Schenkkreis

Von: , Frage gestellt am Mi, 18. Mai 2005

Liebe Wissende,

ich weiß nicht ob ich hier im richtigen Brett bin....
Also: Meine Freundin will sich an einem Schenkkreis in München beteiligen. Man soll 5000 Euro einzahlen und bekommt dann angeblich 40.000(!) Euro zurück. "Einfach nur so, weil die Menschen Freude am Schenken haben" (Originalzitat). Sie wollte, dass auch ich mich mit meinem Freund dort beteilige. Uns kam die Sache gleich zu Anfang äußerst dubios vor und ich habe mich im www versucht schlau zu machen. Diverse links dazu habe ich meiner Freundin auch mitgeteilt. Es nutzt alles nichts! Sie kommt mir vor wie nach einer Gehirnwäsche, wiederholt gebetsmühlenartig die vom Schenkkreis ausgegebenen Argumente und wird richtig wütend wenn man vorsichtige Kritik äußert.

Könnt ihr mir Näheres zu den Schenkkreisen, speziell in München sagen oder wißt ihr welche Argumente weiter helfen?
Ich bin wirklich ratlos. Vielleicht noch wichtig: meine Freundin ist nicht unvermögend und hätte es überhaupt nicht nötig sich an solch einem Kreis zu beteiligen.
Bitte keine Antworten von Schenkkreisbefürwortern!
Die verfangen bei mir nicht.

Danke und liebe Grüße
Lea

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 33 Minuten 5 hilfreich
    Re: Schenkkreis

    Hallo,

    des Menschen Wille ist sein Himmelreich, und wer sich unbedingt unglücklich machen möchte, den wird man davon nunmal nicht abhalten können.

    Was die Hintergründe angeht, so handelt es sich schlicht und ergreifend um ein übrigens in Deutschland verbotenes Schneeballsystem. Diese haben noch nie funktioniert und werden auch nie funktionieren, weil der Nachfluss an Kapital recht schnell versiegt. Natürlich setzen die Initiatoren alles daran, den Zeitpunkt des Zusammenbruchs so weit wie möglich hinauszuzögern (schließlich verdienen sie mit der Masche richtig viel Geld), aber er ist selbstverständlich von vorne herein vorprogrammiert und einkalkuliert. Macht aber natürlich auch nichts, schließlich stehen jeden Tag wieder genug neue Dumme auf, die man dann unter dem nächsten wohlklingenden Begriff wieder zum "Spenden" motiviert. Heute heißt das Motto Schenk- oder Herzkreise, früher mal Piloten- oder Pyramidenspiel, dann gab es da auch noch den Crown-, Diamat- oder Goldclub, ... Alles der selbe kriminelle Mist, immer nur mit neuen Hochglanzbröschüren, oder eben auf "wir haben uns alle so lieb" getrimmt.

    Wer seine sieben Sinne beieinander hat, ein wenig Mathe auf Grundschulniveau beherrscht und einen gesunden Menschenverstand mitbringt, fällt hierauf natürlich nicht rein. Aber wie gesagt, es stehen jeden Tag genug Leute auf, bei denen es offenbar an dem ein oder anderen fehlt, und da helfen leider oft auch keine noch so guten Argumente oder fachlicher Rat. Ich selbst habe hierzu mal einen unter http://www.schott-lemmer.de noch unter den "Aktuellen Warnungen" zu findenden Artikel für eine Zeitung geschrieben, und wurde mehrfach von Leuten darauf angesprochen, die trotz dieser Lektüre mitgemacht und natürlich verloren haben. Da fällt mir nicht mehr viel zu ein.

    Was man aber natürlich noch sagen sollte ist, dass in dem Moment, in dem selbst zum ersten Mal wertlose Anteile in solchen Systemen verkauft oder Geld annimmt, eine Strafbarkeit gegeben sein kann. Und in dem Moment in dem jemand die Sache zur Staatsanwaltschaft trägt (passiert immer spätestens dann, wenn der erste seinen Einsatz nicht wiedersieht), wird natürlich zunächst gegen alle ermittelt, die greifbar sind. Und je höher dann jemand in der Hierarchie gestiegen ist, um so schwerer wird es ihm fallen, sich dann als ahnungslos darzustellen. Hinzu kommt dann natürlich, dass selbstverständlich alles rückabgewickelt werden muss, was noch möglich ist und unter dem Strich nur Verluste bleiben können (denn die Initiatoren greift man nur selten, die setzen sich rechtzeitig ab und haben schon längst das nächste Modell in der Nachbarstadt laufen). Typische Größenordnung bei den Verlusten liegen übrigens im Bereich von einigen zig TEUR (€ 5T eingesetzt, € 40T bekommen, die natürlich gleich wieder für Spielrunde 2 nebst weiteren € 10T eingesetzt, ... bis die Blase platzt).

    Vorschlag zur Güte: Die anwaltliche Erstberatung kostet nur einen Bruchteil eines solchen Spieleinsatzes. Vielleicht hilft es, wenn ein Kollege mal den Kopf wieder gerade rückt. Ansonsten steht es Dir natürlich frei jederzeit die Staatsanwaltschaft über Namen von Mitspielern in Kenntnis zu setzen. Die bereiten dem Spuk dann üblicherweise auch ein schnelles Ende. Sei dann aber auf Anonymität bedacht. Die "geschädigten" Mitspieler sind üblicherweise überhaupt nicht einsichtig und erkennen nicht, dass Du nur ihren Schaden minimiert hast. Es gibt dann gerne mal Morddrohungen und körperliche Angriffe.

    Gruß vom Wiz [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Schenkkreis

      Ansonsten steht es Dir natürlich frei jederzeit die
      Staatsanwaltschaft über Namen von Mitspielern in Kenntnis zu
      setzen. Die bereiten dem Spuk dann üblicherweise auch ein
      schnelles Ende. Sei dann aber auf Anonymität bedacht. Die
      "geschädigten" Mitspieler sind üblicherweise überhaupt nicht
      einsichtig und erkennen nicht, dass Du nur ihren Schaden
      minimiert hast. Es gibt dann gerne mal Morddrohungen und
      körperliche Angriffe.
      Diese Idee ist mir -also doch noch was gelernt- noch nicht gekommen.
      Richtig, geh zu Staatsanwalt/Polizei/Gemeinde und mach einfach eine Anzeige (ANONYM!; denn es stecken sehr sicher Drahtzieher dahinter).
      Dann hört der Spuk sofort auf.

      Jörg, ich danke Die hier ausdrücklich für Deinen sehr sauberen Artikel. Ich habe ihn erst gelesen, nachdem ich meinen abgesetzt hatte.

      Gruß - digi, wieder etwas erleichtert jetzt
      迪特米克若迪格

  2. Antwort von nach 38 Minuten 2 hilfreich
    Re: Schenkkreis

    hi lea,

    bei diesem schwachsinn handelt es sich um ein sog.
    pyramidensystem, was von den befürwortern abgestritten
    wird.

    gewinner sind dabei die leute, welche an der spitze
    eines solchen konstrukts stehen.

    bei dem schenkkreis handelt es sich um eine "8er potenz".
    d.h. ein beschenkter (40 t€) acht schenker (8*5 t€)
    und da fängt der haken an. jetzt suchen mehrere leute,
    welche sich an die spitze "gezahlt" haben tausende
    einsteiger.

    guck dir die zahl an:
    1. runde 1 beschenkter 8 schenker
    2. runde 8 b 64 s
    3. runde 64 b 512 s
    4. runde 512 b 4.096 s
    ...
    7. runde 262.144 b 2.097.152 s

    spätestens in runde 7 brauchst du mehr leute
    als in münchen leben. 2 weitere runden und ganz d
    ist involviert. da die kreise spätesten in
    runde 5 zusammenbrechen hast du schon einige
    tausend geprellte leute.

    frag mal deine freundin, wie viele kreise vor
    ihr zur auszahlung kommen und wieviele die
    kassiert haben wieder bezahlt haben um freunde
    zu "retten".

    lass die finger davon.

    cu
    alex

  3. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Schenkkreis

    Hallo Lea,

    schau dir einmal diese Seite an:

    http://www.detta.de/

    Ruf den Menschen doch einfach mal an und frag wie man dabei am besten vorgehen sollte. Der ist Gewerbehauptkommisar im LKA Berlin, auch wenn es für manche Leute auf den ersten Blick vieleicht nicht so aussieht.

    Viele Grüße

    Ralf ich weiß nicht ob ich hier im richtigen Brett bin....
    Also: Meine Freundin will sich an einem Schenkkreis in München
    beteiligen. Man soll 5000 Euro einzahlen und bekommt dann
    angeblich 40.000(!) Euro zurück. "Einfach nur so, weil die
    Menschen Freude am Schenken haben" (Originalzitat). Sie
    wollte, dass auch ich mich mit meinem Freund dort beteilige.
    Uns kam die Sache gleich zu Anfang äußerst dubios vor und ich
    habe mich im www versucht schlau zu machen. Diverse links dazu
    habe ich meiner Freundin auch mitgeteilt. Es nutzt alles
    nichts! Sie kommt mir vor wie nach einer Gehirnwäsche,
    wiederholt gebetsmühlenartig die vom Schenkkreis ausgegebenen
    Argumente und wird richtig wütend wenn man vorsichtige Kritik
    äußert.

    Könnt ihr mir Näheres zu den Schenkkreisen, speziell in
    München sagen oder wißt ihr welche Argumente weiter helfen?
    Ich bin wirklich ratlos. Vielleicht noch wichtig: meine
    Freundin ist nicht unvermögend und hätte es überhaupt nicht
    nötig sich an solch einem Kreis zu beteiligen.
    Bitte keine Antworten von Schenkkreisbefürwortern!
    Die verfangen bei mir nicht.

    Danke und liebe Grüße
    Lea

  4. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Schenkkreis

    Ich bin wirklich ratlos. Vielleicht noch wichtig: meine
    Freundin ist nicht unvermögend und hätte es überhaupt nicht
    nötig sich an solch einem Kreis zu beteiligen.
    Bitte keine Antworten von Schenkkreisbefürwortern!
    Nein, 'Schenkkreis' bin ich nicht, aber Networker.
    Und ich kenne aus jahrelanger Erfahrung logischerweise alle Tricks dieser Ketten. Und - nein, ich diene Dir hier nichts an.

    Und deshalb kannst Du (oder sie) mir ganz ruhig abnehmen, dass dieses Verfahren gesetzwidrig ist.
    Nicht nur dass sie mit absoluter Sicherheit! ihre Kohle los ist. Man kann sie zusätzlich noch verknacken, weil sie mitgemacht hat. Betrieb und Teilnahme sind strafbar. Abgesehen davon, daß sie noch haftbar sein wird, wenn sie 'weiteren Schaden bei von ihr geworbenen Geprellten' angerichtet hat.

    Warum sie so 'vernagelt' ist?
    Ganz einfach, die 'Jungs' riechen natürlich den fetten Braten. Und sie sind ganz ausgebuffte Profies. Die haben nichts weiter zu tun, als den lieben langen Tag jahrelang zu trainieren - ja das tun sie! Ich weiss es. Und sie zeigen auch Kontoauszüge, daß das alles so fein und einfach ist. Alles in Ordnung sogar (momentan!). Die fetten 700er BMW, 500er Benz, Luxus, Schminke, Ketten, Uhren, das vertrauliche Gelabere (alles! angelernt)... Und das blendet.
    Vielleicht nimmst du mal ein paar Kartoffeln und zeigst ihr bildlich wie das System abläuft.
    Die letzten Kartoffeln sind irgendwann zu Ende/alle ---
    und dann?

    Ansonsten kannst Du garnichts machen,
    eine andere Chance hast Du kaum,
    sie wird Dich sogar noch für Deinen Rat hassen.
    Und Du schaust hilflos zu -
    und kriegst dann hinterher auch noch dafür Prügel, dass du 'nicht richtig geholfen hast'.

    Nein, es hilft auch nichts wenn der 'Verein' eine Steuernummmer hat oder eine Gewerbeanmeldung. Die sagen garnichts aus.

    Teile doch mal den Namen dieser dubiosen Kette mit,
    oder geh mal danach googlen.

    Als aktiver Networker hasse ich diese Idioten bis aufs Blut.

    Gruß mit Zorn (nicht auf dich) - digi
    迪特米克若迪格

  5. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    ÜBEL ÜBEL

    Hallo,

    echt schlimm, dass es noch nicht zu jedem durchgedrungen ist, dass das die reine Abzocke ist.....

    Habe gerade selbst am Gericht ein Verfahren erlebt, in dem ein "Schenker" vom "Beschenkten" seinen Einsatz zurückgefordert hat....hat aufgrund der Sittenwidrigkeit des "Schenkgeschäftes" Recht bekommen und somit sein Geld zurück erlangt....das heisst, würdest Du an diesem Kreis teilnehmen und - auch wenn es unwahrscheinlich ist - selbst in die Position des Beschenkten gelangen, dann bist Du nicht davor geschützt, das Geld wieder heraus geben zu müssen......Deinen Einsatz müsstest Du natürlich von der Person, die Du beschenkt hast selbst herausklagen.....also: FINGER WEG von so einem Unsinn!!!!

    Gruß
    Dora

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      glück gehabt?

      hi,

      da hatte der kläger aber glück, oder?

      nach meinem kenntnisstand muß der schenker
      eine urkunde untgerschreiben, daß er das
      "ohne hintergedanken und aus freiem willen"
      schenkt.

      und da eine schenkung rechtlich unwiderruflich
      (ja es gibt ausnahmen) ist, wäre dort zumindest
      jeder prozeß verloren.

      cu
      alex

      • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
        Re: glück gehabt?

        nach allgemeiner Ansicht handelt es sich selbst beim Vorliegen einer solchen Unterschrift um eine sittenwidrige Schenkung (kannst beim BGH zu den Schneeballurteilen nachlesen...)

        Es kommt jedoch noch darauf an, ob eventuell der Schenker und der Beschenkte selbst sich der Sittenwidrigkeit bewusst waren - aber dies wird vermutlich seitens des Schenkers nur selten der Fall sein.....meistens ist es ja gerade so, dass die Initiatoren dieser Schenkkreise es darauf anlegen den Teilnehmern gerade Gesetzmäßigkeit dieser Systeme vorzuspiegeln.....gibt übrigens mittlerweile auch schon zweit-instanzliche Urteile von LG's und auch OLG's, die es genauso sahen - natürlich kommt es immer auf den Einzelfall an....

        Gruß
        Dora

  6. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Schenkkreis

    hallo lea,


    wende dich an polizei und/oder staatsanwaltschaft.
    biete deiner freundin seelsorgerische betreuung deinerseits in der zukunft an, die wird sie wohl brauchen.
    kennst du jemand in ihrem umfeld, dessen autorität und meinung sie anerkennt?
    könntest du seine hilfe erbeten?
    wie deutlich hast du ihr gesagt, was es damit auf sich hat?
    also nicht in andeutungen sonern mit den konsequenzen einer beendigung eurer freundschaft?
    (natürlich nicht wirklich, sondern nur angedroht!)


    strubbel
    §:O)



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