Plötzlich sind da ganz viele Fragen... (sehr lang)

Hallo, Experten!

Plötzlich scheint sich mein Leben auf den Kopf zustellen. Seit geraumer Zeit habe ich eine Beziehung (mit ´ner Frau), allerdings leben wir nicht zusammen. Das heißt, sie hat ´ne Wohnung und ich hab ´ne Wohnung. Wir halten uns zwar oft oder fast immer bei mir auf, aber sie hat halt ´ne eigene Bleibe, ist dort auch gemeldet und hat mit mir eigentlich rein rechtlich nix zu tun. Der Grund dafür ist, das sie als Arbeitslose nicht unbedingt das Supereinkommen hat und von Arbeitslosenhilfe lebt. Wir hatten mal vor, das sie bei mir einzieht und ihre Wohnung aufgibt, aber dann hätte sie keinen Pfennig mehr bekommen, weil ich angeblich zuviel verdiene. Naja, das ist sicherlich relativ, aber ich finde 2.400 Netto nicht zuviel, eher im Gegenteil. Auf jeden Fall ist sie dann nicht offiziell bei mir eingezogen und alles lief und läuft weiter wie bisher. Und wir haben damit keine Probleme.

Bis gestern. Seit gestern wissen wir definitiv, das sie schwanger ist. Das ist an sich auch keine schlechte Sache, eigentlich freue ich mich sogar drüber. Und sie sich auch. Aber jetzt gehen mir so ungefähr hunderttausend Fragen durch den Kopf, ihr geht es auch nicht besser. In Anbetracht dieser Situation hab ich mir gedacht, ich könnte hier vielleicht einige davon loswerden und hoffe auf viele, viele Antworten.

Wir haben schon in der Vergangenheit öfter mal über das Thema gesprochen, aber da war man ja noch nicht betroffen. Da denkt man drüber immer nur so halbherzig nach.

Wie ist das eigentlich mit dem Sorgerecht? Können wir auch ein gemeinsames Sorgerecht kriegen, wenn wir nicht zusammen leben und auch nicht verheiratet sind? Wie läuft sowas dann?

Ich hab von Bekannten mal gehört, das sie ja dann als Alleinerziehende Mutter gilt und automatisch das Jugendamt in fast allen Bundesländern (ich und sie wohnen in Ost-Berlin) dann sowas wie einen Amtspfleger bestellt, der soll dann für die Mutter alles regeln mit Kohle und so. Mischt sich das Jugendamt dann wirklich überall ein? Und können die darauf bestehen, das nur die Mutter das Sorgerecht hat? Welche Rechte hat das Jugendamt denn in dieser Situation überhaupt alles?

Noch so ein Thema ist die finazielle Situation. Das ich nach der Geburt Unterhaltspflichtig fürs Kind bin, ist mir klar. Das ist auch überhaupt kein Thema, im Gegenteil. Da ich selber mal Unterhaltsempfänger war, kenne ich die Düsseldorfer und Berliner Tabellen und kann das schon ausrechnen. Aber da soll sich auch das Jugendamt einmischen wollen oder dürfen. Hab ich jedenfalls mal gehört. Kann ich nicht auch ´ne Vereinbarung direkt mit der Mutter machen ohne das sich da ein Amt einmischt? Ist ja nicht so, das ich nicht zahlen will, aber gegen Ämter, die meine Finanzen sehen wollen, habe ich ´ne natürlich Abneigung. Kriege ich dann eigentlich auch ´nen Kinderfreibetrag auf der Steuerkarte?

Außerdem ist es so, das sie ja z.Zt. Arbeitslosenhilfe kriegt. Sie müßte dann jetzt Sozialhilfe beantragen, hat man ihr jedenfalls erzählt, weil sie so ja keinen Job finden kann. Was hat sie denn da für Ansprüche?

Und ich hab jetzt gehört, das sie gar nix vom Soz.Amt kriegt und auch keine Arbeitslosenhilfe mehr. Stattdessen soll ich derjenige sein, der ihr Unterhalt zahlen muß. Man hat mir erzählt, das ich als Vater des unehelichen Kindes von sechs Wochen vor der Geburt bis drei Jahre nach der Geburt Unterhalt für die Mutter und für das Kind zahlen muß. Und wenn ich das nicht kann, dann zahlt das Soz.-Amt erstmal und holt sich das dann in Raten von mir zurück. Stimmt das etwa? Ich habe so noch genug Schulden an der Backe zu hängen, die auch alle bezahlt werden wollen. Werde ich dann auch zum Sozialfall?

Welche Rechte und Pflichten ergeben sich denn sonst noch so aus der Situation? Ich bin Euch wirklich für alle Hinweise, Info´s oder Tips dankbar. Im Moment bin ich nämlich ganz schön verwirrt. Mein Kumpel hat mir nämlich heute gesagt, das ich als nichtehelicher Vater finanziell total in den Allerwertesten gekniffen bin. Ich hätte keinerlei Rechte und nur Pflichten. Das verstehe ich nicht, ich hab doch weder ein Problem mit der Mutter noch will ich das Kind nicht anerkenne. Im Gegenteil sogar. Wir sind uns eigentlich beide einig, das wir beide das Sorgerecht haben wollen, wenn sowas geht. Wir machen uns im Moment nur Gedanken, wie das finanziell und überhaupt alles laufen soll. Bei wem wird denn das Kind dann polizeilich gemeldet? Oder muß man das nicht? Was wäre denn besser?

Wie gesagt, ich bin für jede Anregung sehr dankbar. Ein Freund von mir hat mir gesagt, hier bei Wer-weiss-was kriegt ma eigentlich immer einen Haufen guter Anworten. Deswegen hab ich mich ja auch angemeldet.

Danke nochmal, für alle die bis hier gelesen haben. Und für die, die jetzt auch noch ne Antwort schreiben.

Tschüssi
Weissnix
*der total verwirrt aber eigentlich recht glücklich ist*

Wie ist das eigentlich mit dem Sorgerecht? Können wir auch ein
gemeinsames Sorgerecht kriegen, wenn wir nicht zusammen leben
und auch nicht verheiratet sind? Wie läuft sowas dann?

Ja das könnt ihr und zwar könnt ihr das sogar schon vor der
Geburt des Kindes regeln. Ihr müsst bloß beim zuständigen
Jugendamt eine gemeinsame Sorgeerklärung abgeben. Du bekommst
dann die gleichen Rechte im Bezug auf das Kind wie wenn Du mit
ihr verheiratet wärst.

Ich hab von Bekannten mal gehört, das sie ja dann als
Alleinerziehende Mutter gilt und automatisch das Jugendamt in
fast allen Bundesländern (ich und sie wohnen in Ost-Berlin)
dann sowas wie einen Amtspfleger bestellt, der soll dann für
die Mutter alles regeln mit Kohle und so. Mischt sich das
Jugendamt dann wirklich überall ein? Und können die darauf
bestehen, das nur die Mutter das Sorgerecht hat?

Das hat sich seit 98 mit dem neuen Recht geändert (war ja auch
nicht mehr zeitgemäß) Jetzt kann sie auf Antrag einen
Beistand für Vaterschaftsfeststellung und die Geltendmachung von
Unterhaltsansprüchen bekommen, wenn sie das möchte. Dadurch wird
aber die elterliche Sorge nicht eingeschränkt. Das Jugendamt kann
ihr da gar keine Vorschriften machen.

Kann ich nicht auch ´ne Vereinbarung
direkt mit der Mutter machen ohne das sich da ein Amt
einmischt? Ist ja nicht so, das ich nicht zahlen will, aber
gegen Ämter, die meine Finanzen sehen wollen, habe ich ´ne
natürlich Abneigung. Kriege ich dann eigentlich auch ´nen
Kinderfreibetrag auf der Steuerkarte?

Deine Unterhaltsverpflichtung greift vor der Sozialhilfe.
d.h. Du wirst wohl nicht darum herum kommen deine Finanzen offen
zulegen, wenn Du Deine Freundin noch ergänzend zu deinem
Unterhalt Sozialhilfe braucht.Es gibt auch noch andere Hilfen
wie das Erziehungsgeld, sowie Geld von der Stiftung Mutter u.
Kind. Am besten laßt ihr laßt Euch mal vom Jugendamt beraten (die
Schwangerschaftskonfliktberatung von Pro familia und den Kirchen
kann Euch übrigens auch bei solchen Fragen weiterhelfen)

Ich wünsche Euch alle Gute!

Antje

Hallo, Weissnix!

Zunächst herzlichen Glückwunsch.

Außerdem ist es so, das sie ja z.Zt. Arbeitslosenhilfe kriegt.
Sie müßte dann jetzt Sozialhilfe beantragen, hat man ihr
jedenfalls erzählt, weil sie so ja keinen Job finden kann. Was
hat sie denn da für Ansprüche?

Soweit ich weiß, kann sie Arbeitslosengeld durchaus während der Schwangerschaft weiter beziehen. Jedenfalls war das noch vor einigen Jahren so, als ich schwanger war. Sie muß halt beim Arbeitsamt (und auch bei einem potentiellen Arbeitgeber) angeben, daß sie ein Kind erwartet. (Was im Prinzip bedeutet, daß die Wahrscheinlichkeit, daß jemand sie einstellt gleich Null ist, aber was soll’s?) Einziger Punkt, an dem sie vorsichtig sein sollte: Mir hat mein Sachbearbeiter damals in den Mund legen wollen: „Sie und ich wissen ja, daß Sie eigentlich gar nicht arbeiten wollen, in Ihrem Zustand, nicht wahr?“ will sie arbeiten! Denn wenn sie das nicht wollte, dann könnte ihr tatsächlich das Arbeitslosengeld gestrichen werden.

Bei den anderen Fragen kann ich dir nicht helfen - aber der Tipp mit der Familienberatung von ProFa ist gut. Da erfährst du auch, was für Hilfen ihr sonst so in Anspruch nehmen könnt.

Viel Glück,
Sams

Hi,

eine Familie zu gründen und ein Kind zu bekommen sind schöne Erlebnisse und neue Aufgaben und Herausforderungen im Leben.
Damit entsteht ein neues Niveau an Verantwortung für dich und deine Freundin.
Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg ist, die Familiengründung darauf zu zu schneiden, dass eine Leistung des Arbeitsamtes erhalten bleibt. Das kann es doch nicht sein, oder?
Soll das Kind später mal von seinen Eltern sagen: Die haben nicht geheiratet, weil Mutter Arbeitslosenhilfe haben wollte!

Richtig ist es, eine klare Linie zu finden und von Anfang an einen sauberen und legalen Weg zu begehen.

Der könnte so aussehen:

  1. Heiraten
  2. Gemeinsame Familienwohnung
  3. Finanzielle Grundlage für die Familie schaffen

Durch das Heiraten und das Zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung kann es dazu kommen, dass die Arbeitslosenhilfe gestrichen wird.
Es bleibt dann zum einen das Arbeitseinkommen des Ehemannes, das in dem Bereich von 2.500,- DM für eine Unterhaltsverpflichtung für Frau und Kind pfändungsfrei ist.
Es gibt zusätzlich soziale Leistungen wie Wohngeld, Kindergeld, Mutterschaftsgeld usw., die mithelfen, in einem vernünftigen Rahmen die Familie aufzubauen.
Zusätzlich kann die Ehefrau und Mutter einen kleinen Job machen, der monatlich bis zu 1.000,- DM Einkommen bringt.

Bei derartigen Konstellationen fühlt man sich doch besser, als immer wieder den Staat und die Gläubiger zu bescheissen.

Gruß,
Francesco

Hallo Francesco

Soll das Kind später mal von seinen Eltern sagen: Die haben
nicht geheiratet, weil Mutter Arbeitslosenhilfe haben wollte!

Na und ? Meine Eltern, die meines Freundes und die von vielen
Freundinnen haben geheiratet weil sie sonst keine gemeinsame
Wohnung bekommen hätten ! Ebenso legitim kann es sein wegen
materieller Gründe eben nicht zu heiraten. Das beste Beispiel
dafür sind die"Onkelehen" in unserer Großelterngeneration.

Bei derartigen Konstellationen fühlt man sich doch besser, als
immer wieder den Staat und die Gläubiger zu bescheissen.

Anders herum wird ein Schuh daraus :smiley:er Staat bescheißt die
Familien (lies Dir dazuNatürlich kann es nach Abwägunge aller
Möglichkeiten eventuell sinnvoller sein den von Dir beschriebenen
Weg zu gehen. Natürlich kann es nach Abwägunge aller
Möglichkeiten eventuell sinnvoller sein den von Dir beschriebenen
Weg zu gehen. nur mal den Armutsbericht durch)! Kosten die durch
Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit
(durch Alter oder Unfall) entstehen werden sozialisiert. Die
Kosten der Kindererziehung jedoch werden privatisiert. Wie hatte
das noch so ein Politiker mal ausgedrückt (war es Adenauer oder
Erhard ?) „Kinder bekommen die Leute sowieso…“
Es kann doch nicht angehen daß eine arbeitslose Frau mit Kind
schlechter da steht als ohne Kind ! Die Situation daß eine Frau
mit der Geburt eines Kindes automatisch abhängig wird von den
Unterhaltszahlungen des „Erzeugers“ wird trägt übrigens auch
nicht gerade dazu bei Schwangerschaftskonflikte zu entschärfen.

Wenn der Weg gewählt wird mit dem die junge Familie am besten
gefördert wird (finanziell, rechlich und emotional) dann
ist das doch absolut legitim !!! Das kann nach Abwägung aller
Möglichkeiten natürlich auch der von Dir beschriebene Weg sein.

Gruß
Antje

Sorry nicht lesbar, also nochmal:

Hallo Francesco

Soll das Kind später mal von seinen Eltern sagen: Die haben
nicht geheiratet, weil Mutter Arbeitslosenhilfe haben wollte!

Na und ? Meine Eltern, die meines Freundes und die von vielen
Freundinnen haben geheiratet weil sie sonst keine gemeinsame
Wohnung bekommen hätten ! Ebenso legitim kann es sein wegen
materieller Gründe eben nicht zu heiraten. Das beste Beispiel
dafür sind die"Onkelehen" in unserer Großelterngeneration.

Bei derartigen Konstellationen fühlt man sich doch besser, als
immer wieder den Staat und die Gläubiger zu bescheissen.

Anders herum wird ein Schuh daraus :smiley:er Staat bescheißt die
Familien ! (Lies Dir dazu nur mal den Armutsbericht durch)!
Kosten die durch Arbeitslosigkeit, Arbeitsunfähigkeit
(durch Alter oder Unfall) entstehen werden sozialisiert. Die
Kosten der Kindererziehung jedoch werden privatisiert. Wie
hatte das noch so ein Politiker mal ausgedrückt (war es Adenauer
oder Erhard ?) „Kinder bekommen die Leute sowieso…“
Es kann doch nicht angehen daß eine arbeitslose Frau mit Kind
schlechter da steht als ohne Kind ! Die Situation daß eine
Frau mit der Geburt eines Kindes automatisch abhängig wird von
den Unterhaltszahlungen des „Erzeugers“ wird trägt übrigens auch
nicht gerade dazu bei Schwangerschaftskonflikte zu
entschärfen.

Wenn der Weg gewählt wird mit dem die junge Familie am besten
gefördert wird (finanziell, rechlich und emotional) dann
ist das doch absolut legitim !!! Das kann nach Abwägung aller
Möglichkeiten natürlich auch der von Dir beschriebene Weg
sein.

Gruß
Antje

Hi Antje,

wenn du meine ViKa gelesen hast, weisst du, dass ich als Schuldnerberater tätig bin. Der offizielle Armutsbericht und viele Statistiken und andere Analysen und „Gutachten“ sind mir von daher geläufig.
Damit ändern wir aber doch keine Einzelschicksale. Wir können die Thematik gerne aufgreifen und vertiefen, ich werde dir in den meisten Punkten Recht geben. Aber hilft das der jungen, verwirrten Familie, die hier Fragen aufgeworfen hat???

Du kannst diese Probleme politisieren, ich werde dich dabei unterstützen. Aber hier ist ein Einzelschicksal, für das wir nach einer angemessenen Lösung suchen, keine politische, die sie nach her höchstens zu Märtyrern werden läßt!

Es geht auch nicht um eine kurzfristige Lösung der Probleme, sondern um eine grundsätzliche, auf Dauer angelegte, die es der jungen Familie ermöglicht, eigene Perspektiven zu ermitteln und sich eine Existenz auf zu bauen.

Nur darum geht es!

Gruß,
Francesco

war wohl nen Missverständnis
Hallo Francesco

Nein, deine Vika hatte ich nicht gelesen. Sonst hätte ich meine
Antwort wohl anders formuliert. Dein Artikel klang in meinen
in meinen Ohren etwas stark an einer bestimmten Norm orientiert
(die „Normalfamilie“ als das Maß aller Dinge) und das mit dem
„Staat bescheißen“ klang doch stark der
Sozialhilfemißbrauchsdebatte a la Koch und Co. Aber so hast Du es
dann ja offensichtlich nicht gemeint. Sorry.

Aber hier ist ein Einzelschicksal, für das wir
nach einer angemessenen Lösung suchen, keine politische, die
sie nach her höchstens zu Märtyrern werden läßt!

So hatte ich es auch nicht gemeint. Die politische Dimension
hatte ich nur aus dem oben genannten Grund angesprochen.Was die
angemessene Lösung angeht: Hier Forum können ja eh nur Infos
gegeben, Möglichkeiten aufgezeigt und Erfahrungen ausgetauscht
werden. Was bei komplexen Fällen der beste Weg ist kann ja
sowieso nur im persönlichen Beratungsgespräch geklärt werden.

mit lieben Grüßen
Antje