Anfechten von Prüfungsnoten

Leider bin ich das zweite mal durch meine Examensprüfung gefallen, und dieses Mal ganz knapp: Ich brauchte eine 4,0 - um zu bestehen, habe aber nur eine 4,1 geschafft: jämmerliche 0,1 trennen mich vom Geldverdienen und verdammen mich jetzt zu völliger Neuorientierung.

Oder kann ich noch etwas tun?

Auf jeden Fall fühle ich mich nicht anständig von meiner Universität bzw. den entsprechenden Leuten unterstützt, und das aus mehreren Gründen.

Zum einen gab es im Vorfeld zur ersten Prüfung intensive Verunsicherungsgebärden des Institutschefs, die noch bis zur zweiten Prüfungsvorbereitung daran spürbar waren, dass ich auf mails, die ich ihm geschickt habe, nur - im wahrsten Sinne - zweisilbige, abweisende Antworten bekam. - und das ganze Spektakel, obwohl er NICHT mein Prüfer war, mich aber an der Prüfungsordnung vorbei dazu gezwungen hat, ihm die Literaturlisten zur Prüfungsvorbereitung vorzulegen.

Zum zweiten - und das betrifft die mündliche Prüfung selbst - ist einer der Prüfer eine viertel Stunde auf einer Frage herumgeritten, die ich nicht sofort beantworten konnte, was er mit den Worten kommentiert hat: „Wie wollen Sie denn dann Englische Literatur unterrichten?“ Es ging jedoch um Landeskunde, nicht um Literaturwissenschaft. In dieser viertel Stunde in Landeskunde gab er mir so nahezu keine Gelegenheit, mich anderweitig positiv darstellen zu können, da er eine viertel Stunde lang auf der Frage - auch auf mein Bitten hin nicht! - herumritt.

Desweiteren:

Im Zeugnis, das ich mittlerweile erhalten habe, steht geschrieben, dass es die Möglichkeit gebe, auf Antrag eine *zweite* Wiederholungsprüfung abzuleisten, die das Prüfungsamt allerdings genehmigen müsse.

Wie ist da die Aussicht auf Erfolg? Welche Kriterien muss ich erfüllen, um diese Möglichkeit zugestanden zu bekommen?

Kann ich diese Wiederholungsprüfung einklagen?

Immerhin geht es um 0,1 Punkte in einem Mangelfach, d.h. es werden händeringend Lehrer für Englisch gesucht - und ich wäre bestimmt eine gute Lehrerin (geworden).

Auf jeden Fall bin ich ziemlich verzweifelt - kein Wunder, nach 6 Jahren Studium und den harten 1 1/2 Jahren Examen, die ich gerade hinter mir habe.

Weiss jemand Rat? Gibt es Hilfe? Gibt es Hoffnung?
mfg

Hallo Isabelle,

um es vorweg zu sagen: Ich glaube nicht, daß juristische Schritte zum Ziel führen.

Die angesprochenen Verunsicherungsgebährden mit zu knappen Antwortmails lassen nicht erkennen, daß es einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Prüfungsergebnis gibt. Ähnlich sehe ich die Sache mit den Literaturlisten zur Prüfungsvorbereitung. Ich kenne keinerlei Hintergründe, aber ist es möglich, daß die Anforderung der Literaturliste als Hilfestellung oder Fingerzeig gedacht war?

…gab er mir so nahezu keine Gelegenheit, mich :anderweitig positiv darstellen zu können…

Das ist für einen Außenstehenden unmöglich zu beurteilen, das Wort „nahezu“ läßt aber darauf schließen, daß die gesamte mündliche Prüfung eher unglücklich gelaufen ist.

… dass es die Möglichkeit gebe, auf Antrag eine
*zweite* Wiederholungsprüfung abzuleisten, die das Prüfungsamt
allerdings genehmigen müsse.

Dein nächster Weg muß zum Prüfungsamt führen, um die Kriterien für die Zulassung zur weiteren Wiederholungsprüfung zu erfahren.
Dazu wird Dir sonst niemand etwas sagen können. Es hängt wirklich von den Gepflogenheiten an Deinem Fachbereich ab.

Aber nehmen wir an, Du bekommst es hin und die Wiederholungsprüfung wird genehmigt. Nach Deinen Worten stehst Du noch hinter Deinem Berufsziel. Gut, dann ist „Manöverkritik“ angesagt. Es geht nicht an, daß Du eine Prüfung mit gerade so ausreichend bestehst. Abgesehen von den damit nicht unbedingt steigenden Einstellungschancen, wird so jede Prüfung zur Glücksache. Ziel darf nicht „gerade so durchgerutscht“ sein, sondern ein knackiges „gut“ am Ende. Wenn dann irgendwo etwas schief läuft, sind Reserven drin. Was lief während der Prüfungsvorbereitung? War es tatsächlich über die ganze Zeit intensive und strukturierte Arbeit? Ja, wirklich? Gab es noch einen zeitfressenden Nebenjob? Gab es Probleme im persönlichen Bereich? Diese Fragen mußt Du Dir unbedingt stellen und beantworten. Gibt es Defizite in Deiner Arbeitsmethodik? Hast Du Anschluß zu studentischen Arbeitskreisen gefunden? Auch das Prüfungsamt wird Dich Ähnliches fragen und wird wissen wollen, was sich ändert (was Du änderst), um die Prüfung im nächsten Anlauf zu bestehen. Zu Deinem eigenen Schutz, aber auch, um sich vor Studenten zu schützen, die auf die „Scheine schießen“, wird das Prüfungsamt eine Begründung haben wollen, die einen weiteren Versuch rechtfertigt.

Tue Dir dabei selbst den Gefallen und schiebe die Verantwortung nicht auf andere, auf unzureichend beantwortete Mails etc. Auch ohne Kenntnis der näheren Umstände kann ich Dir mit letzter Sicherheit sagen, daß die angeführten Gründe nicht zur jetzigen Situation geführt haben.

Viel Erfolg bei der Ursachenanalyse und bei den richtigen Schlüssen daraus wünscht Dir

Wolfgang