Hypochonder?
Hallo Eddie,
ich kann mich zwar des Eindrucks nicht erwehren, daß wir hier wieder einmal kräftig auf den Arm genommen werden, aber gut: Du sollst Deine Antwort haben.
also, am freitag war ich bei einem kinderarzt wegen starken
schluckbeschwerden. dieser schaute mir in den rachen und
machte einen „schnelltest auf angina“ der negativ ausfiel.
Beim Kinderarzt? Wie alt bist Du denn (Angina ist bei Erwachsenen nämlich relativ selten)? Die Schnelltests werden übrigens nicht auf Angina sondern auf A-Streptokokken durchgeführt, können also gar nicht positiv ausfallen, wenn die Verursacher andere Bakterien oder gar Viren sind. Deswegen ist es sinnvoll, zusätzlich eine Kultur anzulegen. Falls es eine virale Infektion ist, schlägt natürlich ein Antibiogramm (= Kultur) auch nicht an.
seine diagnose war „leichte halsentzündung“.
Und die war wahrscheinlich im ersten Moment nicht verkehrt. Eine Angina bricht zwar meistens relativ unerwartet aus, sooo schnell nun aber auch wieder nicht.
am montag bin ich
wieder zu ihm hin, da ich noch immer anhaltendes fieber hatte
und nichts essen und kaum schlafen konnte! er schaute mir
wieder in den rachen und meinte ich solle die dosis an
„meditonsin“ wieder erhöhen und viel trinken, dass aber mit
unvorstellbaren schmerzen verbunden war.
Trinken solltest Du nicht wegen der Halsschmerzen sondern um das Fieber zu senken (mit Kirschsaft geht es am besten, außerdem z. B. mit Paracetamol, das es rezeptfrei in jeder Apotheke gibt). Und mit dem Schlafen stimmt auch etwas nicht: gerade bei Fieber schläft man nämlich üblicherweise wie ein Stein. Mit Meditonsin wollte Dich der Arzt sicherlich auch nicht vergiften (geht mit dem homöopatischen Zeug auch gar nicht).
als ich am
darauffolgendem tag noch immer fieber über 39 grad hatte, bin
ich zu einem hals- nasen- ohrenarzt gegangen, weil ich schon
„wusste“, dass da was nicht stimmen konnte! er schaute mir nur
kurz in den rachen und stellte sofort eine „schwere, eitrige
angina“ fest! er gab mir die richtigen arzneimittel und keine
15 stunden danach ging es mir schon richtig gut.
Glückwunsch bzw. die Infektion war gerade wieder am Abklingen.
dank der schweren fehldiagnose des 1. arztes habe ich fünf
tage lang schlimme schmerzen erleiden müssen und meine frage
lautet daher:
kann ich schmerzensgeld von diesem arzt fordern?
und wenn ja, dann wie und würde sich das überhaupt lohnen?
Mein lieber Eddie, eine schwere Fehldiagnose ist dann der Fall, wenn ein Arzt Dich anstatt wegen Krebs wegen nervösen Magen behandelt, beim Ultraschall eine Nabelschnurumwicklung nicht erkennt oder ähnlich dramatische Fehler.
Die ‚entsetzlichen‘ Schmerzen, die Du fünf Tage lang ‚erdulden‘ mußtest (die freie Arztwahl ist gesetzlich geregelt und den Besuch in der Notaufnahme wird Dir niemand verweigern), sind dagegen Kinkerlätzchen.
So long
Tessa