Lesenswert : 'Man kann nicht mit dünner Luft Geld

Von: , Frage gestellt am Di, 16. Sep 2008

Hallo,
zu gerne wird (zB für Finanzplätze) das Wort "Finanzindustrie verwendet. Da frage ich mich, was diese Industrie an echter Wertschöpfung bringt ? Außer Geld von einer Tasche in die andere zu transferieren !
In dem Sinne uns aus aktuellem Anlass finde ich lesenswert : "Man kann nicht mit dünner Luft Geld verdienen"
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,578352,00.html
Gruß
Karl

3 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Lesenswert : 'Man kann nicht mit dünner Luft G

    Die Finanzindustrie ist einer der wichtigsten Antreiber einer Volkswirtschaft. Zu einem erhöhen sie durch die Giralgeldschöpfung die Geldmenge. Dies geschieht dadurch, dass die Geldeinlagen die sie erhalten direkt als Kredite an Privatpersonen weitergeben, oder das Geld halt besser verzinst anderweitig Anlegen, zum Beispiel in Anleihen, Aktien oder sonstige Wertpapieren.
    Durch diese Weitergabe schaffen die Banken zusätzliches Investitions und Konsumkapital, was für eine Volkswirtschaft postiv ist, da es die Wirtschaft vorantreibt.
    Außerdem senken die Banken durch den über Ihnen abgewickelten Zahlungsverkehr die Transaktionskosten zwischen Geschäftspartnern. Es ist halt günstiger 100€ zu überweisen, als von Köln nach Frankfurt zu fahren und das Geld persönlich abzugeben.
    Desweiteren stellen die Banken die Bargeldversorgung der Bevölkerung sicher.
    Darin besteht die Wertschöpfung der Banken für eine Volkswirtschaft.

    Das was die Banken bei diesem Geschäft dabei verdienen macht zwar nur ein kleinen Teil des Bruttoinlandsproduktes einer Volkswirtschaft aus, aber dadurch, das die Banken über ihre Kredite und Anlagen mit fast jedem Wirtschaftssubjekt eine Geschäftsbeziehung halten, sorgt dafür dass eine Krise der Finanzindustrie die Volkswirtschaft deutlich stärker triftt, als eine Krise zum beispiel der Automobilindustrie. Kommen Banken in Liquiditätsschwierigkeiten, vergeben sie weniger Kredite,lösen Anlagen auf, der Zinssatz für Kredite steigt, die Aktienkurse gehen in den Keller. Dies kann zu Krisen in anderen Kapitalintensiven Branchen führen, Firmem bekommen keine Kredite für neue Investitionen, bekommen Kredite schneller gekündigt, können Kredite nicht mehr bezahlen, müssen Insolvenz anmelden usw. Dies führt schnell zu einer Rezzession.

    Wer nun wie genau Schuld an dieser Finanzkrise hat, lässt sich schwer sagen, da sehr viele Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben(Verhalten der Bankhäuser, Notenbanken, Regierungen, Öffnung der internationalen Finanzmärkte, Hedgefonds usw.). Diese nun alle zu beleuchten würde hier aber aus dem Ufer laufen, und wird garantiert noch in den nächsten Jahren Teil verschiedener ausführlicher makroökonomischer Studien sein.

    Was mich ein bisschen verwundert an dieser Bankenkriese ist das schlechte Risikomanagement der amerikanischen Banken.
    Das sich eine angesehene Bankvorstände hinstellen und sagen sie hätten nicht verstanden was sie da gekauft hätten, glaube ich denen nicht, weil so kompliziert sind diese Produkte nicht. Deshalb finde ich es umso erstaunlicher in welch großem Umfang dort teilweise in gut verzinste Kreditportfolios investiert wurde.
    Dabei lernt jeder Bankauszubildende schon im 1 Lehrjahr das Anlagedreieck kennen. Hohe Renditen, hohes Risiko, inliquide, niedrige Zinsen, weniger Risiko, liquider.
    Ganz simpel, scheint man bloß nach der Jagd nach Renditen, und hohen Eigenkapitalverzinsungen (25% war ja in den letzten Jahren bei den Großbanken Standard) vergessen worden zu sein, wenn man zu gierig wird und nun mal eine Branche ist, wo die Eigenkapitalquote so bei 2-4% rumdümpelt, kommt man halt schneller in Zahlungsschwierigkeiten.

    Schön ist es zu sehen das unser deutsches Bankensystem, mit der Dreigliederung in Großbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen bisher relativ stabil ist. Zwar gab es auch hier Milliarden Abschreibungen bei den Gropßbanken, und bei staatlichen Landesbanken, aber es hält sich in Grenzen und ist für die Branche noch verkraftbar. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 4 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Lesenswert : 'Man kann nicht mit dünner Luft

      Hi Dabei lernt jeder Bankauszubildende schon im 1 Lehrjahr das
      Anlagedreieck kennen. Hohe Renditen, hohes Risiko, inliquide,
      niedrige Zinsen, weniger Risiko, liquider.
      Dummerweise hat dieser Auszubildende nichts zu sagen und in den höheren Positionen wird irgendwann die Gier so übermächtig, daß man sich daran verschluckt - so wie jetzt geschehen.

      Gruß
      Edith

    • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Lesenswert : 'Man kann nicht mit dünner Luft

      Was mich ein bisschen verwundert an dieser Bankenkriese ist
      das schlechte Risikomanagement der amerikanischen Banken.
      Das sich eine angesehene Bankvorstände hinstellen und sagen
      sie hätten nicht verstanden was sie da gekauft hätten, glaube
      ich denen nicht, weil so kompliziert sind diese Produkte
      nicht.
      Ach, Du kennst diese Produkte? Du weißt, in wie vielen Stufen die betreffenden Underlyings immer wieder und wieder gebündelt, tranchiert, verbrieft und weiterverkauft wurden? Du kennst die Strukturen, die als Zweckgesellschaften bezeichnet werden, aber teilweise „Wolken“ aus zig und hunderten einzelnen Gesellschaften sind? Ganz simpel, scheint man bloß nach der Jagd nach Renditen, und
      hohen Eigenkapitalverzinsungen (25% war ja in den letzten
      Jahren bei den Großbanken Standard) vergessen worden zu sein,
      Tja, und da lag ich ja mit meinen Überlegungen zum Thema EK-Verzinsung vor ein paar Jahren ja ganz richtig:
      http://www.wer-weiss-was.de/article/2906222

      Da war das Geschäftsmodell tatsächlich risikoreicher als angenommen. wenn man zu gierig wird und nun mal eine Branche ist, wo die
      Eigenkapitalquote so bei 2-4% rumdümpelt, kommt man halt
      schneller in Zahlungsschwierigkeiten.
      Was hat das Eigenkapital mit Zahlungsschwierigkeiten oder deren Ausbleiben zu tun? Schön ist es zu sehen das unser deutsches Bankensystem, mit
      der Dreigliederung in Großbanken, Genossenschaftsbanken und
      Sparkassen bisher relativ stabil ist. Zwar gab es auch hier
      Milliarden Abschreibungen bei den Gropßbanken, und bei
      staatlichen Landesbanken, aber es hält sich in Grenzen und ist
      für die Branche noch verkraftbar.
      Ich zähle bisher sechs Kreditinstitute in Deutschland, die im Zuge der Krise zusammengebrochen sind bzw. nur durch die Hilfe Dritter gerettet werden konnten: IKB, WestLB, SachsenLB, BayernLB, Düsseldorfer Hypothekenbank und Weserbank (wobei man bei letzterer über die Ursachen diskutieren könnte). Hinzu kommt die deutsche Tochter von Lehman Brothers, die formell eine deutsche Bank ist und darüber hinaus noch dem Einlagensicherungsfonds angeschlossen ist. Bei selbigem wird man vermutlich gerade mit dem Kassensturz begonnen haben.
      http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:L...

      Gruß
      C.

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