Hallo Michael,
wenn so ein Forum ernst genommen werden will, zählen Fakten und sonst nichts. Wenn es seine Daseinsberechtigung darin sieht, Mißstände im Einzelfall publik zu machen, darf nicht schon der Eröffnungstext parteiisch sein.
Das Herstellen von Öffentlichkeit kann gegen Mißstände aller Art ein wirksames Mittel sein. Je mehr Bemühen um Objektivität dahinter steht, desto schärfer ist diese Waffe. Der Eröffnungstext ist aber stilistisch und inhaltlich so gestrickt, daß vielleicht ein sich ungerecht behandelt fühlender Schwarzfahrer dort postet, nicht aber Leute, deren Existenz durch Willkür zerstört wird. Betrunken Radfahren erwähne ich gar nicht erst, wenn ich die wirklich eklatanten Fälle an die größere Glocke hängen möchte.
Ganz und gar schädlich im Sinne des Zieles ist jede parteipolitische Ausrichtung. Unrecht und Willkür sind an keine Partei gebunden und keine Partei ist davor sicher. Wer das nicht sieht, zieht der Sache sofort die Zähne.
Die handwerklichen Mängel, worin diese auch immer begründet liegen, führen sehr schnell dazu, daß kaum jemand diese Adresse wiederholt aufruft. Gleiches gilt für ein mangels Moderation zugemülltes Forum. Man muß die Menschen nehmen, wie sie sind. Wunschvorstellungen nützen nichts. Die Freiheit, sich zu produzieren, wird sofort mißbraucht. Die Menschen, die das Forum mißbrauchen, sind aus dem gleichen Holz, wie die Leute, die ihren eigenen Handlungsfreiraum zum Nachteil anderer ausnutzen. Es geht nicht immer nur um Geld, es geht auch um Selbstdarstellung und um Macht.
Natürlich muß so ein Projekt wachsen. Auch die Beseitigung von Unzulänglichkeiten braucht Zeit. Macht alles nicht. Das darf aber nicht dazu führen, daß die Sache ohne auch nur die elementarsten Voraussetzungen zu erfüllen, zu früh gestartet wird. Sonst ist der gute Ruf, den es sich erst zu erarbeiten gilt, schon am Anfang dahin.
Die Mühe dieser langen Kritik mache ich mir, weil ich die Idee für gut, wichtig und richtig halte. Was ich allerdings ganz und gar nicht für zielführend halte, ist die explizite Nennung von Polizei und Justiz. Mag ja sein, daß sich mancher Richter zu wenig Zeit für den kleinen Ladendieb nimmt. Die Unrechtsfälle, die Öffentlichkeit brauchen, sind das aber nicht. Die heftigen Fälle passieren viel stiller und nicht in öffentlicher Sitzung. Die wirklichen Ferkeleien passieren anderweitig, in Finanz- und Bauämtern, in manchem Gemeinrat laufen haarsträubende Dinge, mancher Richter verfügt über ein Zweiteinkommen als Gutachter und hat in Fällen Recht zu sprechen, in denen sein Brötchengeber verklagt wird. Da geht’s nicht um ein Gramm Haschisch, da geht’s um Existenzen.
Mit der jetzigen Aufmachung erreichst Du vielleicht zu hart angefaßte Hühnerdiebe, aber nicht die wirklichen Unrechtsfälle. Die jetzige Ausführung schadet dem Anliegen eher als das sie etwas nützt.
Gruß
Wolfgang