Konsortialführer

Von: , Frage gestellt am Di, 28. Mär 2000

Hallo,
welche Rolle spielt eigentlich genau ein Konsortialführer? Nach welchen Kriterien bestimmt er eigentlich den Ausgabepreis von Aktien? Und was macht er nach dem Börsengang eines Unternehmens?

cu
raiko

2 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
    Re: Konsortialführer

    welche Rolle spielt eigentlich genau ein
    Konsortialführer? Nach welchen Kriterien
    bestimmt er eigentlich den Ausgabepreis
    von Aktien? Und was macht er nach dem
    Börsengang eines Unternehmens?
    hi raiko!

    vielleicht hilft dir folgendes weiter:


    - Wie geht ein Börsengang vonstatten?

    Um ihre Aktien an der Börse notieren zu lassen, muß ein Unternehmen
    selbstverständlich erst in die Rechtsform der Aktiengesellschaft umgewandelt
    werden. Wenn es zudem börsenreif ist, d.h. es muß - abhängig vom
    Marktsegment - über ein gewisses Grundkapital verfügen, eine gewisse
    Mindestanzahl von Aktien emittieren und bereits einige Zeit bestehen, kann
    es den Antrag auf Börsenzulassung bei der Börsenzulassungsstelle einer
    Wertpapierbörse stellen. Die Voraussetzungen über die Börsenreife eines
    Unternehmens sind im Börsengesetz genauestens geregelt.

    Der Schritt zur Beantragung der Börsenzulassung erfolgt meist in Kooperation
    mit den Firmenkundenbetreuern der Hausbank oder auch mit spezialisierten
    Emissionsberatern. Der nächste Schritt sieht die Auswahl derjenigen Bank
    vor, die das Unternehmen als Emissionsführer (auch Konsortialführer genannt)
    an die Börse begleitet. Dieser Emissionsführer bildet wiederum das
    sogenannte Emissionskonsortium aus verschiedenen Banken, die den
    Börsengang abwickeln helfen.

    Das Emissionskonsortium garantiert beispielsweise eine bestimmte Anzahl
    Aktien am Markt zu plazieren, und verpflichtet sich auch, in den ersten Tagen
    nach dem Börsengang kursstabilisierend in das Marktgeschehen einzugreifen.
    Das kann dann notwendig sein, wenn der Aktienkurs aus Gründen, die das
    Unternehmen nicht zu verantworten hat, wegzubrechen droht, zum Beispiel
    bei einer Börsenflaute oder einem Börsencrash.



    - Wie wird der Emissionspreis festgelegt?

    Der Emissionspreis ist der Preis, den die Erstzeichner neuer Aktien bezahlen
    müssen und den der Emittent für seine Papiere einstreicht. Zur Ermittlung des
    Emissionspreises startet der Emissionsführer zunächst das sogenannte
    Pre-Marketing. Die Aktienverkäufer des betreffenden Instituts erforschen bei
    größeren, meist institutionellen Kunden das grundsätzliche Interesse an den
    neuen Aktien. Daraus wird eine Preisspanne gebildet (Bookbuilding), innerhalb
    der der Emissionspreis liegen sollte.

    Das Bookbuilding-Verfahren versucht das Interesse der Anleger möglichst
    vollständig zu erfassen und einen fairen Emissionspreis zu finden, es soll
    Angebot und Nachfrage harmonisieren. Im Anschluß daran begibt sich die
    Unternehmensleitung des Börsenneulings in der Regel auf Reisen. Im Rahmen
    einer sogenannten "Road-Show" präsentieren die Vorstände ihr Unternehmen
    verschiedenen weiteren Großanlegern, Vermögensverwaltern und
    Fondsmanagern, um für die neuen Aktien zu werben. Das kann im Rahmen
    von Vorträgen vor einem großen Publikum, durch Präsentationen bei einem
    kleinen Kreis von Fachleuten oder auch in Vier-Augen-Gesprächen,
    sogenannten One-to-Ones, erfolgen. Ziel ist aber immer, daß potentielle
    Aktienkäufer am Ende der Gespräche eine Vorstellung über den Wert des
    Unternehmens gewonnen haben. Last but not least wird auch die breite
    Öffentlichkeit im Rahmen einer Emissions-Pressekonferenz informiert - meist
    einen Tag vor Beginn der Zeichnungsfrist. Nach Abschluß der Road-Show
    geben die institutionellen Anleger ein Gebot darüber ab, wie viele Aktien sie zu
    einem bestimmten Preis übernehmen wollen. Anhand mathematischer
    Modelle berechnet die Emissionsbank dann den optimalen Preis, bei dem die
    meisten Nachfragen befriedigt werden können. Wenn sich anschließend die
    Bank und der Börsenneuling auf den vorgeschlagenen Preis einigen können,
    ist die Bookbuildingphase beendet und der Emissionspreis für die neuen
    Aktien festgelegt.

    Eine andere Möglichkeit der Preisfindung ist die Festschreibung eines
    festgesetzten Emissionspreises durch das Unternehmen nach der
    Pre-Marketing Phase, zu dem dann die Aktien gezeichnet werden können.
    Diese Methode der Preisfindung findet allerdings immer weniger Anklang.


    - Wie wird der Emissionsführer (=Konsortialführer) festgelegt?

    Wenn ein Unternehmen an die Börse gehen will, fordert es zuvor die auf
    Börsengänge spezialisierten Banken auf, ihr Konzept für die Börsenbegleitung
    und die eigenen Leistungen zu präsentieren. In diesem sogenannten Beauty
    Contest (Schönheitswettbewerb) werden Punkte wie die Markteinschätzung
    für den Börsenneuling, die Frage des Börsensegments (z. B. Neuer Markt)
    und Börsenplätze, an denen die Aktien eingeführt werden sollen, diskutiert.
    Außerdem werden Themen wie die Eigeninitiative der Bank (z.B. Investor
    Relations, Unternehmens-Research, Betreuung nach dem Börsengang) und
    die Unternehmensbewertung (wichtig für den anvisierten Emissionspreis)
    angesprochen. Neben diesen Hard Facts, die die Wahl des Emissionsführers
    beeinflussen, gibt es noch eine Reihe von weichen Faktoren, wie die
    Beziehungen zwischen Bank und Unternehmen, das Renommee der Bank
    oder die Kompetenz und Glaubwürdigkeit der involvierten Bankmanager. Ist
    der Emissionsführer (=Konsortialführer) bestimmt worden, bildet dieser als
    nächstes das Emissionskonsortium. In der Auswahl der zu berufenden
    Banken ist er frei.

    quelle: http://www.direktanlage.at (links unter "news")


    noch eine persönliche anmerkung von mir, weil es fast immer mißverstanden wird: die sog. Greenshoe-option -
    auf deutsch: Mehrzuteilungsoption;

    Ich versuche, es an einem Beispiel zu erklären:

    Anzahl der emittierten Aktien: 2.000.000 Stück
    Greenshoe: 200.000 Stück

    es werden insgesamt 2.200.000 Stück zugeteilt - von anfang an!
    falls dann - aus welchen gründen auch immer - die kursentwicklung der aktie tage bzw. wochen nach der erstnotiz nicht zufriedenstellend ist, dann greift der konsortialführer ein u. kauft teile oder den ganzen greenshoe am markt zurück - ist somit
    ein sehr effektives mittel, um den kurs wieder nach oben zu treiben (nachfrage steigt!);
    die stücke, die zurückgekauft werden, werden dann an die altaktionäre zurückgegeben, de facto sind dann weniger aktien im umlauf;

    sollte sich der kurs jedoch auch so positiv entwickeln, dann kauft der konsortialführer keine stücke zurück - der erlös des greenshoes wird an die altaktionäre ausbezahlt - in diesem fall ist der greenshoe ausgeübt worden!
    genau das wird oft mißverstanden: viele nehmen an, daß bei einer übergroßen nachfrage nach der zuteilung nochmals aktien ausgegeben werden;
    sie glauben, daß diese aktien dann plötzlich auf den markt kommen u. so den kurs unter druck bringen (angebot steigt) - dem ist aber nicht so!!! - alle aktien befinden sich am tag der erstnotiz bereits in den händen der neuen aktionäre;

    vielleicht etwas kompliziert, aber wenn man es einmal verstanden hat, dann sitzt es;
    sollte ich es mißverständlich ausgedrückt haben, dann werde ich gerne nochmals darauf eingehen;


    ciao, willi

    • Antwort von nach 5 Tagen hilfreich
      Re^2: Konsortialführer

      Danke!
      Das war ja eine mehr als ausführliche Beschreibung!

      cu
      raiko

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