Wir möchten unseren Urlaubsplan ändern. Ich bin Betriebsrat einer Behälterglashütte.Wir produzieren vollkontinuilich auch an Sonn- und Feiertagen. Wer hat eine Muster-Urlaubsregelung, die möglichst viele Mitarbeiter in den Sommerferien ihren Urlaub ermöglicht? Ich möchte, dass unsere Urlaubsregelung gerechter wird.
Danke im Vorraus
Hallo Ingo,
Gerechtigkeit bei der Urlaubsplanung wird wohl unmöglich sein.
In unserem Vollcontibetrieb haben wir folgende Regelung (per Betriebsvereinbarung). In den Sommerferien werden grundsätzlich nur drei Wochen genehmigt.
Also Sommerferien in der Mitte geteilt und dann die ersten oder zweiten drei Wochen. Mitarbeiter/innen mit Kindern werden für diese Zeit bevorzugt. Gerechtere Systeme kenne ich nicht. Würden mich aber auch interessieren.
Mit kollegialen Grüßen
Michael
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Hallo Ingo,
wahrscheinlich ist der vollkontinuierliche Betrieb keine böswillige Laune, sondern produktionsbedingt, weil man die Glasschmelze nicht einfach abschalten und abkühlen lassen kann.
Wenn meine Kenntnisse aus der Branche noch aktuell sind, ist Abkühlen gleichbedeutend mit fälligem Abriss des sündhaft teuren Schmelzofens.
Wenn es sich so verhält, hilft es nichts. Dann müssen sich die noch so verständlichen Urlaubswünsche an den Sachzwängen orientieren. Das heißt dann, daß zu jeder Zeit eine Mannschaft da sein muß, die den uneingeschränkten Betrieb ermöglicht.
Bei so einer Produktion kann eben nur immer ein kleiner Teil der Belegschaft gleichzeitig in Urlaub gehen und man wird es nicht schaffen, daß alle innerhalb der Sommerferien ihren Urlaub bekommen können. Dann geht’s wie überall los: Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern bringen ihre Argumente, andere Kollegen erzählen etwas von den Betriebsferien in der Firma der Partnerin, ein anderer war ganz schlau und erpresst mit dem bereits gebuchten Urlaub u.s.w. Das Nachsehen haben regelmäßig die kinderlosen Ledigen.
Als Betriebsrat bist Du dabei in einer besch)/&&$"§$ Situation. Du kannst nicht everybodys darling sein. Letztlich müssen hin und wieder auch einmal die Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern auf den Sommerurlaub verzichten und in den Herbstferien oder überhaupt nicht während der Ferien verreisen.
Führt ein Urlaubsrotationssystem ein. Wer im vergangenen Jahr in den Sommerferien Urlaub hatte, ist in diesem Jahr eben nicht vorrangig dran. Nach eigener leidvoller Erfahrung kann man entweder ewig diskutieren und trotzdem fühlen sich alle übervorteilt oder man spricht ein Machtwort, stellt die Regelung vor und Punkt. Dann knurren einige Kollegen ein paar Tage, dann ist aber Ruhe und jeder weiß zukünftig, woran er ist.
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang.
Dann geht’s wie überall los:
Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern bringen ihre
Argumente, andere Kollegen erzählen etwas von den
Betriebsferien in der Firma der Partnerin, ein anderer war
ganz schlau und erpresst mit dem bereits gebuchten Urlaub
u.s.w. Das Nachsehen haben regelmäßig die kinderlosen Ledigen.
Die Rotation der Mitarbeiter ohne Rücksicht auf schulpflichtige Kinder haben wir auch mal versucht.
Leider steht im Bundesurlaubsgesetz § 7 Abs. 1.
Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen, es sei denn, dass ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorang verdienen entgegenstehen.
Unter diesen sozialen Gesichtspunkten verstehen unsere Arbeitsgerichte auch die Schulferien der Kinder.
Mit Grüßen
Michael
Hallo Ihr „Ledigen + Kinderlosen“,
ich sehe, ehrlich gesagt, die Ungerechtigkeit nicht.
6 Wochen im Jahr sind Sommerferien. Wenn das letzte Bundesland Sommerferien beginnt, arbeiten die Menschen im ersten Bundesland fast wieder. Ein Sommer ist doch länger als diese 6 Wochen Schulferien ! Ich selbst habe ein 4-jähriges Kind, und bin sehr froh außerhalb der Ferien fahren zu dürfen. Dann ist es billiger und leerer.
Ich glaube eher, daß der „Ledige + Kinderlose“ Kollege diese Urlaubsregelung als Privilegierung empfindet, und deshalb schreit. Ich persönlich würde mich niemals darum bemühen, ausgerechnet in den Sommerferien Urlaub nehmen zu müssen.
Also Ihr „Ledigen + Kinderlosen“, überprüft doch mal den Blickwinkel, und denkt mal darüber nach, ob es wirklich so toll ist, an 6 Wochen im Sommer gebunden zu sein.
Und dann kommen noch ein paar „Ledige + Kinderlose“ und versuchen, der Familie diesen Zeitraum strittig zu machen, weil sie irgend etwas als ungerecht empfinden.
Nur zur Orientierung: in Hessen beginnen die Ferien am 21.06, in Bayern enden sie am 10.09 -> das sind fast 12 Wochen, in denen es, potentiell und staatlich vorgeschrieben, Sommer für Kinder und Schüler ist. Wie man das allerdings als Betriebsrat „verkauft“, ist ein anderes Ding.
Gruß, Stephan