Re: Lesenswert : 'Man kann nicht mit dünner Luft G
Die Finanzindustrie ist einer der wichtigsten Antreiber einer Volkswirtschaft. Zu einem erhöhen sie durch die Giralgeldschöpfung die Geldmenge. Dies geschieht dadurch, dass die Geldeinlagen die sie erhalten direkt als Kredite an Privatpersonen weitergeben, oder das Geld halt besser verzinst anderweitig Anlegen, zum Beispiel in Anleihen, Aktien oder sonstige Wertpapieren.
Durch diese Weitergabe schaffen die Banken zusätzliches Investitions und Konsumkapital, was für eine Volkswirtschaft postiv ist, da es die Wirtschaft vorantreibt.
Außerdem senken die Banken durch den über Ihnen abgewickelten Zahlungsverkehr die Transaktionskosten zwischen Geschäftspartnern. Es ist halt günstiger 100€ zu überweisen, als von Köln nach Frankfurt zu fahren und das Geld persönlich abzugeben.
Desweiteren stellen die Banken die Bargeldversorgung der Bevölkerung sicher.
Darin besteht die Wertschöpfung der Banken für eine Volkswirtschaft.
Das was die Banken bei diesem Geschäft dabei verdienen macht zwar nur ein kleinen Teil des Bruttoinlandsproduktes einer Volkswirtschaft aus, aber dadurch, das die Banken über ihre Kredite und Anlagen mit fast jedem Wirtschaftssubjekt eine Geschäftsbeziehung halten, sorgt dafür dass eine Krise der Finanzindustrie die Volkswirtschaft deutlich stärker triftt, als eine Krise zum beispiel der Automobilindustrie. Kommen Banken in Liquiditätsschwierigkeiten, vergeben sie weniger Kredite,lösen Anlagen auf, der Zinssatz für Kredite steigt, die Aktienkurse gehen in den Keller. Dies kann zu Krisen in anderen Kapitalintensiven Branchen führen, Firmem bekommen keine Kredite für neue Investitionen, bekommen Kredite schneller gekündigt, können Kredite nicht mehr bezahlen, müssen Insolvenz anmelden usw. Dies führt schnell zu einer Rezzession.
Wer nun wie genau Schuld an dieser Finanzkrise hat, lässt sich schwer sagen, da sehr viele Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben(Verhalten der Bankhäuser, Notenbanken, Regierungen, Öffnung der internationalen Finanzmärkte, Hedgefonds usw.). Diese nun alle zu beleuchten würde hier aber aus dem Ufer laufen, und wird garantiert noch in den nächsten Jahren Teil verschiedener ausführlicher makroökonomischer Studien sein.
Was mich ein bisschen verwundert an dieser Bankenkriese ist das schlechte Risikomanagement der amerikanischen Banken.
Das sich eine angesehene Bankvorstände hinstellen und sagen sie hätten nicht verstanden was sie da gekauft hätten, glaube ich denen nicht, weil so kompliziert sind diese Produkte nicht. Deshalb finde ich es umso erstaunlicher in welch großem Umfang dort teilweise in gut verzinste Kreditportfolios investiert wurde.
Dabei lernt jeder Bankauszubildende schon im 1 Lehrjahr das Anlagedreieck kennen. Hohe Renditen, hohes Risiko, inliquide, niedrige Zinsen, weniger Risiko, liquider.
Ganz simpel, scheint man bloß nach der Jagd nach Renditen, und hohen Eigenkapitalverzinsungen (25% war ja in den letzten Jahren bei den Großbanken Standard) vergessen worden zu sein, wenn man zu gierig wird und nun mal eine Branche ist, wo die Eigenkapitalquote so bei 2-4% rumdümpelt, kommt man halt schneller in Zahlungsschwierigkeiten.
Schön ist es zu sehen das unser deutsches Bankensystem, mit der Dreigliederung in Großbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen bisher relativ stabil ist. Zwar gab es auch hier Milliarden Abschreibungen bei den Gropßbanken, und bei staatlichen Landesbanken, aber es hält sich in Grenzen und ist für die Branche noch verkraftbar.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]