Steuerlogik

Bei vielen Anfragen hier und in den Brettern Jobs und Existenzgründung fällt mir immerwieder ein Phänomen auf:

  • Ich will mich selbständig machen.
  • Ich will nebenher Geld verdienen.
  • Ich will als Student nebenher Geld verdienen.

das erste und größte Problem bei diesen Leuten ist nicht Fachwissen oder Information über Kalkulation und Betriebswirtschaft, nein das Schreckgespenst was sie verfolgt ist: „Hilfe, ich muß dafür Steuern bezahlen“

Die Grundinformation, daß jede Gründung mit Kosten verbunden ist, die in den Anfangsjahren zur Steuerlosigkeit führt ist nicht vorhanden. sollte das Unternehmen tatsächlich so gut starten, daß es Steuren bezahlen muss, ist der Zeitpunkt über Gestaltungsmöglichkeiten nachzudenken immer noch früh genug.

Auf der anderen Seite wird nach Förderung und Unterstützung gesucht. Die einfache Frage, wo sie herkommen könnte, wenn doch niemand Steuern bezahlt ist außerhalb jeder logischen Vorstellungskraft. Und warum sollte der Steuerzahler/Staat denn jemanden fördern, der nicht Steuern bezahlen will?

Studenten haben Angst, daß sie durch ihren Nebenverdienst ihre Bafög-Ansprüche verlieren. Warum gehen sie nicht hin und kalkulieren ihre Vorhaben so, daß sie auf Bafög nicht mehr angewiesen sind? Etwa, weil dann niemand mehr, kalkulationsbedingt, sich diese Arbeit leisten kann, weil sie dann preislich nicht konkurrenzfähig sind? Und, siehe oben, was noch schlimmer ist, es könnte ja passieren, daß sie von ihrem Einkommen dann noch Steuern bezahlen müssen.

diese Einstellung: „Lieber garnicht nebenbei arbeiten, als Steuern zu bezahlen oder andere Einkommen aus Sozilakassen zu verlieren, bzw. gleich am besten trickreich schwarz arbeiten.“

Diese Einstellung ruiniert doch unser Wirtschaftssystem. Und da kann ich nur den Aufruf von Roman Herzog heranziehen: Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen. Hier muss einen Einstellungsänderung zu Stuern und Abgaben und auf der anderen Seite zur Alimentation durch den Staat erfolgen.

Nachsatz: ich will hier nicht die berechtigten Gestaltungsmöglichkeiten kritisieren und weiß auch, daß es vielfach um die Betrachtung von Grenzsituationen geht, möchte aber doch mal ne Grundsatzdiskussion lostreten.

gruss
winkel

Hi Winkel,

da wir ja schon mal deswegen hier im Brett zusammengerasselt sind (war doch nicht schlimm, oder?), auch eine Antwort von mir.

das erste und größte Problem bei diesen Leuten ist nicht
Fachwissen oder Information über Kalkulation und
Betriebswirtschaft, nein das Schreckgespenst was sie verfolgt
ist: „Hilfe, ich muß dafür Steuern bezahlen“

Weil eben die Fachkenntnis fehlt. Welche Vorauszahlungen werden fällig, nicht nur für den Betrieb, auch privat. Versicherungen, pah!, braucht man doch nicht. Eben immer der „kleine“ Irrtum bei Neugründungen. Nicht im Fall des Falles, da ist es eh zu spät, nein, aber genau diese „Nebenkosten“ werden falsch kalkuliert, so das die Steuern, die etwas später kommen, zur Last fallen. Und dann wird schon die Kasse knapp, die Existenz bedroht (die drei Heiligen: Finanzamt-Berufsgenossenschaft-Krankenkasse) :wink:

Die Grundinformation, daß jede Gründung mit Kosten verbunden
ist, die in den Anfangsjahren zur Steuerlosigkeit führt ist
nicht vorhanden. sollte das Unternehmen tatsächlich so gut
starten, daß es Steuren bezahlen muss, ist der Zeitpunkt über
Gestaltungsmöglichkeiten nachzudenken immer noch früh genug.

Genau.

Auf der anderen Seite wird nach Förderung und Unterstützung
gesucht. Die einfache Frage, wo sie herkommen könnte, wenn
doch niemand Steuern bezahlt ist außerhalb jeder logischen
Vorstellungskraft. Und warum sollte der Steuerzahler/Staat
denn jemanden fördern, der nicht Steuern bezahlen will?

Hat man Kapital, läßt sich was draus machen. Hat man keins, aber die Idee ist gut, dann kann es mit richtigen Partner klappen. Ist man auf sich allein gestellt, dann reicht die Idee nicht, jedenfalls nicht in Deutschland. Dann muß irgendwoher Geld ran, oder man läßt es. Es wird hierzulande jedem Willigen echt leicht gemacht, in die Selbstständigkeit zu starten. Wenn auch in recht bescheidenem Rahmen. Wenn diese Starthilfe aufgebraucht ist, so entscheidet das Konzept, ja, damit wars das dann meist.

Studenten haben Angst, daß sie durch ihren Nebenverdienst ihre
Bafög-Ansprüche verlieren. Warum gehen sie nicht hin und
kalkulieren ihre Vorhaben so, daß sie auf Bafög nicht mehr
angewiesen sind? Etwa, weil dann niemand mehr,
kalkulationsbedingt, sich diese Arbeit leisten kann, weil sie
dann preislich nicht konkurrenzfähig sind? Und, siehe oben,
was noch schlimmer ist, es könnte ja passieren, daß sie von
ihrem Einkommen dann noch Steuern bezahlen müssen.

Meine Meinung ist, ich bitte das nicht persönlich zu nehmen, das jeder Student sich doch mal erst mit Arbeit sein Brot verdienen soll. Das dies sehr schwer sein kann, ist klar. Viele studieren, zum Teil mit super Erfolg, aber dann Arbeit finden? Pustekuchen. Dann bleibt nur Arbeitsamt oder Selbstständigkeit. Insofern verständlich. Nebenverdienst zum Bafög ist ja ganz richtig, einmal wegen der Kohle, andererseits zum Sammeln von Erfahrungen. Wenn jedoch für wenige Euros der wahre Stundensatz ins Niveau eines Bettellohns fällt, eben durch Steuern, da ist was am System falsch.

diese Einstellung: „Lieber garnicht nebenbei arbeiten, als
Steuern zu bezahlen oder andere Einkommen aus Sozilakassen zu
verlieren, bzw. gleich am besten trickreich schwarz arbeiten.“

Diese Einstellung ruiniert doch unser Wirtschaftssystem. Und
da kann ich nur den Aufruf von Roman Herzog heranziehen: Es
muss ein Ruck durch Deutschland gehen. Hier muss einen
Einstellungsänderung zu Stuern und Abgaben und auf der anderen
Seite zur Alimentation durch den Staat erfolgen.

Volle Zustimmung. Mit Einschränkungen allerdings. Warum haben größere Unternehmen mehr Möglichkeiten Steuern zu sparen als kleine oder mittelgroße Firmen? Ok, wegen der Größe eben und den daraus im Steuerrecht verankerten Möglichkeiten. Der Kleinunternehmer hat zwar keinen großen Aufwand, kratzt aber an jedem Euro noch die Cents ab, egal wie gut es dem Unternehmen geht, es ist eben so.

Es ist jedoch immer die Relation zu beachten. Die einen rechnen nur mit Millionen, der andere mit wenigen Euro. Unterschiedlicher kann der Spielraum kaum sein. Unterschiedlicher aber auch nicht die Besteuerung und die verbleibenden Möglichkeiten.

Nachsatz: ich will hier nicht die berechtigten
Gestaltungsmöglichkeiten kritisieren und weiß auch, daß es
vielfach um die Betrachtung von Grenzsituationen geht, möchte
aber doch mal ne Grundsatzdiskussion lostreten.

Wollte nicht eine Regierung hierzulande das Steuerrecht entschlacken? Gehört aber hier und jetzt nicht zum Thema.

Gruß
André

Steuergerechtigkeit u Erhebungsgerechtigkeit
Hi,

mit deiner Kritik hast du sicher Recht.

, möchte

aber doch mal ne Grundsatzdiskussion lostreten.

Na, groß war die Resonanz hierzu aber nicht.

Ein grundsätzliches Problem ist die Steuergerechtigkeit und die Erhebungsgerechtigkeit.
Dazu ist mir folgender Link heute untergekommen:
http://www.rh.bwl.de

Dort. auf Veröffentlichungen, dann „aktuelle beratende Äußerungen“
vom 18.3.2002: Organisation und Arbeitsweise der Veranlagungsstellen bei den Finanzämter

Sicher eine interessante Lektüre für jeden Steuerzahler.

Viele Grüße
Cirwalda
.