(Naechtliche Ruhe-)Stoerung durch Zigarrettenqualm

Ein verzweifeltes Hallo an alle Rechtsexperten!

Ich habe zur Zeit ziemlichen Stress mit dem Mieter, der in der
Wohnung unter mir wohnt: Eigentlich war das mal ein ganz ruhiger
Mensch, bis er im Maerz ploetzlich damit anfing, so zwischen 23 und 0 Uhr seine Anlage aufzudrehen und mich mit seiner Lieblingsmusik zu beschallen. Nachdem ich mich ein paarmal bei ihm beschwert hatte, hoerte der Unfug wieder auf. Fortan war es so ruhig wie vorher.
Etwa einen Monat spaeter hatte er sich entschlossen, seine Wohnung ab und an zu lueften. Schon vorher hatte bei unguenstiger Wetterlage der Abzug nicht richtig funktioniert und mir abgestandene Luft, angereichert mit genauso abgestandenem Zigarrettenqualm in die Wohnung gedrueckt. Daraufhin hatte ich saemtliche Ritzen verschlossen und immer schoen gelueftet. Nun lueftet also auch er - und der Mief kommt auch durch’s Fenster. Damit nicht genug: Man haengt sich und seine Freundin ans Fenster und raucht froehlich (sich abwechselnd) weiter. Ich bin kein Raucherfeind und hab auch nichts dagegen, wenn zuweilen ein paar Rauchschwaden vorbeiziehen, wenn ich weiss, dass es wieder aufhoert. Aber der uebertreibt es wirklich. Wenn er da ist, hab
ich keine Chance zu lueften. Lass ich das Fenster auf und komme abends wieder, dann riecht es in meiner Wohnung wie in einer Kneipe. Nachts wache ich durch den permanenten, starken Geruch mit Kopf- und Halsschmerzen auf. Das Fenster zulassen ist auch keine Loesung - die Wohnung liegt nach Sueden und im Sommer wird es dementsprechend heiss.
Jetzt meine Frage: Muss ich das als Mieter tolerieren? Ich meine, muss ich mich entscheiden, ob ich schwitzen will, oder ob ich luefte und damit die schlechte, aber kuehlere Luft akzeptiere?
Ich finde es besonders aergerlich, wenn ich von draussen, von einem Spaziergang komme, mich in meine Wohnung begebe und dort nicht etwa die Frische der Nachtluft vorfinde, sondern, die ausgediente Luft der Nachbarwohnung, inklusive „frischem“ Rauch.
Also die Wohnqualitaet leidet sehr darunter. Meine Eltern und meine Freunde koennen das auch bezeugen. Einige meiner Freunde rauchen auch, aber selbst denen ist das zuviel.
Weiss jemand von Euch, was man in so einer Situation machen kann (ausser umzuziehen)?

Vielen, vielen Dank schon jetzt fuer Eure Hilfe! Ich bin wirklich ziemlich fertig.
Viele Gruesse
Anna

PS: Gestern nacht kam er halb 2 Uhr mit einer „Dame“ nach Hause, „unterhielt“ sich lautstark mit ihr, wobei die „Dame“ sich nicht entscheiden konnte, ob Gekreische oder Lachen wohl angebrachter waeren. Begleitet wurde das Szenario von Musik, Herumgerumpel in der Wohnung und, natuerlich, Zigarrettenqualm.
Also der Laerm ist nicht immer, aber wenn, dann heftig.

‚Kräftig‘ die Blumen gießen…
…wenn am Fenster geraucht wird.

gruß

dennis

Hallo Anna,

bin zwar kein Rechtsexperte, aber ich denke, Deine Frage läßt sich auch von einem Laien beantworten. Nächtlichen Lärm mußt Du nicht hinnehmen. Rede noch einmal gelegentlich in entspannter Stimmung mit Deinem Nachbarn und sensibilisiere ihn dafür, daß andere Leute ihre Nachtruhe brauchen. Dabei würde ich aber aus einem einmaligem Ausrutscher kein Drama machen. Das Herumreiten auf früherem Verhalten führt dabei nur zur Eskalation und der Austausch von Rechtsstandpunkten unter Nachbarn sollte im Interesse des häuslichen Friedens auf richtige Notfälle und dauerhafte Uneinsichtigkeit beschränkt werden.

Grundsätzlich kannst Du niemandem verbieten, in seiner Wohnung so viel zu rauchen, wie er es möchte, auch am geöffneten Fenster. Daß Deine Nachbarn nach Belieben lüften, ist ebenfalls nicht zu bemängeln.

So bleibt Dir nur, den Zustand zu ertragen oder selbst nur zu lüften, wenn die Nachbarn ihre Fenster geschlossen haben.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

erstmal vielen Dank fuer Deine Antwort!

Hallo Anna,

bin zwar kein Rechtsexperte, aber ich denke, Deine Frage läßt
sich auch von einem Laien beantworten. Nächtlichen Lärm mußt
Du nicht hinnehmen. Rede noch einmal gelegentlich in
entspannter Stimmung mit Deinem Nachbarn und sensibilisiere
ihn dafür, daß andere Leute ihre Nachtruhe brauchen.

Das habe ich mehrfach versucht, als er seine „Spaet-abends-laut-Musikhoerenphase“ hatte. Und ich kann Micha, der weiter unten sein Nachtruhe-Problem, erklaert hat sehr gut verstehen: Irgendwann reicht’s.

Dabei
würde ich aber aus einem einmaligem Ausrutscher kein Drama
machen.

Nö. Das passiert. Aber es ist ja nicht das erste Mal.

Das Herumreiten auf früherem Verhalten führt dabei nur
zur Eskalation und der Austausch von Rechtsstandpunkten unter
Nachbarn sollte im Interesse des häuslichen Friedens auf
richtige Notfälle und dauerhafte Uneinsichtigkeit beschränkt
werden.

Ja, das seh ich genauso. Ich bin auch nicht an einer Eskalation interessiert. Nur, ist kleinbeigeben wirklich immer richtig? Wenn es immer derselbe ist, der nachgibt?
Aber der Laerm ist gar nicht der eigentliche Grund des Postings gewesen. Was mich am meisten nervt, ist das staendige Gequalme. Gegen diverse Geraeusche kann man sich einigermassen gut mit Ohrstopfen behelfen. Aber bei Geruchsbelaestigungen…
Ist Zigarrettenrauch eigentlich dem Rauch vom Grillen gleichzusetzen? Da gibts ja Urteile und Moeglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Grundsätzlich kannst Du niemandem verbieten, in seiner Wohnung
so viel zu rauchen, wie er es möchte, auch am geöffneten
Fenster.

Hm. Mit anderen Worten: Auf jeder Zigarrettenschachtel findet sich der Hinweis, dass Rauchen ungesund ist (bald auch, dass Rauchen Krebs verursacht), aber als Mieter muss man das Zeug inhallieren, weil’s vom Nachbarn kommt?
Na das waer ja starker Tobak! :wink:

Daß Deine Nachbarn nach Belieben lüften, ist
ebenfalls nicht zu bemängeln.

Seufz! Ja, da hast Du wohl leider recht.

So bleibt Dir nur, den Zustand zu ertragen oder selbst nur zu
lüften, wenn die Nachbarn ihre Fenster geschlossen haben.

So richtig akzeptieren kann ich das nicht. Ich meine, ich zahle Miete und moechte dafuer eine angemessene Wohnqualitaet.
Ich verstehe schon den Interessenkonflikt Raucher - Nichtraucher. Aber wenn nichtmal mehr die einzige rauchfreie Zone (Wohnung) existent ist…

Naja, Du beschreibst genau das, was ich befuerchtet hatte: Man kann da gar nichts machen. Und in diesem Aerger, der sich gegen die Windmuehlen richtet, gegen die ich wohl gerade anrenne, hab ich das Posting hier auch geschrieben. Also, falls ich mich streckenweise im Ton vergriffen haben sollte: Bitte nicht persoenlich nehmen!!!

Vielen Dank und viele Gruesse
Anna

Wenn die Geruchsbelästigung wirklich so erheblich ist, gutes Zureden nicht hilft, bleibt Dir nur die Variante der Mietminderung, aber damit machst Du den Vermieter sicherlich nicht zu Deinem Freund, zumal er keine rechtliche Möglichkeit hat, dem anderen die Raucherei zu untersagen.

Ein Beispielsurteil:

Amtsgericht Köln
Aktenzeichen:
208 C 246/89
Geruchsbelästigung durch Restaurant
Zuerkannte Minderung:
15 % der Netto-Kaltmiete

Hallo Anna,

gibt es keine Möglichkeit dass der Nachbar am anderen Fenster qualmt und nicht direkt unten drunter, oder habt ihr jede nur 1 Fenster?

Gruss,
Maja

Hallo Anna,

hab gerade mal im Mietlexikon des Mieterbundes nachgeschlagen.
Grundsätzlich kann ein Mieter gegen Zigarettenqualm nichts unternehmen, ist also hinzunehmen.
Aber…
…eine Mietminderung ist nur in besonderen Ausnahmefällen gerechtfertigt. Eine Herabsenkung des Mietzinses wird als begründet angesehen, wenn wegen der besonderen Bauweise des Gebäudes Zigarettenqualm aus darunter gelegenen Räumen durch nicht abgedichtete Ritzen in die eigene Wohnung dringt (LG Stuttgart WM 98,724)…

Gruß
roland

Zigarrettenqualm

Lass ich das Fenster auf und
komme abends wieder, dann riecht es in meiner Wohnung wie in
einer Kneipe.

Hallo Anna,

vielleicht kann dieses Gerät den Mief aufarbeiten:

http://www.venta-luftwaescher.de

Gruß
Christian

Ein Beispielsurteil:

Amtsgericht Köln
Aktenzeichen:
208 C 246/89
Geruchsbelästigung durch Restaurant
Zuerkannte Minderung:
15 % der Netto-Kaltmiete

Hallo,

das halte ich für einen nicht vergleichbaren Fall und warne vor irgendwelchen Schritten mit Berufung auf derartige Urteile. Es legen Welten zwischen der für empfindliche Nasen wahrnehmbaren Beeinträchtigung durch einzelne Raucher in der Nachbarwohnung und der Geruchswolke eines Restaurants mit zig Plätzen, Küche und Friteuse.

Gruß
Wolfgang