Unkosten für Erfinder

vom Finanzamt wurde mir neulich gesagt, als ich auf mehrjährige
Arbeit an einer Erfindung als Vorauskosten aufmerksam machte, die
ich steuerlich absetzen wollte, nein, allenfalls 2 Kugelschrei-
berminen können sie geltend machen (!).
Ich war wie vor den Kopf gestoßen, weil meine Arbeit derjenigen
entspricht, die qualifizierte Entwickler in Firmen leisten. Nur
im Unterschied, daß ich mein Problemthema frei wähle und nicht
weisungsgebunden bin, wie dies bei meinen Kollegen der Fall ist,
die dadurch über ein geregeltes Einkommen verfügen, aber durch
den Freiheitsverlust auch an Chancen verlieren, genau die Pro-
bleme anzupacken, die akut sind.
Kurz, die Kosten der innovativen Problemlösungen trägt der Freie Erfindern selber, ohne das seine Arbeitsleistung als Ausgabe
oder Investition steuerlich anerkannt wird.
Wie kann das angehn? Denn bei einem günstigen Lizenzverkauf ist
plötzlich die volle Steuerlast fällig, und allenfalls werden
2 Kugelschreiberminen als abzugsfähig anerkannt.
Wie kann man hier eine realistische Haltung hinsichtlich der
Leistungen von Freien Erfindern, die nützlich für alle wäre, herbeiführen?
Chris

Hallo Christian,

wenn Du einen Mitarbeiter mit einer Problemlösung beschäftigst, kannst Du dessen Gehalt für den hergestellten Gegenstand oder den entstandenen immateriellen Wert ansetzen. Das Gleiche gilt, wenn Du die Arbeit an eine externe Firma vergibst. Machst Du es selbst, ist für den Fiskus und auch für Deine Inventarliste ein Wert von genau Null entstanden. Du kannst also nur tatsächlich ausgegebenes Geld geltend machen (neben dem Material, aber das ist oft nicht der Rede wert).

Nimm es einfach als gegeben hin. Auf diese Weise entstehen manchmal gewaltige Werte, die nirgends auftauchen. In einem mir gut bekannten Fall hat jemand praktisch die gesamte Einrichtung seiner Firma eigenhändig gebaut, von Tischen über Vorrichtungen und Steuersoftware bis zu Spezialmaschinen, die man nirgends kaufen kann. Abgesehen von ein paar hundert Kilo Halbzeugen, die unter Materialeinkauf zu buchen sind, taucht nichts in den Büchern auf.

Es gibt noch geradezu perverse Konstellationen: Stell Dir vor, Du baust eine tolle Vorrichtung/Maschine für Deine eigene Firma. Tag und Nacht schuftest Du, bis das Prachtexemplar fertig ist. Das benötigte Material - und seien es nur ein paar Mark - lief selbstverständlich als Materialkosten durch die Bücher. Würdest Du die Maschine an einen Fremden verleihen, hätte der Fremde z. B. 1000 Euro pro Tag Leihgebühr zu zahlen.

Jetzt kommt eine Buchprüfung vom Finanzamt. Du trinkst Kaffee mit dem netten Herrn, sorgst für gute Atmosphäre und erzählst ganz stolz, daß Dir die selbstgebaute Maschine bei irgendeiner Gelegenheit auch privat gute Dienste leistete. Jetzt setzt der Prüfer seinen Kaffeebecher ab und fragt interessiert genauer nach. Und Du Plaudertasche erzählst ihm alles ganz arglos. Gute Atmosphäre hin oder her, jetzt folgt eine Situation, daß Du dem Prüfer am liebsten den Kragen umdrehen würdest (kleine Anmerkung: Diese Tat im Affekt kann billiger kommen als eine Steuerhinterziehung. Es ist also durchaus zu überlegen :smile:).

Der Grund für das abrupte Ende der guten Laune: Der Prüfer eröffnet Dir, daß Du einen geldwerten Vorteil aus der privaten Benutzung der Maschine gezogen hast. Du schlimmer Finger hast Dich also bereichert, ohne dafür Steuern zu bezahlen. Tja, und das ist der Moment, wo Du zuschlägst.

Hinter dem Ganzen steckt eine durchaus nachvollziehbare Logik im ansonsten idiotisch verkomplizierten Steuersystem.

Gruß
Wolfgang

PS: Bitte verwende das Wort Kosten. Bei „Unkosten“ kräuseln sich immer die Fußnägel.

Hallihallo

mach doch folgendes. melde das Gewerbe als Handel an. D.h. Wenn du Erfinder von elektronischen krimskram bist, machst du einfach einen Elektronikhandel auf. Schließlich willst du dein Produkt ja auch verkaufen. Und welche Produkte du kaufst/entwickelst, ist steuerrechtlich egal.

Was erfindest du denn so?

Gruß Marco

P.S. Es gibt keine Unkosten, es gibt höchstens Kosten :smile:

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…melde das Gewerbe als Handel an.

Hallo Marco,

die Gewerbeanmeldung sollte man sich gründlich überlegen. Der Erfinder kann durchaus als Freiberufler durchgehen. Damit ist es mit einem Handelsgewerbe aber vorbei.

Gruß
Wolfgang

Hallihallo

Ich habe das so verstanden, dass er Erfinder ist, und anschließend seine Produkte verkaufen will.

Gruß Marco

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Ich habe das so verstanden, dass er Erfinder ist, und
anschließend seine Produkte verkaufen will.

hi marco,

gewinnerzielungsabsicht wird hier auch geprüft und wie wolfgang anmerkt ist die gewerbeanmeldung käse. er verkauft doch die idee und macht nicht eine filialkette in deutschland auf, in der sein produkt verkauft werden soll…
im übrigen wird der „handel“ den du vorschlägst dann auch vom FA so angesetzt wie jetzt…

gruss vom

showbee

Hi Erfinderfreunde und Steuerbelastete,
danke für die Hinweise. Erfinder sind eben Leute, die Gegebenes
einfach nicht hinnehmen wollen und dann was erfinden!
Heute leben wird doch von den Erfindungen unserer Vorfahren. Otto
steht heute noch mit höchstrichterlichem Urteil als „…einer,der
mit dem Schein des Rechts, Unrecht übe…“, als höfliche aber
eindeutige Umschreibung des Betrugs, in den Akten. Dabei wollte
Otto nicht den Einzylindermotor als gegeben hinnehmen und erfand
den Vierzylinder, wie wir ihn prinzipielle heute noch unter der Haube haben.
Ich erfinde was Euch gefällt! Vom Turbinen-Windkraftwerk mit ge-
genläufigen Rotoren und hybriden Spaltflügeln über neue Radwege, auch Fahrradständer (die alten sind unter aller S…!) ja, auch Innovationen im Auftrag, bis zum Nippes.
Es wurmt mich natürlich, daß ich beim Erfinden zwar investiere
wie jede Konkurrenzfirma, aber bei Einnahmen davon nichts absetzen kann! Ist irgendwie nicht gerecht und stoppt den Elan +
Motivation + Lebensqualität usw., wenn bei Einnahmen nur die Fül-
llertinte abgesetzt werden kann.
Stoppt übrigens alles, was dadurch an den unterlassenen Erfin-
dungen dranhängt: Problemlösungen, Wertschöpfungen, zukunfts-
trächtige Arbeitsplätze usw.
Eh ich´s vergesse, zum neuen Windturbinenkraftwerk habe ich
noch die windschlüpfigen Messermasten mit UMTS-Antennen erfunden, die sich am Fuße drehen, damit der Wind geschnitten werden kann!
Naja, den neuen Supersport „AEROSURFEN“ mittels flugzeugartigem
Gleitboard habe ich auch erfunden. Die Amis sind voll Neid!Wolln
mich mit Airsurfing ausbooten! Dem Net sei Dank, wer zu erst malt
dem gehört das Bild. Wie kam ich drauf, ach Steuern! Alpträume
sind schöner!
Daß Erfinder auch Menschen sind, glaub ich, muß noch erfunden
werden, insbesondere im Hinblick, daß sie beim Erfinden investie-
ren, was beim Lizenzverkauf steuermindernd berücksichtigt werden
muß … ich da auch noch ran???
Gruß Chris

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