe ich tausendfach gemacht und habe immer wieder Erstaunen (und Enttäuschung) geerntet, wenn ich zur Antwort gab, dass es leider keine zentrale Datei gibt, wo Personaldaten überprüft bzw. bestätigt werden können.

Gruss

Iru

Hallo!

Naja, so einfach ist das auch wieder nicht. Alle diese Daten haben Vorteile, aber erhöhen auch die Missbrauchsgefahr und was missbraucht werden kann wird auch missbraucht, selbst wenn es keiner wahr haben will. Aber das lehrt uns eigentlich die Geschichte.

Was die zentrale Meldung anbelangt muss ich aber sagen, dass ich das in Deutschland auch nicht besonders gut finde, dass solche Register fehlen. In Österreich kann ich als Anwalt selbst per EDV-Zugang in das Zentrale Melderegister und mit zwei mir bekannten Meldedaten einer Person eine Abfrage machen und mir den ZMR Auszug ausdrucken. Das erweist sich als sehr vorteilhaft.

Gruß
Tom

Naja, so einfach ist das auch wieder nicht.

Eben. So einfach ist das nicht.

Die Leute tun so, als der Staat böse und man müsse ihm möglichst viele Daten verheimlichen.

Der Poster hat klar gesagt, dass die Möglichkeit, sich dem Staat zu entziehen, auch Vorteile habe; dass das aber gerade Kriminelle sind, die diese Vorteile nutzen, scheint ihm egal zu sein.

Ich bin durchaus für vernünftige, nicht für grenzenlose pro-staatliche Regeln. Aber dieses ewige „Wir müssen uns vor dem Staat schützen“ kann ich nicht nachvollziehen.

Levay

Hallo!

Und das findest du per se positiv?

nein, eben nicht. Ich wollte lediglich auch die andere Seite der Medaille darstellen und schrieb deswegen nicht „immer positiv“, sondern „auch positiv“.

Paul
(der dieses Anti-Staats-Denken auch nicht nachvollziehen kann)

PS: Aber es reicht nicht wirklich, einfach umzuziehen und sich nicht umzumelden, um zum Beispiel einer gerichtlichen Ladung zu entgehen, oder? Wenn diese Leute dann jedesmal zur Fahndung ausgeschrieben werden muessten, waere das doch ein etwas unbefriedigendes Verfahren.